Skip to content

Besuch eines Preußler-Protagonisten

16. Mai 2013

Letzte Nacht, es muss kurz nach Geisterstunde gewesen sein, stand plötzlich ein kurzes Gespenst in der Schlafkammer. Fahles Licht aus einem anderen Zimmer im Rücken, nur Umrisse waren zu erkennen. Das Hemdchen reichte fast bis zum Boden, die Härchen halblang und zerzaust. – Ich habe mich echt erschrocken.

Aber dann probierte ich es mit Totstellen. Funktionierte auch super, denn mein Mann hob seine Bettdecke an und sagte zu dem Ding: „Komm her, kuschel dich zu mir.“

Ich – weiterhin nicht da. Das sah das Ding wohl auch so und trampelte mir voll in die Rippen. Kaum war es da runter, zog so ein Hirni an meinem Kissen. Habe ich leise geknurrt, woraufhin von meinem Kissen abgelassen wurde.

Als die das neben mir endlich sortiert gekriegt hatten, beugte sich mein Mann zu mir: „Da drüben brennt noch Licht.“
Stimmt, sagte ich und drehte mich auf die andere Seite.

Mein Mann sank zurück in sein Kissen und begann augenblicklich ruhig und gleichmäßig zu atmen.

So, und dann ging das erst richtig los! Ich wollte gerade wieder einschlafen, rammt ein kleiner Fuß meinen Rücken. Ich sofort hellwach! Doch wer jetzt meint, das Fußding wurde zurückgezogen – von wegen! Ein zweites kleines Hammelbein bohrt sich unter meine Schulter.

Ich nehme also das Durcheinander und schiebe es dem Vater unter die Bettdecke. Immerhin war es dessen blöde Idee, das Gespenst ohne weitere Fragen ins Bett zu lassen. Ziehe mir die Decke erneut über die Ohren – RUMPS!

So geht das ein paar Mal. Immer energischer schiebe ich das Gebein unter des Vaters Decke. Und immer geschwinder finden die Beinchen zu mir zurück.

Gegen zwei Uhr langt es mir. Ich nehme das kleine Gespenst behutsam auf (man will ja nichts wegbrechen) und lege es schön bequem in meinem Bett zurecht. Da seufzt es zufrieden und ein Ärmchen schmiegt sich um meinen Hals.

Ich zog dann ein Zimmer weiter in ein freies Bett mit rosa Hello-Kitty-Bettwäsche. Auch das Licht löschte ich. Mein letzter Gedanke gegen 3 Uhr 15 galt dem Vater: Hoffentlich pennt der mindestens genauso schlecht wie ich!

Am Morgen fragte ich ihn:  „Und, hast du gut geschlafen?“
„Selten so gut.“

IMG_5679

Advertisements

From → Aus dem Clan

51 Kommentare
  1. Er weiß von nix. :-) Schrieb ich ja auch.

  2. Hahaha :) … ich kann ohne Füße im Rücken gar nicht schlafen, aber unser Bett ist zugegebener Maßen auch breit genug für 4 mit seinen 2.70m ;)

  3. Ich hab immer nur Pfötchen auf den Füßen ;) Schön warm im Winter …gefährlich im Sommer, wenn es nur der Bettbezug über den Füßen und das Gespenst in Spiellaune ist.
    Meine Gespenster sehen auch anders aus … ;) Manchmal machen sie sogar Geräusche – klingt wie ein sehr wohliges Brummen.

    • Und treten die auch?
      Versuchst die im Sommer nicht auszuquartieren? :-)

      • Wohnungskatzen, is nix mit ausquartieren. Mein Kater, (mein „8000er“ – 8400 Gramm) spielt immer Bergziege und springt vom Boden hoch auf meine Hüfte, wenn ich auf der Seite liege. Er tritt also nicht nur … Aber er nervt mich selten NACHTS.

      • Hahahahahahahhahahaha… :-D
        Dir brauch ich also nix vorjammern, dir gehts schlechter! :-D

      • Naja, war ne gute Entschuldigung für das Extra-Polster auf den Hüften :D

      • :-D
        Mein Gespenst hat mir gleich auf dem Knochen gestanden. :-D

      • Autsch – ich hab nur ganz liebe Gespenster, die wissen, wie weit sie gehen können – meist.

  4. Der Gedanke mit der Auswanderung in das Kinderbett kam mir gleich und sofort. – Und dann fiel mir der Witz vom Pfarrer und seiner Haushälterin und dem Bügelbrett ein: Dann hättest du einen Schutz gegen Tritte ins Kreuz. – Oder du übernimmst die M-Fraktion von den S/M-Leuten!

    • Das mit dem Bügelbrett: d’accord! :-D
      Aber das mit S/M hab ich nicht verstanden… :-D

      • Das bezieht sich auf den einen Satz in einem Kommentar: „Ich kann ohne Füße im Rücken gar nicht schlafen“ – und wärest du ein wenig „masochistischer“ veranlagt, könntest du ohne das hier von dir beschriebene gar nicht schlafen: “ … rammt ein kleiner Fuß meinen Rücken. Ich sofort hellwach! Doch wer jetzt meint, das Fußding wurde wieder eingezogen – von wegen! Ein zweites kleines Hammelbein bohrt sich unter meine Schulter.“ Also: üben, üben, üben! :-)

      • :-D Clara! :-D :-D

  5. Oh, solche Gespenster gibt es bei uns gar nicht (mehr). Schade irgendwie! Heute gehe ich vor der Geisterstunde in mein Bett. Die Geister schweben irgendwann später unter ihre eigenen Decken. :-) Irgendwie verdreht, das alles!

  6. Gespenstchen & Bericht klingen allerliebst :-)

  7. Im Moment haben wir auch wieder so ein Gespenst… ich schlafe da meistens auch gut ;)

  8. christophkrelle permalink

    Tolle Story – stark geschrieben!

  9. hahaha- ich erinnere mich : Bett: 2m breit : Platz für Mann: 20 cm- Platz für mich: 15 cm- dazwischen genüsslich quer liegend und alle viere von sich streckend, mit 2 Decken mulmig zugedeckt: unser Nachtgespenst :)

  10. einemuellerin permalink

    Oh ja, diese Gespenster kenn‘ ich. Und wenn eins von rechts und ein von links zutritt (wie hier die letzten 5 Nächte) werden die Augenringe von Tag zu Tag größer…

    • Beileid! :-D
      Da war auch kein Bett frei, die sind kleiner, eure Müllergespenster? :-)

      • einemuellerin permalink

        Ja, die sind beide kleiner. Ins Bett des großen Gespensts passe ich zwar rein, das Kleine wird aber noch gestillt. Umziehen= unpraktikabel.

  11. hach — ich kenne sie ja erst kurz, aber ich liebe sie jetzt schon, diese gutenachtgeschichten;
    meine gespenster sind auch wuscheliger (und leichter) und haben einen motor (manchmal an, aber wenn sie richtig schlafen geht der auch aus) dafür schalchten sie auch schon mal ne maus im schlafzimmer oder man wird wach weil man nach etlichen minuten im halbschlaf endlich registriert „so viele knochen hat keine maus :shock:“ und dann war’s ein feldhäschen das dran glauben mußte (2 tage katzenfutter gespart ;-)

    • Ich lieg am Boden! :-D
      Hasen bringen die auch?
      Das ist Liebe! :-)
      … kannste die Häschen nicht auch kochen? Also, wenn sie schon mal da sind…. :-)

      • könnte man vielleicht aber wer weiß was die ggf. hatten daß sie sich fangen ließen … beim ersten mal war tarzan 6 und ich kam aus der wanne nackisch durchs treppenhaus und wurde vom schlag getroffen und hab geschimpft und ihn zurück in den keller geschickt wobei er mit dem vieh quer im maul kaum noch durch die katzenklappe paßte ;-) nach 3 tagen hab ich mal gaaaaanz vorsichtig die nachbarin gefragt ob ihr was fehlt im kanninchenstall aber sie meinte dann wär wohl bestimmt ein kleines feldhäschen gewesen. beim 2.mal (das im schlafzimmer) war tarzan 12. und ich hab dann gewartet ob er den takt beibehalten würde und mit 18 wieder eins anschleppt aber leider ist er mit siebzehneinhalb gestorben.

      • Bis auf den letzten Satz hätt‘ ich mich kugeln können! :-D
        Schade, dass er nicht mehr ist!
        (Gut für Hasen zwar, aber da findet sich schon wer anders, der den Fälligen verspeist…)

  12. Huhu! Ich hab dich nominiert für den Best Blog Award! genauere Infos hier http://greenvegadine.wordpress.com/2013/05/18/best-blog-award-rotwerd/ Lg :)

  13. Toll! … und man hat immer ein schlechtes Gewissen, wenn man lacht.

  14. Warum sollte es anderen mit kleinen Kindern auch besser gehen? ;)

    • Aber irgendwann, dann wenn uns bereits ein wackelndes Blatt weckte, da kommen die Kleinen nicht mehr. Dafür wird dann vielleicht nebenan geschnarcht… :-)

  15. Ha, so ein Gespenst habe ich auch, nur stellt sich normalerweise der Liebste tot! Der hat da sozusagen eine Dauerkarte im Totstellen, meine Gespenster kommen IMMER automatisch zu mir!

    Eben reingestolpert, nett hier!
    Liebe Grüsse
    Nathalie

    • Hi Nathalie, willkommen! :-)
      Bei uns ist’s sonst auch anders herum. Aber so schlecht ist das nicht, erst nicht zu reagieren. Zeit zum Wachwerden. Habe ich jetzt festgestellt. Mache ich wieder! ;-)

  16. Unser haariges Gespenst kotzt gerne nachts auf den Flur direkt vor der Toalette. Und das mittlere Gespenst kommt nicht etwa ins Bett. Nein, das hat sich was besonders feines überlegt: es verlangt, sich vor seinem eigenen Schlafgemach auf den Fußboden zu legen. Das kleine Gespenst wurde wieder wie das große dazu erzogen, im elterlichen Bett zu treten. Immerhin liegt man weich…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: