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Müller, Meier, Schulze, Schmidt – machen allen Blödsinn mit

5. Juni 2013

Samstag in der Früh verlangte mein Mann nach einem Lumpen und wedelte damit über seinen Drahtesel. Nebel. Und dann: Oha, das Rad ist schwarz! Natürlich putzte mein Mann nicht einfach so; er wollte ausradeln.

Auf der Straße war es morgenstill: nur Vögel, die Sonne und wir. Wir waren noch nicht weit gekommen – rot verklinkertes Reiheneckhaus – wienerte der Erste seinen Wagen. Vor der Garage, inmitten seines blühenden Vorgartens. Ging uns nix an, darf er ja. 500 Meter weiter wurde es aber interessant! Wieder Reihenhaus, diesmal Mittelhaus, weiß verklinkert und breiter aufgesetzt. Mein Mann sagte: „Wow!“
Ich fragte: „Was?“
Er nickte zur Tiefgarage. Ich guckte. Die Abfahrt blendete. Eine rechtschaffene Hausfrau mit Eimer und Schrubber und Schweißflecken unter den Achseln – Sie feudelte die Garage!!
Ich konnte nicht anders, mir entfuhr ebenfalls ein: „Wow!“
„Schade“, mein Mann feixte. „In unserer Garage passiert so was nicht.“

Eine Stunde später, auf dem Rückweg, ist vor dem rot verklinkerten Reihenhaus immer noch Betrieb. Der Wagen funkelt – jetzt putzt der Mann die Garagenfenster.
Da habe ich gleich zweimal hingeguckt!
Ich sagte zu meinem Mann: „Schade, in unserer Garage passiert so was nicht.“
„Möchtest du, dass ich das Garagenfenster putze?“
Also, wenn er schon so fragt …
„Gut“, sagte er, „aber nur, wenn du dafür den Boden wischst!“

Fenster hat mein Mann in seinem Leben noch keine geputzt. Soviel steht fest! Diese Vereinbarung war also nicht koscher, da konnte ich gut einschlagen.

Daheim hatte ich unsere Abmachung fast wieder vergessen (immerhin liegt ein steiler Berg zwischen den Rot-Verklinkerten und unserer Hütte), sagte mein Mann: „Lass uns jetzt Ortsbegehung machen!“
Er schellte an der Haustüre: „Pubi nehmen wir mit.“

Wenn er das so wollte …

Der Pubertikel kam die Treppen herunter gestürmt.

„Komm mal mit in die Garage“, sagte mein Mann.

Pubi hörte auf zu grinsen.

Das Tor fährt hoch, mein Mann bekräftigt noch mal: „Du: Boden – ich: Fenster.

Ich, Hände in den Taschen, nicke. Tor ist offen und ich baff: „Kein Fenster?“

Keiner sagt was.
Pubi druckst: „Dat Fenster, äh … dat is … rausgefallen is dat.“

„Das seh ich. – Von alleine?“

„Ja, einfach so.“

„Und woher weißt du das?“

„Ich bin da durch. Ich hab den Aufmacher nicht gefunden.“

„Wieso fällt dabei das Fenster raus, du bist doch schon zig Mal eingestiegen?“

„Bin mit dem Schläger hängen geblieben.“

„Versteh ich nicht. Wofür braucht man einen Schläger, wenn man sein Rad holt?“

„Das scheiß Loch ist viel zu klein!“ echauffierte sich da mein Pubertikel. „Ich musste zum Tennis. Spät war’s. Und dann passte der Rucksack nicht durch. Hab ich bissel gezogen. Ganz leicht nur!“

Hätte er den großen Tennisrucksack vor der Türe stehen gelassen, hätte den flugs einer weggeklaut. Das liest man ja öfter.

Mein Pubertikel griente: „Aber ich war pünktlich! Kannste anrufen.“

Na, ein Gutes hat’s: Wenn mein Mann kein Fenster putzt, putz‘ ich erst recht keinen Boden!

IMG_5370

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From → Aus dem Clan

30 Kommentare
  1. Na bei dieser Gelegenheit kann man ja gleich ein größeres Fenster einsetzen 🙂 – dann hätte es Pubi leichter, und für die Motorik der Männer (beim Putzen) sind größere Flächen doch auch geeigneter 🙂

  2. eine Nachbarin staubt übrigens morgens um 6 ihren Briefkasten ab 🙂
    so etwas passiert bei uns nicht !

  3. Das hat sich endlich mal wieder (nicht auf dich heir bezogen, damit es keine Missverständnisse gibt!!!) schön gelesen – besonders die Überschrift ist so eingängig, wie ein Kinderreim.

  4. Schön. Ein Kind im Pünktlichkeitswahn. Aus dem wird noch was, aus dem…ähhh… Pubi…;-)

  5. bayernpauline permalink

    Ja, wunderbar, hat Dein Mann noch einmal Glück gehabt! In meiner Witwenstraße kannst Du solche „Ordnungs- und Sauberkeits-Fanatiker und -innen“ jeden Tag beobachten! GLG von der Pauline :-D♥

    • 😀
      Putzfimmel – schnall ich ab! 😀

      • bayernpauline permalink

        Oh, hier wird der einzige Grashalm, der dem Rasenmäher noch entwischt ist, entweder mit dem Rasenkantenschneider 400 Mal auf der Stelle bearbeitet oder mit der Nagelschere abgeschnitten! Und das ist wirklich nicht übertrieben (außer die 400 Mal, könnten auch nur 200 Mal sein). GLG Pauline 😉

      • Ich gehe auch mit der Papierschere raus – weil ich für Meersau Eddy Wiese hole. Der Nachbar wusste nichts vom Viech und stellte sich letztens fassungslos an den Zaun! 😀

      • bayernpauline permalink

        Hihi, das ist zu gut! ;-)♥

      • Würde aber auch nicht passen: wilder Garten vs. englischer Rasen 😀

  6. Es ist schon auch beruhigend, dass sich auch in anderen Familien solch Seifenopern-taugliche Stories abspielen 😉

  7. Bei Euch in der Gegend herrscht eindeutig das Kehr-Wochen-Syndrom … Ich putz nicht mal die Wohnungsfenster – wann denn? Wo es doch fast ständig regnete .. JETZT, wo Sonne scheint, muss ich dafür lang arbeiten.

  8. Hahahaaa, herrlich! Ich quäle mich derzeit nach Monaten durch die Fenster im Haus. Äh, also putzmäßig … ansonsten bin ich eine ziemlich faule Hausfrau geworden … verweigere mich dem Putzfimmel. Kellerfenster und Dachbodenfenster werden nie geputzt. Schäm. Die Männer? Ha! Die wissen nicht mal, wo die Putzeimer stehen. Den Staubsauger benutzen sie nur für ihre Autos innen … 😉

  9. einemuellerin permalink

    Wenn die Kinder irgendwann aus dem Haus sind, ist mir soooooooooo langweilig, dass ich bestimmt auch die Garage feudel. Gerade beim Spazierengehen sah ich einen älteren Herrn mit Wassereimer aufs Garagendach steigen. Jetzt weiß ich was er dort wollte: sauber machen!

  10. setz doch einfach wieder ein neues (kleines) fenster ein und laß dann immer den schlüssel in der haustier stecken, braucht der pubi nicht mehr einzusteigen, und ist so plump da geht sonst keiner durch 😉

  11. krass… also beide Aspekte der Geschichte, dass andere Garagen wischen *seltsamdreinguck* und das fehlende Fenster kann sich auch „sehen“ lassen…

  12. Würde ich auch nicht machen!

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