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Adventskranz: nachhaltig und vegan

9. Dezember 2018

Soll ich Ihnen mal einen von meinem Weihnachtgesteck erzählen? Wir müssen mit unseren Ressourcen nachhaltig umgehen, das wird uns allerorten erzählt – Sie wissen Bescheid. Diesen Advent mache ich mal was, dafür krieg ich bestimmt einen Nachhaltigkeitspreis!
Doch lassen Sie sich ausführen!

Im Oktober bestellten sie bei mir nebenan der Sperrmüll. Es handelte sich um eine Mischung aus Sperrmüll und einer halben Haushaltsauflösung. Will sagen: Da stand richtig viel draußen!

Jetzt ist mein kleines Flatter mentalitätsseitigt ein Sammler. Das ist wohl fast allen Kindern eigen: Sie horten Schätze. Im Laufe des Lebens verliert sich das bei den Meisten wieder, da schlägt das dann ins Gegenteil um: Sie schätzen Struktur und Übersichtlichkeit.

Noch ist nicht abzusehen, zu welcher Besitzkultur Meines später zählen wird – solange verhält es sich eben altersgerecht. Aufgeregt flatterte es um den riesigen Haufen Hausrat herum und trug ein Teil nach dem anderen davon ab. Unter anderem schleppte es ein Adventsgesteck an. Vier dicke, fast unversehrte Kerzen, Kugeln drumherum und das ganze auf Tannenbraun gebettet. Ehemals frisches Grün, schon klar, aber der Zahn der Zeit, Sie wissen schon. Das Gesteck war halt in die Jahre gekommen.

Den Rest des Oktobers und den halben November stand das Gesteck dann bei uns im Wohnzimmer. Zwischen dem Abtreter der Terrassentür und neben dem Fischfutter. Ich habe im Moment eben viel zu tun, ich lamentierte ja bereits letzte Woche. Mir fiel das Stillleben nach dem ersten Tag schlichtweg nicht mehr auf. Der ankompostierte Kranz hatte sich vollkommen in unserem Wohnzimmer integriert. Vor allem farblich.

Kleine Kinder haben eine innere Uhr eingebaut: Kurz nach den Sommerferien fangen sie an, über Weihnachten nachzudenken. Was sie sich wünschen, vielleicht auch, ob sie brav genug waren … Das Daran-Herumdenken intensiviert sich dann jede Woche um ein kleines Stück. Bei uns war es so, dass ab Anfang November der Geist von Weihnachten einzog. Eines Mittags nach der Schule befreite mein Töchterchen das Adventsgesteck von Spinnenweben und Fischfutter und schleppte es ins Treppenhaus.

„Wo willst du denn damit hin?“, fragte ich, als sie es an meinem Schreibtisch vorbeizurrte..
„Ich such dem jetzt einen Platz!“

Ein Seitenblick auf das Gesteck: Sie hatte recht: von der Farbe ab, sah res wirklich nett aus.  Sollte sie mal machen!
Ich vertiefte mich wieder in meine Arbeit.

Es rumorte im Flur herum, es klapperte hier und da – weil aber nichts polterte und auch keiner um Hilfe rief, kümmerte ich mich nicht darum. Ich war halt beschäftigt.

Kurz darauf tauchte das Kleine an meinem Schreibtisch auf: „Ich bin fertig. Ich habe einen tollen Platz gefunden! Magst du mal gucken?“

Ich weiß schon, ich hätte ja-sagen müssen! Schon allein deswegen, damit es sich ernst genommen fühlt!
Nun bin ich aber Freiberufler. Die sind so frei in ihrem Tun, dass wenn sie den Job nicht erledigen, fix ein anderer dafür einspringt. Ich quetschte also ein „Später“ zwischen den Lippen hervor und hoffte inständig, das mir über dem Gequatsche nicht der rote Faden abhandenkam.

Die Tochter erkannte das und verzog sich mit dem Schulranzen in ihr Zimmer. Sie hatte auch zu tun: die Hausaufgaben.

Wir beiden Girls also jede an ihrem Schreibtisch versumpft, keiner dachte mehr an Weihnachten oder irgendwelchen anderen romatischen Schnickschnack. Bis zu dem Moment, als jemand die Haustür aufstieß! Es schepperte und donnerte und dröhnte fürchterlich, so als wäre ein Bus ins Treppenhaus eingefahren! Im gleichen Moment brüllte eine Stimme: „WELCHER DÄMLICHE IDIOT HAT DENN DEN KUPFERKÜBEL HINTER DIE TÜR GESTELLT??“

Die Stimme gehörte zu meinem Pubertikel, er war stark erkältet nach Hause gekommen. Weil er auch im männlichen Siechtum ein kräftiger Junge mit viel Schmackes ist – hatte er mit dem Zimmermansbrett den Kupferkessel durch den Flur katapultierte. Kurz fragte ich mich ebenfalls, was zum Henker der Eimer hinter der Tür zu suchen hatte! Normalerweise ruht er sicher auf seinem Platz auf der Heizung und beherbergt unsere sämtlichen Schlüssel, Türöffner und sonstigen Krimskrams, der keinen anderen Platz findet.  Doch dann fiel es mir wie Christbaumkugeln aus den Augen! Da steht jetzt das Adventsgesteck!

Der Kupferkessel erlitt zwar nur ein paar Blessuren, er hält sich aber nicht mehr gerade. Er kippelt und das ist schlecht bei dem Konvolut, das er beherbergt. Ich denke, wir werden das Adventsgesteck einfach auch unterm Jahr auf seinem Platz belassen.

Wenn‘s Dunkel ist, sieht man dem sein Alter gar nicht an!

Frau Müller erhält einen Orden in besinnlicher Nachhaltigkeit!

From → Kolumnen

36 Kommentare
  1. Was man hat, das hat man.😉
    Ein paar frische Tannenzweige, sieht dann aus wie Neu.

    • Gell? Das war auch wochenlang mein Gedanke, dass ich’s aufhübsche. Aber mittlerweile schaut’s schon von selber viel grüner aus. Man muss nur geduldig sein 🙋🏽‍♀️🌲🤩

      • So lange es ein gesundes Grün ist, geht es.
        Anderes grün wäre nicht Gesundheitsfördernd.

      • Gesundes! Das liegt bestimmt daran, weil frische Tannengestecke auch schon was abgegrünt haben, die nähern sich an 👻🌲

      • 😂
        Dann passt es ja.

  2. Bei fliegenden Kupferkesseln erwarte ich Fischgeruch – Fischfutter: check! – wer weiss, ob nicht bald auch eine Eule auftaucht?

  3. Liebe Anke!

    Großartig! Ich beglückwünsche euch zu eurem Nachhaltigkeitskranz. Ich bin mir sicher, dass die Ehrung nicht lange auf sich warten lässt. Ihr müsst nur aufpassen, dass das Ding nicht ausversehen abbrennt, denn ob ein Foto der Jury als Beweis genügt?
    Allerdings würde ich ein bißchen aufpassen und den Kranz mit eurem Namen versehen, nicht dass die Nachbarn plötzlich vor der Türe stehen und ihn wiederhaben wollen, nur weil ihm eine große Ehrung zuteil wurde 🙂

    Liebe Grüße ins chaotisch besinnliche Mühlheim und einen schönen zweiten Advent
    Mallybeau

    • 😀 Du hast absolut Recht, meine Liebe!
      Ich werde jetzt vorsorglich die Türe abschließen! Weil, das hat man ja öfter: Der eine verwahrt so lange, bis der andere es wiederhaben will – und dann gut der neue Herbergsvatter in die Röhre! :-O

  4. Nicht schlecht Frau Müller…und dann zu Ostern das vegan autonome ewig haltbare Osternest (noch ein Orden !) und zum Nikolaus denn dauerfesten zuckerfreien Nikolaus aus nachhaltiger Schokolade mit 100 Jahren Haltbarkeitsgarantie ( noch 2 Orden+Tapferkeitsmedallie) Schon bist du aufgehübscht wie so ein russischer General auf der Brust und ganz Mülheim hält dich für die erste Zukunftsversion eines ewig junggebliebenen selbstlaufenden Weihnachtsmannes…pardon Weihnachtsfrau ( noch 2 Orden und die Bundesverdienstmedallie am langen Band 🙂
    Hach, freu mich schon bei dem Anblick…
    Lieber Gruss und einen schönen 2ten Advent ( ist schön weil der BVB gegen die Schalker gewonnen hat…garantiert unvegan ) , Jürgen

    • 😂❤️❤️❤️
      Bis auf das mit den Eiern, das hab ich schon ausprobiert, das funktioniert nicht! Mein Flatter hatte nämlich mal ein wunderhübsch angemaltes 3-D-Ei aufgehoben. Damit sich das bei uns wohlfühlte, legte es das Kleine auf die Heizung. Ich fand das übrigens auch ok, ich hab auch ein gutes Herz.
      So um Weihnachten herum fängt bei uns das ganze obere Stockwerk an zu stinken wie Harry …
      Ich hab bis nach Silvester gebraucht, den Herd auszumachen. Hatte schon überlegt, das Haus zu verkaufen … 😂💩

  5. Ich mach mich mal an die Arbeit…eiermässig betrachtet…das kann ich als Modellbauer und Setdesigner natürlich nicht auf mir sitzen lassen…lange lebe das vegan Rührei…äh…Vollei…oder so…schliesslich stellte schon der bekannt deutsche Philosoph Horst(Kopfballungeheuer) Hrubesch festgestellt…um im Leben und auf dem Platz was zu werden brauchst du….genau…und wenn s klappt…krich ich dann auch nen Orden ?

  6. Herrliche Geschichte!

  7. Upcycling ist megamäßig in. Dein Geflügel hat das sehr verinnerlicht. 😆

  8. Liebe Anke,
    wie geht es Ihnen?
    Ich wollte mich mal kümmern.
    Ich hoffe, Sie haben eine schöne Adventszeit!?!
    Gruß Heinrich
    (auch einer, der vom Wetter benachteiligt wird 😉

    • Besten Dank der Nachfrage, lieber Herr Heinrich! Bei mir ist das wie mit dem Unkraut, das gedeiht immer. Egal ob Regen oder Sonnenschein, man muss nur Rezeptur des Giesswassers verändern. Gestern Abend hatte ich mal wieder Whiskey-Cola 🤩👌🏼

  9. Und die alten Zweige grüner denken? So mental halt.

  10. ellen permalink

    Im Dunklen lässt sich eh gut munkeln..breitgrins
    Kostengünstig ist die Idee auf jeden Fall, da hat dein Ableger gut gehandelt.
    Und es geht echt viiiel schlimmer, z. B.
    wenn Männer graue Adventskerzen und Deko anschleppen.

  11. Der letzte Satz hat so ein Geschmäckle. Der könnte auch auf mich bezogen sein…

  12. Doris permalink

    Besinnliche Nachhaltigkeit oder nachhaltige Besinnlichkeit? Man weiß es nicht. Wie immer habe ich mich angesichts Deines Berichts im Sinne von „Ein Tag in meinem Leben!“ weggeschmissen vor Lachen. Dein Geflügel ist mir sehr sympathisch – hömma, das kann man doch nicht wegschmeissen, das ist ist doch noch gut! Kommt mir sehr bekannt vor, ich bin auch so ein Nachhaltigkeitsfanatiker. 😉 Mit Ostereiern habe ich das dagegen nicht so, dafür bin ich zu geruchsempfindlich. Meine Nichte hat irgendwann mal eine Senseo (oder irgendeine andere Kaffeemaschine) von Nachbars Sperrmüll abgeschleppt. Ihr Freund hat sie repariert, funktioniert einwandfrei. Jetzt kommen die Nachbarn immer zum Kaffeetrinken … Nicht, dass Eure Nachbarn jetzt jeden Sonntag bei Euch in Flur hocken!
    In diesem Sinne, schöne Feiertage und liebe Grüße!
    Doris

  13. Hallo Anke,
    ich wünsche dir ein ganz wundervolles Weihnachtsfest.
    Liebe Grüße, Peter

  14. Fröhliche Weihnachten, liebe Anke!
    Hoffentlich so ganz ohne Unfälle *zwink*

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