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Nachtgäste in neuen Schuhen

23. Mai 2017

Von Freitag auf Samstag sind wir immer einer mehr, weil einer von Pubis Kumpeln bei uns übernachtet. Nach einer harten Schulwoche benötigen die Kerle eine lange Nacht zur Entspannung. Sagen sie. Sie zocken dann. Der Kumpel wohnt in der Stadt und die letzte Bahn vom Waldrand fährt gegen elf.

Gepäck bringt der Kumpel keines mit. Schlafanzug, Zahnbürschtel, so was braucht die Jugend nicht. Zumindest nicht die, die mit meinem Pubi verkehrt.

Letzte Woche wurde es Geflügel zu blöd, dass der Bruder jedes Wochenende so tut, als sei das Schwesterchen durchsichtig. „Wieso darf der immer Schlafgast haben? Ich will das auch!“
Just in dem Moment entdeckte ich eine Fliege in meiner Kaffeetasse. Vielleicht war es auch eine Spinne. Weil ich nicht dergleichen tat, antwortete mein Mann: „Als dein Bruder so alt war wie du, durfte hier auch keiner schlafen.“
„Da haben wir auch noch woanders gewohnt!“, entrüstet sich Geflügel. Es war ja eh schon missmutig.
Während ich beschloss, es sei an der Zeit, das Frühstücksgelage abzubrechen und der Spülmaschine was zu tun zu verschaffen, rutschte mir unter Tellergeklappere heraus: „Da gab’s dich noch nicht mal.“
Was danach kam, war wie immer: Hören Kinder gemeinhin nicht zu, schaltete mein Geflügelengel umgehend die Sirene ein.
Mein Mann knurrte mich an und ich war genötigt, für Ruhe zu sorgen: „Schatz, es ist so …“ Ich kann ihr ja schlecht sagen, dass mir das Geplärr, wenn einer schlecht träumt, das bescheuerte frühe Aufstehen und vor allem das Geschrei und Gerenne vor dem ersten Kaffee auf den Sack geht. Das Wochenende ist zum Erholen da, nach einer Nacht mit einem Geflügelschlafgast brauchen mein Mann und ich zwei Tage Urlaub.
Wobei: Warum soll ich das eigentlich nicht sagen? Man soll ja nicht lügen … Letzten Endes scheute ich aber den Disput und sagte zu Geflügel: „Komm, wir gehen einkaufen!“
Das Kleine jubelte. „Krieg ich einen Glubschi?“, quiekte es.
„Nicht schon wieder so ein Glotzvieh!“ Pubi fegte durch die Küche und wirbelte zwei Chipstüten und eine Colaflasche auf.
„Hallo!“, knurrte mein Mann. „Andere mögen auch Chips!“
„Beschwer dich bei deiner Frau, die soll mehr einkaufen!“

Mein Mann wollte der Windhose hinterher, doch ich flüsterte: „Die besten Sorten habe ich eh versteckt.“

Wie es danach zu Hause weiterging, weiß ich nicht. Als ich mit meinem Gefieder am frühen Abend zurückkam, war der Gast längst weg. Die Woche fing wieder an; Lichtjahre bis zum nächsten Wochenende. Auf halber Strecke sagte Pubi – immerhin rechtzeitig, bevor Geflügels Bedürfnis nach einem eigenen Schlafgenossen übermächtig wurde: „Morgen schlaf ich mal bei David!“
Mein Mann stutzte. „Wie kommt’s?“, fragte er.
„In der Stadt ist viel mehr los!“
Mir sollte das recht sein, könnte ich mich nachts daheim frei bewegen. Wochenenden hat der Herrgott immerhin nicht nur für Rotzlöffel geschaffen.
„Ich geh aber nur“, trübte Pubi meine Freude flugs, „wenn du mir vorher neue Schuhe kaufst!“
Wusste ich es doch: Die Sache hatte einen Haken.
„Mir auch!“, krähte Geflügel sofort. „Wenn du mir neue Schuhe kaufst, schlaf ich auch daheim!“
„Gut“, wieherte Pubi, „dann kriegst du keine. Haben die Alten mal sturmfrei.“
Geflügel plusterte sich auf: „Soll ich etwa in Hausschuhen Roller fahren?“
„Soweit ich das beurteilen kann“
, Pubi bog eine von Geflügels nackten Zehen um, bis es quiekte, „hast du nicht mal Hausschuhe.“
„Weil die Mama mir keine kauft!“
, schimpfte Geflügel und biss den Bruder in den Finger.
„Weil du sie immer im Schrank versteckst“, stellte ich richtig.
„Könnt ihr das nicht besprechen, wenn ich meine neuen Schuhe hab?“, knurrte Pubi. „Ich hab heute noch was anderes vor!“
Da mein Mann irgendwie genervt über seinen Brillenrand schaute, gab ich klein bei. Ich zückte den Autoschlüssel und Geflügel jubelte. Es hüpfte so ausgelassen auf einem Bein, dass der Schrank mit den Gläsern ebenfalls frohlockte und das Gescherbel lustig schepperte.
„Brauchst dich gar nicht so freuen“, raunzte Pubi das Schwesterchen an, „Kriegst sowieso keine Schuhe.“
Noch ehe mein Flatter die Sirene einschalten konnte, fauchte ich Pubi an: „Wenn du jetzt nicht den Rand hältst, kriegst du auch keine!“

Im Laden gefielen meinem Pubi natürlich die teuersten Treter, die die überhaupt hatten, am besten. Was sollte ich machen, mir gefielen sie auch. Geflügel bekam statt Schuhen ein kleines Pferd, so waren alle zufrieden. Pubi verabschiedete sich noch im Laden und machte sich frisch besohlt auf den Weg über den kochenden Asphalt zur Stadt. Wir Frauen fuhren fröhlich schwitzend nach Hause. Mein Mann hatte den Grill angefeuert und nachdem wir gerade fertig gegessen hatten, krachte ein Gewitter los.
Wir waren mit der Nacht zu dritt soweit zufrieden, es war nur verdammt heiß, weil wir wegen des Regens die ganze Nacht kein Fenster öffnen konnten.
Am nächsten Morgen kam Pubi heim. Er stellte seine neuen Schuhe halbordentlich in den Flur und als er zu uns in die Küche kam, platschte es so merkwürdig. Es hörte sich an, als wenn einer auf Taucherflossen durchs Zimmer lief. Ich schaute genauer hin: Der Jungs hinterließ Pfützen auf dem Parkett! Seine Socken waberten bei jedem Schritt sacknass mit.
„Bürschlein“, meckerte ich, „was sind deine Füße denn so nass??“
„Ich verstehe das auch nicht …“
Mein Youngster war sichtlich verwirrt. „Aus was für Material sind meine neuen Schuhe eigentlich?“
„Das ist doch unwichtig“
, knurrte ich. „Wieso es hier so nass ist, will ich wissen!“
„Wir sind gestern in den Regen gekommen“
, beschwerte sich mein Pubi. „Ich hab die Schuhe schon die ganze Nacht auf die Heizung gestellt. Das hat überhaupt nichts gebracht!“

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From → Aus dem Clan

22 Kommentare
  1. Du hast ihm nicht aus Versehen kleine defekte Schlauchbötchen gekauft??? :lol:
    Amüsierte Grüße
    Anna-Lena

  2. Hach- danke für die amüsante Story 😚

  3. Hey, ich hab’s!
    Meine Finger waren so schnell – Zack, alles versehentlich in Spam gesteckt! :-D
    So, korrigiert und bereinigt. :-)

  4. Wenn ich deine Storys immer so lese, weiß ich, dass es besser ist, für Kinder jung zu sein. Ich hätte keine Nerven mehr dafür – denke ich jedenfalls.
    Waren die teuren Schuhe etwa ein Misskauf???????? :-)

    • In der Tat ein Misskauf, das hast du sehr gut herausvermutet!
      Habe ich gestern in den Müll verlagern müssen.
      Gut, man darf auch nicht verschweigen, dass das Pubi-Kind mit den teuren Schuhen BMX fuhr …
      Wäre noch nicht schlimm, würde er nicht auch damit bremsen …
      Na, ich muss dir nichts erzählen, du weißt Bescheid ;-)

  5. und ich werd angemeckert weil ich nen irren hund hab die macht was sie will
    aaaaabääär die is ja pflegeleicht
    gegen die beiden ^^
    gruß ronny

  6. lass es lieber sein
    da krichste ärger mittn jugendschutz
    die lütten darfste höchstens mit
    pokkemontuuugoooeier bewerfen ^^
    :D :D :D
    gruß ronny

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