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Beim Spargel ist Schluss mit lustig!

10. Juni 2021

Ich war mal wieder Grundnahrungsmittel shoppen. Muss ich von erzählen, passiert ja noch nicht wieder so viel!

Jedenfalls ich zur wöchentlichen Schlacht in den Laden geschneit. Ging auch alles recht flott – ich hab’s eben raus, wann nicht so viele Mitbewerber draußen rumtouren.

Bis ich mich an der Kasse anstellte!

Vor mir fünf Leute – offensichtlich alle mit weniger Fressern daheim als ich: Sämtliche Wägen waren nicht mehr als bodenbedeckt gefüllt. Wegen des Mindestabstands reichte die Schlange aber bis zum Bier. Ich mich unauffällig beim Frankenheimer eingereiht und still verhalten. Quatschte auch ansonsten keiner, ist ja wegen der Aerosole immer noch gefährlich.

„HIER STIMMT WAS NICHT!“, kreischte plötzlich eine schrille Stimme.
Ich fuhr zusammen und peilte aus der Deckung die Lage. Besser man ist vorsichtig, man weiß ja nicht, was nicht stimmt. Zwischen Überfall, Klima und Ungeziefer explodiert einem schon mal die Phantasie.

War jedenfalls alles nicht richtig, die Kundin an der Kasse fuchtelte mit ihrem Bon: „Ich habe ja wohl nicht für 19 EUR eingekauft!“

„Zeigen Sie mal her!“ Hilfsbereit beugte sich die Kassiererin aus ihrem Plexiglasverschlag und streckte die Hand aus.

Die Dame wich erschrocken einen Schritt zurück. „19 EUR! Zählen Sie immer das Datum mit?“ Trotzdem rückte sie mit spitzen Fingern den Bon raus. Schön auf Abstand, Corona und so.

„Butter 1,49; Milch 1,10; Spargel 8,99 …“

„8,99? Nix da! Ich habe extra gefragt! Ihre Kollegin sagte 3,79!“

„Wenn ich den Spargel übers Kassenband ziehe, kostet er 8,99.“

„Das zahle ich nicht! Ihre Kollegin sagte: 3,79!“

„Da muss sich die Kollegin geirrt haben.“

„Mir egal, ich zahle das nicht!“

„Gut, dann nehme ich den wieder raus.“ Sie drückte den Knopf des Sprechfunkgeräts an ihrem Gürtel und bat um Schützenhilfe von der Chefin. Fingerabdruck einscannen, oder was die da immer authorisieren müssen, damit an der Kasse was rückboniert werden kann.

Nun dauert das natürlich ein Weile, bis so eine Authorisatorin bis zur Kasse vordringt. Ich vermute, sie ist im Markt noch mit anderen Aufgaben betraut und dreht nicht bloß Däumchen, bis mal einer schellt.

Die Wartezeit nutzten die Dame und die Kassiererin für ein kleines Pläuschchen. „Ich kauf doch keinen Spargel für 8,99! Letztes Jahr hat der 2,99 gekostet!“

„Gegen Ende der Spargelsaison kann das durchaus vorkommen. Aber, schauen Sie, jetzt beginnt die Ernte gerade erst. Da wollen alle Leute Spargel essen und es gibt noch nicht so viel. Jetzt verkaufen wir den natürlich nicht so billig!“

„Halsabschneider!“

In dem Moment tauchte leider die Chefin auf: „Tach!“ Die Kasse machte freudig „Pling!“ und die Kassiererin zählte 8,99 ab. Sie drückte der Dame die Münzen in die Hand und wendete sich mit einem freundlichen „Hallo!“ an den nächsten Kunden. Ganz Profi – ich könnte nicht so schnell umschalten.

Die Dame jedenfalls auch nicht, denn sie wetterte los: „Hallo? Was ist denn jetzt mit meinem Spargel? Ich gehe hier nicht ohne Spargel raus!“

„War Ihnen doch zu teuer.“

„Will ich heute Mittag kochen!“

Der Herr vor mir stöhnte und pochte auf seiner Uhr herum; die ältere Dame noch eins weiter vorne verlangte energisch nach einer zweiten Kasse.

Nun ist der Kassenbereich dort im Laden seit der Pandemie künstlich dermaßen verengt – selbst wenn ich mich bemüht hätte, wären die zwei Drängler nicht vor mir an der anderen Kasse drangekommen. Unsere Warteschlange ließ sich einfach nur nach hinten abstückeln und in den nächsten provisorischen Absperrgang zwischen süße Quängelware reinstopfen.

So kam es, dass ich, die ehemals Letzte, dann als Erste draußen vorm Laden stand – hingegen die Spargelliebhaberin weiter an Kasse 1 ihr Vorhaben darlegte.

Nun zieht sich das manchmal ein paar Tage, bis ich eine Story fertiggeschrieben habe und tageslichttauglich auffrisiert. Im Konkreten sprossen bereits zwei weitere Spargel-Saisonwochen ins Land, es waren eben etliche Feiertage zu verschlafen und ausgiebig Fahrradfahren will ich ja dann schließlich auch.
Gerade eben blätterte ich durch die Tageszeitung. Rechts unten preist eine Eckfeldanzeige: Spargel zum Schleuderpreis!

2,99!

Endlich!

Ich bin jetzt voll erleichtert! 
Endlich wird die Dame mit Sack und Pack den Laden verlassen!
Endlich kann sie heimgehen und kochen!
Und nächstes Jahr wartet sie vielleicht einfach ein bisschen geduldiger.
Ende der Spargelsaison: jährlich am 24.6.!

Haut rein, Leute! ❤

Hauptsach gudd gess!

From → Kolumnen

42 Kommentare
  1. Ich hab soooo gelacht

  2. 1kg?
    Metro Spargel Weiß Deutschland 500g
    1,40 €/100 g

  3. Isch mag überhaupt keinen Spargel.😁
    Deine Stories enttäuschen nie, Anke😍
    Liebe Grüße, Barbara 🦦

    • Hi liebe Barbara,
      ich gucke gerade ganz intensiv mit der Lupe, was das für ein kleiner Ast hinter deinem Gruß ist! Ich schwanke zwischen Robbe und Raupe … 😀

      • Das ist ein Biber😁 Ich liebe seine Haltung dem Leben gegenüber…. er scheint nicht NUR Dämme zu bauen.😂

      • Ein Biber! 😀
        Ja, jetzt wo du das sagt, seh ich das auch 😀 ❤

      • Ich finde den richtig cool.😁

  4. Köstlich geschrieben.
    Meine Meinung über Billigspargelesser gleicht der über Käufer der riesigen Grillfleischpaletten aus den unteren Haltunggskategorien: sie denken alle nicht viel darüber nach, wer ihnen auf welche Weise dazu verhilft, sich beim Schlemmen aus Geiz geil zu fühlen.

    • Eine meiner Freundinnen probiert es gerade mit der Spargelzucht auf dem Balkon. Sie hat sich im Baumarkt solche schwarze Wannen besorgt, wo man Beton drin anmischen kann (in meinem Heimatdialekt nennt man diese Kübel: ‚Dissen‘, wenn ich das googele, kommt aber kein Treffer 😀 )
      Funktioniert aber nicht richtig, sie übt noch 😀

      • Ich kenne die. Hier sagt man wohl „Maurerkübel“, in Österreich Speiskübel. Spannendes Experiment, mit Spargel. Ich kenne nur jemanden, der Kartoffeln darin zieht.

  5. Ja, da muss man schon aufpassen, wenn man sich zur Lebensmittel-Jagd in den Supermarkt begibt. 😀

  6. Spargel – mag hier keiner, außer ich.
    Also lohnt sich der Aufwand gar nicht.
    Esse ich dann irgendwo auswärts, hat auch was. 😋

    • Bei uns sind alle unterschiedlich heiß auf Spargel. Am verrücktesten mein Mann.
      Jetzt bin ich aber küchenmäßig nicht so der Hit. Und gleich gar nicht bei Sachen, die nur kurze Saison haben.
      Deswegen bestellen wir dann zwei mal im Jahr.
      Also auch so ähnlich 😀

  7. Ne, ne, ne – Ende der Spargelsaison ist am 24.6. – genauso wie Ende der Rhabarbersaison (Zuviel Oxalsäure im Hochsommer).

    • Da muss ich das nicht berichtigen 🙂 😉 – aber neuerdings wird er manchmal auch später noch verkauft- wahrscheinlich ausländischer.

      • Ich hatte kurz recherchiert (Und mich trotzdem im Datum vertan! 😀 ), jedenfalls las ich da: Wenn ein Feld beendet wird, dann wird weitergestochen. Normalerweise hört man zum Spargelsilvester auf, damit die Pflanzen genug Kraft für das nächste Jahr sammeln können.

      • Ach, du und Google, ihr seid ja so klug. Ich könnte ohne Google auch nicht mehr auskommen.

      • Meine Oma hatte früher Spargel neben dem Komposthaufen. Der ist dann im Sommer immer so schön hoch gewachsen. Tolles Grün, starker Spoß, aber unglaublich federiges, zartes Blattwerk. mit roten Früchten dran, ähnlich wie an Eiben. Oder ich bring das in der Erinnerung alles durcheinander …
        Ein Kopp ersetzt noch kein Google 😀

    • nö … nur, wenn man ihn — den Rhabarber — roh verzehrt. Gekocht macht das nix mit der Oxalsäure.
      Der Staude zuliebe sollte allerdings Ende Juli wirklich Schluss sein mit Ernten, damit sie sich von der Saison erholen und friedlich in den Winter gehen kann.
      Anders ists natürlich mit dem jungen Rhabarberpflänzlein. Das braucht ab Johanni wirklich Ruhe.

      • So einen feinen Rhabarber leg ich mir nächstes Jahr auch zu! Ich wollte dieses Jahr – war aber mit dem Radl im Pflanzenmarkt, eigentlich um Gewürze zu kaufen, weil die Schnecken meine Eigenzucht kahlgespachtelt hatten. Und dann war kein Platz mehr für das allerletzte Rhabarberpflänzchen, das die da hatten.
        Hab dann angerufen – gibt erst nächstes Jahr wieder welche.
        Mann, hoffentlich vergess ich das nicht wieder im Frühjahr!
        Versuch nöämlich schon ungefähr sechs Jahre, eines heimzuholen 😀

      • Am besten ein paar Gartenzaungespräche im Herbst führen und den jeweiligen Gartenfreund bitten, mal eben Zellteilung mitm Spaten zu machen. Ist ja ne Staude. Einfacher geht’s nicht

      • Das werd ich machen! 🙂
        Mal gucken, ob hier einer hat ❤
        Die Leuts stehen nicht mehr so auf Nutzgarten, der ist so … unübersichtlich :-/

    • Oh, dann können die Spargelfans ja noch zwei volle Wochen weiterschlemmen! 🙂
      (Ich hab das jetzt überprüft: Du hast Recht! Ich ändere das Datum oben im Text! Danke dir ❤ )

  8. Hönnsema, Frau Anne, machense auch mit beim https://www.stadtradeln.de/home?

    • Ich hab das jetzt gerade gegoogelt. Gibts in Mülheim wohl auch, im September.
      Da stand: 55 Parlamentarier
      Was sind denn Parlamentarier für welche? 😀
      (Stand bei „Über“ reichtet sich vor allem an Leute, die normalerweise das Auto nehmen würden. Sogesehen wär ich da ja raus … 😀 )

      • Die Parlamentarier sind die der Kommune. Die müssen mit gutem Beispiel vorweg radeln.
        Ich hab mein Autochen neulich verkauft und stattdessen in ein sehr rotes, sehr schnelles E-Bike investiert. ich wär dann auch raus. Hab mich aber nem Team angeschlossen, das noch Verbrennungsmotoren im Haushalt führt. Die segeln jetzt alle in meinem Fahrtwind.

      • Bist jetzt deren Vorbild! 😀

  9. Sybille Lengauer permalink

    Ich möchte ja fast wetten, dass ihr das keine „Kollegin“ gesagt hat…

  10. So wurde halt das bisher einzige „Ausgehvergnügen“ zum Einkaufserlebnis 😉

  11. So sind se….. eine gute Therapie für Leute, die gerne das Pfund Spargel (selbstverständlich knackfrisch und kein bisschen holzig) für 2,99 haben wollen, wäre es, mal selbst Spargel zu stechen, nur eine halbe Stunde lang ….

  12. Mau dienMami sagt alles ist teurer geworden ,wegen weil die Corona als Mittel zum Zweck einsetzen um die Preise um rund 20% zu erhöhen, Na mir kann es egal sein, denn ich mag vom Spargel, als Katerherr nur den Schinken..schnuuur Felix

  13. Doris permalink

    DAS sind ja Spargelpreise, das gibts ja nicht. Wo sollte der denn her sein?! Ausm Ausland? Nee, wattn Irrsinn, das alles. Musste sehr über den Satz „Sämtliche Wägen waren nicht mehr als bodenbedeckt gefüllt.“ grinsen. Wie wahr! Aber weißt du, woran das (auch) liegt? Man muss ja jetzt in jedem Supermarkt mit einem Wagen reingehen. Und wenn du nur ein Tütchen Hefe kaufen willst wegen Hefehamstern oder überhaupt, es könnten ja wieder schlechte Zeiten kommen, ganz egal: Zutritt nur mit Einkaufswagen. Was hab ich mich da schon geärgert. In manche Läden gehe ich deshalb gar nicht mehr rein, weil mir das einfach zu blöd ist. Soll das Ding als Abstandshalter fungieren oder wie? Oder als Zählmaschine, damit die Markleitung weiß, wie viele Leute so ungefähr im Laden sind? Ich weiß es nicht. Wie ich so viele Dinge nicht weiß und in den letzten Monaten nicht kapiere. Aber eins weiß ich ziemlich genau: Spargel für 2,99 … Hammerpreis. Dafür kann man schon mal den ganzen Laden aufhalten. 😀 Sonst hättest du ja auch nichts zum Erzählen gehabt!
    Liebe Grüße,
    Doris

  14. Sehr witzig! Hier kauft man schon wieder sehr entspannt ein – auch mal nur mit Einkaufstüte.

    Ich hoffe, meine Mama hat den Wunsch ihrer Lieblingstochter befolgt und weißen Spargel gekauft und eingefroren, allerdings vielleicht als er keine 8 Euro kostete. Bei uns gibt’s nur den Grünen (im Moment für um die 4 Euro), aber auch davon haben wir in diesem Jahr so viel Spargel-Risotto gegessen wie noch nie. 🙂

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