Skip to content

Wohin mit dem Spermium?

5. Juli 2017

Es war wieder so weit: Wegen der letzten Regentage war meine Hütte durchgekühlt und es zog mir frisch die Beine herauf. Ab Eisbein bis Kniehöhe wurde mir klar: Ich musste etwas ändern!
Ich hätte die Heizung anschmeißen können – oder etwas backen.

Weil ich aber in den letzten Tagen vom Kinderfernsehen vermehrt das schlechte Gewissen wegen meines CO2-Fußabdruckes eingetrichtert bekommen habe, traute ich mich nicht, Energie zu verschwenden.
Nichtsdestotrotz fror ich – warme Gedanken allein reichte nicht aus.

Da erinnerte ich mich meines letzten Ausflugs zum Mülheimer Bürgeramt. Dort war es schön warm und für Unterhaltung war auch gesorgt.
Ich packte mir also geschwind ein Frühstück zusammen: ein Butterbrot mit Schinken (Verzeihung, aber ich will es mit der nachhaltigen Lebensweise nicht gleich übertreiben!) und ein paar Scheiben Melone. Auch eine Flasche Wasser vergaß ich nicht.
Dann schwang ich mich aufs Rad und sauste in die Stadt.
(Sie sehen, ich mache durchaus ernst!)

Unauffällig drückte ich mich im Bürgeramt am Empfang vorbei und huschte in die Kinderecke. Dort saßen schon zwei Konvertitinnen mit ihren insgesamt vielen Kindern.
Die eine brüllte zur Begrüßung auch gleich los: „Wer von euch Rotzlöffeln hat mir denn hier die angelullte Brezel in die Tasche gesteckt??“
„Das ist die vom Dschäiden.“
„Dich habe ich nicht gefragt, Schantall!“
Weitere Kinder mischten sich ein, ich verlor aber den Überblick, weil die Namen der jüngeren Kinder fremdländisch klangen.
Wo die nun einmal alle vom Essen redeten, verspürte ich plötzlich auch Hunger. Ich packte meine Brotzeit aus und setze mich dazu. In Gesellschaft isst es sich besser.
Das Brot schmeckte, anschließend zog ich meine Vitaminbeilage hervor.
Wie ich die so aus ihrer Klarsichtfolie schälte, guckte mich plötzlich ein einzelnes verirrtes Spermium an!
Erst war ich mal erschrocken!
Ein Melonenspermling!
Wo kam der denn her?
Was wollte der hier?
Aber noch viel wichtiger: Was machte ich jetzt mit ihm?
Ängstlich guckte mich der Kleine an.
„Keine Sorge, ich esse dich nicht …“, beruhigte ich ihn und steckte ihn vorsichtig in sein Melonenstück zurück. Ich wollte ihm ja nicht versehentlich den Schwanz abbeißen.
Sofort kuschelte er sich unauffällig in eines der Obstlöcher.
Der Appetit war mir allerdings vergangen, ich trug ja jetzt Verantwortung!
Da ich auch nicht mehr fror und relativ ausgewogen gegessen hatte, machte ich mich auf den Heimweg – beim Radfahren kann ich außerdem prima nachdenken.
Schwitzend, weil ich muss fast die ganze Zeit bergauf strampeln, kam ich daheim an.
Jetzt sitze ich hier mit dem Sperma am Laptop und überlege, wie ich ihn weiterzüchten soll.
Pflanze ich ihn raus … oder kaufe ich ihm lieber noch eine Melone?
Können Sie mir da helfen?

Advertisements

From → Kolumnen

44 Kommentare
  1. Liebe Anke!
    Eine berechtigte Frage. Die Melonenzüchtung steckt bekanntlich noch in den Kinderschuhen. Kaum ist etwas über die Lebensweise der kugelrunden äh Kugeln bekannt. Spontan würde ich dem kleinen Wurm einen Blumentopf inklusive Erddecke als Behausung kaufen.
    Es interessiert mich sehr, wie die Forschungen weiter verlaufen. Hiermit abonniere ich den täglichen Melonen-Newsletter. Vielen Dank! :)
    Herzliche Grüße
    Mallybeau

    • Guten Abend Mally-Melonenfreundin,
      ja, ich halte euch auf dem Laufenden, wie es ihm geht. Im Moment hängt er schlapp in seiner Melone. War ihm bestimmt zu viel Aufregung. Ruhe, Rhythmus, Rituale, ich bin guter Hoffnung! :-)

      • Huch!
        Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem kleinen Spermling und der guten Hoffnung?
        ;-)

      • Aber sicher doch!
        Ich bin voll im Stress mit dem!
        Mann, wenn ich den durch kriege …! <3

  2. Unbedingt einpflanzen und natürlich beobachten! Vielleicht entwickelst du gerade Riesenfortschritte in der nachhaltigen Züchtung und musst dich nicht mit Bücherschreiben herumquälen…

  3. ach ja … diese frage … wenn auch in der MEHRZAHL … stellten sich unzählige generationen pubertierender helden …

  4. Ich wollte eben aus Versehen rot werden, ich dachte an eine pornöse Story- aber es ist ja nur ein süßer Keimling dein Spermium! Lass ihn in Muttererde wachsen…den Spermium-er schafft das!

  5. „Können Sie mir da helfen?“ Forstwirtschaft ist nicht mein Metier.

  6. also mich würde das auch brennend interessieren, ob es dieser kleine kerl ernst meint.
    das glück hatten wir noch nicht, in einer melone derart lebensfreudiges zu finden. ansonsten wird von meinem meister einfach alles hochgezüchtet was ihm keimfreudiges in die finger kommt. von ananas über mongo bis neuerlich mispeln. wenn ich ihm da von deiner melone berichten könnte … der mensch braucht doch ziele, oder?

    aber noch was anderes: dir graust ja mal so vor gar nichts mehr, was? im amt ein picknick aufzuschlagen … mein mittagsappetit hat sich da mal wieder für heute verabschiedet ;) :D

    • Ich habe mir das schon beim Schreiben gedacht, dass das wieder mit deiner Mittagspause kollidieren könnte, nachdem dir letztens schon mal die Popelstory aus dem Amt auf den Magen geschlagen war :-D
      ich denke, sos chnell muss ich da jetzta uch nicht wieder zum picknicken hin, weil ja jetzt Hochsommer ist.
      Wenn ichs chwitz, bleib ich besser daheim! :-)
      Melonensperma-Update: Es geht ihm schlecht …
      Ich bin ja noch immer mit Waden- und Schwanzwickeln beschäftigt, außerdem kühl, feucht und dunkel halten – was ein Stress!
      Aber ich mache es gerne! <3

      • das ist halt so. man kann einfach nicht auf alle rücksicht nehmen. das ginge wirklich zu weit. ich habe mich auch schon wieder gefangen und halte mich an dem bild der köstlichen Melone fest. da kommt der appetit schnell zurück.
        ob der kleine schwanz das gern so kühl und feucht hat bezweifle ich etwas. wuchs seine mama doch eigentlich in großer hitze und dürre auf dem feld auf ..?

      • Mann, da sagst du was!
        Vielleicht guckt er deswegen so traurig aus der Melonenwäsch! :-O :-O

  7. zur Erinnerung – die Natur geht ja ziemlich großzügig mit den kleinen Dingern um – wie wär’s mit entsorgen? Du ersparst „dem Kleinen Ding “ viel Ungemach in unseren kühlen Breiten ;-)

  8. Habe ich noch nie in einer Melone gefunden, aber ich würd’s einfach mal in einen Topf mit Erde stecken als Experiment sozusagen. Sehr nette Geschichte, Anke, habe ich gern gelesen und bin nun gespannt auf die Fortsetzung :)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: