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Das Regulativ eines braven Gartenzwergs

Bei uns im Pott gibt es viele Schrebergärten. Kolonialisiert liegen die gerne mal zwischen Autobahn und Eisenbahnschienen. Wo halt Platz ist.
An einer Kolonie in Oberhausen komme ich täglich vorbei. Stünden nicht die Papier- und Altglascontainer auf deren Parkplatz – ich wüsste nichts von ihrer Existenz. Die Außenhecke ist hoch und dicht. Drinnen, zur Parzellentrennung, ist hohes Gehecke streng verboten. So wie jeder Furz hochdiszipliniert geregelt ist. Aber Kleingartenverordnung hin oder her – ich will etwas ganz anderes erzählen!

Vor ungefähr vier Wochen roch es schon mal zwei Tage nach Sommer. Am Morgen des zweiten Tages halte ich früh bei meinen Lieblingscontainern. Irgend so ein Depp hat vor dem Papiercontainer einen Minikühlschrank entsorgt. Ich stelle meinen Altpapierkorb auf den Elektroschrott und zupfe gemächlich ein Blatt nach dem anderen heraus, während ich überfliege, ob das Wegschmeißen gerechtfertigt ist. Plötzlich ein Geräusch hinter mir! Ich drehe mich um: ein braun gebrannter Gartenzwerg mit Schubkarre, Blaumann und Haiwaihemd. Er guckt mich an, sagt nichts und lädt eine elektrische Heizung ab. Ich bin baff …
Der Zwerg entfernt sich. Die blitzsaubere Schubkarre und sein silbernes Haar glitzern in der Morgensonne. Dann verschwindet er im Tor zur Laubenkolonie. Mittlerweile habe ich meine Sprache wieder. Zu spät.

Vorgestern halte ich wieder bei den Schrebergarten-Containern. Es ist Nachmittag, der große Parkplatz leer, nur an der Straße stehen ein paar Autos. Ein oberkorrekter Verkehrsteilnehmer parkt etwas mehr als einen Meter entfernt vom Ende der Parkbucht.  Weil die Einfahrt zum Parkplatz aber mehr als großzügig breit ist, stelle ich mich den Moment dahinter. (Halten zum Be- und Entladen, nennt sich dieser Vorgang übrigens korrekt) Dieses Mal scanne ich nicht, was ich wegschmeiße, sondern pfeife mein Altpapier hurtig in den Container. Mit eins stemmt sich einer gegen seine Hupe! Vor Schreck fällt mir fast der Korb aus der Hand. Silberner Mercedes, glitzert im Licht, Fenster unten, Hawaihemd: mein braun gebrannter Gartenzwerg! Theatralisch kurbelnd steuert er sein stäubchenfreies Schiff durch die immer noch mindestens drei Meter breite Einfahrt. Auf meiner Höhe hält er: „DU BLÖDE KUH! DU LEBST HIER NICHT ALLEINE! STRASSENVERKEHRSORDNUNG, FALLS DU ÜBERHAUPT LESEN KANNST!“
Wir haben uns jetzt zweimal gesehen. Per „Du“, meinetwegen, wir kennen uns: „Bist doch durchgekommen, du Ochse!“
„MINDERBEMITTELTE PLINSE! BEKNACKTES LANDEI! DAS IST JA NICHT ZU FASSEN!“
Mein neuer Freund, der Gartenzwerg, lässt mich zum zweiten Mal sprachlos zurück. Diesmal zusätzlich in einer Staubwolke, so impulsiv latscht er auf’s Gas.

Was meinen Sie, wen ich heute Morgen bei Aldi getroffen habe?
Ich suche mal wieder bei Obst und Gemüse – diesmal nach abgerissenen Kohlrabiblättern für die Meersau – stellt sich einer neben mich und drückt an den Pfirsichen rum. Schön in eine Frucht nach der anderen würgt er seinen schrumpeligen Daumen. Ich schaue hoch: Haiwaihemd-Zwerg!
„Die werden nicht besser, wenn Sie die alle antatschen“, raune ich ihm zu.
Planmäßig explodiert der Kleingärtner: „KÜMMERN SIE GEHIRNAMPUTIERTE BORDSTEINSCHWALBE SICH UM IHREN EIGENEN SCHEISS!“

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Falscher Ganove

Wenn Menschen abends heimkommen, sind sie verschiedengradig erschöpft und unterschiedlich tranig.
Ich zum Beispiel bezog gestern an einem oberen Fenster Posten und guckte ein Loch in den Garten.
Als ich so träumte (und richtig schön war’s!) – stellte ich Augen plötzlich scharf auf Scheibe: Da prangte eine Sammlung feinster Fettfinger! Alles drauf: Fingerspitzen, Handballen … fest umrissen, traumhaft klar und keine verschmierten Ränder. Wie gerne hätte ich einfach weiter geglotzt – stattdessen wischte ich nun verärgert über einen Schmiergriffel. Nichts passierte. Ich hauchte kräftig dagegen, wischte erneut: nix.
Mir dämmerte es: Die sind von außen.
HIER WOLLTE JEMAND EINSTEIGEN!“, brüllte ich durchs Haus.
Mein Mann kam gelaufen: „Wo?“
Er riss das Fenster auf: „Unten steht die Treppenleiter!“
Ich riss das andere Fenster auf: „Muss ein sportlich Mensch gewesen sein.“
„Hast du im Haus was bemerkt?“
Alles wie immer, ich schüttelte den Kopf.
„Wo ist eigentlich der Pubi? Der fehlt!“
In dem Moment schellte es. Ich stürmte die Treppe runter. Durch das Türglas sah ich ein bekanntes Bike schimmern. Ich machte auf, brandete mir ein japsender Wortschwall entgegen: „Mutter, warum gehst du nicht an dein Handy?? … Ich hab zig Mal versucht, dich zu erreichen! … Ich kann doch nicht schwarz fahren!!“
„Das stimmt. Das ist verboten. Dafür hast du ein Schokoticket*.“
„Liegt im Flur … Unten auf der Bank … Ich musste zur Nachhilfe … Hatte die Tür schon zu, fiel mir der Fahrschein ein … Schlüssel liegt auch inner Bude … Und du bist nicht ans Handy!!“
„Voll ärgerlich. Was haste gemacht?“
„Hab ich versucht einzusteigen … Bei mir oben war Fenster gekippt … Hast du letztens in deiner Kolumne beschrieben: Total easy, ein gekipptes Fenster zu öffnen!“
Die Fettgriffel, alles klar! „Hats funktioniert?“
„Wäre ich dann mit dem Rad?!“
Schlüssig argumentiert, musste ich zugeben. „Und wie bist du zu dir hoch geklettert?? Du bist doch nicht etwa wieder über die Dachrinne geturnt!“
„Mitter Leiter.“
„Die stand in der Garage.“
„Hab ich hinten raus geschoben.“ Er sammelte sich und er japste nicht mehr ganz so stark: „Dieses Mal wäre das Fenster auf alle Fälle dran gewesen. Sei froh, dass mir das letztens schon rausgefallen ist!“

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(*Schokoticket: Fahrschein für Schüler)

Geschwätzige Leuchtstäbe

Einkaufen geht mir echt auf die Nerven. Wertvollste Zeit ist das, die man zwischen Flaschen, Eiern und Würsten verplempert.
Was könnte Mutter in der Zeit nicht alles anstellen! Sie könnte sich ein bisschen mit ihrem Mann rumstreiten, sie könnte eines der Kinder föhnen – oder sie könnte auch einfach etwas arbeiten. Da liegt es auf der Hand, dass sie das Wagenschieben gerne so weit hinauszögert, bis die Woche um ist. Es sei denn, das Brot ist alle. Doch auch dieser missliche Umstand lässt sich lösen: Der Handel bietet sortenreich Knäckebrot.

Gestern war es wieder so weit: ausgemergelte Nager im Kühlschrank. Einer lag im Butterfach, der andere dort wo der Joghurt hingehört. Ich machte mich also stöhnend auf den Weg, natürlich unterstützt vom Geflügelmädchen. Die hatte sich, damit man sie besser sieht, einen Ring aus Leuchtstäben um den Bauch gebunden.

Bei einem meiner bevorzugten Discounter befindet sich die Quengel-Ecke gleich hinter dem Eingang. Das gefällt mir, da werden die Gespräche über Nutz und Unnutz von Schleckereien am Anfang abgehandelt. Hernach widmet man sich, dieser Last befreit, in Ruhe dem daheim vergessenen Einkaufzettel.

Das kleine Mädchen bedachte wie immer wortreich und mit viel Hin und Her alle Familienmitglieder. Nachdem das geschafft war, sagte Mutter: „Jetzt kannst du schon mal nach deiner Zeitung gucken, ich mache derweil den Einkauf.“
Das Kind düst ab. – Leider nicht lange. Ich bin noch nicht mal bei den Äpfeln, da kommt sie angerannt: „Mama, die haben wieder Fillyzeitung!“
„Du darfst dir eine nehmen, haben wir doch ausgemacht.“
Kind rennt weg. Mutter denkt sich: Naja, und sucht für die Meersau einen großen Kopf Eisbergsalat. Packt ihn, ohne hinzusehen in den Wagen und hält jetzt Ausschau nach einer Schale Möhrchen, ebenfalls fürs Viech.
„Mama, guck, dieses Mal liegt ein pinker Puschelstift bei der Zeitung bei!“
Ich sehe gar nicht hin und sage nur: „Toll.“
„Guck doch mal, der hat sogar Glitzer!“
Ich werfe einen Blick auf die Zeitung. „Prima.“
„Mama, und guck, hier das Filly, das habe ich noch nicht.“
„Ist gut, Kind, ich möchte jetzt einkaufen!“
„Mama, was steht hier?“
„Schatz, jetzt langt es. Quassel mich nicht voll, ich muss mich konzentrieren, sonst vergesse ich die Hälfte! Wenn wir daheim sind, lese ich dir die Zeitung vor.“
„Ich hol schon mal Joghurt!“, ruft das kleine Mädchen und rennt mit der Zeitung los.
„Wo liegen denn die Leuchtstäbe?“ Plötzlich eine Stimme hinter mir. „Ich brauche nämlich welche.“
Ich drehe mich um und sage bedauernd. „Die sind nicht von hier, die haben wir mitgebracht.“
Die weiß gekleidete Dame mit der Cote d’Azur-Sonnenbrille lässt sich nicht beirren: „Ich habe meine Leuchtstäbe seinerzeit alle verschenkt …“
„Das ist schlecht“, antworte ich und will nach den Berner Würsten für den Grill greifen.
Der Dame ist das egal. Sie will jetzt meine Aufmerksamkeit. „Für eine Fete brauche ich Leuchtstäbe …“
Ich mache mechanisch „Hm“, und scanne die Wurstauslage. Zwei Sachen auf einmal kann ich nicht. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie ein Stapel Joghurtbecher angewankt kommt. Eine Zeitung ist auch dabei.
Die Dame streckt ebenfalls die Hand in die Wursttheke, lässt aber das Thema nicht fahren: „Die Fete … in drei Wochen ist sie“, sagt sie bedächtig. Da krachen die Becher runter. Bis auf einen landen alle in meinem Wagen.
Nach außen störe ich mich nicht daran, innerlich platze ich gleich. Während mein kleines Ding den heruntergefallenen vom Boden klaubt, richte ich die Becher im Wagen auf, weil Joghurt am Deckel können die bei mir daheim nicht leiden.
Die Dame scheint von dem Ganzen nichts mitzubekommen, denn sie setzt besonnen fort: „Anstatt Kerzen … Die sollen auf dem Tisch leuchten, wissen Sie?“
Ich antworte nicht mehr, sondern ziehe nur die Luft ein.
Mein kleines Mädchen zupft an meinem Rock und flüstert, dass es bis zur Joghurt-Theke schallt: „Jetzt sag ihr endlich, sie soll dich nicht vollquasseln! Du vergisst sonst die Hälfte!“

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Müller, Meier, Schulze, Schmidt – machen allen Blödsinn mit

Samstag in der Früh verlangte mein Mann nach einem Lumpen und wedelte damit über seinen Drahtesel. Nebel. Und dann: Oha, das Rad ist schwarz! Natürlich putzte mein Mann nicht einfach so; er wollte ausradeln.

Auf der Straße war es morgenstill: nur Vögel, die Sonne und wir. Wir waren noch nicht weit gekommen – rot verklinkertes Reiheneckhaus – wienerte der Erste seinen Wagen. Vor der Garage, inmitten seines blühenden Vorgartens. Ging uns nix an, darf er ja. 500 Meter weiter wurde es aber interessant! Wieder Reihenhaus, diesmal Mittelhaus, weiß verklinkert und breiter aufgesetzt. Mein Mann sagte: „Wow!“
Ich fragte: „Was?“
Er nickte zur Tiefgarage. Ich guckte. Die Abfahrt blendete. Eine rechtschaffene Hausfrau mit Eimer und Schrubber und Schweißflecken unter den Achseln – Sie feudelte die Garage!!
Ich konnte nicht anders, mir entfuhr ebenfalls ein: „Wow!“
„Schade“, mein Mann feixte. „In unserer Garage passiert so was nicht.“

Eine Stunde später, auf dem Rückweg, ist vor dem rot verklinkerten Reihenhaus immer noch Betrieb. Der Wagen funkelt – jetzt putzt der Mann die Garagenfenster.
Da habe ich gleich zweimal hingeguckt!
Ich sagte zu meinem Mann: „Schade, in unserer Garage passiert so was nicht.“
„Möchtest du, dass ich das Garagenfenster putze?“
Also, wenn er schon so fragt …
„Gut“, sagte er, „aber nur, wenn du dafür den Boden wischst!“

Fenster hat mein Mann in seinem Leben noch keine geputzt. Soviel steht fest! Diese Vereinbarung war also nicht koscher, da konnte ich gut einschlagen.

Daheim hatte ich unsere Abmachung fast wieder vergessen (immerhin liegt ein steiler Berg zwischen den Rot-Verklinkerten und unserer Hütte), sagte mein Mann: „Lass uns jetzt Ortsbegehung machen!“
Er schellte an der Haustüre: „Pubi nehmen wir mit.“

Wenn er das so wollte …

Der Pubertikel kam die Treppen herunter gestürmt.

„Komm mal mit in die Garage“, sagte mein Mann.

Pubi hörte auf zu grinsen.

Das Tor fährt hoch, mein Mann bekräftigt noch mal: „Du: Boden – ich: Fenster.

Ich, Hände in den Taschen, nicke. Tor ist offen und ich baff: „Kein Fenster?“

Keiner sagt was.
Pubi druckst: „Dat Fenster, äh … dat is … rausgefallen is dat.“

„Das seh ich. – Von alleine?“

„Ja, einfach so.“

„Und woher weißt du das?“

„Ich bin da durch. Ich hab den Aufmacher nicht gefunden.“

„Wieso fällt dabei das Fenster raus, du bist doch schon zig Mal eingestiegen?“

„Bin mit dem Schläger hängen geblieben.“

„Versteh ich nicht. Wofür braucht man einen Schläger, wenn man sein Rad holt?“

„Das scheiß Loch ist viel zu klein!“ echauffierte sich da mein Pubertikel. „Ich musste zum Tennis. Spät war’s. Und dann passte der Rucksack nicht durch. Hab ich bissel gezogen. Ganz leicht nur!“

Hätte er den großen Tennisrucksack vor der Türe stehen gelassen, hätte den flugs einer weggeklaut. Das liest man ja öfter.

Mein Pubertikel griente: „Aber ich war pünktlich! Kannste anrufen.“

Na, ein Gutes hat’s: Wenn mein Mann kein Fenster putzt, putz‘ ich erst recht keinen Boden!

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Eine Altersfrage

Oberhausen baut. Wenn dafür Altbestand abgerissen wird, gefällt mir das sogar. An einem dieser schon ewig leerstehenden Häuser komme ich jeden Tag vorbei. Zusammen mit dem Geflügelkind, vor und nach dem Kindergarten.

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Gestern – die sehr sportliche Mutter war mit dem Tandem angereist – fragt das kleine Mädchen: „Was wird hier gebaut?“

Mutter ist in Gedanken noch beim Job, weiß es außerdem nicht genau und muss zusätzlich über die gutgefüllte Kreuzung steuern. „’was Altersgerechtes.“

Erwartungsgemäß fragt das Kind: „Was ist das?“

Mutter konzentriert sich und landet im Leben: „Das ist ein Haus, wo alte Leute wohnen, die nicht mehr so gut laufen können.“

„Also solche wie du.“

Da bin ich fast vom Rad gefallen. „Hä?“

„Na, du läufst doch auch nicht viel. Entweder fährst du mit dem Auto oder du nimmst das Rad.“

„Das liegt daran, weil wir so weit weg wohnen.“

Das Geflügelkind lässt den Bewegungsstrang sausen und setzt neu an: „Doch, das ist für solche wie dich, weil du bist alt.“

Mutter bleibt die Spucke weg. Mehr als: „So’n Käse!“, kriege ich nicht über die Lippen.

Das kleine Kind guckt derweil in den Himmel und überlegt: „Oder bauen die das für solche wie den Papa?“

„Der Papa ist ebenfalls nicht alt!“

„Für wen denn dann? Jetzt sag doch mal! … Oma vielleicht?“
Noch ehe ich antworten kann, korrigiert sie sich: „Ne, das ist Blödsinn. Oma ist jünger als Papa.“

So langsam komme ich total aus dem Tritt. „Die Oma ist natürlich älter als der Papa!“

Das kann nicht sein! Die ist doch viel kleiner.  Außerdem hat sie weniger graue Haare.“

Wer jetzt meint, das war endlich alles: Nein, das Kind setzt noch eins drauf. „Für Opa?“

Gerade will ich antworten, dass auch der Opa so etwas noch lange nicht braucht, da fällt sie mir ins Wort: „Nein, für Opa nicht. Opa hat kaum graue Haare. Der kann nicht viel älter sein als ich!“

Ich habe dann angehalten und wir haben ein kurzes Picknick an der Hauptstraße eingelegt. Darüber entfiel ihr planmäßig die Fragerei. Vielleicht nehmen wir heute einen anderen Heimweg. Ich darf nicht vergessen, im Kindergarten nachzufragen, ob die der versehentlich was gegeben hatten …!

Irgendwo – Das Veränderungsprinzip

Mit Umziehen ist Familie Em durch, Hab und Gut grob verstaut  – zur Belohnung und zu Entspannung der Füße verbringen die Eltern den Abend vor dem Fernseher. Ein Agenten-Thriller, welcher den Protagonisten gleich nach der ersten Werbepause auf einen Flug nach Südamerika schleust. Ohne Ticket, im Gepäckraum. Der lange Flug rausgeschnitten, nächste Sequenz Ankunft Airport. Das verschwitzte Servicepersonal trägt Knarren unter den Overalls und beschimpft sich in irgendeiner Sprache. Muss ja authentisch wirken. Der deutsche Zuschauer kriegt folgerichtig Untertitel eingeblendet. Frau Em beugt sich vor, kneift die Augen zusammen und fragt: „Hä?“
Herr Em beugt sich ebenfalls vor: „… wie spät ist es?“
Frau Em: „Das ist doch egal! Was steht da?“
„Ich habe Hunger.“
„Dann mach dir was! Ich kann den Scheiß da nicht lesen!“
Herr Em: „Willst du jetzt wissen, was da steht oder willst du weiter pöbeln?“

Was war geschehen? Der Bildschirm war einfach zu klein für Ems neues geräumiges Wohnzimmer. Das mit den Untertiteln ging weiter. Em wechselte das Programm. Gleicher Mist: Untertitel.

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An diesem Abend beschloss Em: Ein Beamer muss her!
Weil er ein Mann der Tat, guckt er gleich bei eBay. Mann will ja erst mal ausprobieren. Dem Fernsehprogramm kann er sowieso nicht folgen, weil seine Frau immer wieder lamentiert. Sie wisse nicht, worum es ginge und Blabla. Weibergeschwätz eben.

Em ersteigert einen Beamer, das Ding kommt, Ems sind begeistert. Gucken ohne Leinwand auf der rosa Zimmerwand. Prima. Nur einen Nachteil hat die Neuanschaffung: Will ein Em eine DVD schauen, muss er die halbe Anlage abbauen, um ein paar Kabel umzustöpseln.

Em, schlau, wie er ist: „Wir brauchen einen Beamer der nächsten Generation!“  eBay, ZACK, alles in der gewohnten Geschwindigkeit.

Das Ding ist klobig, mächtig wuchtig und schwarz. Ems sind ein wenig überrascht. Am Abend versammeln sich die Großen zum Tatort-Gucken – Hoppala, lauter rosa Flecken im Bild!

Em: „Ganz klar, der ist schärfer, die Wandstruktur zeichnet sich ab. Wir brauchen eine Leinwand!“

Frau Em: „Nein, das will ich nicht, wie sieht das denn aus! Wie selten guckst du fernsehen und dann hängt hier ständig so ein Ding rum. Ich will das nicht!“

EM hört schlecht und so macht er, was er für richtig hält. Besorgt eine Leinwand mit breitem schwarzen Rand und mit Metallkasten. Sie soll sich ja zurückziehen können. Schraubt das Ding unter den Stuck, Frau Em schimpft. Allein Em lässt sich nicht beirren.
Das kleine Kind kommt ins Zimmer: „Papa, wieso hängst du die Markise ins Haus?“
Das große Kind kommt hinterher: „Oh, ist einer gestorben?“
Herr Em winkt ab. Lässt stattdessen die Jalousie herunter und zeigt auf das Sofa: „Bitte Platz zu nehmen, die Damen und der Herr!“
‚Sendung-mit-der-Maus‘ fängt an.
Herr Em: „Und? Super, nicht?“
Das kleine Kind: „Papa, warum haben die alle so rosa Flecken?“

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„Wenn mir heiß ist….“

Einer von Geflügelmädchens Freunden feiert heute seinen Fünften. Als ich des Jubilaren Mutter in der Garderobe eine Nachricht schrieb (schön altmodisch auf einem Zettel), fiel mir das hier wieder ein:

Letztens – ebenfalls Geburtstagsanlass – trafen sich die Kleinen auf einem Indoorspielplatz. Weil ich keine Zeit zum Bringen hatte, fuhr Hella bei ihrer Freundin Amelie mit. Das mit der Zeit geht nicht nur mir so, Amelies Mutter packt drei Zwerge ins Auto. Sie fahren los, es gießt aus Eimern. Hella und Aaron hinten, Amelie vorn neben der Mama. Auf der Hauptstraße sagt Hella zaghaft: „Mir ist heiß…“
Die Mama: „Dauert nicht lange, wir sind bald da.“ Sie legt eine Kinder-CD ein.
An der nächsten Kreuzung, Hella: „Wenn mir beim Autofahren so heiß ist, muss ich immer brechen…“
Amelie nickt: „Muss sie.“
Die Mutter kurbelt Fenster runter.
Aaron hinter ihr: „IGITT! Ich werd ganz nass!“
Mutter-Amelie kurbelt Fenster wieder Stück rauf.
Hellas Kopf färbt sich dunkler.
Amelie zu ihrer Mama: „Als wir zu Nadines Hochzeit fuhren, hat mir Hella Kartoffeln auf die Hose gebrochen. Hier, aufs Bein.“
Hella korrigiert: „Nudeln waren das.“
Amelie: „Stimmt. Mit Fleischbrocken.“
Aaron: „Ich erinnere mich. Möhren waren auch dabei.“
Hella: „Ich ess überhaupt keine Möhren! – Das waren Erbsen.“
Aaron: „Ist egal, auf alle Fälle war’s Gemüse.“
Amelie: „Ja.“
Hella: „Mir ist so fürchterlich heiß….“
Mama-Amelie kurbelt das Fenster wieder ein Stück runter.
Aaron: „Mach zu, guck doch, wie nass ich werd!“

Sie haben es tatsächlich geschafft, sauber ans Fahrtziel zu kommen. Amelies Mutter erzählte später: „Die Fahrt hat mich mehr gestresst als die letzte Inventur!“

Heute Nachmittag nimmt sie Hella wieder mit. Ich wünsche ihnen, dass es nicht regnet!

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Wer frisst wen

Schlacht ums Nachtmahl endlich ausgefochten: Mutter räumt den Tisch ab, weil ist ja meine Aufgabe. Da höre ich das Geflügelkind mit der Meersau verhandeln: „Du musst mir das geben, Eddy! Komm, gib’s her!“
… was kann die kleine Sau dem Kind geklaut haben?
„Eddy, zeig her! Ich mach das!“
Winzige Füßchen flitzen durchs Streu, während ich Käse in den Kühlschrank schichte.
„Was soll das, Eddy, will du das etwa behalten?“
Jetzt raschelt die geflochtene Bude. Aha, Eddy hat sich verzogen.
„Los, gib her, sonst hol ich die Mama!“
Ich horche auf. Statt mit dem Brotkorb in die Küchenzeile, biege ich ins Wohnzimmer ab. Die geflochtene Grasbude liegt auf dem Kopf und Eddy nimmt Reißaus.
Ich kann nichts Fremdartiges im Käfig entdecken. Dem Aufstand nach müsste es sich mindestens um ein Fillypferd handeln.
„Was ist hier los?“ Ich lasse mich neben dem Geflügelkind nieder.
„Guck doch!“
Ich sehe nix …
„Na hier!“ Ein kleiner Finger zeigt irgendwo in den Käfig.
„Geht’s genauer?“
„Da, am Fuß! Siehst du?“
Eddy steht mit den Vorderbeinchen im Körner-Napf, reckt sich zu mir und schnüffelt. (Vorhin habe ich Gurke geschnitten.) Und dann sehe ich es: Auf dem weißen Pfötchen funkelt ein schwarzer Punkt. Mit dem Fingernagel versuche ich, den Punkt wegzukratzen. Abgesehen davon, dass Eddy knurrend stiften geht, geschieht nichts. Der Punkt rührt sich nicht vom Fleck. Das lässt nur einen Schluss zu: Der Punkt ist eine Zecke.
„Sag ich doch!“ Das Kind nickt eifrig. „Aber wo hat er die her? Der geht doch nicht raus.“
„Haben wir sicher mit Wiese reingeschleppt …“
„Sehr richtig“, mischt sich der Pubertikel ein. „Zecken lauern im Gras, bis Blut vorbei kommt.“
Das kleine Mädchen guckt angewidert. Der Pubertikel feixt.
„Vielleicht kannst du ihr das etwas weniger schaurig erklären?!“
„Klar doch …“
Da steht das Geflügelmädchen auf, kuschelt sich an den großen Bruder – und ich gehe in meine Küche. Ein wenig wundert es mich, dass er nicht sofort anfängt zu reden. Muss sich wohl sammeln. Wird eben vernünftig, denke ich stolze Mutter und lächle. Fast in der Küche – Shit, Brotkorb neben dem Käfig vergessen! Gehe zurück: „….. und dann reißt die Zecke mit ihren Klauen die Haut auf und bohrt ihren Stachel ins Fleisch. Siehst du, so …“ Er stupst gegen das Ärmchen. Noch ehe ich den Pubertikel an seinen Löffeln ziehen kann, fragt das Geflügelkind gebannt: „Aber essen wollen die mich nicht?“
„Nein, nein, da brauchst du keine Angst haben! So ein futzelig kleiner Minipunkt frisst keinen Menschen. Der trinkt ein wenig Blut, wie eine Mücke. Mehr nicht.“
Das kleine Mädchen zieht das Hosenbein von einer Wade. „Guck, das war eine Mücke.“
Ich kann nichts erkennen, der Bruder auch nicht, aber das ist auch nicht wichtig.
„Bringst du mich ins Bett?“, fragt jetzt das kleine Mädchen und klettert auf des Bruders Rücken.

Als sie an mir vorbeischwanken, zische ich dem Pubertikel ins Ohr: „Wenn sie sich heute Nacht fürchtet, bring ich sie zu dir!“

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Nachtrag: In der Nacht war es ruhig, keiner plärrte. Die Zecke war heute Morgen fort. Ich gehe davon aus, Eddy hat die Sache final gelöst.

[Der lyrische Mittwoch, Folge 9] Anke Müller – Besuch eines Preußler-Protagonisten

[Der lyrische Mittwoch] von TEXTBASIS
Anke Müller im Interview

textbasis.blog

Haben Sie gut geschlafen? Ich wünsche es Ihnen – doch wenn nicht, dann wird Ihnen der lyrische Mittwoch heute mit einer frischen Prise Humor helfen, den Tag gut gelaunt anzugehen. Aber immer der Reihe nach. Es ist mir eine Ehre, Ihnen diese Woche die Texterin und Freie Autorin Anke Müller vorstellen zu dürfen. Sie lebt in Nordrhein-Westfalen, arbeitete in einer Werbeagentur in München, produzierte Werbefilme in Düsseldorf und textet derzeit für andere und sich selbst. Auf ihrem Blog veröffentlicht sie Kolumnen und Geschichten aus ihrer „verrückten Familie“, ihr erster Roman befindet sich kurz vor der Fertigstellung. Sie sagt, dass ihre Aufsatzhefte in der Schule von den Deutschlehrern grundsätzlich einbehalten wurden. Ich freue mich, sie und ihre lebhafte Sprache heute hier auf dem textbasis.blog zu haben.

An das „Kleine Gespenst“ von Herrn Ottfried Preußler kann ich mich noch sehr gut erinnern, wahrscheinlich ging es mir damals, wie es unzähligen Kindern noch…

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Besuch eines Preußler-Protagonisten

Letzte Nacht, es muss kurz nach Geisterstunde gewesen sein, stand plötzlich ein kurzes Gespenst in der Schlafkammer. Fahles Licht aus einem anderen Zimmer im Rücken, nur Umrisse waren zu erkennen. Das Hemdchen reichte fast bis zum Boden, die Härchen halblang und zerzaust. – Ich habe mich echt erschrocken.

Aber dann probierte ich es mit Totstellen. Funktionierte auch super, denn mein Mann hob seine Bettdecke an und sagte zu dem Ding: „Komm her, kuschel dich zu mir.“

Ich – weiterhin nicht da. Das sah das Ding wohl auch so und trampelte mir voll in die Rippen. Kaum war es da runter, zog so ein Hirni an meinem Kissen. Habe ich leise geknurrt, woraufhin von meinem Kissen abgelassen wurde.

Als die das neben mir endlich sortiert gekriegt hatten, beugte sich mein Mann zu mir: „Da drüben brennt noch Licht.“
Stimmt, sagte ich und drehte mich auf die andere Seite.

Mein Mann sank zurück in sein Kissen und begann augenblicklich ruhig und gleichmäßig zu atmen.

So, und dann ging das erst richtig los! Ich wollte gerade wieder einschlafen, rammt ein kleiner Fuß meinen Rücken. Ich sofort hellwach! Doch wer jetzt meint, das Fußding wurde zurückgezogen – von wegen! Ein zweites kleines Hammelbein bohrt sich unter meine Schulter.

Ich nehme also das Durcheinander und schiebe es dem Vater unter die Bettdecke. Immerhin war es dessen blöde Idee, das Gespenst ohne weitere Fragen ins Bett zu lassen. Ziehe mir die Decke erneut über die Ohren – RUMPS!

So geht das ein paar Mal. Immer energischer schiebe ich das Gebein unter des Vaters Decke. Und immer geschwinder finden die Beinchen zu mir zurück.

Gegen zwei Uhr langt es mir. Ich nehme das kleine Gespenst behutsam auf (man will ja nichts wegbrechen) und lege es schön bequem in meinem Bett zurecht. Da seufzt es zufrieden und ein Ärmchen schmiegt sich um meinen Hals.

Ich zog dann ein Zimmer weiter in ein freies Bett mit rosa Hello-Kitty-Bettwäsche. Auch das Licht löschte ich. Mein letzter Gedanke gegen 3 Uhr 15 galt dem Vater: Hoffentlich pennt der mindestens genauso schlecht wie ich!

Am Morgen fragte ich ihn:  „Und, hast du gut geschlafen?“
„Selten so gut.“

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Wer sein Ding liebt …

Wider Plan hockte ich Freitagnachmittag mit einer Kindergartendelegation am Spielplatz. Von den herzigen Kleinen war durch den dicken Nebel, den gequirlter Sand in Trockenperioden erzeugt, nicht viel zu erkennen – da aber keiner wie angestochen MAMAAA brüllte und sich auch keiner beschwerte, müssen sie zufrieden gewesen sein.
Wir Großen fläzten auf zwei Bänken und nach kurzem Stuhlkreis über die Ableger und den Alltag, landete das Gespräch flugs bei den Gebrechen. Nun ist es so, dass ich das Altersmittel dieser Runde durchaus pusche. Da waren nicht mal alle Ü30. Aber zum einen begleiten manchmal auch Großeltern die StammhalterInnen, und im Übrigen habe ich ein Pubertikel. Das birgt deutlich mehr Stoff für Lamento als alle Krankheiten zusammen! So habe ich mich bei den Siechen auch schön rausgehalten und als die Küken von Rückenschmerzen klagten und Leid, das morgens ins linke Bein kraucht und in der folgenden Nacht ein Bein weiter zieht, nur zugehört. Der sehr junge Opa auf der ersten Bank feixte: „Was wisst ihr schon von Schmerzen!“ Das andere Ü40 war klettern gegangen.

Meine Lieben kamen dann auch schnell auf den Trichter, dass mehr Sport die Sache richten müsse, weil die Muskulatur et cetera. Da habe ich mich wieder rausgehalten, weil man ist ja durchaus altersweise und fragt sich immer öfter, wieso man’s im Kreuz kriegt, wo man doch fast täglich was rumsportelt.
Nehmen wir die Kaiserin Elisabeth-Sissy (die richtige, nicht Romy Schneider!): Die war völlig der Leibesertüchtigung ergeben. Trotzdem zwangen sie mit vierzig die kehrseitigen Leiden aus dem Sattel, woraufhin sie alles verkaufte. Pferde, Ställe und die Sättel auch.

Als ich Sonntag in später Frühe aus dem Bett sprang, knackte mein Rückwärtiger leicht und ich hatte Kreuz. War jedoch noch nicht schlimm und so ließ ich die Finger vom Kirschkernkissen. Montagfrüh bereute ich das und saß kuschelig bei 26 Grad Außentemperatur mit Heizkissen am Schreibtisch.
Früher Nachmittag – Mutters Aufwärmorgie hatte angeschlagen – will sie ihr kleines Mädchen mit dem Rad vom Kindergarten abholen. Auf zwei Drittel der Strecke macht es plötzlich PAFF! – hinterer Reifen platt. Nun besucht das Geflügel nicht etwa einen Kindergarten um die Ecke. Nein, nach Umzug mochte es gern im 14 km entfernten Kinderhort verbleiben.

Blick auf die Uhr, schnell kehrt gemacht und dann bin ich Kilometer für Kilometer immer fröhlich bergan heimgelatscht. So ein Tandem ist ein flinkes Geschoss – aber wehe, wenn es luftleer! Dann wird das Ross zu irgendetwas schwer beweglichem aus dem Straßenbau. Rüttelmaschine oder so.

Weil ich in unbekanntem Gebiet abkürzen wollte, beschritt ich eine langgezogene steile Anhöhe und stand auf einmal mitten auf dem Schulhof vom Pubertikel! Es ist jetzt nicht so, dass ich das Übel nicht bereits ein paar Meter vor dem Kamm befürchtete – immerhin hatte ich weiter unten ein paar Mädels nach eventuellen Treppen auf meinem Weg gefragt und die sprachen von einer Schule oben am Berg – aber was weiß denn ich, wieviele Schulen es in der Gegend gibt.

Es spangen auch genügend Halbwüchsige über das Gelände – die anderen saßen drin und sollten lernen. Taten sie aber nicht mehr, als ich an den Glasfronten vorbeiwanderte. Habe ich also nett gegrüßt und mich nochmals beglückwünscht, dass bei uns der Vater den Kontakt zur Schule hält. Und natürlich habe ich mir intensiv gewünscht, dass des Pubertikels Klasse zur anderen Seite raus im Unterricht hockte. Nur weil Lehrer einen nicht kennen, bedeutet das nicht Gleiches für Schüler.

Ich will jetzt nicht weiter jammern! Das siamesische Eisenpferd und ich erreichten nach einer Stunde den Stall. Heute habe ich saumäßig Kreuz und weil das nicht langt: Beine habe ich extra noch. Das Pferd, das ist bis auf Weiteres ein Intensivpflegefall – und der Pubertikel braucht mir nicht noch mal kommen, die Bahn sei ausgefallen, dessentwegen er nicht zu Fuß könne und dergleichen Blödsinn!

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Vom Reifenwechseln und den Folgen

In letzter Zeit hatte Mensch ausführlich Gelegenheit, quer und ausgiebig über’s harsche Klima zu lamentieren. Von der überfälligen Eiszeit war zu lesen, Frau Holle bekam die Federpfühle angefackelt, Schneemänner wurden hinterrücks erstochen – gar lustige Bildchen kreisten in den sozialen Netzen. (Manchen von uns schien die Meckerei noch mehr zu reizen als das Wetter.)

Jetzt ist draußen jedenfalls eines klar: Natur macht Frühling! Bäume, Sträucher, Gräser, Blumen – schön bunt und schön pollig. Es gibt aber noch etwas, das der Frühling raustreibt: Sommerreifen aus den Garagen!

Ich habe jetzt  auch welche. Da schaut Auto wieder nach Auto aus. Nur – fahren sollte es auch. Tut meiner aber nicht. Poltert sich ein. Friert wohl noch. Blieb mir nichts anderes übrig, als heute morgen beim Reifenhändler nach dem Rechten zu sehen. Der sagte dann auch gleich: „Au, au, lassen Sie den bloß hier!“

Klar, mache ich. Voller Terminplan, Fahrrad und ab Mittag Dauerregen.  Total sportlicher Tag. Das Hellakind wird Augen machen, wenn sie nach dem Kindergartenjob 14 km durch Matsch und Modder mit mir heimstrampeln soll. Schutzblechlos. Da freut die sich ein Loch in den Bauch.

Aber egal, muss halt. Eben habe ich jedenfalls mein Auto in Broich getroffen. Wenn die so weit Probe fahren, kann es so schlimm nicht sein. Der Himmel hält auch, was der Wetterfrosch verspricht: Grautöne schieben sich wohlwollend ineinander. Dann will ich mal los – und das Kind kriegt die Taucherbrille auf!

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Das Zeug muss fort!

Wer zu uns wollte, musste die letzten drei Wochen über einen Berg blauer Säcke steigen und ein Speißfass – die üppige Folge von Lenzrasur im Garten.

Nach der ersten Woche hatten sich meine Mitbewohner daran gewöhnt. Das Pubertikel nutzte den Haufen als Fahrradständer und seine Geflügelschwester zupfte, sobald Pubi den Platz freimachte, Stöckchen aus den Pedallöchern. Das Geäst trug sie zur Fußmatte, brach es zurecht und schichtete kleine Scheiterhaufen. War sie damit fertig, sorgte sie für hitziges Schneegestöber. Im Anschluss wollte sie immer gleich rein, das Laub im Kragen kratzte. Wäre es nach denen gegangen, hätten wir’s so gelassen.

Jetzt wohne ich aber auch hier! Wohin nun mit dem Zeug? Für Kompost war es zu holzig, auf Häckseln hatten die Jungs keine Lust. Und ich hatte keine auf den Mülheimer Recyclinghof!

Es ist nämlich so, dass dort Einheimische ihren Grünschnitt for free abliefern können. Doch als Frau Müller eines Tages auf die Rampe fuhr, lief das wie bei der Polizeikontrolle. Der Chef winkt raus:
Tach“
„Hallo. Ich möchte Grünschnitt a
bgeben.
Machen Se dat, wo Se wechkommen! …  wo liecht dat überhaupt?“ (angedeuteter Bückling zum Nummernschild)
„450 km von hier.“
Bisse denn plemplem, und fährst dat Zeuch einmal quer durch et Land?!
So schnell sind wir beim Du und hinter mir fangen sie an zu hupen.
„Ich wohne in Mülheim!“, sage ich höflich (ich will ja was) und krame nach meinem Ausweis.
„… und die Karre gehört deim Freund, schon klar. Soller dat Zeug nach sich entsorgen!“

Am Ende wurde ich meinen Gartenabfall zwar los – und ich musste mir nicht mal die Finger schmutzig machen – aber man will sich ja nicht immer unterhalten.

Was ist jetzt der Hintergrund?
In Oberhausen funktioniert Grünschnittabliefern nämlich nicht for free. Unsere Nachbarn müssen bei ihrem Wertstoffhof löhnen. Nicht viel – 1,50 EUR pro 120l-Sack – aber immerhin. Da kann einem schon der Gedanke kommen, nach Mülheim zu exportieren. Zumal sich das mit unserer Stadtgrenze mitunter fließend verhält. Erst gestern bin ich wieder in dem Winkel vorbei gekommen, wo das Ortsschild auf der Hälfte eines Gartenzauns steht. Apfelbaum und Beerengesträuch auf Mülheimer Territorium – die Kirsche und der Kartoffelacker zählen zu Oberhausen. Ich kenne die dort wohnen nicht, indes vermute ich, ihre Zugehörigkeit richtet sich danach, ob die gute Stube rechts oder links vom Schild. Von der Straße aus lässt sich das jedenfalls nicht beurteilen. Ligusterhecke. … oder soll ich doch mal schellen?

Dessen ungeachtet weiß ich dafür mittlerweile, wie ich den Rampendialog umgehen kann und mein Grünzeug noch dazu fast vor der Türe los werde! (Nein, ich bringe es nicht in den Wald!!)

Mülheim unterhält nämlich mobile Grünschnittcontainer! Die werden regelmäßig an exponierten Parkplätzen abgestellt. Terminplan und Standorte sind auf der Homepage der MEG einsehbar.

An einem dieser Auffangbehälter habe ich dann heute in der Früh den Weihnachtsmann getroffen. Graugrüne Tarnkleidung, weißer Bart – er wäre mir nicht aufgefallen, schleppte er nicht einen großen Sack. Wie er über die Straße wankte, dann über den Platz, das Gesicht schwitzig … Ohne Zweifel, sein Ziel war ebenfalls der Grünschnittcontainer.

Als ich mich in den fließenden Verkehr zurückreihte, wurde mir klar, warum er seine silberne Kutsche nebst Frau auf der anderen Straßenseite parkte.
Herzliche Grüße an der Stelle nach Oberhausen! :-)

Foto: Georg Teiner, Fotograf, Oberhausen

Foto: Georg Teiner, Fotograf, Oberhausen

Frühjahrsputzfimmel

Jetzt weiß ich nicht: Fahre ich in die Waschanlage?
Meine Kollegin will sich trauen, hat sie verkündet. Sie müsse sich endlich wieder am Kackbraun erfreuen. Deswegen hätte sie den Wagen so bestellt. Soll ich nachziehen?

Also, das mit der Farbe ist mir egal. Meins ist nüchtern finster, wie ein Auto sein muss. Das sehe ich auch ohne Schaumwäsche.  Nichtsdestotrotz war ich in diesem Jahr bereits zweimal beim Putzen! Blauer Himmel, die Straßen rappeltrocken, reih‘ ich mich in die Warteschlange vor der Nasszeile. Die Vögel brüllten lieblich – und am Tag darauf: Schnee! Das hätte ich mir sparen können.

Wetter wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts protokolliert. Am 22. Mai 1958 gab es den spätesten registrierten Schneefall. An dem Tag muss sowieso eine Menge los gewesen sein: Spatenanstich für den Dortmunder Fernsehturm; drei Wisente aus dem Münchener Tierpark in den westfälischen Wald umgesiedelt (der Stier hieß Hella); in Pforzheim demonstrierten Tausende gegen Atomwaffen und der Herr Busler vom TTV Großkreutz wurde geboren. (Wer das ist? Keine Ahnung. Kam im Netz bei Suchanfrage nach Datum.)

Ich will jedenfalls nicht Schuld sein, sollten morgen einem dem Grillwürschtel an der Zange festfrieren!

Nun habe ich noch nicht probiert, ob der Schneesturm auch losjault, wenn ich statt Waschanlage mit dem Eimer rausgehe. Da wo ich herkomme, ist Selberputzen streng verboten. Auf dem Land ist eh vieles verboten. Meine Freundin Jette spricht gerne von Kuhbläke (dt.: kleine Siedlung oder Dorf) oder Kaff, je nachdem, wie viel Sprechzeit der Kontext zulässt.

In Mülheim stört den Wagen von Hand durchzuwaschen jedenfalls keinen. Man soll von Motorwäsche absehen und seinem Putztrieb nicht in der Nähe von Gewässern frönen.

Auf dem eigenen Grundstück dürfen unsere Oberhausener Nachbarn ebenfalls wienern – allerdings nicht auf öffentlichem Platz. Ich habe mir das eben erklären lassen: Bei dem Verbot am Straßenrand zu schrubben, geht es um die Gefahr, wenn einer mit seinem Lappen am Bordstein rumspringt. Da reißt er die Türen auf, schmeißt den Eimer um – Mädels das Ganze vielleicht noch in kurzem Rock (Achja, sowas darf man ja nicht mehr thematisieren!)… Jedenfalls: ZACK, könnte es auf der Straße wo knallen.

Mit Umweltschutz hat das demnach nichts zu tun. Und weil man das Gesetz in den 1970er Jahren nicht mit zig Ausnahmen aufblähen wollte – „am Straßenrand nicht, dafür auf dem Parkplatz hinterm Stadion“ – hat man es allen einfach gemacht und gesagt: Geh‘ Waschanlage!

Wie oft waschen Sie denn so Ihren Wagen?

Ich glaube, ich lasse das mit dem Badetag, ich nehme das Fahrrad.

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FroschkönigInnen und der geregelte Verkehr

Wenn die Sonne untergeht, wandern amüsierwillige Männer und Frauen vom Land über die Chaussee…

Sie ist stärker, die Frau, deswegen schultert sie ihren Auserwählten. Aber was sucht sie heim, derweil sie zehn Amors übereinanderstapelt durch die Gegend buckelt? – Frauenmangel bei Kröterichs!

Das brave Krötenweib schleppt seinen Prinzen kilometerweit. Sie ist mit ihm auf dem Weg zum Tümpel ihrer Geburt. Der Marsch könnte weniger beschwerlich sein,  entließe sie ihren aufgefädelten Nachwuchs in nähere Pfuhle. So ausgekocht sind allerdings nur vereinzelte Backfische.

Da die Kröten verständlicherweise anderen Verkehr als den auf der Straße im Kopf haben, regeln den letzteren Stadtverwaltung und Anwohner. Pünktlich, kurz vor sieben, geht der Schlagbaum runter. Und Frau Müller steht davor, weil sie ausnahmsweise aus der falschen Richtung zum Heimathafen will. Da dreht frau halt und fährt woanders lang. Aber nicht alle Wege führen heim.

Genau genommen muss man sich in Folge völkerwanderungsbedingt gesperrter Hauptstraße bei den Bessersituierten langschleichen. Die mögen aber den Durchgangsverkehr des gemeinen Volkes nicht und tun dies mit Durchfahrtverbotsschildern kund. Weil das gemeine Volk sich darum wenig schert – immerhin hat auch der Plebs ein Recht auf Feierabend – holen sich die Bessersituierten ab und an Hilfe von der Polizei.

Hier kommt jetzt der Punkt, wo mich verunsichert.
Ursprünglich langte:

Scheibe runterkurbeln

Guten Abend. Hier dürfen Sie nicht durchfahren!“

„Oh, habe ich gar nicht gesehen… Kommt nicht wieder vor!“

„Dann gute Weiterfahrt.“

Scheibe hochkurbeln

Irgendwann muss das wem zu blöd geworden sein. Statt des lehrreichen Dialogs oblag einem jetzt bei Kontakt 15 EUR Wegzoll abzudrücken.

Ein gutes Argument. Dort fahre ich nicht mehr durch.

Ich bin aber dafür, wir vergelten! Wir könnten unsere Straße auch Anwohner-Frei machen. Noch besser: Wir führten das in ganz Mülheim ein, dann hätte sich das mit den grünen, gelben und roten Abziehbildern an der Windschutzscheibe auch erledigt!

Für das Feinstaubplakettenregulativ gibt es übrigens auch solche guten Argumente. Reist man nach Oberhausen ein und trägt das Ding im Geldbeutel am Mann, kostet das exakt 60 EUR plus eine Briefmarke für den Anhörungsbogen.

Da muss man reinschreiben, was man sich dabei gedacht hat. Dass einen das handschriftliche Kennzeichengeschmiere stört, zum Beispiel.

Und die Stellungnahme wird auch erwartet! Wer den Fragebogen jungfräulich in einem Ordner ablegt – weil er meint, die Sachlage sei klar und Fehler sei Fehler – erhält einen weiteren Bescheid für 25 EUR on top. Wegen Missachtung des Kommunikationswegs. Ja, liebe Leser, Lernen durch Auseinandersetzen!
(Es wäre sehr freundlich, sähen Sie davon ab, nachzufragen, wieso ich das weiß.)

Jedenfalls wird der Krötenumzug in diesem unberührten Frühjahr länger andauern. Und so nachts das Quecksilber auf unter 7 Grad schrumpft, bleiben die Kröten daheim. Viecher schimpfen halt auch auf’s Wetter. Drum Obacht wenn es dustert!

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Ein kleines P.S. für Locationbewanderte, die stutzig macht, warum ich nicht einfach die paar hundert Meter weiter gefahren bin und dann abgebogen: Bin ich gestern auch! Aber die Baustellenzeit gilt es gleichwohl zu verdauen… ;-)

Wenn der Pferdeschwanz ergraut

Mein Kollege Klaus formulierte es artiger, aber im Kern sagte er, ich solle ihm nicht weiter mit meinen grauen Haaren auf den Zwirn gehen. Ich solle es in mein Blog wursten, da würde sich schon jemand finden. Leidensgeschichte, Handling und so.

Man muss wissen, bei meinem Kollegen wächst es oben schütter. Da macht er sich andere Gedanken – keine ums Färben. Trotzdem, ich weiß nicht, was er hat, ist ein wahrhaft interessantes Thema!

Es ist nämlich so, dass das Bleichmittel Wasserstoffperoxid für die altersweise Rübe verantwortlich ist. Beim Stoffwechsel entstehen überall im Körper kleine Mengen. Auch im Haar. Wenn im Alter der Körper mit dem Abbau nicht mehr so fix ist, behindert das die Bildung des Haarfarbpigments Melanin. Erst wird der Mensch grau auf dem Kopf, später weiß.

Aber schon die Römer wussten, der Farbe auf die Sprünge zu helfen. Henna färbt rot, Ziegenfett und Birkenasche blond, nur schwarz war etwas aufwendiger zu bekommen. Wer schwarzes Haarfärbemittel wünschte, musste das von langer Hand planen. Blutegel sammeln, zerdrücken und anschließend sechzig Tage lang in Wein und Essig einlegen.

Heute geht das einfacher. Die 70 Prozent von uns Frauen, die Haare färben (und die 3 Prozent von Euch Männern), gehen entweder zum Friseur (der kassiert dafür viel Geld, er kann sich selber Gedanken machen, wie er die Farbe kreiert) oder man wandert zum Drogeriemarkt des Vertrauens. Dort entscheidet man, ob man seine Nachbarn beunruhigen und 110 rufen lässt, weil die Farbe nach einmaligem Waschen wieder spurlos vom Kopf verschwindet; ob sie mehrere Wäschen halten soll; oder ob man die ständige Sauerei im Bad scheut und nur regelmäßig den Ansatz nachstreicht.

Mir ist das ja alles zu kompliziert. Meine Mutter verdient zwar ihr Geld mit Haareschneiden, aber als ich sie vor ein paar Jahren um Rat fragte – meine Grauhaarmaterie fasste eben Fuß – zeigte sich, dass wir nicht zusammenkämen. Meine Mutter verschönt tagsüber die Köpfe älterer Damen. Kurze dauergewellte Haare auf Lockenwicklern unter die Trockenhaube, Sie wissen schon. Oder sie betreut „frechen asymmetrischen Schnitte“ …

Ich glaube, ich stelle das Thema einfach zurück. Oder ich finde jemanden, den ich weiterhin mit meinen grauen Haaren vollquatschen kann.

Die Sonne kommt raus!
Spiegel!
Pinzette!

Haare, grau, Kehrschaufel

Bikerheimspiel

Die Osterferien waren noch keine zwei Stunden jung, als im Display einer von des Pubertikels Kumpeln angezeigt wurde. Gut gelaunt ging ich ran, ließ den anderen nicht zu Wort kommen (weil wir waren kurz vorm ersten Funkloch nach der Autobahn) und verwies ihn stattdessen auf die Mountainbikestrecke. Sagte der Kumpel, er wisse das, er sei ebenfalls dort und wir sollten bloß schnell kommen!

Vom ersten Funkloch bis zur Mountainbikestrecke kann man fast spucken.
Mein Mann sagte: „Sie haben dich angerufen und nicht den Krankenwagen, so schlimm kann es also nicht sein.“

Mein Pubertikelchen – sehr blass und sehr steif – er könne jetzt Saltos machen und ihm sei kalt. Er sprach leise und bewegte nur Füße und Mund. Blut lief nirgends raus, auch als mein Mann an ihm rumdrückte, spritzte nichts. Die Kumpel brachten die Ausrüstung den Berg runter und einer fragte, ob er das Dirt Bike zu uns nach Hause fahren solle. „Das mache ich schon“, bedankte ich mich und wünschte den Jungs einen schönen Nachmittag.

Für diejenigen, die kein Pubertikel oder sonstige fahrradverrückte Angehörige haben und sich fragen, weswegen die Kumpel feixten: Ein Dirt Bike ist ein stabiles Fahrrad mit kleinem Rahmen. Man macht damit Dirtjump (dt. „Schmutzsprung“) über Erdhügel. Weil der Sattel niedrig eingestellt ist, kann man sich mit den Knien die Ohren zuhalten.

Auf der Heimfahrt schwieg unser Pubertikelchen und saß weiterhin sehr aufrecht. Außerdem war er irgendwie langsam, erzählte mein Mann mir hinterher. Wer unser Pubertikel länger als zwei Tage kennt, weiß, dass da was nicht stimmt und so beschloss mein Mann, ins Krankenhaus zu fahren.

In den Gängen stellte das Pubertikelchen verwundert fest, dass er die Wegweiser nicht entziffern konnte. Da langten sie aber schon in der Aufnahme an. Eine Schwester schaute ihnen freundlich entgegen: „Fahrradunfall? – Dann setzten sie sich mal da hin.“ Meine Männer hatten die vollbesetzte Stuhlreihe mit den anderen, die wohl ebenfalls keinen Bock auf Ferien hatten, noch nicht erreicht, als die freundliche Schwester rief: „Nein, Sie gehen besser gleich zur Ambulanz durch! Warten Sie nicht bis jemand aufmacht, schellen Sie!“
Mein Mann fand das gut, immerhin war Freitag und er hatte jetzt Urlaub.

Den Arzt kannten sie noch gar nicht. Ansonsten ein Heimspiel: Fragebogen, Röntgen, Biegen, Drehen, Drücken – Schleudertrauma und vier Tage Bettruhe. Ohne TV, ohne Buch und ohne Computer. War aber nicht schlimm, unser Pubertikelchen wollte das auch nicht. Er schlief vier Tage. Bevor er sich niederlegte, sagte er noch, vom Biken wolle er nichts mehr hören.
Dass er das tatsächlich fast zwei Wochen durchhielt, lag nur daran, weil wir im Anschluss an sein Krankenlager endlich in die Osterferien fuhren.

Heute verleben wir den letzten Ferientag und man kann abschließend feststellen: Der Jung ist in allen Bereichen vollständig genesen und auch das Mundwerk ist intakt.

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Schlüsselfee – oder: Hilf dir selber!

Käme das Pubertikel nach seiner Mutter, litten seine Erzeuger tierisch unter Langeweile. Nehmen wir zum Beispiel meinen heutigen Vormittag, der sich bereits gestern so einstielte: Auf den allerletzten Drücker steigt das Pubertikel früh in seine Treter, hat die Türklinke schon fast aus der Wand gerissen – fällt Mutter ein: „Ich komme erst nach 19.oo Uhr heim, hast  du Schlüssel?“ Das Pubertikel sammelt sich: „…. nö. Ich nehm‘ deinen Bund!“ Im Flur wird hektisch geklimpert, der Schlüsselkorb kracht auf den Boden und der Jung will sich verdünnisieren. Das glauben Sie nicht, wie schnell ich an der Haustür war! „Nix da!“ Jetzt kann ich das brave Kind ja schlecht bis zum Dunkelwerden draußen stehen lassen – gut, es wär vielleicht eine Überlegung wert – aber es ist Winter. Nein, das tut man nicht! „Ich mach‘ meinen Hausschlüssel ab und deponier‘ ihn draußen, wenn ich gehe.“ (Klar, unter den Blumentopf neben der Türe, wo man sowas halt versteckt.)
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Heute Morgen wusste ich das natürlich nicht mehr und wie ich vorhin heimkomme……..  Bin ich noch eine Runde durch Mülheim gegurkt: Schlüssel organisieren.
Passiert ist mir sowas ja schon mal: das Pubertikel noch ein herziges Minikerlchen, Freitagmittag und mein Mann übers Wochenende in Heidelberg. Null Schlüssel weit und breit – nicht mal einen Autoschlüssel – lag alles behütet im Haus. Nun war aber Sommer und beide Flügel des Doppelfensters zum Garten gekippt. – Wissen Sie was? Es ist easy, die Fenstergriffe von außen zu öffnen und einzusteigen! Das habe sogar ich beim ersten Anlauf und ohne kriminelle Energie geschafft.
Also, Leute, macht Eure Fenster zu, wenn Ihr geht!

Kindergeburtstag: EIN DREIFACHES HOCH AUF INDOORSPIELPLATZ-BETREIBER!!

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Mein Geflügelkind feiert nachher Wiegenfest – was ein Stress.
Habe ich also, wie von der Jubilarin bestellt, extrem zuckerlastige Formgussartikel besorgt und dieses prasselige Kartoffelröstzeug.  Fürs Alibi dazugepackt gibt es auch geschnittene Gurke, Möhrchen gestiftelt, futzelige Tomaten, Mandarinen und Apfelspalten. Das Grünzeug werden sie nicht wollen, aber mutter weiß ja, was sich gehört, wenn einem so viele StammhalterInnen anvertraut werden.
Dieser 6. Hellageburtstag ist genau jener Anlass, wo ich beim Pubertikel davon abkam, jemals wieder einen in den heimischen Wänden abzuhalten. Erklären brauche ich das nicht; Eltern fühlen, wovon ich rede. Großeltern sagen an der Stelle gerne, man müsse sich nur mehr bemühen, früher hätten sie auch zehn Kinder in der Wohnstube beschäftigt. „Im Winter, und da stand sogar noch der Weihnachtsbaum rum!“ Hut ab. –  Ich lass‘ es trotzdem bleiben.
Heutzutage suche ich im Internet nach der Telefonnummer, reserviere einen Tisch; die schmücken den und ich bestücke die Stellfläche mit Knabbereien und Getränken. Der Obolus für diese Rundumbetreuung ist im Vergleich zu den Renovierungs- und Aufräumarbeiten, die eine solche Veranstaltung daheim vonnöten machte, ein Klacks.
Irgendwie freue ich mich auf nachher. Solche haushohen Klettermasten mit Polsterrutschen – in dem Alter finden die Wänster das noch richtig gut, wenn Muttern mitmacht.
Halten Sie mich hier mal nicht weiter auf – ich geh‘  jetzt spielen!

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„Wennst Schluckauf hast, denkt wer an dich… “ – oder die Meersau

Nein, nicht ich – mein Mitbewohner Eddy ist der, der hickst. Das ist aber nicht weiter tragisch. Schluckauf wird meistens durch vorübergehende Überdehnung des Magens ausgelöst. Das kann passieren durch zu hastiges Essen, ‚Hoch die Tassen!‘, oder wenn sich einer mächtig fürchtet. Verhält sich bei den Schweinderln wie den Leuten. Es gibt aber auch Fälle, da dauert vorübergehend etwas länger. Die längste Heimsuchung durchlebte der Amerikaner Charles Osborne: Er begann 1922 zu hicksen. Alle zwei Sekunden, 43.200 Mal am Tag – 69 Jahre lang.
Für Meersau Eddy kann jedenfalls nur das mit dem gierigen Vertilgen zugetroffen haben. Der hat hier den Himmel in der Stube. Grausen kennt er nur, wenn die Familie Koffer packt und die Meersaureisekiste ins Blickfeld stellt. Außerdem sind das Schweinderl und ich vormittags allein daheim. Ich am Schreibtisch, er hinter seiner Bude und döst. (Keine Frage, nach Abzug der Wilden Horden am Morgen würde ich auch lieber Erholung suchen, bis die am Nachmittag auf dem Rückweg wieder durchkommen –  aber Einer muss ja. Und ich rede hier nicht von Fußball.)
Bei Mäusen wurde letztens übrigens was Schönes entdeckt: Sie haben unter ihrem Pelzmantel Nervenzellen, die auf Streicheln mit wohligem Gefühl reagieren. Unter Meerschweinfell gibt es solche Nervenzellen bestimmt auch,  da brauche ich keine Wissenschaftler für. Streichelt einer Eddy, fängt der an zu glucksen und zufrieden zu quietscheln. Ein wenig schaut er auch aus wie eine Maus – nur beleibter und ohne Schwanz.
Wie sich das mit den Empfindungsnerven der Menschen beim Streicheln verhält, wird noch untersucht.
Für den guten Zweck: Streichelprobanden im Dienste der Wissenschaft vor!
Aber fragen Sie mich nicht, wo man sich da melden muss.
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Siegellack: Zahnschmelz jetzt im Bastelset

Hilft nichts, ich werde zum Zahnarzt müssen…
Seit Jahresanfang prokrastiniere ich das schon und zweimal habe ich wegen Wetter abgesagt. Für morgen steht ein neuer Termin in meinem Kalender. Soll ich? Schnee läge genug…..
Für fast jeden Firlefanz gibt es ein Mittelchen zur heimischen Anwendung. Nehmen wir zum Beispiel meine Spüle. In der Adventszeit hatte ich ein Seminar. Bin spät dran, schnappe eine Tasse aus dem Schrank und ZACK: Rauscht mir das Ding ins Spülbecken. Als Erstes habe ich mal gebrüllt. Das widerum lockte trotz der frühen Stunde meine Mitbewohner an. Hellakind brach sofort in Tränen aus: „MEINE TASSE! MEINE LIEBSTE BÄRENTASSE!“ Das blöde Ding war heil, Spülbecken aufgeplatzt. Mein Mann sagte, ich müsse nicht so ein Spektakel veranstalten, wenn ich eine neue Küche wolle. Das Pubertikel feixte und wandte sich seinem Handy zu.
Am Nachmittag nahm ich mich der Sache an; am übernächsten lag ein Päckchen von einem Hersteller für Sanitärkeramik im Kasten. Da waren die so nett und haben mir einen Keramik-Reparaturstift geschenkt. Was red‘ ich – sogar zwei Stifte habe ich bekommen! Einen hellen und einen dunkleren, weil ich die genaue Farbe nicht angeben konnte. Nun denken Sie sicher, dass Frau Müller sich bereits zum Weihnachtsbraten über ihre frischrenovierte Spüle freute. Pustekuchen! Weil das Versiegelungszeugs einer vierundzwanzigstündigen Trockenzeit bedarf, steht es immer noch im Regal. Und ich gieße seitdem meine gekochten Nudeln und Kartoffel ins Kanal ab. – Aber hören wir vom Essen auf, wir waren doch bei den Zähnen!
Wollten Sie nicht auch schon immer wissen, wieviel Füllmaterial pro Mitmenschengebiss verbaut ist? Spricht man ja normalerweise nicht drüber. Ich auch nicht. Fragen Sie mich mal, wieviele Füllungen ich habe. Verrate ich nicht.
Aber ich weiß, wo es solche Zahlen gibt: 11,7 behandelte Zähne hat jeder von uns. Und 2,4 entfernte.

kleiner Huehnerzahn

Von den Gefahren mit und ohne Besen

Als gestern Abend der fürs letzte Wochenende angekündigte Märzschneesturm losging, beschwerte sich meine Freundin Sandra, sie verstünde nicht, wieso sie um 7.oo Uhr morgens den Gehsteig wienern soll, wenn für Straßen was anderes gilt. Ich konnte das auch nicht beantworten. Aber ich sehe das auch nicht so eng. Ich würde den Teufel tun und mitten in der Nacht hinter irgendeinem Schieber herlaufen. Ganz gleich, ob wochentags Schneeräumpflicht von 7.oo – 20.oo Uhr gilt. „Du zählst nicht“, sagte daraufhin meine Freundin Sandra. „Leute mit Homeoffice halten den Rand.“
Hat sie natürlich recht. Am gefährlichsten ist es trotzdem im Haus. Haushaltsunfälle bringen jährlich mehr Leute unter die Erde als der Straßenverkehr. 2010 waren 7.533 Haushalts- und 3.648 Verkehrstote zu beklagen.
Homeoffice ist auf alle Fälle richtig gut. Ist ja auch zum Arbeiten da und nicht etwa zum Putzen.
Jedenfalls steht in der Mülheimer Straßenreinigungssatzung, dass die Schneeräumpflicht erst besteht, wenn es aufhört zu schneien. Dann ist doch alles fein – heute muss hier wohl keiner mehr den Besen schwingen.

(Im Übrigen wollte ich nur endlich das Foto rausziehen! :-)

Kein kalter Kaffee

Sagen Sie, wo lagern Sie Ihren Kaffee?

Bis vor wenigen Wochen steckte ich meine Ersatzbohnen in den Kühlschrank. Meine Mutter stopft ihre ebenfalls dort rein, allein bei meiner Oma war es anders: Sie kaufte Tütchen. (Ging halt gerne einkaufen.)

Nun schaute ich letztens einen Katastrophenfilm. Ein Vulkan brach aus und drohte, ein schmuckes Kaff zu vernichten. – Wie hieß der Film noch gleich? … ist ja auch egal.

Jedenfalls braute die Bürgermeisterin des Kaffs großartigen Kaffee. Als sie ihre To-Go-Becher rumreicht und die Jungs des Forscherteams über die koffeinhaltigen Kreationen herfallen, flicht die Kaffeefee nebenher ein, dass Kaffeeläger nicht in den Kühlschrank gehören. Der größte Süchtel des Teams beschloss daraufhin sofort: Dieses Kaff gehört gerettet!  – Und ich war verwirrt …

Die nächsten Einstellungen des Films haben mein Mann und ich nicht mitbekommen, weil ich die neuen Erkenntnisse mit ihm durchsprechen mochte. Er meinte, ich solle ihn in Ruhe lassen, er wolle den Film schauen. Mir war aber das mit der Kaffeelagerung wichtiger. Als er etwas lauter sagte, wir könnten uns gerne nach Ende des Films der Thematik annehmen, war der Vulkan schon am Spucken.

Die Bürgermeisterin hat übrigens Recht, ich habe mich informiert. Kaffee fühlt sich als Bohne und in seiner Originalverpackung wohl und er mag es gern finster und geruchsneutral. Temperaturschwankungen kann er wegen der sich bildenden Kondensflüssigkeit nicht leiden und den Gefrierschrank verachtet er. Überhaupt ist er gegen umfangreiche Vorratshaltung und im Gegensatz zu mir kein Freund des Knoblauchs.

Mein Kaffee wohnt jetzt im Schrank, gleich neben den Nudeln. Das hätte er auch schon früher haben können, hätte sich mal einer beschwert. Hat aber nicht. Liegt bestimmt daran, weil wir den Kaffee total mit Milch verwässern … Da fällt mir ein, ich muss meine Mutter anrufen, sie soll ihren Kaffee freilassen! Eilig ist es aber auch hier nicht, eine geschmackliche Beeinflussung ihres erhitzten, leicht hellbraun eingefärbten Leitungswassers steht eher nicht zu hoffen …

Wenn Muttern nicht im Haus…

In dieser Woche habe ich abends Termine. Also bringt mein Mann seine Tochter selber ins Bett. Wie die Woche voranschreitet, wird er nachlässiger.
Bei kleinen Kindern macht es durchaus Sinn (so das Bett nicht über eine integrierte Auffangeinrichtung verfügt) einen Stuhl vorzustellen. Den Stuhl hat mein Mann wohl gestern Abend vergessen…
Jedenfalls war es kurz vor zwei, als es nebenan gewaltig donnerte! Sie wissen schon, wenn ein Sack Zement zu Boden fällt. Ich fuhr hoch! – … Stille. Gerade war ich mir sicher: kein Fremder im Haus – als ein Zimmer weiter die Sirene angeknipst wurde. Hören Sie mir auf…
Als ich wieder ins Bett stieg, hatte mein Mann sich noch nicht einmal bewegt. Eingerollt lag er auf der Seite.
Heute Morgen sagte er: „Was eine himmlische Ruhe. Ich habe saugut geschlafen!“

Streik

Mein Schreibprogramm streikt! Verflixt und zugenäht!
Viel zu tun und das Klapperding nimmt frei.
Was mache ich denn jetzt?
Kaffeeholen habe ich schon probiert. Hat sich nichts getan. Ich soll meinen Administrator immer noch fragen. (Ja, mache ich, wenn er heim kommt!)
Sie haben zu tun, das verstehe ich. Und ich? Ich könnte jetzt Däumchen drehen…………… oder ich bringe das mit den Visitenkarten hinter mich. – Ja, gute Idee, das mache ich jetzt!
Herzlichen Dank für das Brainstorming, liebe Leser! :-)

Brauchtum hin oder her…

Erster Blinzler heute Morgen aus dem Fenster: Lebensbäume, Schnee und Lichtschlauchreh – alles in gewohnter Ordnung. Fast!
Vor dem Reh liegt ein Osterei! Ein gelbes. Wie kommt das Ei aufs Dach??
Es ist so: Die letzten zwei Monate ärgere ich mich, weil mein Mann so eilig den Weihnachtsbaum rausgestellt hat. Er hat sich voll durch den Abfallkalender unter Druck setzen lassen. Wäre doch urgemütlich: Schneegestöber und vorm Fenster der Baum! –  Das Reh hat mein Mann ja auch noch nicht vom Dach geholt. Ich meine sowieso, den Rest des Jahres kann er es ruhig dort lassen. 270 Tage bis Totensonntag und er würde wieder raufkraxeln, Adventszeug aufbauen und so.
Aber egal was das Ei auf dem Dach will – mich beschäftigt seit heute Morgen nun die Frage: Wann bammelt man seine Dekoeier in den Vorgarten? So einen kuscheligen Karnickel auf der Fensterbank – zu meinem Haushalt zählen Leute, die hätten nichts dagegen. Bei meinen Nachbarn ist jedenfalls nichts zu sehen und meine Mutter weiß es auch nicht. Es blieb mir nichts anderes übrig, ich habe das Internet befragt. Und dort entdeckte ich einen schönen Streit. Von: „Häng, wenn dir danach ist!“, über: „Häng, wenn du im Laden den ersten Schokohasen triffst!“, bis zu: „Ostersonntag und keinen Tag früher!“. Weil die Passionszeit, also die Leidenszeit, bis Sonntag dauert und erst zur Auferstehung die Eier – na, hängen eben. Das mit den Schokohasen im Laden gefällt mir besonders. Nehmen wir mal Weihnachten! Da ist es so: Man kommt vom Strandurlaub, will zum ersten Mal den Kühlschrank nachfüllen – und Zack, ist der Kassenbereich des Supermarktes mit Dominosteinen und Nikoläusen gepflastert. Danach werden kurz Silvesterraketen in die Regale geräumt – und seit Neujahr lagern dort die Osterhohlkörper.
Was mache ich jetzt mit meinen Eiern?
Ich mach‘ es einfach wie immer: Irgendwann beuge ich mich dem Druck der Kinder. Und so lange bleibt alles gut bewahrt im Keller.

Grippeschutz

Mein Mann hat Grippeschutz. Macht er schon jahrelang. Da reisen welche mit Gummihandschuhen und vielen Köfferchen in seine Firma und dann wird im Akkord gepikt. Nur wer will natürlich!
Mein Mann findet das gut. Und genauso lange versucht er schon, mich zu überzeugen. – Ich will aber nicht!
Ich habe schon deshalb noch nie gewollt, weil er sich die Dröhnung immer Freitag verpassen lässt. Das Wochenende laboriert er, schleppt sich von Liege- zu Sitzgelegenheit und wieder zurück und will nicht mal zum Fußball. Montagmorgen ist es durchgearbeitet und er geht voll Elan zurück in die Arbeit.
In diesem Jahr hat es ihn aber richtig gestreckt! Freitag das Dope, Samstag in die Herbstferien (über’s Jahr war ihm das mit der Nebenwirkung entfallen), Sonntag legt er sich nieder…
Drei Wochen hat es gedauert, bis er wieder der Alte war. Davon mehr als eine Woche Bettruhe. Fieber, Schmerz, Rotz und Leid – Männer halt.
Wie jedes Jahr fragte ich ihn während seiner Siechphase, ob er den Blödsinn mit der Grippeschutzimpfung im nächsten Jahr wieder machen wolle. Diesmal hat er verneint.
Bin gespannt, ob er sich im Herbst daran erinnert!

Licht im Schilderwald

Morgens in Wedau von der A3 zu fahren, das macht richtig Bock! Mindestens einmal die Woche ist was los. Wollen Sie wissen, was es heute war?
Die Schilder sind weg! – Schilder? Diese gelben, die an einem Ende spitz zulaufen und die Richtung weisen. Nach Mülheim ging es rechts – gut, das tut es immer noch – Duisburger blinken links. Beide Schilder verschwunden. Ich frage mich nicht, was man mit solchen Riesenschildern will. Alles lässt sich irgendwie gebrauchen. Hätte ich gewusst, dass sie heute weg sind, hätte ich gestern genau hingeguckt. So schätze ich, ein Schild wird wohl fünfzig mal einsfünfundsiebzig gewesen sein. Demnach kosten beide ungefähr 300 Euro.
Wir brauchen dort im Wald auch keine neuen Schilder! Mülheim rechts und Duisburg links. Ist doch ganz einfach.

Energiesparfunzeln

Was macht man mit denen, wenn sie hin sind?
Erst war der Hype grandios: Schmeißt die Glühlampen raus! Spart Energie! Schlagt den steigenden Strompreisen ein Schnippchen! – Bissel Köder für’s Gewissen, bisschen mehr für die Geldkatze; sowas funktioniert immer. Und außerdem halten die Sparlampen länger und so weiter und so weiter. Ich gebe zu, ich habe auch begeistert mitgemacht.
Nun läuft das aber schon ein paar Jahre und siehe da: Die Dinger gehen genauso schnell kaputt wie die Vorgänger. Sie riechen chemisch, wenn man nahe am Licht sitzt; es gibt genug zu lesen von Gefahren für Leib und Leben – und am Ende der wider Erwarten kurzen Lebensdauer: Wohin damit?
In jeder Energiesparlampe befinden sich ungefähr 2,8 Milligramm Quecksilber. Stürzt eine eingeschaltete Lampe und zerbirst, hilft nur schnelles Fenster-Aufreißen und den Raum für mindestens eine Stunde zu verlassen. Weniger Quecksilber verteilt sich, wenn ausgeschaltete Energiesparlampen zerklirren. Auf keinen Fall den Staubsauger verwenden! Da wird das Quecksilber erst richtig in die Raumluft gepustet. Der Verbraucherschutz rät: Die Reste mit Pappdeckeln aufsammeln, feucht nachwischen; anschließend alles in eine Tüte knoten und als deklarierten Sondermüll im Schadstoffhof abgeben.
Bei den geplätteten Energiesparlampen in meinem Haushalt sind allerdings fast alle Lampenkörper heil. Die wollten einfach nicht mehr. Nun könnte ich sie zwar weiter daheim horten (wir sind sogar schon mit denen umgezogen) aber es wird Frühling! Habe ich also fündig gegoogelt: Unter www.lightcycle.de lässt sich nach Postleitzahl die nächstgelegene Sammelstelle ermitteln. Für mich ist das ein Baumarkt. Deren Sammelplatz kenne ich bereits. In der Elektroabteilung steht ein 1,40 m hoher Pappkarton. Wie beim Briefkasten wirft man seine defekten Lampen oben durch den Schlitz…
Ich versuche morgen die zweite Empfehlung!

Nutzkalender

Am Wochenende habe ich richtig was verbaselt!
Das Hellamädchen war zum Geburtstag eingeladen. Den Termin wusste ich bestimmt schon einen Monat früher. Habe ihn ordentlich in meinem Planer notiert – und was da steht, das mache ich auch! Wie ich Sonntag das glitzernde Mädchen ins Auto stecke, blitzt mir das erste schwache Licht, dass wir den 10. haben könnten – die Party hingegen, so meine ich mich plötzlich zu erinnern, auf den 9. gesetzt ist…. Nun waren wir spät dran und Handy habe ich sowieso nie dabei. Auf dem Parkplatz war es dann klar, nicht ein bekanntes Auto…
Vor lauter Entsetzen hat das Hellamädchen auf dem Heimweg nicht einmal gezetert. Und Muttern war, ob des schlechten Gewissens und der Arbeit an einer Strategie zur Wiedergutmachung, auch eher schweigsam. Womit klebt frau jetzt ein Trostpflaster? Haben Sie da eine Idee? Die Naheliegendste, eine Fastfoodkette aufzusuchen, kam mir erst Anfang der Woche.
Mein Lastenausgleich war jedenfalls auch nicht schlecht: Mutter und Kind bastelten ein Vogelhaus aus Pappe; es gelang uns endlich, aus einem dieser langen Luftballons einen Hund zu formen und zum Schluss faltete sie mir Origami-Herzchen.
Vor Sonntag habe ich mich nur ein einziges Mal im Tag vertan! Das ist jetzt siebzehn Jahre her. Ein Vorstellungsgespräch mit 600 km Anreise. Da war ich aber einen Tag zu früh dran. Die nahmen mich dann fast drei Stunden in die Mangel. Den Job habe ich trotzdem nicht gekriegt. Komisch :-)

 

Laternenschicksal

Fahre ich gestern Morgen in Wedau von der Autobahn ab: Stau!
Acht Uhr, kein Schnee, kein Regen, was soll das?
Langsam schleicht sich’s vor zur Ampel. Und da sehe ich es: Fein mit Hütchen und Bauzaun abgesperrt, fünf Männer und ein Baustellenfahrzeug – kein Erdrutsch, nein: Da wird die Straßenlaterne wieder hingestellt!
Der Laterne ist es so ergangen wie vielen Laternen: Einer hat sie umgenietet. Mir ist immer noch unklar, wie dem das gelungen ist! Bürgersteig mehr als zwanzig Zentimeter hoch. Brückengeländer und Buschwerk machen einen unversehrten Eindruck. Jedenfalls grüßte die Laterne eine Woche im spitzen Winkel gen Mülheim. Ich habe das zum Anlass genommen, mich der Lancierung der Geschicke der gekeulten Laternen anzunehmen! – Das Mülheimer Stadtgebiet illuminieren exakt 13.863 Laternen. Circa 70 von ihnen ereilt jährlich das Schicksal. Das ist immerhin jede einhundertachtundneunzigste. RWE kümmert sich dann darum, dass die Trauerzeit kurz und fix Ersatz hochgezogen wird. Der übrigens, sofern sich der Verursacher nicht feststellen lässt, ungefähr 1.300 EUR aus dem Stadtsäckel jätet.
Aber passen Sie auf, wie gefährlich man hingegen als Straßenlaterne in Oberhausen lebt! Unsere Nachbarn haben zwar mehr Laternen, nämlich knapp 20.300 – aber dort wird bereits jede sechsundneunzigsten Lampe über den Haufen gefahren! Allein 210 neue Laternengräber im letzten Jahr.
Und was machen wir jetzt damit?
Laternen können gerne nach Mülheim ins Exil kommen. Speziell bei mir in der Straße ist es im Dustern ganz schön finster.

Anke im Wunderland

Karneval! Die einen leben ihn aus, die anderen stöhnen: Geh-Mir-fort! Zu welcher Gruppe gehören Sie?
Ich paddele irgendwo dazwischen. Wenn was los ist, mache ich mit – wenn mich keiner in den Hintern tritt, ist es auch gut.
Bei kleinen Kindern ist das schwarz-weiß. Sie lieben – oder sie verweigern. Mein Hellakind ist heute Prinzessin. Rosa mit Glitzertand und Plüsch…. eine Prüfung für ihre Mutter. Aber ist egal, ich muss ja nicht so rumlaufen. Als ich sie heute im Kindergarten ablieferte, tobte dort der Hofstaat von Ludwig XIV. Sie wissen schon, der Sonnenkönig von Frankreich, der mit dem Zwanzigtausendmann-Hofstaat und den prunkvollen Festen, der als Vierjähriger den Thron bestieg. An der Tür riss ein Nachwuchslöwe die Prinzessin von den Füßen, als er panisch vor einem Räuber davonlief. Der ließ jedoch schnell von dem Tier ab, weil ihn eine dicke Hummel verfolgte und ihm das Messer abnahm. Beim Schuheausziehen hockte sich eine Zigeunerin daneben und prüfte mit den Zähnen der Prinzessin Geschmeide. In der Küche ackerten die Mägde – und im Gruppenraum dann eine Herde ebenfalls rosafarbener Prinzessinnen, die von einer Hexe in Schach gehalten wurden. Nur der Feuerwehrmann gab mir zu denken, er muss sich in der Zeit vertan haben.
Ach, ich möchte auch noch einmal in den Kindergarten. Da gehst du nachmittags heim und früh wieder hin – und dazwischen hast du Freizeit.

Feuerfeste Haare

Letzten Samstag war ich auf einer Veranstaltung, drinnen wurde geraucht.
Ich hatte ganz vergessen, wie es ist, an der Bar auf die Hände der Nachbarn zu achten. Wenn einer die Fluppe abspreizt und ausschweifend gestikuliert – nicht blöd vorsichtig zu sein.
Ich hatte mir jedenfalls den Skalp einer Untoten besorgt. Weißgepuderte, aufgetürmte Korkenzieherlocken an gestrickter Ersatzkopfhaut. Feuerfest, stand auf der Verpackung. Getestet habe ich es nicht, weil kaufen Sie mal Samstag Abend eine neue Frisur! Während Sie noch durch die Stadt tigern, schiebe ich Ihnen ein paar Infos auf den Monitor: 27 Prozent unserer Mitbürger schmauchten im letzten Jahr. Im Schnitt quarzte jeder von ihnen 6.045 Kippen. Mit solchen Zahlen kann sowieso keiner was anfangen, deshalb runtergebrochen auf einen Tag: 16,6 Ziggies pro Lunge.
Nichtraucher werden statistisch übrigens unterschieden in solche, die nie geraucht haben (54%) und Ex-Raucher (19%). Ich gehöre zur letzteren Gruppe. Schon ewig her. Gute fünfzehn Jahre. Und dabei wollte ich damals nicht mal aufhören!
Eines Tages stoppte mein Boss smoking. Am folgenden Tag war er zickig. Am übernächsten legte er mir wortlos ein Buch auf den Schreibtisch: Allan Carr, „Endlich Nichtraucher!“ Und noch einen Tag drauf hatte ich Grippe. Die war so vollendet – ich konnte nicht mal rauchen. Aufstehen ging auch nicht; aber das Buch lag auf meinem Nachttisch. Da habe ich es halt irgendwann gelesen…
Allan Carr hat weitere Rauchabschwörer verfasst: „Endlich Nichtraucher – für Frauen“, weil die ja anders ticken; „Endlich Nichtraucher – der Ratgeber für Eltern“, weil Jugendliche erst recht… –  Lassen wir das! Dann noch eins für Lesemuffel und eins für solche, die trotz bester Vorsätze irgendwann rückfällig werden.
Allan Carr lebt leider nicht mehr. Er ist 2006 gestorben. 23 Jahre nach seiner letzten Zigarette – an Lungenkrebs.

 

Flüsternde Toilettenmädchen

Kennen Sie das: Es ist Nachmittag und dem Job ist es völlig gleich, dass diese Tageszeit einem Zwerg gehört?
Was tut man in so einem Fall?
Die blödeste Idee wäre, den Job abzulehnen. Also organisiert man. Man gibt das Kind – im vorliegende Fall das Hellamädchen – nach dem Kindergarten bei einer Kumpelin ab – oder man nimmt die Kumpelin mit nach Hause. (So man über ein Großelterngeflecht verfügt, braucht man hier nicht weiterlesen!) Während der Heimfahrt legt man eine Kinder-CD ein, schaltet auf Durchzug, und beginnt im Kopf ein Konzept zu entwerfen. Über kurz oder lang erreicht man den Heimathafen.
Normalerweise läuft das dann so: Gastkind im Haus und das eigene Kind vergisst, dass es eine Mutter hat. Also, so ganz vergisst es das nicht. In geregelten Abständen findet es die Frage nach einem weiteren Eis angebracht. Dies verlangt aber nicht viel Bohei. Ein bestimmtes „Nein!“ und man hat wieder seine Ruhe. Letztens jedoch – Und ich hatte wirklich Stress! – da lief gar nichts! Im Zwei-Minuten-Takt wurden mir Dinge berichtet und die sollte ich mir auf der Stelle ansehen! Hungrig waren sie auch ständig, aber dann doch nicht – sogar Gemüse wollten sie. Hauptsache ich verließ meinen Schreibtisch und lief ein wenig herum. Irgendwann kamen sie nicht mehr. Himmlische Ruhe. Endlich.
Was meinen Sie, wie ich aufgesprungen bin, als plötzlich zwei kleine Mädchen neben mir flüsterten, das Klo sei so voll!
Ich kenne mich in meinem Badezimmer aus, deshalb wusste ich: Unter dem Haufen Papier in der Ecke ist das Klo! Das hatte ich auch nicht falsch in Erinnerung, denn als ich zwei Armladungen blassblauer Wölkchen in den Mülleimer gestopft hatte, stand sie vor mir: die Schüssel. Müttern ist klar, die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Die Kloschüssel war jedenfalls randvoll Knüllpapier.
„Was ist denn hier los?“ Die Frage musste erlaubt sein. Erst konnten sie sich die Geschichte nicht erklären. Logisch. Das hätten sie so vorgefunden und hätten sich auch gewundert. Und ich sollte mal den großen Bruder fragen.
Half ja nichts, ich zog Gummihandschuhe über und fischte ein paar triefenden Wolken heraus. Dabei habe ich die Hella kurz an den Osterhasen erinnert, was wiederum ihrem Gedächtnis auf die Sprünge half. Die Mädels waren – wie das bei Frauen gerne so ist – gemeinsam auf dem Klo. Darüber traten Schwierigkeiten beim Treffen auf. Weil Mädels von Natur aus ordentlich sind, befassten sie sich mit der Schweinerei. Ausgiebig. Klar.
Ich bin mir nicht sicher, wieviele Rollen Klopapier dabei draufgegangen sind – aber ich weiß, dass eine 4-köpfige Familie in der Woche vier Rollen benötigt.
Glauben Sie es mir, meine Hand hat gezittert, als ich den Spülknopf drückte….

Dallas erspäht


Die ganze letzte Woche habe ich mich gefreut: ENDLICH ALT GENUG FÜR DALLAS! Kein Matriarchat mehr – nur mein Mann wollte zuerst nicht.
Ich sage es gleich: Wir haben nicht bis Ende geguckt.
Die Menge eruptiv gestreuter männlicher und weiblicher Vornamen überforderten uns. Also konzentrierten wir uns auf die Bilder. Im Brautshop bekam mein Mann einen Lachflash. Es gefiel ihm, wie Sue Ellen und Bobbys Frau das Hochzeitskleid erspähten.
Ab elf meinte mein Mann, er könne auch schlafen gehen. Aber weil man nicht vorschnell urteilen soll…….
23:14 Uhr wurde es ihm endgültig zu viel. In dem Moment, als Christopher John Ross in die Erdbeerbowle schubste, wurde es bei uns duster.
Jetzt kann ich jedenfalls mitreden. Schlimm war es also nicht, dass meine Mutter mich vor 25 Jahren ins Bett gesteckt hat. Und wissen Sie, was ich jetzt mache?
Ich rufe meine Mama an und sage ihr das!
Aber, wie ich die kenne, wird sie geguckt haben… Und zwar bis Ende.

Gefühllosigkeit auftauen

Da gibt es etwas, das möchte ich hier breittreten, bevor es zu spät ist!
Vor zwei Wochen, als ich ein paar Tage auf meinem verschneiten Berg im Exil verbrachte, musste ich jeden Tag Schlitten fahren. Schlittenfahrenmüssen, weil Hella war ebenfalls hier festgeschmiedet. Wegen ihr waren wir überhaupt im Exil. Aber egal. Jedenfalls war es mächtig kalt und Muttern, ganz typisch Frau, hat mörderisch an die Flossen gefroren. Da denkt frau sich nichts bei, weil frau kennt das ja. – Denkste! Auf einer Tour durch den heimischen Mischwald ist mir der kleinen Finger der rechten Hand erfroren. Das klingt jetzt wie Fischstäbchen, aber, keine Sorge, alles noch dran. Lediglich temporär optisch und funktional etwas eingeschränkt. Ich habe nur Erfrierungen 1. Grades. Und die kriegt man sogar relativ fix! Finger, Zehen, Nase und Ohren sind besonders gefährdet, wegen der großen Oberfläche und der schlechten Blutversorgung. Bei besonderer Kälte schrumpeln sich dort die Blutgefäße zusammen, was die Blutzufuhr verlangsamt und somit den Wärmefluß erst beeinträchtigt und später einstellt. Von solchen lokalen Erfrierungen merkt man erst mal nichts. Lediglich anhaltende Gefühllosigkeit deutet darauf hin. Erste Hilfe verlangt jedenfalls schnelles Auftauen! Unterwegs sollte man die Hände in die Achselhöhle stecken oder an den Oberschenkeln erwärmen. (Wobei, wer wird so blöd sein, wenn ihm eh schon kalt ist, die Jacke aufzuratschen…) Ich halte es mehr mit dem zweiten Tipp: Schnell nach Hause und in maximal 40 Grad heißem Wasser auftauen. Auf keinen Fall jedoch, wie man früher riet, die erfrorenen Gliedmaßen mit Schnee abreiben! Ach ja, ein weiterer Punkt aus dem Erste-Hilfe-Katalog bei Erfrierungen gefällt den meisten sicher auch: Trinkt Alkohol! Wirkt gefäßerweiternd, das ist wichtig, damit die Blutzirkulation wieder in Gang kommt.
Nun fragen Sie sich vielleicht: Hat sie heute, am ersten meteorologischen Frühlingstag, kein besseres Thema gefunden?
Nö, hat sie nicht. Stellen Sie sich mal vor, ich käme Ihnen in den Sommerferien mit der Frostbeulengeschichte!

Ginsterbraut

Montag ist kein Termin zum guten Zulesen, ich weiß. Deshalb nur was Kurzes: Mein Ginster blüht sich tot! Ginster? Grünzeug für draußen. Blüht gelb, selten rot, ist ein Schmetterlingsblütler und gibt es als Bodenrumkriecher, stachelig wehrhaften Busch oder als Heckengesträuch. Er hat es auf 90 Arten gebracht. Gehört übrigens auch zu den Plagen, so man die Neuseeländer fragt. Aber zurück zu meinem verwirrten Ginster!
Seit einem Dreivierteljahr geht das jetzt: Mein Ginster blüht und leuchtet und schert sich einen Dreck um’s Wetter. Pünktlich im letzten Frühjahr sprossen die ersten gelben Blüten. (Regulär darf er von Mai bis Juli.) Den Sommer über und den Herbst verhielt er sich annähernd artgerecht, weil da fällt es keinem auf, wenn ein grüner Busch mit gelbem Blütenschmuck dasteht. Aber seit Dezember – ich mag gar nicht hingucken! Ich fange an zu zittern, wenn ich die zarten Blüten im eisigen Wind schlottern sehe. Vorn an den Blütenspitzen lässt sich gut erkennen, wie der Frost seit Tagen hineinbeißt. Ganz weiß sind sie geworden und knittrig. Aber der Ginster wird nicht schlau! Unbeirrt schießt er täglich neue Blütenfräuleins durch sein Rutenwerk. Ziemlich hirnrissig, jetzt im Januar. Heute wird er wohl auch nicht damit aufhören, weil lohnt sich ja nicht mehr, wenn ab morgen die Bienen kommen. 13 Grad, Leute, schreibt der Wetterlurch für Mülheim! Zieht Euch warm an!

Stopfdarm


So eine Meersau ist echt total verfressen!
Zwei Handvoll Viech – was mag so ein kleiner Braten wiegen?
Eben nachgeschlagen: 1.300 g ungefähr das ausgewachsene Männchen. Am Tag verschnurpselt so ein Meersauherr 300 g Gemüse. Möhrchen und dergleichen Zeug. Der Jung haut sich also 25 Prozent seines Körpergewichts durch die Futterluke rein. Solche Dimension auf Menschen übertragen – aber hallo!
Der einheimische männliche Mensch wiegt 82,4 kg und ist 1,78 m groß. 25 Prozent Nahrungsaufnahme würden für diesen Durchschnittsmann 20 kg zum Zerkauen bedeuten.
Zerkauen, und – na gut. Jedenfalls mag ich mir das gar nicht vorstellen! Allein der Einkaufsstress an Weihnachten. Nehmen wir an, Sie haben zwei dieser ausgewachsenen Männer daheim. Hotel Mama, oder so etwas. Im Jahre 2017 fällt Heiligabend auf einen Sonntag. Sie ziehen also am Samstag vor Weihnachten los: Feiertagseinkäufe besorgen. – Stopp! Ganz die Frauen unterschlagen! – Deutschen Frauen, die im Schnitt 1,65 m groß sind, zeigt die Waage 67,5 kg. Nach der 25-Prozent-Regel bräuchten sie 17 kg Essen am Tag. Möhrchen, versteht sich.
Für diese arbeitnehmerfreundlich fallenden Weihnachtsfeiertage benötigten Sie und Ihre Familie also genau 228 kg Möhrchen. Zur besseren Verdeutlichung entspricht das übrigens dem Gewicht eines halben Rindviechs.

Aber die ganze Rechnerei hier ist sowieso Blödsinn! Weil Meerschweinderl haben ein ganz anderes Verdauungssystem als Menschen. Meerschweinchen, die ursprünglich in Südamerika beheimatet sind und vermutlich von spanischen Seefahrern übers Meer nach Europa mitgebracht wurden, haben nämlich einen sogenannten Stopfdarm. Wenn oben reingestopft – wird unten rausgedrückt. Und zwar fast alles.

Hauptsache driften

Viel Schnee: Das kann man mögen oder man lässt es bleiben. Mir gefällt das! Ich war die ganze letzte Woche im Winterurlaub. Daheim, wohlgemerkt. Ich bin im Wald herumgelaufen, war jeden Tag Schlitten fahren, bin meiner Bürgerspflicht nachgekommen und habe das Forstamt zu einem Bruchast über einem Hohlweg gelotst, und ich habe eine Menge Schnee geräumt. Nur eines, das habe ich immer noch nicht getan! Und glaubt man den Männern, die man dieser Tage an Knüppelfeuern und Glühweineimern trifft, so gehört das zu einem gescheiten Winter dazu!
Nun mögen sich weibliche Leser berechtigt fragen: Was, zur Hölle, muss man im Winter gemacht haben? Außer saumäßig frieren?
Driften, meine Damen! Wir reden von Autos.
Driften oder Sliden (engl. to slide für rutschen) ist eine Fahrtechnik, um zum Beispiel schneller Kurven nehmen zu können. (Das sind diejenigen, trifft man ihre quietschenden Reifen im Straßenverkehr, hinter denen man Scheibenwischer macht. Zivilisiertere Zeitgenossen lassen sich vielleicht nur zu einem missbilligenden Kopfschütteln hinreißen.) Jedenfalls gibt es vier Möglichkeiten, Drifts auszulösen. Am leichtesten geht es mit der Handbremse, habe ich mir sagen lassen. Sie fahren mit guter Geschwindigkeit in eine Kurve. Sobald Sie in die Kurve einlenken, ziehen Sie an der Handbremse. Dadurch übersteuert das Heck und bricht aus. Jetzt schnell einen Gang runterschalten, Gas geben und entgegen der Richtung lenken, in welche das Auto wegfliegt.
Theoretisch klingt das einfach….. „Musst du nachts auf einem großen Parkplatz üben!“, haben die Jungs gesagt.
„Aber bleib‘ nicht länger, als bis einer die Polizei ruft!“ – „Oder übst halt erst mal auf der Playstation….“
Ach ja, eins noch! Drift stoppen geht wie jedes Ende: Fuß vom Gas.

Dann eben weiter Wochenende!

Solche Montage zählen zu den allerbesten Arbeitstagen: entweder Pause wegen schmerzender Kinderohren – oder Wetter. Wenn uns früh kein Auto weckt, sondern die 7­Uhr-Glocken den ersten aus dem Schlaf dröhnen, dann kann nur mächtig Schnee liegen.
Natürlich kann man sich jetzt unerschrocken in den Verkehr stürzen, man kann mit vielen anderen armen Schweinen auf der A3 parken und irgendwann im Laufe des späten Vormittags das Lager auf die A40 verlegen – oder man lässt das und macht einfach Homeoffice. Bei mir liegt der Fall klar: Ich wähle den Ort mit der größeren Beinfreiheit. Nützt mir aber auch nichts – oder nimmt wer Hella?

Wer war es?

Es ist immer das Gleiche: Irgendwann kriegt mein Kaffee Beine!
Wobei – so richtig logisch ist das nicht. In jeden deutschen Erwachsenenkopf werden durchschnittliche 160 Liter Kaffee pro Jahr gekippt. Das geschieht mit Hilfe von 4 gefüllten Tassen am Tag. Andere Studien reden zwar nur von 150 Litern Durchflussmenge – was eine jährliche Trinkdifferenz von einem großen Wassereimer bedeutet – aber das ist egal: Tranken die Probanden eben aus kleineren Tassen.
Was hat jetzt der Pro-Kopf-Verbrauch mit meinem verschwundenen Kaffee zu tun, fragen Sie sich?
Sehr viel! Hier im Haus halten sich derzeit nur zwei kleine Jungmenschen auf und ein dreiviertelgroßer. Fische und Meersau Eddy zählen sowieso nicht. Der einzige über 18-Jährige hier bin ich. Ich höre jetzt auch auf zu suchen. Wenn mein Kaffee wieder auftaucht, macht er sowieso nur noch schön.

 

Wenn der Putzteufel zureitet

Seit einer Weile haben wir Dielenboden.
So ein Dielenboden ist schon was Schönes. Farbkontraste in der Wohnung stimmen, beim Heimkommen kann man länger nach seinen Hauspantoffeln suchen und man kann sich zum Vorlesen auf den Boden fläzen, ohne gleich hektisch nach einem Kissen zu rufen.
Am Montag saß ich zum ersten Mal in 2013 am Schreibtisch, als sich, ebenfalls zum ersten Mal in diesem Jahr, die Sonne blicken ließ. Die tiefen Kratzfurchen von Hellas Blechautos leuchteten.
Chefprokrastiniererin Müller beschloss spontan, den Dielenboden zu behandeln. Mit Bohnerwachs, oder sowas………. Gibt es überhaupt noch Bohnerwachs?
In so einem Fall kann man seine Mutter fragen – wenn man aber genau weiß, dass die keinen Dielenboden hat, bemüht man halt das Internet.
Geben Sie doch mal bei Google „Bohnerwachs“ ein!
Ein Drittel der Treffer landet hier: „Wichsmädel – Das beste und sparsamste Bohnerwachs“. Da hockt eine verschwitze Dame im Scherenschnitt-Design auf allen Vieren. Also Bitte! Aber ich schweife ab.
In einem Forum fand ich den Hinweis, dass sich leichte Kratzer auf Möbeln mit Möbelpolitur beseitigen lassen.
Möbelpolitur, genau!
Politur also großzügig über den Küchenboden gekippt, die Flüssigkeit schön breit geschmiert – Kratzer weg, Fußboden poliert. Man kann sich fast drin spiegeln.

Auf alle Fälle habe ich jetzt den Fotoapparat hier liegen. Lange kann das nicht mehr dauern…

Will er nicht? Kriegt er nicht!

Es ist schon nicht einfach, mit einem Pubertierenden.
Mein Großer wird in einer Woche vierzehn. Pickel, den großen Rand, alles andere als Schule im Kopf und wahnsinnig verpeilt.
Eine wahre Freude für seine Mutter.
Heute morgen zum Beispiel, hat er völlig vergessen zu frühstücken.
Komme ich gerade nach hause, steht seine Trinkflasche noch auf der Anrichte. Klar, er hat ja nur Sport und fühlt ständig den großen
Durst der ganzen Sahara-Wüste in seinem Bohnenstangenkörperchen.
Schaue ich in den Kühlschrank: Pausenbrot liegt auch noch drin.
Nun könnte ich mich zwar aufregen, oder sorgen, weil das arme Kind bis halb zwei total schwindelig zerhungert sein wird – aber von wegen!
Ich nehme jetzt seine Brotbüchse und setze mich an den Schreibtisch.
Ein Brot mit Schinken und eins mit Mett. Lecker!

Stille Post

Meine Nachbarin fragte, wie es im Zirkus war.
Was für ein Zirkus? Soviel Theater hatten wir doch gar nicht!
Na, die Karten, die sie uns in den Briefkasten gelegt hat, die meint sie.
Ich runzele die Stirn. In meinem Briefkasten war nix außer Rechungen und Werbung.
Und die Werbung, die pfeife ich immer unbesehen ins Altpapier. Außer vor Weihnachten.
Da hatte ich so viel zu tun, da habe ich sie sofort in die Mülltonne gesteckt. Erst recht ungeöffnet.
Also schalte ich die Außenbeleuchtung ein und wühle im Müll…..
Nix, keine Zirkuskarten.
Ach, ich brauche auch keinen Zirkus – daheim kann ich den auf Socken erleben!