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Hitchcocks KillerAmeisen

3. August 2017
Wer mein Buch „MAMA, BLEIB MAL IM SLIP“ gelesen hat, weiß, dass es bei meinen Eltern auf dem Land jede Menge Plagen gibt: Einen Sommer lang campierte dort ein Hornissenstaat im Plumpsklo, im Jahr darauf eine Waschbärenfamilie im Gästezimmer. Danach hatten meine Eltern Last mit einer Horde von Mardern, die nachts über das Flachdach des Schlafzimmers donnerte und Menschlein so den Schlaf raubte.

Das Gute an Plagen: Sie kommen – sie verschwinden auch wieder.
Außer der Großbaustelle vorm Haus war in letzter Zeit wirklich Ruhe daheim und meine Familie begnügte sich mit den Hundertschaften von Mücken und Schnecken, die Sie ja auch alle gut kennen.
So, bis gestern Nacht.

Ich darf Ihnen stolz verkünden: Es gibt endlich eine neue Heimsuchung!

Gegen 21:00 Uhr kam ich gestern ziemlich fertig im malerischen Städtchen an. Eine fast durchgearbeitete Nacht und fünf Stunden stauige Autofahrt lagen hinter mir.
Eigentlich wollte ich nur dringend aufs Klo, mir anschließend von meiner Mutter etwas Gutes zu essen servieren lassen und dann wollte ich meine Ruhe haben.
Ein Loch gucken, oder so.
Konversation mit der Familie hatte bis zum nächsten Morgen Zeit.
Ich hievte meinen Koffer in den Flur und öffnete die Tür zu meiner kleinen Wohnung: Da traf mich fast der Schlag!
Alles schwarz!
Kleine wimmelnde Viecher!
Millionen, was sag ich: Milliarden!
Auf dem Fußboden, der Couch, den Vorhängen, auf dem Klavier … Überall ein lebendiger, krabbelnder Überzug!
Was zu Hölle waren das für Scheißviecher, die sich da in meiner Bude breitgemacht hatte?
Ich bückte mich näher ran.

Ameisen!

Mit Flügeln!
Alles voller geflügelter Ameisen!
Verdammt nochmal, was hatten die in meinem Wohnzimmer zu suchen?
Aber viel wichtiger: Was tat man damit?
Das konnten die jedenfalls vergessen, dass ich mir für die Nacht eine andere Bleibe suchte!
Gar zu lebhaft erinnerte ich mich, als ich den Waschbären mein Bett überlassen hatte und stattdessen auf Mutters unbequemer Couch im Wohnzimmer nächtigte.
Da Ameisen im Gegensatz zu den eingeschleppten kanadischen Bärenviechern nicht beißen, war schon klar, wer am Ende des Abends als Sieger hervorgehen würde.
Kurzentschlossen schnappte ich mir Mutters Staubsauger und rückte der Invasion auf den Leib.
Bei den Vorhängen war es schwierig, die Schnorchel fraß sie und verstopfte.
Da Ameisen keine Widerhaken an den Beinen haben, fielen sie vom Schütteln aus der Gardine.
Nach einer halbe Stunde war die Sache erledigt und meine Wohnung sah aus, wie ich sie in Erinnerung hatte.
Ich stieg also die Treppe rauf und ließ mich von Mutters guter Wurst und den Zwiebeln aus eigener Züchtung verwöhnen.

Als ich satt war, verließ ich meine treusorgenden Eltern. Öffnete unten meine Tür: Krabbelten die dämlichen Viecher wieder auf Sofa, Dielen und Klavier herum!
Wo waren die denn schon wieder hergekommen??
Das konnte doch nicht wahr sein!
Es sah ein wenig so aus, als beamten sie durch die Wand. Deshalb stürmte ich nach draußen und stolperte über die Baustelle, bis ich das Fenster, hinter dem mein Sofas steht, erreichte.
Was ich da sah, das glauben Sie nicht!
Da wogte ein dicker Strom Ameisen geordnet den aufgerissenen Bürgersteig entlang, krabbelte bei uns ein Stück die Mauer hoch und verschwand dort zwischen den wuchtigen Sandsteinquadern.
Jetzt hatte ich aber genug davon!
Ich wollte nicht am nächsten Morgen wie in einem Hitchcock-Film erwachen.
Oder auch nicht wach werden, das weiß man ja vorher nicht, wie es zu Ende geht.
Ich holte aus dem Keller die chemische Keule für Notfälle und sprühte die halbe Flasche in das Einfalltor.

Es stellen sich folgende Fragen:
Wo kamen die vielen Ameisen her?
Was wollten die ausgerechnet in meinem Wohnzimmer?

Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und nun eine zweisäulige Theorie:
Zum Einen muss die Population in diesem Jahre enorm sein, denn auch andere aus unserem kleinen Ort beklagen die Invasion. Allerdings rennen die Viecher bei denen draußen herum und nicht im Bett.
Die andere Hälfte meiner Theorie beinhaltet die Großbaustelle. Wanderten die Ameisen jahrhundertelang unter der Straße durch die Kanäle des Städtchens, haben ihnen die Baumaßnahmen ihre Renntunnel genommen. Die gemauerten Abwasserkanäle wurden in den letzten Wochen in der ganzen Stadt zugeschüttet und ständig rumpelt eine Walze auf und ab und verdichtet den Untergrund.
Als Ameise würde ich da auch das Weite suchen!

Darum merke: Keine Aktion ohne Reaktion!

Gerade kommt wieder eine handvoll Ameisen auf meinen Tisch gekrabbelt.
Vielleicht schlafe ich heute Nacht doch besser wieder auf Mutters unbequemem Sofa!

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From → Kolumnen

54 Kommentare
  1. Oh man 🙄🙄 so eine geflügelte Invasion hatten wir ein paar Jahre im Wohnzimmer und immer dann, wenn mein Mann schön im Bett war 😣 Staubsauger, nasse Handtücher und Haarspray.
    Seit zwei Jahren ist Ruhe…dafür hat sie die Mieterin jetzt im Schlafzimmer 😶😯
    Auch sie wird das in den Griff bekommen.

    LG Mathilda 😊😎😍

    • Mehrere Jahre??
      Himmel!
      Letztens hat mir einer erzählt, der Kammerjäger hätte ihm geraten, sämtliche Holzböden im Haus zu entfernen.
      Er hat das tatsächlich gemacht, danach war Ruhe.
      Ich muss sagen … ich würde meine Böden lassen, wo sie sind!

      • Ja, mehrere Jahre und bei uns kamen sie hinter der Heizung und Heizungsverkleidung vor. Die kann man nicht mal eben abbauen.
        Sicher kamen sie von aussen und haben sich im Innern breitgemacht. Die Hüllen der Eier fand ich immer auf der Fensterbank, da wusste ich, dass es bald wieder losgeht.
        Haben alle Stellen abgeklebt, das muss geholfen haben, ansonsten ist man machtlos und den Fussboden würde ich wohl auch nicht aufreissen. Irgendwann suchen die sich eine andere Bleibe 😊😯😣🐜🐜🐜🐜

      • Oh Mann, da könnten wir uns also auch auf was gefasst machen …
        Ich hoffe jetzt erst mal, dass sie weiterziehen, wenn die Baustelle zur Ruhe kommt. Das Haus ist bald 300 Jahre alt, sollen sich was anderes suchen, genau!

  2. Hitchcock-Horror pur!!

    • Ich habe vor Jahren sämtliche diese Tierinvasionsfilme geguckt, die es so gibt. Los ging es ja mit Hitchcocks Vögeln. Dann haben über die Jahre Andere mit Horror nachgezogen. Spinnen, Bienen und zum Schluss habe ich Ameisen geguckt. Danach war für mich Schluss, das war mir zu viel 😀

  3. Liebe Herrin der Ameisen!
    Ich denke, man sollte das positiv sehen. Wann hat man schließlich so ein großes Begrüßungskommando zu Hause? Nicht jeder wird so begeistert empfangen. Und Ameisen sind bekanntlich hochintelligente Tiere. Die werden sich bestimmt nur unter Gleichgesinnten wohlfühlen. Ich würde das eindeutig als Kompliment interpretieren. Wer weiß, wozu die neuen Hausgäste eines Tages noch gut sind 🙂
    Herzliche Grüße in den wilden Haufen
    Mallybeau

  4. Oh, man, was bin ich froh, dass ich im dritten Stock in einer Stadtwohnung lebe! 🙂 Mir reicht schon der Ärger mit höchst resistenten Mehlmotten, die sich vor einigen Jahren in meinem Vorratsschrank eingenistet hatten.

    • Bäääh! Solche hatte ich in München auch mal!
      Egal wo ich hinfasste: Kleidung im Kleiderschrank, Kochtöpfe, Besteck – überall quetschte eine dieser weißen fetten Maden zwischen dem Objekt und meinen Fingern. Mich schüttelt’s gleich wieder! 😀

      • Um die Maden hat sich meine Katze ausgiebig gekümmert, die waren für sie wahre Leckerbissen, die sie sich jedesmal laut und genüßlich schmatzend schmecken ließ. 😉

      • Herrschaftszeiten! Haben die denn geknackt? 😀

    • Die kommen aber auch nach ganz oben. So geschehen bei uns 😊😉

  5. Yepp. Und bei jedem Knacken und dem Schmatzen meiner Katze dachte ich mir freudig: „Haha! Wieder eines dieser Biester weniger!“ 😀

  6. @Mathilda: Ich bin jetzt seit fast dreißig Jahren in meiner Wohnung, und bislang hat sich noch keine Ameise hier hoch verirrt – aber ich will mal lieber dreimal auf Holz klopfen. 😉

  7. Haha, da sind ja wieder Perlen drin wie Dein Statement zu der Natur einer Plage: Kommt, geht aber auch wieder. 😀 Super! Äh, Ameisen beissen bzw. stechen aber schon auch, vielleicht sogar noch perfider als Waschbären, weil etwas weniger offensichtlich. Juckt aber! Jedenfalls ist mir das schon so im Garten gegangen, wo sich mehrere Kolonien breit machen und beim Beetumgraben immer höchst genervt tun. In der Wohnung habe ich sie bis jetzt weniger, aber bei solchen Massen würde ich wohl auch zum Staubsauger greifen …

    • Beim Beet werden sie also auch narrisch – na, ist ja auch wie Baustelle! 😀
      Was mich die ganze Zeit gewundert hat: Wieso die aus dem Staubsauger nicht wieder rausgekrabbelt sind. das kann auch nicht komplizierter sein, als durch die Mauer zu kriechen …
      Mein Mutter hat so ein neumodisches Eckensaugding mit durchsichtigem Drecktank unten dran. Jetzt bin ich ja neugierig was biologische Zusammenhänge betrifft und habe mir den Tank von der Größe eines Marmeladenglases genau angesehen. Die Ameisen sind heil – aber tot. Wieso sterben sie auf dem Weg in den Staubsauger, obwohl sich keine äußeren Verletzungen zeigen? Sogar Flügel glatt und ungeknickt. Wie frisch gebügelt!

      • Die Ameisen sind Tracheenatmer – in dem Moment, wo du sie einsaugst, saugst du auch Staubpartikel auf – und verstopfst ihnen damit die Tracheen. Dann ersticken sie.
        „Um Ihnen zu verinnerlichen, dass das Aufsaugen von Spinne und Co für Sie zwar effektiv ist, sollten Sie daran denken, dass das Aufsaugen der Tierchen für diese größte Qualen bedeutet. Die Insekten werden beim Aufsaugen mit etwa 85 km/h in circa 0,02 Sekunden geschleudert. Sie werden im Schlauch herumgeschleudert und prallen dann mit voller Wucht in das Rückventil. Selbst wenn das Insekt das ganze Drama überlebt, so stirbt es spätestens im Staubsaugerbeutel an Sauerstoffmangel.“

      • Jaja, bei Baustellen werden wir alle mit der Zeit narrisch, wieso also auch nicht die Ameisen? 😉 Ich nehme an, die überleben den Sog und den Druck nicht, den ein Staubsauger so mit sich bringt. Das werden mehr so innere Verletzungen sein … Vielleicht nächstes Mal doch jede Ameise einzeln raus tragen? 😉

  8. Horror pur 🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜🐜
    Ich hab immer Backpulver zum vertreiben eingesetzt. Aber du bräuchtest das Zeug wohl säckeweise! 😲😲

    • Zu Backpulver als Hausmittel hat mir gestern auch schon mal jemand geraten, das probiere ich!

      • Uhhhhhh, wie grässlich. Ich erwarte mit Spannung die Fortsetzung. Vor kurzem hatten wir auch Ameisen in der Wohnung, ich hab darüber auch nen Artikel geschrieben. Verglichen mit dieser Geschichte allerdings harmlos und langweilig. Ist mir aber ehrlich gesagt, ganz recht, wenn ich das hier so lese 😉
        Backpulver hat bei uns überhaupt nichts gebracht, wir haben mittels Fressfallen das komplette Volk ausgerottet – bisher ohne dass bisher wieder welche eingezogen sind, toitoitoi

      • Seh ich genau so: Beim großen Krabbeln ist weniger besser! 😀
        Und Backpulver hat nichts gebracht? :-O
        Mach mich nicht unglücklich, ich bin schon wieder weg aus meinem Ameisenhaufen und in Mülheim. Hilfeeeeeeee!

  9. mittagszeit – entprechender beitrag von dir – passt … 😉 😀
    scheint derzeit eine ameisenzeit zu sein, ja. ansonsten kämpfen wir jedes jahr nur im frühjahr dagegen (wohlgemerkt: im 3. stock!), dieses jahr suchen sie uns gerade wieder heim. mich befällt immer eine abends auf dem sofa. und wenn auch einzeln, ist das trotzdem äußerst nervig so aller 5 minuten!
    die kerlchen lieben es einfach so warm und feucht wie es im moment ist. aber die lassen sich noch ganz gut einfangen und bekämpfen. mit fliegen sieht das schon ganz anders aus …
    halt durch, die nächste Invasion ist vielleicht netter … oder schöner … oder mal nützlich?

    • Du Arme, habe ich dir wieder Mittagsekel beschert! 😀
      Sorry, aber immerhin geht das Viehzeug nicht durch den Magen, sogesehen … 😀

      Zum Beispiel eine Obstinvasion, da würde ich mich mächtig drüber freuen! Muss nicht eigene Ernte sein, ich nähme auch besonders gerne in Kürze einen riesigen Schwung Hollunderbeeren.
      Hollerschnaps, damit auch das Geistige nicht zu kurz käme! Hmmmmmmmm ……….. 😀

      • na ja wirklich. ist doch wohl echt schlecht eingerichtet, oder? sollte mit einer – ich sag mal – negativen Invasion nicht auch gleichzeitig, oder zumindest schnell darauf folgend auch eine positive stattfinden? war das nicht immer mit jing und jang gemeint?

      • Stimmt. Dann bin ich jetzt mit guten Sachen dran! 😀
        Und du auch! 🙂

      • jawohl! 🙂

  10. Musste spontan an den Ameisen-Horror-Film „Phase IV“ denken, das passt… Mein Beileid!

  11. MARDER haben mich täglich besucht … als ich damals „in der Wildnis“ gelebt habe …

    eigentlich mochte ich sie … wie all die anderen Tierchen … die sich bei mir den Bauch voll geschlagen haben … aber als sie im Motorraum des Autos rum geknabbert haben … und dadurch der Turbo ausfiel … war ich doch etwas angepisst …

  12. Ameisen im Bett geht gar nicht! Viel Erfolg wünsche ich dir.

  13. Gut, dass ich im achten Stock wohne, bis dahin ist ihnen die Puste ausgegangen. – Und in dem gerade gewesenen „Busurlaub“ fuhr der Bus zu schnell, da sind sie auch nicht mitgekommen. – Ich hätte die klugen Tierchen auch nicht haben wollen.
    Und tschüss von Clara

  14. Hallo Anke. Dieser Bericht ist ja ekelig. Mich schüttelst beim Lesen. Ich hätte da keinen Fuss reingesetzt. Bei mir im Garten habe ich keine Probleme mit Insekten. Aber bei mir zu Hause? Nein Danke. Und wie cool du das Problem behoben hast, ich schick dann immer mein Mann vor. Lach… LG, Nati

  15. Mein Beileid, alle schwarz maskiert? Vielleicht waren es Einbrecher-Ameisen? Haben bestimmt den Tipp von den maskierten Waschbären bekommen. 😉

    • Mit Sicherheit! So was in der Art kann das nur gewesen sein. Ich habe aber die Schlacht für mich entschieden – seither hat sich keiner wieder reingetraut! 🙂

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