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FrostbeulenPestAlarm!

Letzte Woche war es doch saumäßig kalt. Können Sie sich erinnern? Mir ist da ein Ding passiert – Liebe Leute, ich bin echt blöd! Lassen Sie sich erzählen!

Wissen Sie alle, was Frostbeulen sind?
Wenn die Haut gefrostet wird, entstehen Beulen; wie der Name halt schon sagt. Früher dachte ich immer, Frostbeulen seien so was wie ein Schimpfwort. Genau wie man in meiner Jugend Krätze als abfällige Bemerkung verwendete. Zumindest tat man das da, wo ich herkomme. Ich kannte halt früher keinen, der jemals an einem von beidem krankte. Zeiten ändern sich, gerade stand es in der Presse: In Mülheim aktuell 91 Fälle von Krätze. Aber lassen wir den Strang mal fahren, hier geht es bloß um Frostbeulen!

Ausgerechnet in diesem Winter habe ich mir den Mist nämlich gleich zweimal zugezogen! Könnt Ihr Euch noch an den Schneesturm eines Sonntags im letzten Dezember erinnern? Nach nur zwei Stunden fanden wir uns in Mülheim unvermittelt in einem hochverschneiten Wintermärchen wieder. In den Alpen schneit es einen Dreck dagegen!

Nun wohne ich lange genug hier in unserem beschaulichen Kohlenpott, um zu wissen: Sobald Schnee fällt: Nix wie sofort raus in die weiße Pracht! Wenn man bis nach dem Mittagessen wartet, ist die eh schon wieder weggetaut.
So auch an jenem Sonntag: Kurz nach zehn, mitten im fettesten Schneetreiben, machte ich mich mit meinen Mannen auf den Weg in den Wald: Der Schlittenberg war unser Ziel. Normalerweise hätten wir das Auto genommen, denn man stapft bei hohem Schnee schon um die 25 Minuten dort hin, doch die Pferdekutsche war so hoch zugeschneit: Mein Mann hätte sie erst freischaufeln müssen. Den anderen Wagen hätte er auch nur mit Mühe aus seinem behüteten Kellerstellplatz bekommen – gingen wir also zu Fuß. Das war auch besser fürs Klima.
Sie lesen es: So weit war der Ausflug durchdacht!

Jetzt hatten wir aber, wie schon erwähnt, etliche Jahre im Pott keinen Schnee gehabt – die drei kurzen Federschäuerchen zähle ich nicht mit – und außerdem kam das viele schöne Schneeweiß ja unangekündigt bei uns an. Will sagen: Hätte ich mehr Zeit gehabt, mich auf Mülheimer Schneeverwehungen und Wintermärchen einzustellen, hätte ich vermutlich am Morgen nicht meine beige Sommerhose angezogen, sondern was Dickeres von weiter hinten aus im Schrank gewählt. Hatte ich aber nicht.

Wir fuhren also ein paar Runden Schlitten. Indes zog es mir immer frischer um die Beine herum. Nach vielleicht vier Abfahrten sagte ich deswegen zu meinen Leuten: „Jungs und Mädel, die Mutter wandert schon mal heimwärts, die friert.“
Mein Mann schien sich auch zu dünn eingekleidet zu haben, denn er schloss sich mir erfreut an. Außerdem dürstete ihn nach einem Kaffee, schließlich war ja Wochenende. Couch flätzen, Füße hochlegen, dampfender Kaffee, ganz frischer Kuchen und ein Loch ins Kaminfeuer stieren: Sie kennen das.

Wir Alten machten uns also auf den Heimweg. Nachdem wir den Wald verlassen hatten, kämpften wir uns schutzlos durch den Schneesturm. Der tobte von vorn und fatschte mir im Senkrechtflug kiloweise Neuschnee gegen meine Sommerhose. Die Flocken waren riesengroß und entsprechend nass, und wir wissen alle vom Phsyikunterricht aus der Schule und vom Strandurlaub, wie sich das mit nasser Körperoberflache bei Wind verhält: Man friert. Bei Sturm friert man entsprechend heftiger und wenn es noch dazu eh schon saukalt ist: Schockgefriert man quasi wie Petersilie. Wäre ich jünger gewesen und nicht so abgeklärt: Ich hätte laut gejammert!

Nachdem ich also unterwegs halb verstarb, erreichten wir irgendwann mit letzter Kraft unsere Hütte. Drinnen war es mollig warm und schön trocken. Ich wollte mich eben steifgefroren und erleichtert meiner nassen Kleidung entledigen, als meine Oberschenkel mit einem Mal fürchtlich anfingen zu jucken. Sie juckten und sie brannten, sie waren feuerrot und glühten – es fühlte sich an, als wäre ich in einen Ameisenhaufen gefallen. Ich kratzte und kratzte und konnte mehr als eine Stunde lang gar nicht mehr damit aufhören. Irgendwann wurde es besser.
Den Rest des Sonntags verbrachte ich eingerollt in einer Decke auf dem Sofa. Sie brauchen nicht mit mir zu schimpfen, ich weiß es selber: Beim nächsten Mal ziehe ich mehr an!

Am Montagabend erzählte mir mein Mann eine Geschichte, die mich emotional so mitnahm, dass ich mich erst einmal hinsetzte und meinen Kopf in die Hände schloss. Wie ich dazu eben meine Ellbogen auf die Oberschenkel aufstützte, durchfuhr mich in beiden ein heftiger Schmerz. Aua! Wat war dat denn??
Ich zog meine Bux herunter um nachzuschauen – da waren meine beiden Oberschenkel blitzblau und heftig angegeschwollen! Ich sah an den Beinen aus, als hätte ich mit meinem Mann eine Meinungsverschiedenheit ausgetragen und dabei den Kürzeren gezogen. Oder als wäre ich, ungeschickt wie ich bin, mit meinem Pubertikel beim Boxtraining gewesen. Den zweiten Vergleich erwähne ich nur, nicht dass noch einer meint, mir ginge es daheim schlecht.
„Schau dir das an!!“, sagte ich entsetzt zu meinem Mann. „Was sind das für dunkelblaue Dinger??“
Mein Mann war auch erschrocken. „Ich glaube, das sind Frostbeulen.“ Zur Sicherheit guckte er aber noch mal im Internet nach: tatsächlich. Die dicken Veilchen würden ungefähr vier Wochen bleiben, las er mir vor. Neben den Schmerzen würden sie auch fürchterlich jucken. Man soll auf keinen Fall kratzen! (Dämliche Klugscheißer!)

Irgendwann verschwanden die hässlichen Beulen sang und klanglos, ich hatte sie auch gänzlich wieder vergessen. Bis zum letzten Wochenende. Zu meiner Ehrenrettung sei darauf verwiesen, dass wir hier im Pott nicht nur keinen Schnee kennen – um richtig knackige Kälte steht es bei uns ebenso mager.
Jetzt bin ich ja ein Fahrradfanatiker, ich erzählte es bereits. Mittlerweile schulte ich altersbedingt auf Schönwettersportler um, zumindest wenn es um nasses Gelände geht. Mit meinem Sportrad ohne Schutzblech heize ich nur noch los, wenn die Sonne scheint. Und es wird noch besser: Seit diesem Winter lasse ich es bis zum Frühjahr gleich im Stall stehen und nehme stattdessen das Citybike. Wenn ich mich zu einer Runde aufmache, muss ich dann nicht erst die Kleidung wechseln, denn mit einem Damenrad fährt man nun mal gemütlicher. Außerdem: Ein im Wind flatternder Wollschal auf einem Mountainbike: Das sieht schon scheiße aus.

Aber kommen wir mal zum letzten Wochenende zurück. Mir wäre es ja eigentlich eh zu kalt für einen Ausritt gewesen, doch mein Mann nötigte mich. „Komm, fahr eine Runde mit dem Fahrrad, dann bist du ausgeglichener“, meinte er mütterlich, als ich wohl ein wenig herumgezickt hatte.
Konnte ja nicht schaden, dachte ich mir und machte mich auf den Weg zu meiner ‚Kleine Winterrunde‘. Die geht über knapp 30 Minuten und beinhaltet zwei schöne Steigungen. Kurz überprüfte ich meine Kleidung: Ich trug nach langer Zeit endlich mal wieder meine beige Sommerhose und obenherum zwei Schichten Stoff, die untere aus Baumwolle, die äußere aus Fleece. Obendrauf dann Softshelljacke, Wollschal, Mütze und Handschuhe – bei solch kurzer Strecke ist die Kleidung eh fast egal und ich düste los.

Bissiger Winterwind pfiff mir um die Nase und kniff mir in die Wangen, er riss an meiner Mütze und biss feindselig in meine Ohren – ich trat schneller als gewöhnlich in die Pedale und machte, dass ich wieder nach Hause kam. Das waren verdammt harte 30 Minuten für mich!

Endlich langte ich wieder daheim an. Es dämmerte bereits und ich sauste mit dem Cityesel in die Garage. Ein wenig achtlos band ich ihn fest und stürmte ins Haus. Mollige Wärme begrüßte mich und die Tür krachte hinter mir ins Schloss. Erleichtert entledigte ich mich meiner äußeren Kälteschutzschichten und als ich eben auch die Schuhe auszog, fingen auf einmal meine Knöchel an zu jucken wie Hulle!

Sie juckten und sie brannten, sie waren feuerrot und sie glühten – es fühlte sich an, als wäre ich mitten rein in einen Ameisenhaufen getrampelt. Ich sage Ihnen weiter nichts!
Wie kann eine einzige Frau nur so blöd sein?
Den Rest des Winters bleibe ich jetzt jedenfalls drinnen!

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung. Halten Sie sich ausreichend warm – oder schreien Sie um Hilfe!

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Immer wenn ich Brot hole …

Immer wenn ich Brot hole, fahre ich mit dem Fahrrad durch den Wald. Insgesamt bin ich knapp eine Stunde unterwegs, deswegen gehört so eine Beschaffungstour reiflich überlegt. Per Häkchenkontrolle ist abzuklären:
– Regnet es auch nicht?
– Habe ich denn Zeit?
– Hat der Bäcker überhaupt offen?

Natürlich könnte ich mir das ganze Theater auch sparen und wie jeder normale Mensch die Straße benutzen. Dann wäre die Sache auch binnen zwanzig Minuten erledigt. Aber ich liebe die Tour und habe richtig Freude daran. Das ist ähnlich beschaulich wie bei Rotkäppchen, nur mit moderner, ans Zeitgeschehen angepasster Handlung. Seine Großmutter hat heute keiner mehr mutterseelenallein im Wald wohnen, und damit ich mich zwischen finsteren Fichten nicht vorm bösen Wolf fürchten muss, habe ich ein Pfefferspray dabei.

Aus den genannten Gründen rede ich mir seit Jahren ein, dass zum Bäcker keine Straße führt. Das klappt auch gut, wir essen halt wenig Brot.

Gestern Nachmittag sprach nichts gegen eine Beschaffungstour. Es nebelte scheußlich wie in einer Waschküche, das Thermometer bibberte bei vier Grad, die Turmuhr zeigte kurz vor 15:00 – wenn ich mich beeilte, käme ich noch vorm Dunkelwerden zurück nach Hause. Vor allem könnte ich es mir aber erlauben, die letzte lange Steigung mit meinem unbeleuchteten Fahrrad auf der Straße hochzustrampeln. Da habe ich deswegen immer Bock drauf, weil ich dabei richtig schön ins Schwitzen komme. Also hurtig!

Beim Bäcker ergatterte ich das allerletzte Brot aus dem Regal – was Kleines, so was in der Menge für zwei der sieben Zwerge – und machte mich mit meiner Beute auf den Weg in den Wald. Wie es der Zufall will, hatten etliche Mülheimer Hundebesitzer die gleiche Idee mit dem fixen Heimkommen vor der Dämmerung und so war es ungewöhnlich voll.

Gerade sauste ich bei den ersten Fichten am Bächlein um die Kurve, da gewahrte ich hinter der Brücke vier dick vermummte Damen älteren Semesters. Die schlenderten nebeneinander und nahmen die komplette Breite des Weges ein.
Wobei Weg echt untertrieben ist. Er hat die Abmessungen einer Straße, auch die Qualität. Der Asphalt weist weniger Schlaglöcher auf, als die Straße, auf der ich wohne.
Die Damen schwatzten aufgeregt und verhielten sich auch ansonsten arttypisch. Vornweg versuchte ein kleiner Hund heimzuflitzen. Er trug Mäntelchen und Stiefelchen und zog so kräftig an der Leine, dass er auf den Hinterbeinen lief und vorne hoch stand. Wohl wegen seines Fliegengewichts und wegen des interessanten Gespräches schienen die Damen das aber nicht zu bemerken.

Ob der Kaffeekränzchen-Idylle plagte mich zwar ein wenig das schlechte Gewissen, doch dann betätigte ich sacht meine Klingel. Nichts passierte. Ungerührt palaverten die Damen weiter. Ich schellte lauter: wieder nichts.

Vemutlich lag es an den wollenen Mützen und an den Ohrenschützern, dass die Girls nichts hörten und so bremste ich hinter der Truppe scharf ab. Doch auch meine quietschenden Reifen störten sie nicht und so blieb mir nicht weiter übrig, als mich auf dem Grünstreifen vorbeizuquetschen. Ich entschied mich für die Seite mit dem schmächtigsten Weiblein.

Das hätte ich besser bleiben lassen sollen, denn als ich eben auf gleicher Höhe dran vorbeischlich, kreischte das Weiblein fürchterlich auf.
Vor Schreck fiel ich fast vom Fahrrad!
Doch damit nicht genug: Statt wenigsten stehen zu bleiben, sprang die dusselige Kuh auf meinen Gepäckträger!
In letzter Not gelang es mir, den Drahtesel in Balance zu halten. Leider kam ich trotzdem von der Straße ab.

Wie ich mit der entführten Alten schnurstracks auf dem Weg in den Bach war, hatte die Zweite sich so weit gefangen, dass sie losblökte: „HILFE! HILFE!“
Die Dritte kreischte: „POLIZEI!
„KLINGELN SIE GEFÄLLIGST, JUNGE FRAU!!“, brüllte die Vierte.

Herrschaftszeiten, ich sage Ihnen weiter nichts! Mein Herz! Die Girls machten so einen Terz – so muss es dem Fuchs ergehen, wenn er im Hühnerstall vom Bauern erwischt wird. Also machte ich es wie der Fuchs und gab eilig Fersengeld.

Ich hatte mich gerade wieder beruhigt, bog 800 Meter weiter um die nächste Ecke, wanderte vor mir eine junge Frau mit vier riesengroßen Schlittenhunden. Wieder über die gesamte Wegbreite verteilt. Ich dachte noch: Nicht schon wieder! – Doch die junge Frau achtete auf ihrer Umwelt. Sie gab den Hunden ein Kommando und die vier stellten sich brav zwei rechts und zwei links vom Frauchen auf.

Wir Frauen winkten uns zu, wir lächelten uns an und setzten beide beschwingt unseren Weg fort.
So einfach kann einem ein Lächeln den Tag erhellen.

So, und wie ich kurz davor war, den Wald zur Straße hin zu verlassen, dann noch diese beiden sportlichen Herren hier: mit extrabreiten Lenkern gestylte und schön eingeschweinste Biker im besten Mannesalter.
Die heizten wie zwei Kometen auf mich zu.
Solche Vorstandvorsitzenden, die gemeinsam auf der Jagd Geschäfte machen – sicher wissen Sie, welchen Typus Mann ich meine. Die reiten da nach ihrem Bürotag, der aus unnützen Konferenzen, überflüssigen Telefonaten, Schlipswechseln und täglich neu verteidigter Hackordnung besteht, mit gezogenen Lanzen durch den Wald. Sie sind auf dem Survivaltripp und haben vorher gemeinsam zwei Kilo rohes Fleisch verschlungen, damit der Aggressionspegel auch hier in der Natur nicht sinkt. Wer sich ihnen in den Weg stellt, wird überrannt. Ich habe sie echt dick, solche Kerle.

Jedenfalls schossen die beiden Lichtgestalten gleichfalls wegbreit heran. Logisch, die nehmen ja schon einzeln mächtig Raum ein – allein die Aura drückt uns Kleinvieh wie ein Rambock von der Piste.

Jetzt ist es aber so, dass ich mit einem Fahrrad geboren wurde. Würde ich zu Fuß schüchtern und ängstlich vor soviel geballter Entscheiderkompetenz beiseitespringen und schuldbewusst für nichts den Kopf senken – straffte ich mich stattdessen und fasste den Lenker fester. Ich kniff die Augen ein bisschen zusammen und hielt die Spur. So in etwa.

Doch der Zufall oder das Schicksal wollten es – oder vielleicht waren es auch die beiden Idioten gemeinsam: Plötzlich lag da auf dem Teerweg vor mir ein überdimensionaler Pferdeschiss! Fein säuberlich Appel für Appel zu einer Pyramide gekackt – bestimmt einen halben Meter hoch!

Verdammte Scheiße, ich und die Chefs würden genau am Scheißhaufen zusammentreffen!
Der Riesenschiss war megafrisch, er dampfte sogar noch.
Der Herr Generaldirektor, der auf meiner Seite fuhr, gewahrte den Kack wohl im gleichen Moment wie ich, denn er grinste fies. Der andere Bankier kriegte die Sache auch spitz und grinste noch fieser. Eines muss man solchen Typen ja lassen: Deren Auffassungsgabe ist wieselflink!

Jedenfalls hatte ich den Eindruck, dass die die Sache auf einmal als Autorennen einstuften. Sie wissen schon, als Illegales. So eines, wo beide Kontrahenten aus entgegengesetzten Richtungen aufeinander zurasen, und der mit den schwächeren Nerven im letzten Moment beiseite zieht. Mit dem Unterschied, dass sich normalerweise beide Parteien einig sind und keiner ungewollt, so wie ich eben, Protagonist und somit Teil der Show wird.

Aber man muss das Leben nehmen, wie es kommt!
Zum Glück stamme ich aus einer Zeit, wo man bei kleinen Problemen weder zur Kindergärtnerin, noch zur Mutter, geschweige denn die zur Lehrerin rannte. Wir lösten noch selber.
Und so gab ich mich der Sache halt hin und stellte mich: Ich fasste den Lenker noch ein wenig fester, kniff die Augen noch ein bisschen mehr zusammen und trat noch kräftiger in die Pedale.

Die Leitfigur, die auf mich zuschoss, erkannte wohl meine Absicht, nicht zu weichen, und verlegte sich augenblicklich aufs Rumbrüllen, darauf verstehen sich solche Typen ja besonders gut: „DU DÄMLICHE PUTE! WENN ICH DAS SCHON SEHE! BLOSS NICHT BREMSEN!“, feuerte er mitten im Naturschutzgebiet eine Maschinengewehrsalve auf mich ab. Im selben Moment sausten wir um Haaresbreite aneinander vorbei. Der Ärmel seines BikerJackets schürfte über meinen kleinen Finger.

„Arschloch!“, informierte ich und weil ich so viel Schwung hatte, war der Wald da auch schon zu Ende.

Diese Brottour war mir jedenfalls zu aufregend.
Das nächste Mal fahre ich auf der Straße, da ist zwischenmenschlich weniger los.
Und vielleicht gibt es dann bei uns auch öfter mal ein Brot zur Wurst.

Lasst Euch nicht die Butter vom Brot nehmen, Leute!

Bis dass der Tod sie scheidet: Brot und Fahrrad gehören zusammen!

GoodWords IT-Crash: Warum eine Bitte kein Imperativ ist!

Hallo Leute,
da bin ich wieder! Meine Computerpanne ist nicht behoben, aber es funzt wieder gut genug, um zu arbeiten. Macht es Euch bequem und lasst Euch erzählen, was sich zutrug!

Im Jahre 2017 des Herrn, um es genau zu sagen: am 4. Dezember, in der Mittagszeit, schlief mein Rechner plötzlich ein. Der Cursor blinkte nur noch im Zeitlupentempo und der Text, den ich bis dahin geschwind mithilfe von sechs Fingern eingeklackert hatte, fatschte nicht wie gewohnt das Blatt voll, sondern jeder einzelnen Buchstabe ließ sich für sein Auftauchen anständig Zeit.
Ich schnaubte und ging erst einmal aufs Klo.

Als ich nach einer Weile – begleitet von einem Pott voll Kaffee mit verschneiter Weihnachtslandschaft drauf – wieder an meinem Schreibtisch aufkreuzte, hatte es gerade der letzte Satzzeichen-Punkt von vorhin geschafft, sich schnaufend auf den Monitor zu hieven.
Ich kratzte mir den Kopf. Was war da los?

Nach einem Blick auf die Uhr entschied ich, das Mittagessen zuzubereiten. Gegen später Nachmittag, als alle meine Leute abgefüttert, bemeckert und besprochen waren, erinnerte ich mich meines Tagwerks.
Ich setzte mich an den Rechner – da wollte der immer noch nicht! Verflixtundzugenäht! Was hatte die blöde Kiste für ein Problem?

Und auf einmal entdeckte ich das Übel im Maileingang! Da hatte mir so eine Hirni eine riesengroße Mail mit unglaublichen 42 MB geschickt! Der Absender war mir bekannt, also klickte ich drauf und schaute mir die Sache an: Fotos.
Jetzt wäre das ja so weit auch okay gewesen, doch im Text stand, dass ich diese Mail an drei Leute weiterleiten sollte, weil dem Absender die Adressen nicht vorlagen. Ich krauste die Stirn. Zwei von denen führen Webmail, da gibt es normalerweise Volumenbeschränkung. Was macht man da? Kurz überlegte ich, ob ich die Bilder verkleinern sollte und dann erst abschicken. Das verwarf ich jedoch gleich, weil von so was habe ich keine Ahnung und es würde viel Zeit draufgehen, bis ich das erledigt hätte.
Also tat ich das in meinen Augen einzig Richtige: Ich setzte die Empfängeradressen dazu, drückte auf „Weiterleiten“ – und ging einkaufen.

Als ich am Abend zurück kam, war mein Rechner mit dem Verschicken fertig und ich hätte nun endlich losarbeiten können. Doch ich war zu müde. Ob ich faulenze oder nicht – am Abend werd ich müd. Geht Ihnen sicher auch so. Ich beschloss, Feierabend zu machen und am nächsten Morgen Schlag sechs Uhr zu starten.

Nächster Morgen, noch vor dem ersten Hahn, saß ich mit Kaffee am Schreibtisch und hämmerte los. Die Bildermail von gestern hatte ich vergessen, draußen war es finster und ich schrieb in den aufziehenden Morgen. Die Amseln stimmten ein und jodelten mir einen vor, es war echt beschaulich.

Wenn ich so früh loslege, kriege ich auch früh Hunger. Gerade holte ich mir ein paar Wurststullen aus der Küche, als mir der Bing-Ton an meinem Rechner die Ankunft einer Mail verkündete. So was hebt mich erst mal nicht an, die Mail läuft ja nicht weg. Während ich noch mit der Kaffeemaschine hantierte und eines ihrer Bedürfnisse nach dem anderen befriedigte – gerade war ich bei „BOHNEN NACHFÜLLEN!“ – klingelte der Posteingang erneut. Anschließend verlangte die Maschine: „TRESTER LEEREN!“ – das Gematsche aus Kaffeesatz und alter Kaffeebrühe ist immer eine besondere Sauerei. Nach dem Massaker säuberte ich das Spülbecken mit einem Zewa, als der Rechner erneut klingelte. Als ich endlich auf „KAFFEEBEZUG“ drückte, schließlich noch einmal: „Bing!“

Ich gebe zu, ein wenig trieb mich die Klingelei zur Eile, denn ich hatte Pläne für den Tag. Ich wollte mir meine Struktur heute nicht schon wieder von außen durcheinanderbringen lassen!
Stöhnend setzte ich mich also an meinen Arbeitsplatz, klickte die Mails auf – War das ein Scherz??
Der Maileingang voll mit dem hier:

Mail delivery failed: returning message to sender
Mail delivery failed: returning message to sender
Mail delivery failed: returning message to sender
Mail delivery failed: returning message to sender
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Mail delivery failed: returning message to sender
Mail delivery failed: returning message to sender
Mail delivery failed: returning message to sender
Mail delivery failed: returning message to sender
.
.
.

War mein Account gehackt worden?
Breitet sich so was aus?
Was tut man da?

„Bing!“

Während ich geschockt auf mein Postfach starrte, wieder: „Bing!“ Ich schüttelte den Kopf und klickte die erste Mail auf: Eine der Gmail-Adressen der Bildergeschichte von gestern teilte mir darin mit, dass die Mail zu groß sei und deshalb nicht zugestellt werden konnte.
Die Mail darunter war gleichen Inhalts und die noch eins drunter auch. Ich mutmaßte, dass es sich beim gesamten Aufkommen um einunddieselbe Information handelte. Pro Minute erreichten mich zwei dieser Tauben, eine gute Frequenz, damit auch der dümmste Depp schnallte, dass mit seiner Postzustellung was schiefgelaufen war.

Vielleicht war ja auch beim Provider was durcheinandergekommen. Vor einem Jahr gab es da schon einmal ein Problem: Damals war mein Posteingang im zehn Minuten-Takt mit sämtlichen Mails, die ich jemals seit dem Jahr 1999 verschickt hatte, teil- und rückgeflutet worden. Innerhalb von zwei Tagen hatten die das aber in den Griff bekommen, urplötzlich war mein Briefkasten wieder aufgeräumt und sauber sortiert, ohne dass ich etwas dazu beigetragen hatte.

Auf solche Art von Panne hoffte ich auch heute. Zumindest die erste Woche lang.
Addieren wir kurz zusammen, wie es nach dieser Zeit postmäßig bei mir ausschaute:
2 Delivery-failed-Botschaften in der Minute,
macht 120 Stück in der Stunde
und 2.880 Stück am Tag.
In acht Tagen ergibt das die stolze Menge von 23.040 Mails – die ich alle von Hand löschte.

Danach platzte mir allerdings der Kragen. Keine Minute zu früh, denn endlich kam mein Mann von seiner Reise zurück. Weil er auch keine Idee hatte, wie sich der Scheiß abstellen ließ, denn der empörte Briefkasten gab (wohl damit man ihn nicht mundtot machen konnte) keine eindeutige Adresse preis – und weil mein Mann zum Jahresende immer besonders den Kopf voll hat, richtete er einen Filter ein: Der pfiff die faulen Eier ungesehen in den Müll. Leider funktionierte der nur am Rechner, nicht aber am Handy, was auch der Grund ist, warum ich seit Anfang Dezember nur noch halbtags auf Emails reagierte, oder eben gar nicht, weil da ging schon mal was schief.

Dann kamen die Weihnachtsfeiertage, Silvester und Neujahr und mit ihnen jede Menge Ablenkung und Aufregung und irgendwie hatte ich mich danach an den Zustand gewöhnt. Mein Laptop wohl auch – ich leerte nun halt täglich den Papierkorb. Das tut man mit dem Leibhaftigen ja auch so.

Seit letzter Woche Montag habe ich aus Projektgründen aber nun einen anderen Rechner: Riesengroß, selbst wenn ich vier Seiten gleichzeitig auf dem Schirm ziehe, lässt sich alles gut erkennen. Ein Traum!

Allerdings verträgt sich der Neue nicht mit meines Mannes Filter. Ungefähr 20 taube Nüsse schlüpften im Laufe des Dienstags durch die Wall. Am Mittwoch schafften das schon 200 – und in der Nacht kamen weitere 600 dazu.
Am Donnerstagfrüh brach der löcherige Damm dann endgültig entzwei und seitdem flutet die Scheiße ungebremst rein.
Jede Minute zwei Würste, ich dreh bald durch!

Wie es der Teufel will: Seit der Invasion ist mein Mann wieder unterwegs. Auch richtig schön weit weg, er hört mich nicht toben. Zum Glück endet auch die längste Reise irgendwann und so kommt mein Mann heute Abend zurück!
Ich mach ihm jetzt was Feines zu Essen und stöpsel das Telefon aus. Soll sich keiner unterstehen, meinen Mann heute Abend abzulenken! Der hat heute zu tun!
Und wenn der das hinkriegt, dann komm ich auch endlich dazu, vom versprochenen Tatort aus dem Wald zu erzählen! Ich krieg jetzt noch Gänsehaut, wenn ich nur daran denk …

Aber eines weiß ich jetzt schon, egal wie das mit der Technik heute ausgeht: Wenn mich noch mal einer bittet, was weiterzuleiten, wo ich Bauchschmerzen bei hab – das lass ich künftig bleiben!!

Der Potsdamer Postkutscher wird gleich standrechtlich erschossen.

Technische Panne bei GoodWords

Hi Leute, heute ist Donnerstag, wartet Ihr auf eine neue Story? Ich habe ja auch eine schöne. Eine richtig gute, einen Krimi im Wald! Aber es wird nix. Guckt Euch an: Ich habe ein Computerproblem. Das geht zwar schon eine Weile länger, aber nun ist ganz Feierabend. Ich melde mich, wenn das Probem behoben ist. Bleibt mir gewogen, und falls das Netz mich frisst: Behaltet mich im Herzchen! 🙂 In Liebe und immer mit einer Kaffeetasse im Arm, Eure Anke GoodWord 🙂

Hi Leute, heute ist Donnerstag, wartet Ihr auf eine neue Story? Ich habe ja auch eine schöne. Eine richtig Gute, einen Krimi im Wald! Aber es wird nix. Guckt Euch an: Ich habe ein Computerproblem. Das geht zwar schon eine Weile länger, aber nun ist ganz Feierabend. Ich melde mich, wenn das Probem behoben ist. Bleibt mir gewogen, und falls das Netz mich frisst: Behaltet mich im Herzchen! 🙂 In Liebe und immer mit einer Kaffeetasse im Arm, Eure Anke GoodWord 🙂

 

 

Friederike pennt bei uns

Haben Sie alle den Sturm letzte Woche leidlich überstanden? Kommen Sie mit den Aufräumarbeiten voran? Ich hoffe, es ist Ihnen nichts Schlimmes passiert und sie haben keinen Schaden an Leib und Leben genommen!

Bei mir ist dieses Mal im Prinzip alles gut gelaufen:
Alle meine Bäume stehen unversehrt aufrecht und sämtliche Dachziegel liegen an ihren angestammten Plätzen. Meinen neuen Schlitten band ich rechtzeitig am Haus fest und die mobilen Außensitzgelegenheiten nebst sämtlicher petroler Sommerbeleuchtung schleppte ich während des lostobenden Orkans in die Garage. Als alles sicher verwahrt dort drinnen stand, ließ sich das Tor nicht mehr schließen: Es blähte voll auf wie ein Segel im Sturm auf dem Meer und hatte sich so verkeilt, dass es klemmte. Während ich noch damit kämpfte, aber kurz vor dem Durchbruch stand, hörte ich durch das Tosen schweres Bersten von Holz und die Erde erzitterte in einem mittleren Erdbeben.

Wohl durch dieses zusätzliche Wackeln gab sich das Tor geschlagen und surrte scheppernd zu, während ich fast so schnell wie Friederike ins Haus stürmte. Die schwere Haustür krachte hinter mir ins Schloss und ich entschied, die Hütte heute nur noch im Notfall zu verlassen. Überschwemmung, Flugzeugabsturz oder ähnliches.
Ich gedachte des armen Baumes, dessen Endes ich eben akustischer Zeuge gewesen war und machte mir erst mal einen Kaffee. Wer weiß, wie lange das noch ginge, wenn erst einmal der Strom ausfiele. Das kennt man ja.

Von den folgenden anderthalb Stunden will ich jetzt mal nicht reden, die verbrachte ich schlotternd mit der Kaffeetasse im Arm an meinem Schreibtisch. Der Orkan prügelte auf das Haus ein, er peitschte die Bäume, würgte sie und versuchte sie zu lynchen – gearbeitet habe ich jedenfalls nichts. Das Haus klagte, es stöhnte, es schwankte – aber es hielt stand und ließ sich nichts abreißen.

Wohl weil Friederike von vorne nichts ausrichten konnte, drehte sie wütend und blökte dann von hinten los. Sie nahm beide Backen voll Druckluft und pustete den Kärcherstrahl mit aller Macht in den Teich. Eine gewaltige Wasserfontäne peitschte auf und fatschte grün auf meine Fenster nach hintenraus. Dem weiteren Verlauf des Schauspiel konnte ich erst nach einer Weile wieder folgen, als das Algenzeug heruntergelaufen war.
Ich hatte nicht geklatscht und so ganz ohne Applaus hatte die Windschickse wohl keinen Bock mehr auf das Spektakel. Brüllend zog sie weiter.

Die Flaute nahm ich zum Anlass, mein Anwesen in Augenschein zu nehmen. Hocherfreut stellt ich dessen Unversehrtheit fest – doch betrübte mich der anschließende Blick ins Umland gewaltig! Der arme Baum von vorhin war einer der Bäume meines Nachbarn gewesen. Ein wunderschöner alter Laubbaum lag quer auf der Wiese.
Wie ich zum Haus zurück ging, entdeckte, ich, dass Friederike beim Nachbarn noch einen weiterer Baum stark eingekürzt hatte. Anklagend ragten pfeilspitze Splitterstellen zum Himmel. Mich dauert so was immer sehr, ich liebe Bäume.

Was erledigt man als Erstes, wenn man ein Unwetter heil überstanden hat?
Man informiert seine Liebsten!

Ich begann mit meiner Mutter, die macht sich immer mehr einen Kopp um mich als mein Mann. Der weiß, dass ich mich sowieso sofort melde, wenn was nicht passt. Schließlich bin ich ihm erst letzten Freitag wieder Schlag sechs Uhr früh mit der Heizung auf den Wecker gefallen. Meine Mutter wohnt mehrere hundert Kilometer weit weg, das ist doppelt nervenaufreibend für sie.

Ich sprudelte also in den Hörer, meine Mutter beruhigte sich auch sofort, was ihr einziges Kind nebst Familie angeht – vielleicht lag das aber auch daran, weil sie mit eigenen Wetterfolgen abgelenkt war: „Der Sturm hat die Terrassentür vom Schlafzimmer reingedrückt! Stell dir das mal vor!“, forderte sie mich entrüstet auf.
„Und jetzt? Pfeift der da jetzt ungehindert rein??“
„Keine Sorge.“ Ich hörte förmlich, wie meine Mutter in den Hörer abwinkte. „Vater hat die Tür wieder eingehängt. Er stand genau dahinter, als sie reinflog.“
Hä?
„Wären wir allerdings nicht da gewesen wären, hätte das mit dem gekippten Fenster mächtig in die Hose gehen können …“
„Du erzählst mir doch hier nicht gerade, dass ihr die Tür immer gekippt lasst, wenn ihr weggeht??“ Meine Eltern wohnen idyllisch: Kleinstadtrand, hintenraus Wiese, Bach und endlos Wald. Genau der richtige Fleck, alles sperrangelweit offen stehen zu lassen. „Seid ihr irre?“
„Nun reg dich mal nicht so auf, dein Vater ist gerade noch mit dem Leben davongekommen! Ich habe ja auch nicht gesagt, dass wir das große Fenster grundsätzlich offen stehenlassen. Aber das kommt schon mal vor. Man vergisst halt mal was.“
„Hallo! Was gibt‘s denn da zu vergessen?? Es gehört dazu, dass man seine Fenster kontrolliert!“
„Dir passiert so was natürlich nicht!“
Stimmt, hatte sie recht. Mir nicht – für so was hab ich Kinder.
Entsprechend vergnatzt beendeten wir unseren heutigen Informationstransfer per Telefonleitung und verabredeten uns für den nächsten Klatsch zur gewohnten Zeit.

So, jetzt hatte ich ja den ganzen Tag noch nichts Sinnvolles getan. Mit der Arbeit brauchte ich gar nicht erst zu beginnen, war ja schon Nachmittag. Der Wäschekorb blockierte die Treppe zum oberen Stock und so entschied ich, ein wenig Hausarbeit zu betreiben. Ich schulterte den Korb und wie ich forsch mit dem Ellbogen die Tür zum Schlafzimmer aufklinkte, wirbelten mir ein paar Eichenblätter entgegen. Was war denn hier los?
Mit der Hüfte stieß ich gegen die Tür, doch sie schwang nicht wie gewohnt leicht auf – irgendetwas lag drinnen davor. Jetzt reichte es mir aber! Ich stellte den Korb ab, damit ich beide Hände frei hatte. Und dann traf mich fast der Schlag!

Vom Bett und vom Teppichboden war nicht mehr viel zu erkennen!
Alles lag voller Laub!
Alte Herbstblätter, braune Federn von den Lebensbäumen vorm Fenster, spittelige Tannenzapfen und jede Menge Kleindreck von Birken- und Lindensamen. Apropos Fenster! Das stand auf Kipp, verdammte Scheiße!
Das Herbarium hatte meine Wollpullover, die aus Platzgründen auf dem Board statt im Schrank liegen, paniert und zugedeckt. Sie ließen sich nur noch als großer Laubhaufen ausmachen. In meinem Schlafzimmer sah es aus wie beim Modeshooting für die nächste Herbst-/Winterkollektion.
Das konnte einfach nicht wahr sein!
Geschockt trat ich rückwärts in den Flur hinaus und schloss die Tür hinter mir. Draußen lehnte ich mich für einen Moment dagegen, dann schüttelte ich mich und atmete tief ein.
Ich öffnete die Tür wieder: Alles unverändert. Leider!
Das ganze Zimmer glich einem riesengroßen Komposthaufen.
Was macht man da?
Putzt man es – oder sucht man sich eine neue Bleibe?
Unsere Schlafkammer ist klein, theoretisch könnte man sie abschließen und woanders neu anfangen.

Für das Lösen von Problemen ist mein Mann zuständig, also rief ich ihn an.
Bei meinem Mann in der Arbeit herrschte schon helle Aufregung: Ehefrauen informierten gerade ihre diversen Ehemänner telefonisch über Rikes Schäden. „Ach, deine auch!“, vernahm ich im Hintergrund einen Kollegen, als ich eben mit meinem Bericht loslegte.

Mein Mann hörte sich alles ruhig an und als ich mit der Frage endete, was wir nun tun sollten, fragte er mich, ob ich sie noch alle hätte. Nachdem ich das bejahte, mein Mann aber auf meinen Vorschlag mit der neuen Kemenate nicht eingehen wollte, rief ich meine Mutter an. Nicht dass sie bei mir putzt sollte – nein das war nicht der Grund! – aber ich musste ihr ja vom meinem gekippten Fenster erzählen, und mich deswegen bei ihr entschuldigen.

Merkt Euch das einfach, Leute: Mütter haben immer Recht!

Sturmfolgen in einem Schlafzimmer. Was ist da jetzt zu tun? Putzt das die Versicherung?

Heizung defekt? Ich mach mir warme Gedanken!

Freitags fällt bei uns daheim gerne die Heizung aus. Das ist im Winter ziemlich regelmäßig so – doch was echt schwerwiegend: Es passiert in der Nacht auf den letzten Arbeitstag der Woche.

Zum Glück ist unsere Heizung dann nicht wirklich kaputt, sie erleidet nur einen spontanen Druckabfall. In weniger als einer Minute und ohne ein akustisches Signal abzugeben, entleert sie ihre Blase. Einfach so, zack, uriniert sie das Wasser ins Loch. Sie müssen sich das Loch wie eine dieser kultursensiblen Toiletten vorstellen, nur eben bei uns im Keller zwischen den karrierten Fliesen. Ruckzuck ist die Heizung fertig und guckt dann verklärt. Das hat sich vor ein paar Jahren sanft eingeschlichen – in diesem Winter passiert das ständig.

Unter der Woche bimmelt mein Wecker immer Schlag sechs Uhr – mein Mann steht fast zwei Stunden später auf. Dafür dauert sein Arbeitstag aber auch etliche Stunden länger als meiner. Wenn mein Gatte zurück nach Hause kommt, schlafe ich schon fast wieder.

Vielleicht hat sich die Heizung darum überlegt, sie hilft unserem Zusammensein ein wenig auf die Sprünge und pfeift meinen Gatten nun regelmäßig einmal pro Woche mit den Hühnern aus den Federn. Das mit dem Wassernachfüllen im Heizungskeller gehört nämlich zu seinen Aufgaben. Erschwerend gesellt sich hinzu, dass die Heizung mit schlichtem Wassertrinken nicht mehr zufrieden ist. Neuerdings verlangt sie nach weiterer Zuwendung. Mein Mann drückt dann hier ein paar Knöpfe, bis sie aufhört zu blinken; er dreht da ein wenig an zwei Schräubchen herum, bis sie zufrieden losschnurrt – kurz: Er streichelt sie und spricht mit ihr, bis sie ihren Dienst tut. Die Heizung ist weiblich. Eindeutig.

Warum erzähle ich Ihnen das jetzt? Sicher haben Sie eigene Probleme mit ihren technischen Geräten. Ja, da sehe ich auch ein und das tut mir auch leid – aber mein Mann ist diese Woche unterwegs. Und morgen ist Freitag! Oh Gott, oh Gott, oh Gott …

Schneemann wärmt sich am prasselnden Kaminfeuer

Frohe Weihnachtszeit!

Liebe WeihnachtsLeute!

Ich kümmere mich ab gleich mal ein bisschen ums Fest und lasse das Internet Internet sein.
Guckt Euch an, wie farbenfroh es bei mir daheim noch ausschaut! Sogar mit blauem Himmel. Ich habe also noch eine Menge zu tun, bis mein Anwesen frostig klirrend für die Heilige Nacht hergerüstet ist. Die ist mir nämlich wichtig, mit all ihrem Glöckchengebimmel und den roten SchlittenSchleifchen!

Warum ich mich ablenkungsfrei um meine Zimtsterne kümmern muss, geht schon damit los, dass mein neues Auto ein Stück kürzer ist als mein altes.
Wie beschaffe ich da jetzt bloß den Weihnachtsbaum?
Hat jemand Erfahrung mit in zwei Teilen?
Ich vermute, das duftende Nadelholz daheim in der Stube mithilfe eines Zapfens wieder zusammen zu puzzeln, wird nicht hinreichend stabil funktionieren. Schon allein wegen des schmückenden Gewichts nicht, das da dran baumeln soll: Vögel, Kugeln, Sterne, Zwerge, Äpfel, Kerzen – ich habe bestimmt noch was vergessen.
Mit meiner Sorge liege ich doch richtig, oder?

Aufgrund meines Dilemmas schlug ich meiner Sippe vor, wir könnten uns, statt eines zersägten Legobaumes, auch gleich einen Künstlichen zulegen. Schon allein wegen der Nachhaltigkeit! Doch meine Leute wollen das nicht. Sie wollen einen richtigen Baum! Weihnachten sei schließlich nur einmal im Jahr. Ja, so funktioniert dann halt Demokratie: Drei gegen Einen – und am Ende wird gemacht, was die Mutti sagt.

Trotzdem fordert mich das. Entweder muss ich es aussitzen – oder ich muss viel darüber labern. Leider lässt meine Aura meine Kontrahenten nicht verstummen. Aber ich bin ja noch jung, ich reife also noch. In ein paar Jahren werde ich nur noch die Augenbrauen anheben und werde Nicken ernten.

Leute, für diesen Lernprozess brauche ich aber die ganze Frau. Deswegen, und wegen der Gründe oben, sage ich:
Bis demnächst, ihr lieben Hochverehrten!
Ich freue mich aufs Fest – Merry Christmas Euch allen!

Weihnachtlich geschmückter Baum mit Erderwärmung

Adventskalender: Der Wille zählt!

Wie verhält sich das denn bei Ihnen, besitzen Sie einen Adventskalender?
Ich habe einen. Natürlich. Mein Mann auch und die Kinder sowieso. Unsere vier Adventskalender hängen an der Wand an ihren angestammten Plätzen. Für das Befüllen des traditionellen Vorfreudenzierrats sind unsere Kinder zuständig, ich kaufe lediglich die Schleckereien dafür ein. So läuft das bei uns jahrein jahraus, man kennt so was auch aus der frühkindlichen Pädagogik: Ruhe, Rhythmus, Rituale

Gestern Nachmittag kam Geflügels bester Kumpel zu Besuch. Er schien ein paar Tage nicht hier gewesen zu sein, denn nachdem er den üblichen Kontrollflug durch die Bude absolviert hatte, baute er sich vor meinem Schreibtisch auf: „Sag mal, Anke, wieso habt ihr denn dieselben Adventskalender wie letztes Jahr hingehängt??“

Hatte da wer mit mir gesprochen? Ich schaute von meiner Tastatur auf. Dann kratzte ich mir den Kopf und tauchte langsam auf. Schließlich fragte ich: „… Hä?“
„Na, die Adventskalender! Die hingen doch schon letztes Weihnachten hier!“
Geflügel verstand die Frage auch nicht: „Im Sommer haben wir die natürlich abgenommen. Auch wenn die meinetwegen das ganze Jahr über hängenbleiben könnten. Das schaut mit denen so gemütlich aus.“
Der Kumpel entrüstete sich: „Wie könnt ihr denn so langweilig sein?? Wir basteln uns jedes Jahr einen neuen Adventskalender! Einen riesengroßen! Meine Schwester, meine Mutter und ich, wir besorgen Papier und dann schnippeln und kleben und basteln und verzieren wir so lange, bis wir ein Dorf beisammen haben!“

Jetzt wo er das sagte, erinnerte ich mich, dass ich bei der Kumpelfamilie in der Adventszeit immer ein ganzes Sideboard voll Papphäuschen stehen sehe. Ich dachte allerdings, das sei jedes Jahr dasselbe. Bastelten die das Kaff etwa jeden Advent neu??
Innerlich war ich geschockt: Enthielt ich meinem Töchterchen eine wichtige gemeinsame ElternKind-Zeit vor? Würde sie mir das später übelnehmen? Sehr?

Ehe ich mich weiter ins schlechte Gewissen reinsteigern konnte, beschloss ich, die Sache auf eine analytisch-emotionslose Ebene zu hieven: „Da wüsste ich gar nicht, wo wir so eine Landschaft hinstellen sollten. Über so viel freie Ablageflächen verfügen wir gar nicht.
Der Kleine schaute sich um: „Stimmt. Auf den Esstisch könnt ihr die nicht stellen. Da müsstet ihr im Stehen essen …“
„Auf dem Küchentresen ist auch kein Platz, da klettere ich immer drauf rum“, informierte uns Geflügel.
„Dann eben nicht.“ Der Kleine zuckte die Schultern, schnappte Geflügel an der Hand und saust mit ihm durchs Treppenhaus nach oben in den Hühnerstall. Über mir polterte es, als würden die wilden Horden durchziehen: also alles wie immer.

Gerade wollte ich mich erleichtert an meine Arbeit rückwenden, als die kreischende Bagage erneut angeflattert kam. „WIR WISSEN WOHIN MIT DEM DORF!“, brüllten sie schon auf der Treppe. „Steh mal auf!“, forderte mich Geflügel auf.
Damit ich mich ein bisschen schneller drehte, zog mir der Kumpel den Bürostuhl unterm Hintern weg. Dann klappte Geflügel meinen Laptop zu und riss ihn schwungvoll vom Schreibtisch. „Hier!“ Beide Kinder zeigten freudig auf meinen eben freigewordenen Arbeitsplatz.
Noch ehe ich mich entrüsten konnte, gab Geflügel mir Bescheid: „Ich mag das eh nicht, wenn du so viel arbeitest!“
Der Kumpel pfiff zwei Bögen Bastelkarton auf die freie Fläche. Einen orangefarbenen und einen in Schweinchenrosa: „Lasst uns keine Zeit verlieren! Sonst wird der Adventskalender erst nach Weihnachten fertig!“
„Was sind das eigentlich für bescheuerte Farben …?“ Ich musste mich erst mal sammeln.
„Was anderes haben wir nicht gefunden. Du musst deiner Tochter mal gescheites Bastelmaterial kaufen! Aber meine Mutter sagt immer: Der Wille zählt!“

Klassischer Adventskalender mit Bildchen (Original im Fundus Müller, Foto: auch)

 

 

FahrradDiebstahl: LokalKompass-Leser wissen mehr!

Als mündige Bürgerin informiere ich mich mal weniger und mal mehr was weltpolitisch ansteht – bei den lokalen Geschehnissen bin ich dafür aber top im Bilde.
So kam es, dass mir letztens nicht entging, dass vor meiner Haustür zwei Diebe geschnappt wurden, die sechs ergaunerte Fahrräder in ihren weißen Transporter mit ausländischem Kennzeichen luden.
Ein aufmerksamer Anwohner hatte die Polizei alarmiert, als das Duo auf einem Parkplatz mit dem Diebesgut hantierte.
Laut Redaktionsmeldung verfügten die beiden jungen Herren über keinen festen Wohnsitz; sie wurden erkennungsdienstlich behandelt und anschließend wieder auf freien Fuß entlassen.

Ich hoffe mal, den Herren war der Schreck mit der anrauschenden Polizei und den Fingerabdrücken lehrreich, sie sind jetzt geläutert, und dass das nicht noch einmal vorkommt!
Darauf kann man sich aber nicht verlassen, und außerdem weiß man ja auch nichts über deren Familienverhältnisse: Vielleicht haben sie Cousins oder Schwager, die noch nicht erwischt wurden und deshalb noch fröhlich durch die Gegend klauen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin besorgt um meine Fahrräder!

Als Bike-Fanatikerin besitze ich mehrere, für jeden Anlass das passende Zweirad. Stock-und Steinfahrten im Gelände, Hochgeschwindigkeitsrasen auf der Chausee oder gemächlich in der Stadt herumjuchteln: das mache ich nicht mit ein und demselben Fahrrad. Das verhält sich bei mir wie bei Frauen mit Schuhen – Schuhe besitze ich dafür weniger.

Weil mein sorgsam zusammengestellter Fuhrpark während meiner Radkarriere von Langfingern schon um insgesamt 3,5 Fahrräder erleichtert wurde – beschloss ich, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen!

Gestern Nachmittag kam ich in der Dämmerung von einem Termin nach Hause. Ich war mit dem Rad unterwegs, schon allein wegen der Einbahnstraßen-, Baustellen- und Parksituation in der Mülheimer City. Mir blieb eine Dreiviertelstunde, bis ich wieder los musste, Geflügel bei einer Freundin abholen. Das Kleine war auch mit dem Fahrrad gefahren und im Dunklen lasse ich es nicht allein heimradeln.
In der Garage wollte ich mein Pferd für den Moment nicht unterbringen – normalerweise hätte ich es einfach in unserer Einfahrt stehengelassen. Aber der Zeitungsartikel ….

Zum ersten Mal, seit ich hier wohne, schloss ich also mein Fahrrad auf meinem eigenen Grundstück ab. Ich war stolz auf mich, ich hatte mich den Umständen angepasst und nicht wie gewöhnlich die empfohlene Trotzhaltung: Jetzt erst recht! eingenommen.

Als die Zeit ran war, war es draußen stockfinster. Beschwingt stürmte ich in die Nacht – doch ich erspähte die Hand vor Augen nicht mehr. Nun kenne ich mich daheim ja aus und so hangelte ich mich blind an den Mülltonnen entlang bis in die Ecke, in der ich mein Citybike vorhin gelassen hatte. Schien auch alles vollständig und ich tastete nach dem Schloss. Soweit klappte das – doch dann kriegte ich den winzigen Schlüssel nicht in das Miniloch gefummelt. Ich griff in meine Gesäßtasche – Mist! Handy im Haus vergessen, also nix mit Funzeln.
Ich knurrte, denn ich setze mich grundsätzlich erst kurz vor knapp in Bewegung. Mein Motto lautet: Das Leben ist zu kurz, um zu warten! Das half mir im Moment nicht weiter, ich musste ins Haus zurück und mir eine Lichtquelle besorgen.
Eilig griff ich in meine Jackentasche – doch da war kein Schlüssel! Der lag auch im Haus, auf der Treppe, verdammte Scheiße!

Die Situation war jetzt so ähnlich, als wäre mir das Bike tatsächlich geklaut worden. Ich schellte an der Haustür Sturm, indessen mein Pubi drinnen mit Kopfhörern Musik hörte. Der war sozusagen taub. Wie ich gerade überlegte, was jetzt zu tun sei – ich tendierte dazu, mich mittig auf die Straße zu stellen und: FEUER!, zu rufen, bog mein Mann in die Einfahrt. Gott sei Dank, ich würde wenigstens nicht erfrieren.
Ich schickte ihn dann auch gleich weiter, das Töchterchen abzuholen. Ist eh sicherer, wenn er das macht!

Mit Bondage-Strick gesichertes Fahrrad zum Schutz vor Langfingern

Ein Teich macht Arbeit!

In Vorfreude auf den nächsten Sommer will ich Ihnen heute mal einen vom Teich erzählen.

So ein Gewässer ist nämlich eine tolle Sache! Besonders viel wert ist es, wenn sich das gleich an die Terrasse anschließt. Mal stürzt ein Gast direkt von der Kaffeetafel aus rein, ein andermal pfeift der Wind den Wäscheständer hinterher; die Goldfische hecken wie die Karnickel und eine eigene Mückenzucht bekommt man gratis obendrein.
Klingt abträglich?

Ganz im Gegenteil! Ich sehe da ausschließlich Vorteile!
So man ein Wasserspiel installiert hat, murmelt und plätschert es beschaulich; für schlechte Zeiten tummelt sich Fisch, der nur darauf wartet, geschlachtet zu werden; und mit Frischwasser bevorratet ist man außerdem.
Ich denke dabei an die 14Tage alten Hamster, die der Bundesregierung gehören. Weil von denen echt lange keiner mehr gesprochen hat, will ich die an der Stelle mal wieder erwähnen. Sollen ja nicht in Vergessenheit geraten!

Von der Fresserei ab, lässt sich am Ufer auch prima chillen.
Nach Feierabend und am Wochenend stiere ich regelmäßig ein Loch ins Algenwasser. Gucken ins Grüne erholt nämlich die Augen! Man braucht dann lange keine Brille. Alternativ reicht es aber auch, wenn man viele Möhren isst.

Um augenschonend auch ganz sicher zu gehen, stehen um unseren leuchtend grünen Teich herum hohe Bäume. Laubbäume wohlgemerkt. Sie ahnen, woher jetzt die Brücke zum Teich kommt?
Herbstlaub! Würden wir die Klassiker der heimische Flora ungehindert ins Wasser abhaaren lassen, wäre im nächsten Frühjahr Essig mit unserer plätschernden Teichfreude. Stattdessen würde ein großer Komposthaufen an unserer Terrasse grenzen. Das sieht nicht nur unschön aus, das stinkt auch.

Als junge Teichbesiter (mit dem menschlichen Alter hat das übrigens nichts zu tun) erlebten wir das nämlich schon einmal. Deshalb spannt mein Mann nun Alle-Herbste-wieder ein großes Fangnetz quer über den Teich. Ursprünglich sollte das den Fischreiher vom Fressen unserer Haustiere abhalten – weil dem das Hindernis aber egal war und er einfach pfeilschnell drunter herrannte, wenn er Hunger hatte, lauben heute nur noch die Bäume drauf ab. Die alten Blatthaare hängen dann den ganzen Winter über wie eine wärmende Mütze dicht über dem Wasser. Den Fischen gefällt das auch, denn seitdem friert der Teich nur noch im extrem kalten Winter zu.

Letzten Sonntag fiel meinem Mann beim Frühstück ein: „Mensch, wir haben ja Herbst …“
Pubi kippte sich gerade eine Schüssel voll Müsli: „Das weiß ich schon seit den Herbstferien. Die nennt man nicht umsonst so.“
Mir war die Jahreszeit egal, ich hatte einen Termin. Ich packte meine Sachen und überließ meine Blitzmerker sich selber.

Als ich am Nachmittag zurückkam, schwebte die IsolierMütze über dem Teich. Als hätten die Bäume nur darauf gewartet, endlich ihre Blätter abschmeißen zu dürfen, war von der Netzstruktur schon kaum mehr was zu erkennen: Eine dicke gelbe Matte Biomasse lag darauf.
Arm in Arm am Fenster betrachteten mein Mann und ich sein Werk. Zufriedenheit durchströmte uns, denn das Netz ist das letzte, was wir in jedem Gartenjahr tun. Danach halten wir es mit den Bauern und schlafen bis zum Frühjahr.
Plötzlich sagte mein Mann: „Scheiße!“
„Was ist los?“ Ob der Kombination der beschaulichen Herbstromantik mit der FäkalVokabel war ich irritiert.
„Das Gebüsch am Ufer steht noch. Hat irgendwie keiner zurückgeschnitten …“ Er sah mich strafend an.
So ein Mist, jetzt sah ich das auch. An der Wasserkante wucherte noch die undruchdringliche, grüne Wand des Sommers, bestehend aus Schilf, Farn, verblühten Staudengewächsen und Unkraut. Die gehört vor der Bespannung zurückgeschnitten, weil man danach nicht mehr herankommt.
„Und nun?“
Mein Mann winkte ab: „Das nehm ich nicht noch mal ab. – Vielleicht schafft‘s der Fischreiher ja auch nicht, durchzukommen.“

Nun sind wir jedenfalls gespannt, wie optimal sich der Schutzwall auf unsere Fischpopulation auswirkt.

WinterTeich trägt Mütze

Knallpilze und andere todsichere Sachen

Jeden Herbst erwacht bei meiner Freundin Micha das Pilzfieber. Sie scheint nicht viele Pilze zu kennen, denn sie fotografiert sie und fragt uns dann in der WhatsApp-Gruppe, was das für einer ist. Und ob er zu den Genießbaren zählt. Die anderen Mädels halten sich bedeckt, ich Landei bin die Pilzfachfrau. Eine Einäugige unter Blinden – Sie verstehen?

Meine Freundin schickt aber auch Kreaturen, ich sage Ihnen weiter nichts!
Wir hatten schon welche, da flatterten fleischfarbene Unterröcke auf dürren Spinnenbeinen im Wind. Oder schwindsüchtige Fingernägel, die sich um ein Fläschchen schwefelgrünen Lacks balgten. Letztens war einer dabei, der sah aus wie das Gehirn eines Affen. Bei den Fotos kann es einem Himmelangst werden. Unter den ShootingStars fand sich noch keiner, den man auch nur in die Nähe eines Kochtopfes lassen konnte.

Wie es der Zufall will: Just wenn bei Micha im Garten die Pilze sprießen, tun die das bei uns daheim auch. Allerdings mit einem diffizilen Unterschied: Unsere Pilze sind auf alle Fälle essbar! Wir haben Rotfußröhrlinge, im Volksmund auch Ziegenlippen genannt und Birkenpilze.
In den letzten Jahren kamen wir in Summe auf maximal drei Schwammerl pro Saison – doch in diesem Jahr knacken wir alle Rekorde! Im Moment wachsen 14 riesengroße Schirme gleichzeitig auf der Wiese. Alles Birkenpilze, fein verteilt unter dem namensgebenden Baum.

Mein Pubi schleicht nun täglich mit der Bratpfanne unterm Arm in den Garten und hofft, dass ich das nicht bemerke. Zu gerne möchte er sich ein schmackhaftes Pilzgericht einverleiben.
Allein ich untersage das strickt!
Unsere Pilze werden nicht gegessen!
Ich will, dass unsere Pilze Sporen werfen!
Ich will, dass wir eines Tages Pilze wie vom Acker ernten können!

Einfach eben das Abendessen reinzuholen, ohne dafür erst im Wald herumzustreunen und dort Hänsel und Gretel, dem bösen Wolf und anderem Geschwerl zu begegnen.
Mein Traum und der pure Luxus.

Dafür opfere ich auch Einiges. So ist bei uns jeden Herbst die Wiese für sämtliche Kinder gesperrt. Ich mache da keinen Unterschied, ob es sich um eigene oder um Besucherkinder handelt. Da bin ich eisern! Jeder Pilz soll die Zeit zum Reifen und Absamen bekommen, die er braucht. Macht man mit Männern ja auch so.

Genug von der Rahmenhandlung erzählt, werden wir mal szenisch!

Gestern hatte mein Gatte Grillbesuch geladen. Den Kindern wurde das Geschwätz der Erwachsenen schnell zu langweilig und so klauten sie sich in einem unbeobachteten Moment den Beutel mit dem MinigolfEquiment und verzogen sich nach hinten auf die Wiese.
Pubi hatte zusätzlich noch einen Hammer mitgenommen – soll er was helfen, weiß er nie, wo das Werkzeug liegt.

Erst ab dem ersten Schlag auf eines der Positionshölzchens kriegte ich die Sache spitz. „Ey, wat soll dat?“, brüllte ich in den Garten. „Die Wiese ist gesperrt!“
„Wir machen nichts kaputt“, vernahm ich Geflügels zartes Stimmchen von hinterm Schilf. „Wir sind ganz vorsichtig und spielen nur hier am Weg. Indianerehrenwort!“

Ich wollte gerade ansetzen, dass ich das kennen würde und jetzt Schluss mit der Gaudi wäre, doch mein Mann beruhigte mich: „Mach nicht so einen Stress. Die Pilze sind groß genug, die sind nicht zu übersehen. Da tritt keiner drauf.“
Mein Finger zuckte zur Schläfe und ich wollte meinen Gatten Bescheid sagen, doch der Besucher kam mir zuvor und nickte zustimmend: „Genau. Sie haben es außerdem versprochen.“

Was hätte ich da tun sollen?
Ich gab mich geschlagen.
Gegen zwei bornierte Männer kommt man mit mütterlicher Weitsicht sowieso nicht an.

Ich winkte also ab und begab mich in die Küche. „Will jemand Kaffee?“ Hausarbeit lenkt mich immer am besten ab.
Und richtig: Die Kaffeemaschine blinkte mir fröhlich einen Imperativ entgegen: Trester leeren!
Gerade wischte ich mit einem Küchentuch das matschige Kaffeepulver aus den Ecken des Auffangbehälters, als die Kinder ihres Spiels überdrüssig zur Terrasse zurückkamen.
„War‘s das schon?“, fragte der Besucher verwundert, während mein Mann vermittels Zeigefinger eine parente These an die Terrassentür nagelte: Auch wenn sich eine Sache als weniger aufregend entpuppt als gedacht, bleibt man eine Weile dabei und gibt ihr eine Chance!

Bei mir jedoch schrillten sämtliche Alarmbimmeln Sturm: „Was habt ihr angestellt??“
„Was sollen die angestellt haben?“, knurrte mein Mann. „Die haben keinen Bock mehr.“
„Quatsch“, knurrte ich zurück. „Wie viele Pilze?“ Ich sah Pubi scharf an.
„Du hast echt ‘n Knall mit deinem Pilztick!“, fauchte der Knabe und wollte sich an mir vorbei ins Haus zwängen. „Das wird sowieso nichts!“

„Wie viele?“
„Mensch, vier, wenn du es genau wissen willst!“
Schnell rechnete ich im Kopf durch. Die Verbliebenen würden es schwer haben: Dynastien zu gründen erfordert Disziplin!

Verbal weiter rumzuzicken brachte aber nichts, das schraubte den Gefallenen die Pilzmurmeln auch nicht wieder drauf. Erzürnt holte ich mir deshalb aus der Küche das schärfste Messer, das wir besitzen – und?
Schnippelte die Körper der vier Birkenschwammerl in hauchdünne Scheiben. Dann breitete ich sie sorgfältig auf vier Blättern Küchenkrepp aus, und stellte sie in die Sonne. Am Abend nahm ich sie mit ins Haus und rangierte sie liebevoll auf der Heizung.

Das wiederhole ich jetzt täglich; so lange, bis sie richtig schön prasselig trocken sind. Dann stecke ich sie in ein Schraubglas und im Winter kommen sie in die gute Suppe.

Im Ergebnis ist die Sache gar nicht so schlecht gelaufen. 🙂


Schmackhaftes Stillleben in Mülheim

Hannibal is back!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Ich darf Ihnen stolz verkünden, dass wir unsere Rettungsmission „Pubi goes Ruhrpott!“ siegreich zum Abschluss gebracht haben!

Nicht nur die Alpenüberquerung per Elefant war so kurz vor dem ersten Schnee mit viel Verstand gesegnet – auch unseren riesengroßen Reisegefährten brachte ich Montagmorgen wieder klammheimlich in den Zoo zurück. Den anderen warf ich vorher pünktlich – wie das von mir als gute Mutter erwartet wird – mit dem Klingeln vor der Schule ab.

Wir wären eigentlich 20 Minuten früher dagewesen, doch wir standen in einer Umleitung im Stau. In Mülheim wird nämlich gebaut. Das ist nichts Ungewöhnliches, das ganze Land freut sich über die Konjunktur.
Wie sie das anderswo halten, weiß ich nicht, aber hier besteht die Herausforderung darin, an mehreren Einfallsrouten gleichzeitig die Straße aufzureißen. Mit dem Ziel, dass der Verkehr zu Stoßzeiten auch garantiert zum Erliegen kommt.

Das ist wirklich knifflig, denn der gewiefte Einheimische nimmt dann auch schon mal eine Einbahnstraße falschherum in Kauf. Das nützt ihm aber nichts, weil im Gegensatz zu mir bereiten die von der Baustellengenehmigungsplanung sich ausgiebig und detailliert darauf vor. Und so steht der Fuchs dann mit dem Elefanten, zack, vor dem nächsten weißen Plastikzaun.

Weit und breit ist nirgendwo ein Arbeiter zu sehen, auch kein schweres Gerät: Könnte also auch gut sein, dass die Sperrerei in Wahrheit einen anderen Grund hat.
Na, ich habe den Elefanten ja jetzt zurückgebracht, bestimmt gibt es in Mülheim ab morgen wieder freie Fahrt für freie Bürger!

Aber nochmal zurück zum Elefanten. Nach so einer langen Reise liegt es auf Hand, dass er ziemlich unter dem Trennungsschmerz leidet. Die erste heftige Attacke konnte ich mit einer Stiege Bananen lindern – die nächste bringe ich ihm morgen.
Ich muss mich bei meinen Besuchen allerdings verkleiden, denn ich will ja nicht im Nachhinein noch einkassiert werden. Morgen gehe ich als Weihnachtsmann, dem kann man immer schön was erzählen.

Welcome home and Merry Christmas!

 

Mülheim an der Ruhr: Siegreiche Mutter mit Lorbeerkranz

Post ist da!

Hi Leute,

viele Grüße aus dem Bergen, Ihr wisst schon von wo!
Genauer will ich es nicht verraten, da ist ja noch die Sache mit dem geklauten Elefanten. Die hat ganz schön Wellen geschlagen: überall Kontrollposten, die irgendwelche Papiere sehen wollen. Für den Elefanten hatte ich ja nichts dabei, deswegen habe ich ihm einen Pass selbstgemalt. Bisher hat das keinen gestört. Ich will aber nichts riskieren und so kommen wir mit unserer Rettungsmission bloß langsam vorwärts. Wir reisen nur, wenn es finster ist. Die Zeitumstellung wirkt sich dabei gar nicht aus. Morgens ist es dunkel, abends auch. Wenn mich also einer fragt: Ich bin dagegen.
Übrigens schwankt so ein Elefant wie ein Kamel. Mir ist sau schlecht.

Zum Glück haben wir noch ein paar Tage Zeit, bis die Schule wieder anfängt! Ich denke, wir werden Mülheim Montagmorgen pünktlich 8:00 Uhr erreichen. Also mit dem Klingeln …

Drückt uns weiterhin die Daumen und gehabt Euch wohl!

Pubi-Hannibal und Mutter Müller

(Ansichtskarte von vorne: Postkutsche im Laubwald)

Erziehungsurlaub in 3, 2, 1!

Donnerstags erzähle ich Ihnen ja immer einen. Mir ist sonst langweilig und außerdem frage ich Sie so gerne um Rat.

Aus Gründen von Herbstferien unterbreche ich das jetzt mal. Ich will mich ein bisschen mit meinen Mutteraufgaben befassen: Kinder herzen, geklaute Äpfel einmusen, Weihnachtsgirlande billiger handeln, Herbstlaub zum Nachbarn schieben – was man halt so tut, damit der Nachwuchs weiß, wie es später läuft im Leben.

Ein paar spießige Bürgerdinge gehören außerdem erledigt: Auto waschen, Bürgersteig fegen – vielleicht spritze ich auch mal die Fenster von außen ab, damit drinnen der Stromverbrauch sinkt. Da bin ich mir aber noch nicht sicher.

Ein Ding hält mich zusätzlich in Atem: Pubis Rückreis aus den Ferien! Er weilt nach dem 28. Oktober als AirBerlinFluggast in der Schweiz bei der Tante, Sie erinnern sich.
Dank Ihnen habe ich alle Optionen im Kopf durchgespielt: Dortlassen, Zurückwandern, Heimradeln oder einen Heißluftballon zusammennähen (als Ossi hat man damit Erfahrung).
Seit ich um das Problem weiß, habe ich zur gedanklichen Refreshung eine Badewanne voll Tee leergetrunken.

Im Moment bin ich dabei, einen Elefanten zu besorgen: Mit dem kommt Hannibal-Pubi Müller dann sicher und ohne Verluste über die Alpen, das hat schon einmal geklappt.
Tausend Dank an der Stelle an meine BloggerKollegin Ellen für diese grandiose Idee!

Weil es aber schwierig ist, den Zoo in Duisburg von der Herausgabe eines Elefanten zu überzeugen, muss ich nun meine SchwatzKompetenzen bündeln. Drücken Sie mir die Daumen und sehen sie unser familiäres ZusammenführungsUnterfangen wohlwollend!

Herzlichst und auf in Bälde,
Ihre Anke Müller


+++Eilmeldung: Mülheimer Autorin klaut Elefanten+++

AirBerlin: So werden Sie Ihre Verwandten los!

AirBerlin stellt zum 28. Oktober den Flugbetrieb ein.
Haben Sie es alle mitbekommen?

Normalerweise hebt mich das ja nicht an.
Weder steuert einer von uns ein Luftschiff, noch macht hinten einer die Saftschubse. Klempner oder Sesselfurzer in der Verwaltung sind wir auch keine – mehr fällt mir auf die Schnelle nicht ein, womit man bei einer Fluggesellschaft sein Geld verdient.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde das Ende tragisch!
Da ich aber nun mal nicht betroffen bin …

Doch jetzt kommt es!
Das finale Ende liegt in den Herbstferien. Schön mittig auf der Hälfte, am Samstag nach der ersten Woche. Und mein allerliebstes, entzückendes Pubertikel weilt in der Schweiz. Bei der Tante, die hat starke Nerven.
Der Hinflug geht klar – nur zurück kriege ich ihn nicht wieder.

Ich mache mir jetzt mal einen Tee und dann werde ich in aller Ruhe abwägen, wie schlimm das ist! 🙂


Mutter: „Dieses wunderbare Buch hilft mir dabei, zu entscheiden, ob ich Pubertikel anderweitig heimhole!“ 🙂

Spinnen sind auch nur Menschen!

Wenden wir uns heute einer anderen romantischen Herbstweise zu: Spinnen!
Dicke, fette, schwarze Hausspinnenmännchen auf Brautschau. Kennen Sie?

Nur für denn Fall, dass dem nicht so ist: Kinderfaustgroße, lichtscheue Kellerbewohner mit acht dünnrohrigen HochgeschwindigkeitsTentakeln und starker Beinbehaarung. Nicht zu verwechseln sind die Liebestollen mit den schlaksig, zittrigen Weberknechten. Schon allein deswegen nicht, weil sich die Jungs untereinander nicht grün sind: Der Kleinere schätzt den Größeren als Delikatesse.
Weberknechte gibt es übrigens auch mit Flügeln, da nennt man sie Schneider.
Ja, ja, schon gut, ich höre schon damit auf! Eigentlich will ich eine Homestory erzählen, die Damen können sich also entspannt zurücklehnen. 🙂

Versetzen Sie sich in eine beschauliche Mülheimer HausflurSzene:
Zwei Grundschulfreunde besohlen sich ihre Füße, sie wollen nach draußen.
Aus Platzgründen hockt das Mädchen auf der Treppe, der Kumpel lümmelt quer davor.
Die Sache zieht sich, man hat sich viel zu erzählen.
Nach fünf Minuten hat die Maid immerhin schon einen Fuß im Schuh – der Knabe schwingt seine noch am Bandel im Kreis herum, so wie Thor seinen Hammer.

Theoretisch kann mir das egal sein, ich bleibe sowieso drinnen – praktisch aber nicht, denn vor der Tür warten noch zwei Menschlein. Um sich die Zeit zu vertreiben, ernten die derweil meine Tomaten ab. Da sie keinen Lärm veranstalten, ist ihnen die Schändlichkeit ihres Tuns bewusst.

Offensichtlich gönnt uns Thor das Gemüse ebenfalls nicht, denn er wendet sich plötzlich an mich: „Anke, weißt du eigentlich, dass drei Meter entfernt von jedem Menschen eine Spinne lauert?“
„Nein“, antworte ich wahrheitsgemäß, „ist mir neu.“
Weil ich unverwandt entspannt gucke, schickt der Kleine noch eine Info aus dem Kinderfernsehen hinterher: „In jedem Haus leben drei Spinnen.“
Ich nicke. „Kann ich mir gut vorstellen, ich weiß, wo die sitzen.“
Der Kleine starrt mich an. „Hier? In eurem Haus??“
„Zu einer habe ich Blickkontakt.“
Der Junge reißt die Augen auf.
„Willst du wissen, wo sie sich verstecken?“
Der Knabe bewegt sich nicht. So im Gegenlicht kann ich ihn halt schlecht erkennen – und ehe ich da noch dreimal nachfrage, gebe ich lieber bereitwillig Auskunft. Hätten Sie doch auch so gemacht?

Ich lege also los: „Eine ist in die Badewanne im Keller gefallen. Die zweite lauert im Treppenhaus an der Wand hinter dir – und die Dritte bewacht im Küchenschrank die Schokolade …“

Ich bin mit meiner Schokolade noch nicht fertig – vor allem habe ich noch nicht erwähnt, dass es sich bei der im Schokivorrat um eine Plastikspinne handelt – da wird der Knabe kreidebleich.
Den Farbwechsel sehe ich sogar bei den schlechten Lichtverhältnissen.
Der Junge kreischt los, reißt die Tür auf und stürmt schreiend nach draußen.
Geflügel springt ebenfalls auf: „Warte! Du hast deine Schuhe vergessen!“
„Ich bleib ohne“, bibbert es hinter der Mülltonne.
„Fürchtet der sich etwa vor Spinnen?“ Auf den Schreck muss ich mich erst mal setzen.

Nichtsdestotrotz fiel mir ob des Theaters nun aber endlich wieder die Spinne in der Badewanne ein! Mensch, das arme Vieh hockte da seit mindestens zwei Tagen und kam nicht vor und nicht zurück. Ich war bisher zu busy, um als Kammerjägerjungfer herumzurennen. Genaugenommen hatte ich auch jetzt keine Zeit. Doch zwei Tage ohne Essen und ohne soziale Kontakte …
„Pubi!“, rief ich ins obere Bad, wo es rumorte: „Schmeiß mal unten die Spinne aus der Wanne!“
„Kannst du vergessen“, gab der mir Bescheid, „die ist mir zu groß.“
„Ja und? Da nimmst du halt ein größeres Glas! Du wirst schon was Passendes finden.“
„Ums Glas geht‘s nicht, Mutter!“ Pubi klapperte hektisch mit dem Föhn.
Der wird doch nicht etwa … „Hast du etwa Angst vor der??“
Keine Antwort.

Eigentlich wäre es nun meine Aufgabe als Mutter gewesen, den Knaben bei der Hand zu nehmen, und mit ihm gemeinsam das Spinnentier an die Luft zu setzen. Eigentlich. Tatsächlich war es aber so, dass ich allzeit gestresste Mutter gleich einen Job hatte und wenn ich davon zurückkäme, die Spinne sowieso längst wieder vergessen hätte. Ich scheute also die Diskutiererei und nahm die Sache selbst in die Hand.

Vom Regal in der Küche schnappte ich mir das größte Trinkglas, das wir haben und von meinem Schreibtisch nahm ich ein DinA4 Blatt mit. Dann stürmte ich zur Spinne. Während ich in die Wanne kletterte, redete ich ihr gut zu: „Gleich erlöse ich dich …“
Die Spinne fand die plötzliche Nähe gar nicht lustig und nahm erschrocken die Beine in die Hand. Pfeilschnell sauste sie zum anderen Ende der Wanne und versuchte, mit Anlauf die Wand zu erklimmen. Wohl weil sie nicht genug Schwung hatte, rutschte sie nach einem drittel Höhe wieder herunter.
„Armes Ding“, sagte ich mitleidig und wollte das Glas geschwind über den zitternden Leib stülpen – doch in dem Moment drehte sich das Vieh blitzschnell um, und galoppierte mit Lichtgeschwindigkeit auf mich zu. Mich durchzuckte der heftige Impuls, laut zu schreien und die Wanne im Hechtsprung zu verlassen – allein der Gedanke an meinen schadenfrohen Pubi ließ mich tapfer weiterkämpfen.
„Du dusseliges Viech!“, brüllte ich mir Mut an. „Komm her jetzt, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit!“
Meine Schallwelle muss die Spinne tierisch eingeschüchtert haben, denn sie verharrte stocksteif. Gerade dass sie sich nicht auf den Rücken fallen ließ und tot stellte.
Das war der Moment, indem ich fix das Glas über das Monstrum stülpte und das Papier darunterschob. Augenblicklich kehrte auch das Leben in die Spinne zurück. Ihre Röhrenbeine trommelten hörbaren Protest.
„Sei froh, dass ich kein Weberknecht bin …“, beruhigte ich sie und machte mich an den Ausstieg.

Nun ist das aber auf den griplosen Wannenstufen kompliziert, wenn man keine Hand frei hat. Irgendwie schwankte ich, eine Winzigkeit nur, doch immerhin so viel, dass das Blatt, das ich als Deckel über dem Glas hielt, ein wenig lupfte – und Zack: Entschlüpfte mir die Spinne. Mit einem Affenzahn sauste sie über den weißen Fliesenboden und verschwand zwischen den Bodengittern der Heizung.
„Scheiße!“, knurrte ich.

Was macht man denn in so einem Moment?

Kurz überlegte ich, ob ich das Glas hinterherschmeißen sollte.
Dann entschied ich mich für das einzig Richtige: Ich tat nichts.
Pubi, der im Flur an der Haustür auf mich wartete, meldete ich Vollzug.
Sollte der verliebte Achtbeiner wieder auftauchen, würde ich mich über den Informationsgehalt des Kinderfernsehens empören: Das mit den drei Spinnen im Haus stimmt hinten und vorne nicht! Das sind viel mehr!

„Meine Spinne und ich sind seit mehr als 30 Jahren ein Paar.“

Vögelei

Lassen Sie uns mal von Vögeln reden! (Gefiederte Tiere meine ich, ehe es zu Missverständnissen kommt!) Zur Einstimmung ein erweiterter Flügelschlag:

Es summseln nicht mehr so viele Insekten durch die Gegend, wie man das kennt. Mir fällt das immer auf, wenn ich über die Autobahn heize: Noch vor ein paar Jahren war es so, dass am Ziel Motorhaube und Scheinwerfer paniert waren wie Wiener Schnitzel – nur eben frisch mit Insektenklein eingeschleimt.
Heute fahre ich doppelt so schnell wie damals und am Ziel blitzt und funkelt mein Schlitten, als käme er gerade aus der Waschanlage – von einem zermatschten Nachtfalter an der Frontscheibe mal abgesehen.

Weil mir zuerst die Idee kam, dass das an der Geschwindigkeitsdopplung liegen könnte, besprach ich die Sache mit meinen Vater. Der weiß alles. Außerdem hat er mehr Zeit und fährt deshalb gemütlich – doch bei ihm verhält es sich ebenso: Die Kutsche kommt porentief rein nach Hause, wie frisch gewienert.

Generationsübergreifend kamen wir deshalb überein: Es flattert weniger Getier!

Just um unsere Theorie zu bestätigen, las ich kurz vor den Sommerferien einen Aufruf von Naturschützern, dass man Vögel eben wegen des Insektenmangels nun das ganze Jahr durchfüttern soll. Die Winterfütterung reiche nicht mehr aus, auch im Sommer gäbe es nicht genug Nahrung in unseren Sagrotan-geflegten Gärten.

Erschrocken begab ich mich sogleich zum ortsansässigen Baumarkt. Die führten, saisonal bedingt, aber nur Grillaustattung und Mittel gegen Buchsbaumzünsler. Wegen Vogelfutter sollte ich nach dem ersten Frost wiederkommen.

Bis dahin hungern lassen wollte ich meine Vöglein auch nicht – also landete ich im Online-Versandhandel. Da kriegt man das ganze Jahr über alles.

Nun bin ich aber ein Fuchs und startete erst mal mit Preisvergleich:
1 Kilogramm Sonnenblumenkerne für 3 EURO,
5 Kilogramm für 7 EURO
Versandkosten waren obendrein zu berappen und wenn bei uns künftig das ganze Jahr durchgepickt würde, käme ich mit fünf Kilo nicht weit.
25 Kilogramm war die nächste Chargengröße.
„Wie voluminös wird so ein Sack wohl sein?“, fragte ich meinen Mann.
„Egal, lagern wir in der Garage.“
Ich drückte also auf „Bestellen“ und vergaß die Sache sogleich, es passierte auch erst mal lange nichts. Die Vögelein schlugen sich derweil anderweitig durch. Lag auch kein toter Flatter vorm Haus, also ging es wohl noch.

Eines Tages in der Mittagszeit schnaufte ein schwarzer LKW den Berg herauf. Er hielt vor unserem Haus und die Laderampe surrte herunter. Ein schmächtiges Männlein hüpfte in den Auflieger und kam mit einem viereckigen Monstrum auf der Schulter wieder herausgewankt. Sah aus wie ein Sarg.

Was sollte das werden??
Wir sind doch hier kein Friedhof!
Ich stürzte nach draußen. „Guter Mann! Packen Sie Ihren Vampir wieder ein! Sie sind hier falsch!
Fast strauchelte das Männlein. „Sind Sie Frau Müller?“ Er schnaufte schwer und auf seiner Stirn quollen die Adern heraus.
„Ja …“ Mir schwante Übles.
„Dann habe ich eine Lieferung für sie.“ Er wollte mich beiseite schieben und das Erdmöbel in unseren Hausflur abkippen.
„Unterstehen Sie sich!“ Meine Lebensgeister erwachten und ich breitete abwehrend die Arme aus. „Stellen Sie das vor der Tür ab!“
Unser Hausflur ist so eng, da kommen zwei Leute gleichzeitig nicht aneinander vorbei. Stünde das Ding da rum, ginge es weder raus noch rein – bei offener Haustür wohlgemerkt.
Es rumpelte und pumpelte und das Gruftmobiliar krachte auf den Fußabtreter.
Das Männlein, seiner Last befreit, streckte sich, seine Wirbel im Rücken knackten einzeln, dann zückte es einen dieser lustigen Taschenrechner zum Unterschreiben und drückte ihn mir in die Hand. „Aber leserlich!“
Kaum war ich mit dem zweiten Kreuz fertig, entriss es mir den Konservator wieder, drehte sich grußlos um und verschwand.

Machen wir es kurz, es war Ihnen sicher schon klar: Der Totengräber hatte das Vogelfutter gebracht.

In der Garage fand sich kein Platz – übrig blieb nur der Vorratskeller. Dort gehört Vogelnahrung thematisch ja auch hin. Wir kommen jetzt bloß nicht mehr an die Kartoffel heran und an den Bierkasten auch nicht.
Wenn also bei einem von Ihnen Vogelfutter aus ist: Wenden Sie sich gerne vertrauensvoll an mich!
Bis dahin koche ich jeden Tag Nudeln – und mein Mann trinkt zum Feierabend einen Yogi-Tee.

Sind Engländer unter den hochverehrten Lesern? Kann man auch Sonnenblumenkerne aufgießen?

 

Im Futterhäuschen wird nun seit einer Weile täglich die Tafel gedeckt. Sämtliche Vöglein der Gegend scheinen das mittlerweile spitzgekriegt zu haben: Es geht zu wie in der Fußgängerzone.

 

Buchsbaumzünsler: Was kommt danach?

Die Trauer um unsere von den gefräßigen ZünslerRaupen aufgefressenen Buxe eint uns, wir verharren und sind erleichtert, dass der Herbst gekommen ist. Mit Laubrechen, Brennholzsammeln und Äpfelklauen lässt sich gut die Zeit vertreiben.
Doch lassen Sie uns gemeinsam nach vorn blicken! Was machen wir mit den kahlen Standorten?

Dass diese Frage drohend und düster über den verwaisten Gärten baumelt, sehe ich jeden Tag, wenn ich meinen Berg erklimme. Ein Vorgarten dauert mich besonders: Eine tiefe, über die gesamte Grundstücksbreite gehende frische Schnittwunde markiert den ehemaligen Platz einer treuen Hecke.
Letztens verwickelte mich der Besitzer in ein Gespräch, mein mitfühlender Blick hatte ihm gutgetan. Die freie Sicht gefiele ihm nicht und er überlege, ob er stattdessen eine Ligusterhecke setzen solle. Allerdings störe ihn, dass die Krackel so schnell wuchsen und er häufiger schneiden müsse. Er sei ja auch nicht mehr der Jüngste. Obendrein wäre die Hecke im Winter kahl …
Was soll ich sagen? Ich verstand ihn!

Eine meiner Kolleginnen händelt die Nachfolge ihrer buxfreie Gartenzone mit dem Pflanzen von bunten Blumen. Leider käme sie aufgrund der kurzen Blühdauer auf drei Pflanzgänge pro Jahr, was zum einen ins Geld ginge, zum anderen verdammt viel Arbeit mache. „Der Rücken“, stöhnte sie.
Auch sie verstand ich.

Eine Freundin winkte ab: „Mir ist das egal, ich mache jetzt überall Rollrasen! Da muss ich nur ein, zwei Mal im Jahr drübermähen. – Oder ich betonier gleich und streich grün, mal sehen …“
Sie verstand ich nicht.

Deshalb lassen Sie uns gemeinsam zu meiner eigenen Buxliebhaberei schwenken!
Fangen wir beim Logischen an: Mein Gerippe auf der Mülltonne. Das behandelten wir diese Woche ja schon ausführlich: Es trägt nach wie vor Sack.
Nach hinten raus, auf der Terrasse, glänzte einst in einem Kübel eine gewaltige BuxPyramide mit einem blühenden Kragen aus Glockenblumen drumherum.
Die blauen Glöckchen blühen dort immer noch, nur in der Mitte trohnt jetzt ein Margeritenbusch. Sieht schön aus, zugegeben – weil der den Winter aber nicht übersteht, verhält es sich ähnlich wie bei der Kollegin und ich greife bald wieder in die Tasche. Allerdings bin ich bei Pflanzen genau so genügsam wie im Leben und wechsele die Bepflanzung unter der Saison nicht.

Der Wirtschaft ist der Zünsler zuträglich – dem Bürger geht er auf die Eier.

Weil das so auf Dauer nicht weitergehen kann, begab ich mich zwecks Fachmannrat in Mülheims renomiertestes Gartencenter. Die kannten mich da bereits, die standen mir seit Beginn der Invasion beiseite – vor allem bei den Folgekosten. Deswegen verwunderte es den fleißigen Gärtnersmann auch nicht, als ich ihn nach einer immergrünen dauerhaften Pflanzalternative fragte.
„Wird echt langweilig, wenn sie nicht mehr kommen“, grinste er und führte mich hinter ein Holzhaus zu einer Ansammlung von Kugeln mit kleinen sattgrünen Blättern.
„Guter Mann“, ich schüttelte den Kopf, „Ich will keinen neuen Bux! Ich such was Bleibendes!“
„Nicht doch“, der Gartenzwerg schwang den Zeigefinger, „das sind ZwergStechpalmen! Schauen aus wie Buchsbaum, verhalten sich auch so.“
Toll! Ich war begeistert – und linste auf den Preis.
Der war weniger toll.
Doch der beschürzte GärtnereiFachverkäufer verstand sein Handwerk: „Immergrün, schädlingsresistent, pflegeleicht und sehr robust – besonders auch für Leute ohne grünen Daumen!
Beim Nachsatz grinste er richtig unverschämt. Mein Mittelfinger zuckte, doch ich bändigte ihn. Wo der Gartenzwerg recht hat …

Aufgrund der Lobpreisung erstand ich dann auch zwei von den Stechpalmen. Zu einem Preis, für den ich früher eine ganze Hecke Buchs bekommen hätte.

Aber, wissen Sie was?
Ich habe die ja jetzt schon ein paar Monate vor dem Haus stehen. Die beiden Töpfe sind tatsächlich ihr Geld wert!
Schauen doch schön aus, oder?
Hätten Sie erkannt, dass das kein Buchsbaum ist?

Gesellschaft der gemeinen Buchsbaumzünsler e.V. beim Demonstrieren

Buchsbaumzünsler: Ein SchmorGericht

Nehmen wir uns doch mal eine der jüngeren Plagen vor: Buchsbaumzünsler!

Über die Fakten brauche ich Ihnen nicht viel zu erzählen, Sie sind im Bilde. Mittlerweile hat sich die Invasion der aus Asien eingeschleppten gefrässigen Falterraupen bundesweit ausgebreitet. Sollte doch einer der hochgeschätzten Leser nicht verstehend die Stirn runzeln: Keine Sorge, es dauert nicht mehr lange.

Innerhalb nur eines Jahrzehnts gelang es den Scheißviecher, fast die gesamte deutsche Buchsbaumpopulation auszurotten.
Mit der Heimsuchung gingen wir alle unterschiedlich um: Ich zum Beispiel las die Raupen im ersten Jahr von den Blättern ab und zermalmte sie zwischen zwei Bruchsteinen. Weil man so viele gar nicht einsammeln kann, wie neue nachkamen, spritzte ich im zweiten Jahr Gift und im dritten schließlich gab ich auf.

Eine meiner Nachbarinnen rückte im ersten Jahr mit dem Kärcher gegen die Invasoren vor, im zweiten wechselte sie auf kochendes Essigwasser – und im dritten Sommer gab sie ebenfalls auf.
Wir hatten groß gekämpft und doch verloren.

Bei meiner Freundin Carmen mit altem Zierbuchsbestand verhielt sich die Sache ein wenig anders: In unserem Jahr Null hatten es die Zünsler noch nicht bis zu ihr in den Taunus geschafft und so schaute Carmen angstvoll zu uns ins Ruhrgebiet. Bei ihr fielen die Ausgeburten dann erst im Sommer darauf ein. Somit befindet sie sich im Augenblick im zweiten Jahr der Besatzung. Sie spritzt alle paar Wochen ein Zeug, was der Gärtner ihr empfohlen hat. Wie es dann im verflixten dritten Jahr bei ihr weitergeht, werden wir sehen.

Auf unserem Grund und Boden lief es sich jedenfalls so, dass mein Mann im Frühjahr die Faxen dicke hatte und die Gerippe unserer ehemals wohlgeformten Buchse einen nach dem anderen herausriss und in die braune Tonne entsorgte.
Entweder muss ihn dabei das Wetter überrascht haben oder er war schlicht von der Arbeit erschöpft und emotional angegriffen – er übersah eine Kugel. Die wuchs früher satt und grün und zufrieden auf dem Dach des Häuschens der Mülltonne.

Natürlich fiel mir beizeiten auf, dass der Bux-Torso mit der Herbstbelaubung noch dort rumkrakelte – aber meistens wollte ich entweder gerade gehen oder ich kam heim. In beiden Fällen war ich adrett gedressed und obendrein in Eile.
Die Sache zog sich also. Über den ganzen Sommer.

Am Wochenende entdeckte ich in einem Gartenratgeber die ultimativen Anti-ZünslerKampftechnik. Ökonomisch und biologisch einwandfrei noch dazu. Sie lautet wie folgt:

Stülpen Sie einen schwarzen Müllsack über Ihren Buxus!
Schnüren Sie unten fest zu!
Lassen Sie die Mittagssonne machen!

Klingt banal?
Unter dem schwarzen Sack würden sich die Temperaturen auf 60 – 70 Grad aufheizen. Die Raupen würden gegart; den Bäumchen hingegen schadete die Hitze nichts, die könnten das ab.

Da klang so unheimlich logisch, dass ich sofort euphorisierende Begeisterung verspürte. Sogleich fiel mir mein vergessenes Gerippe ein und ich stattete ihm auf seiner Mülltonne einen Besuch ab. Mein Ziel war es, herauszufinden, ob die gefräßigen ZünslerRaupen auf dem Weg zum winzigen Schmetterling genug Leben ihn ihm gelassen hatten, damit sich die Prozedur lohnte.

Hocherfreut stellte ich fest, dass zur Hausseite ein neues zartgrünes Blättlein spitzte. Doch drei fette, frech grinsende Raupen waren bereits im Stechschritt unterwegs zum jungen Grün. Eile war also geboten. „Euch werd ich‘s zeigen!“, knurrte ich grimmig.

Weil die Kugel für einen normalen Müllsack zu groß gewachsen war und ich außerdem vermutete, dass die kahlgefressenen Zweige sowieso tot wären, beschloss ich, die Gebeine kurz über dem Boden wegzuscheiden. Der geplagte Bux könnte dann in Ruhe neu austreiben und müsste sich nicht mit dem Totholz herumschlagen. Deshalb verstand ich auch nicht, wieso er das nicht mochte und sich tapfer gegen die Schnippelei wehrte.

Hätte er mal lieber bei den gefräßigen Viechern so herumgezickt!

Sei es, wie es wolle: Mit zwei Blasen an den Fingern obsiegte ich.
Anschließend zog ich dem Rasierten einen schwarzen Sack über den Schädel und schnürte unten am Hals fest zu, um das mal als Bild darzustellen.
Ich war gerade fertig, zupfte eben noch das Schleifchen vom gelben Band in Form, verdunkelte sich der Himmel.
Erst dachte ich mir nichts dabei, sondern war nur erfreut, dass ich beim Aufräumen nicht schwitzen würde. Doch dann blinzelte ich nach meiner Verbündeten: Clara hatte sich mit grauen Wolkendaunen zugedeckt. Nun gut: Dann mach deine Arbeit halt morgen. Ich nickte ihr freundlich zu und beeilte mich, ins Haus zu kommen, denn mich fröstelte bereits.

Das ist jetzt zwei Wochen her. Seit mein Bux den Sack über dem Kopf trägt, leben wir im Herbst. Es regnet, es stürmt, die Sonne hat sich verkrochen.
Bin ich jetzt etwa Schuld am Wetter?

Es menschelt: Hinterfragen Sie das nicht!

Wie gewöhnlich reihte ich mich Freitag entspannt in den üblichen Feierabendverkehr ein. Zusammen mit den anderen Kraftfahrern schlich ich von eine Mülheimer Baustelle in die nächste, im Radio lief gute Musik, vom Himmel schiffte es beschaulich – was will man mehr.

Doch plötzlich wurde der Song von einer wohlklingenden Moderatorenstimme unterbrochen: Unsere Frau Kanzler hätte Stralsunder Grundschülern gestanden, dass sie im Deutschunterricht in der Schule geschummelt hätte. Wer mehr darüber wissen wolle, sollte dran bleiben.

Ich sofort hellwach und drehte das Radio lauter!

Genau in dem Moment, als die im Radio die Anekdote einspielten, kriegten sich aber vor mir zwei Autofahrer in die Haare. Sie waren sich wegen des Reißverschlussverfahrens uneinig. Nun konnte mir das eigentlich Brause sein, doch sie trugen ihren Hahnenkampf per Dauerhupen aus. Kurz überlegte ich, ob ich mitmischen und denen den Marsch blasen sollte, unterließ das aber. Stattdessen drehte ich die Lautstärke bis zum Anschlag.

So kam es, dass die Einleitung, in welcher es vermutlich um die Häufigkeit des reginalen Schulschwindels ging, an mir vorbeisauste und ich erst ab der Kanzlerin Beichte folgte:

„Als wir früher dicke Bücher lesen mussten, haben wir uns auch mal eins geteilt. Der Eine hat die erste Hälfte gelesen, der Andere die zweite. Dann haben wir, wenn uns unser Lehrer später gefragt hat, was drinnen stand, unser Wissen zusammengetragen. – Aber ihr lest ja aus Freude.“

Mit Verlaub: Wie soll denn das funktioniert haben?
Wenn der Lehrer im Unterricht die kleine Frau Kanzler fragte: „Was hat denn die Mutter gesagt, als Konrad mit dem Waschmachinenschlauch den brennenden Toaster löschte?“
Da kann die kleine Frau Kanzler doch nicht geantwortet haben: „Einen Moment, da muss ich mich erst mit dem Franz besprechen!“

Nun gehe ich ja so weit mit, dass es möglich ist, dass die Wissensabfrage nicht im Frontalunterricht, sondern schriftlich erfolgte: Doch da soll die kleine Frau Kanzler sich mal nicht bei erwischen lassen haben, wenn sie beim Franzl spickte! So ein Lehrer ist ja auch nicht blöd.

Kann auch sein, dass der uckermarksche Lehrer gar nicht herausfinden wollte, welches seiner Schäfchen lediglich zwei Wochen mit dem Buch Blümchen gepresst hatte. Kann ja sein, dass er seine inhaltlichen Fragen nur an die richtete, die sich meldeten. Dann wäre sie damit durchgekommen (Das widerspricht allerdings meiner Erfahrung als Schüler und Schülermutter).
Doch betrachtet man diese Leseteilung unter dem sozialen Aspekt, ist die ganz und gar nicht korrekt! Für die kleine Frau Kanzler mag das gegangen sein: Die hat mit dem Schinken einfach in der Mitte aufgehört – aber jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie sind der arme Franz!
Der wusste beim Start seiner Lektüre nicht mal, dass Konrads Mutter einen Sohn gebar, dass sie einen verdammten Toaster nebst Waschmaschine besitzt und wieso es überhaupt einen interessiert, was es mit dem Bengel und der Alten auf sich hat. Ganz im Gegenteil, der hätte da ein Lehrbeispiel zur Volksweisheit erhalten: Den Letzten beißen die Hunde. Und das gehört sich ja wohl nicht, dass der arme Junge in der Schule in den Schrank gesperrt wird!

Ich war ja auch mal Schüler und außerdem bin ich Mutter zweier grundverschiedener Schüler. Ich las damals tatsächlich aus Freude. Noch vor jedem ersten Schultag hatte ich das Deutschbuch ausgelesen. Mein Geflügel liest brav, was man ihm in der Schule aufträgt – und mein Pubi macht eher nichts, der vergisst lieber seine Hausaufgaben. Wir drei bilden einen guten Querschnitt durch die Schulgesellschaft.

Ich bin dem Schummeln in der Schule ja auch nicht abgeneigt, aber wer sich solidarisiert, der soll sich das so wohl überlegen, dass mir nicht aus dem Stand die Argumente einfallen, warum das nicht zusammenpasst.

Habe ich eigentlich eine Möglichkeit übersehen, wie die Sache mit der Buchleseteilung gelaufen sein könnte?
Ich grübele da jetzt seit Freitag daran herum …

White Shoes

Wir hatten uns ja gestern geeinigt: White shoes first! 🙂
Folgen Sie mir auf dem Fuß, liebe Leser, hier geht es zum Treteralarm.

Mittlerweile ist hinlänglich bekannt, dass zu meinem Hausstand auch ein Pubertikel zählt – der Herrgott hat ihn mir vermutlich als Prüfung gesandt. Aber ich will nicht meckern, so ein Heranwachsender macht auch viel Freude.
Zum Beispiel erfreut er mich nostalgisch mit modischer Saisonware.
Im Moment läuft er so rum, wie die Jungs, als ich seinem Alter war. Soweit also alles ganz normal.
Bis auf eine Kleinigkeit: Mein Pubertikel liebäugelte mit weißen Netzschuhen!
Ich finde die ja abartig.
Weil mein Pubi aber ein penetranter Fuchs ist, nörgelte er mir seinen Bedarf einige Wochen lang Tag und Nacht in die Ohren – will sagen: Er ging mit so lange auf den Sack, bis ich ein Einsehen hatte.
Zu bekommen waren die schwuchteligen Treter dann allerdings in keinem Laden, also graste er im Internet.
Endlich kamen die Dinger und der Junge zog glücklich damit los.
Einmal getragen, an der Ruhr versehentlich in ein Fußballmatch geraten: chamäleongrüne Netzschuhe.
„Mutter, kannst du meine neuen Schuhe putzen?“
„Kann ich nicht. Zieh zum Fußballspielen gefälligst Fußballschuhe an!“
„Hatte leider keine dabei.“
(Wobei: „leider“ hat er nicht gesagt, über Bedauernsvokabeln verfügt sein Wortschatz nicht. Leider.)
„Ich hab jedenfalls keine Zeit, deine Brautschuhe zu putzen! Da muss du mal vorher dein Gehirn einschalten!“
„Gut, dann putz ich die selber, soo lauf ich jedenfalls nicht rum. Ich mach das in der Küche im Spülbecken und ich nehme deinen Spüllappen. Trocken mache ich sie dann mit dem Geschirrtuch …“
Das war mir nun auch nicht recht. Der Punkt ging eindeutig an den Kerl.
Ich guckte mir also die ehemals weißen Quadratlatschen genauer an …
Wie putzt man denn solche Quanten?
Da kann man doch nicht mit der Bürste ran, oder?

Jedenfalls steht eines fest: Nächstes Mal kaufe ich ihm wieder schwarze Treter!

Zur fröhlichen Wiederkehr

Ich war etliche Wochen absent, es ist Ihnen vermutlich aufgefallen.
Irgendwann ging mir das Geld aus und so habe ich Palmen, Meer, Sand, den Sturm und mein RentBike verlassen und mich auf den Heimweg gemacht.
Hier ist es eigentlich auch ganz nett – ich denke, ich bleibe eine Weile.
Zwecks der freudigen Rückkunft ließe sich gut mal wieder was erzählen.
Weiße Schuhe oder Vogelfutter, was meinen Sie?
Wonach steht Ihnen der Sinn, welche Thematik liegt Ihnen näher am Herzen?
Ich bin da offen.
Ich zapfe mir jetzt erst mal einen Eimer Regenwasser aus der Dachrinne und dann braue ich mir mit klammen Fingern einen Kaffee.
Den teile ich übrigens auch sehr gerne. Nur zu, kommen Sie vorbei! 🙂

Hitchcocks KillerAmeisen

Wer mein Buch „MAMA, BLEIB MAL IM SLIP“ gelesen hat, weiß, dass es bei meinen Eltern auf dem Land jede Menge Plagen gibt: Einen Sommer lang campierte dort ein Hornissenstaat im Plumpsklo, im Jahr darauf eine Waschbärenfamilie im Gästezimmer. Danach hatten meine Eltern Last mit einer Horde von Mardern, die nachts über das Flachdach des Schlafzimmers donnerte und Menschlein so den Schlaf raubte.

Das Gute an Plagen: Sie kommen – sie verschwinden auch wieder.
Außer der Großbaustelle vorm Haus war in letzter Zeit wirklich Ruhe daheim und meine Familie begnügte sich mit den Hundertschaften von Mücken und Schnecken, die Sie ja auch alle gut kennen.
So, bis gestern Nacht.

Ich darf Ihnen stolz verkünden: Es gibt endlich eine neue Heimsuchung!

Gegen 21:00 Uhr kam ich gestern ziemlich fertig im malerischen Städtchen an. Eine fast durchgearbeitete Nacht und fünf Stunden stauige Autofahrt lagen hinter mir.
Eigentlich wollte ich nur dringend aufs Klo, mir anschließend von meiner Mutter etwas Gutes zu essen servieren lassen und dann wollte ich meine Ruhe haben.
Ein Loch gucken, oder so.
Konversation mit der Familie hatte bis zum nächsten Morgen Zeit.
Ich hievte meinen Koffer in den Flur und öffnete die Tür zu meiner kleinen Wohnung: Da traf mich fast der Schlag!
Alles schwarz!
Kleine wimmelnde Viecher!
Millionen, was sag ich: Milliarden!
Auf dem Fußboden, der Couch, den Vorhängen, auf dem Klavier … Überall ein lebendiger, krabbelnder Überzug!
Was zu Hölle waren das für Scheißviecher, die sich da in meiner Bude breitgemacht hatte?
Ich bückte mich näher ran.

Ameisen!

Mit Flügeln!
Alles voller geflügelter Ameisen!
Verdammt nochmal, was hatten die in meinem Wohnzimmer zu suchen?
Aber viel wichtiger: Was tat man damit?
Das konnten die jedenfalls vergessen, dass ich mir für die Nacht eine andere Bleibe suchte!
Gar zu lebhaft erinnerte ich mich, als ich den Waschbären mein Bett überlassen hatte und stattdessen auf Mutters unbequemer Couch im Wohnzimmer nächtigte.
Da Ameisen im Gegensatz zu den eingeschleppten kanadischen Bärenviechern nicht beißen, war schon klar, wer am Ende des Abends als Sieger hervorgehen würde.
Kurzentschlossen schnappte ich mir Mutters Staubsauger und rückte der Invasion auf den Leib.
Bei den Vorhängen war es schwierig, die Schnorchel fraß sie und verstopfte.
Da Ameisen keine Widerhaken an den Beinen haben, fielen sie vom Schütteln aus der Gardine.
Nach einer halbe Stunde war die Sache erledigt und meine Wohnung sah aus, wie ich sie in Erinnerung hatte.
Ich stieg also die Treppe rauf und ließ mich von Mutters guter Wurst und den Zwiebeln aus eigener Züchtung verwöhnen.

Als ich satt war, verließ ich meine treusorgenden Eltern. Öffnete unten meine Tür: Krabbelten die dämlichen Viecher wieder auf Sofa, Dielen und Klavier herum!
Wo waren die denn schon wieder hergekommen??
Das konnte doch nicht wahr sein!
Es sah ein wenig so aus, als beamten sie durch die Wand. Deshalb stürmte ich nach draußen und stolperte über die Baustelle, bis ich das Fenster, hinter dem mein Sofas steht, erreichte.
Was ich da sah, das glauben Sie nicht!
Da wogte ein dicker Strom Ameisen geordnet den aufgerissenen Bürgersteig entlang, krabbelte bei uns ein Stück die Mauer hoch und verschwand dort zwischen den wuchtigen Sandsteinquadern.
Jetzt hatte ich aber genug davon!
Ich wollte nicht am nächsten Morgen wie in einem Hitchcock-Film erwachen.
Oder auch nicht wach werden, das weiß man ja vorher nicht, wie es zu Ende geht.
Ich holte aus dem Keller die chemische Keule für Notfälle und sprühte die halbe Flasche in das Einfalltor.

Es stellen sich folgende Fragen:
Wo kamen die vielen Ameisen her?
Was wollten die ausgerechnet in meinem Wohnzimmer?

Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und nun eine zweisäulige Theorie:
Zum Einen muss die Population in diesem Jahre enorm sein, denn auch andere aus unserem kleinen Ort beklagen die Invasion. Allerdings rennen die Viecher bei denen draußen herum und nicht im Bett.
Die andere Hälfte meiner Theorie beinhaltet die Großbaustelle. Wanderten die Ameisen jahrhundertelang unter der Straße durch die Kanäle des Städtchens, haben ihnen die Baumaßnahmen ihre Renntunnel genommen. Die gemauerten Abwasserkanäle wurden in den letzten Wochen in der ganzen Stadt zugeschüttet und ständig rumpelt eine Walze auf und ab und verdichtet den Untergrund.
Als Ameise würde ich da auch das Weite suchen!

Darum merke: Keine Aktion ohne Reaktion!

Gerade kommt wieder eine handvoll Ameisen auf meinen Tisch gekrabbelt.
Vielleicht schlafe ich heute Nacht doch besser wieder auf Mutters unbequemem Sofa!

Gangster auf frischer Tat ertappt!

Heute Nacht war bei uns was los!
Gegen drei Uhr Geräusche aus dem Keller!
Ich sofort hellwach – oder was man halt so wach nennt.
Da! Noch mal! Es schepperte und klirrte – Da war einer über den Bierkasten gefallen!
Ich stieß meinen Mann an. „Wach auf! Unten ist einer!“
Mein Mann bewegte sich nicht.
Ich rüttelte an seiner Schulter. „Einbrecher! Mensch, wach auf!“
„Was ist los?“ Mein Mann richtete sich ruckartig auf.
„Da sind welche“, flüsterte ich. „Hörst du sie?“
„Ich hör nix.“ Mein Mann ließ sich wieder in sein Kissen fallen und schlief weiter.
Jetzt reichte es mir aber! Kräftig stieß ich ihn in die Rippen. „Horch! Jetzt gehen sie in die Küche!“
„Werden Hunger haben …“ Mein Ehemann scherte sich einen Dreck um die Sache.
In dem Moment knarrte unten die erste Stufe und leise Schritte waren auf der Treppe zu hören.
Mittlerweile zitterte ich. „Jetzt kommen sie, jetzt holen sie uns.“
Neben dem Knarren vernahm ich auch das sanfte Klirren von Porzellan.
Die werden doch nicht mein geerbtes Gescherbel in einen Sack gesteckt haben!
Wie kann man denn so achtlos mit alten Schätzen umgehen?
Das machte mich wütend.
Mein Mann rührte sich nicht, er atmete tief und gleichmäßig.
Wenn der uns nicht verteidigt, mach ich das!
Entschlossen packte ich den Knüppel, der seit einer Weile griffbereit unterm Bett liegt, und huschte zur Treppe.
Die Schritte kamen näher.
Noch drei Stufen, im Haus kenne ich jedes Geräusch.
Langsam hob ich den Knüppel.
Zwei Stufen.
Ich holte tief Luft.
Eine.
Ich straffte mich.
Da kam ein Teller um die Ecke! Mit einem Baguette drauf.
Gerade wollte ich zuhauen – stand Pubi vor mir und kaute.
Jetzt hatte der Kerl sich aber dermaßen erschrocken, dass er laut losbrüllte und den Teller fallen ließ.
Darüber erwachte dann endlich auch mein Mann.

Das nächtliche Erlebnis hat mich jedenfalls echt mitgenommen. Weil ich danach richtig schön wach war, nutzte ich die Zeit und setzte mich an meinen Schreibtisch. Zustande gebracht habe ich eigentlich nichts, weil sich kurz nach vier meine Kaffeetasse in die Tastatur ergoß. Es dauerte eine Weile, bis ich der Sache Herr wurde.
Obendrein bin ich nun endlich müde. Gute Nacht, ich gehe jetzt schlafen! 🙂

WespAttack

Am Freitag wollte mir meine Arbeit nicht recht von der Hand gehen und so vertrieb ich mir die Zeit mit Hausarbeit.
Zuerst kratzte ich Unkraut aus den Pflastersteinen vorm Haus und weil es danach nicht besser um meine blitzgescheiten Ideen stand, wässerte ich die Bäume.
Immerhin ist es heiß und da trinken alle viel.
Ich kniete mich am Teich nieder und wie ich gerade die Gießkanne unter Wasser döppte, durchfuhr meinen kleinen Finger ein heftiger Schmerz.
Was war das??
Hatte sich die blöde Kanne etwa gewehrt und mich gebissen?
Die sollte sich mal nicht so anstellen, ich hole seit Jahren auf die Art Gießwasser aus dem Teich.
Doch dann sah ich es: Eine Wespe hatte mich gestochen!
Das Viech musste sich genau so erschrocken haben wie ich, denn es war ins Wasser gefallen und strampelte wild.
Nun bin ich ja ein herzensguter Mensch.
Augenblicklich vergaß ich mein eigenes Leid und hatte nur noch die Rettung des zappelnden Lebens im Sinn.
Eilig tauchte ich also meine schmerzende Hand in die Dreckbrühe, entfaltete sie unter der Wespe wie eine Rettungsinsel, zog raus: Da stach das Scheißvieh mich doch tatsächlich noch einmal!
Diesmal in den Ringfinger!
Herrschaftszeiten, tat das weh!
Brüllen und Vieh abschütteln war eins!
(Ich möchte mich an der Stelle aufrichtig bei meinen Nachbarn entschuldigen.)
Das Viech landete abermals in den Teich – es konnte mich jetzt am Arsch lecken.
Gerade wollte ich in die Küche eilen, um mir aus Erste Hilfe-Gründen eine Zwiebel aufzuschneiden – da kriegten meine Fische die Sache spitz.
Der dickere von beiden, Lilly genannt, dümpelte wie ein Hai von unten heran und sperrte in Zeitlupe das Maul auf.
Ich brüllte zwar, er soll das lassen, aber es half nichts: Plopp, war die Wespe verschwunden.
Mir blieb erneut fast das Herz stehen.
Mein Lillyfisch verzog sich daraufhin eilig mit seiner Beute unter die Seerosen.
Sein Kumpel schwamm mit, die beiden sind halt ein Schwarm.
Sie scheinen es aber beide überlebt zu haben, denn bis jetzt treibt keiner oben.
Ich muss die gleich erst mal füttern, nicht dass die nachher meine Gießkanne fressen!

Dunkel war’s …

… der Regen platscht an’s Fenster,
da klopft’s an die Tür.

Ich will heute nicht raus!

Guten Morgen aus Mülheim! 🙂

Grönlandjoppe dringend gesucht!

Während alle Leute heute schön schwitzen und nicht wenige gerade dem Sommer die Krätze an den Hals wünschen – vor allem die, die sich noch nicht in den Urlaub verabschieden konnten – suche ich jetzt für meinen Pubertikel Wintersachen zusammen. Dicke Jacke, Schal, Handschuhe …

Der transpirierende Leser fragt sich: Was soll das? Spinnt der Pubertikel, oder spinnt die Mutter?

Weder noch, liebe Verehrte.
Der Pubi will zum Skifahren.
Jetzt. Heute. In die Skihalle nach Bottrop.
Jedenfalls scheint der Knabe gewachsen zu sein, denn die Winterjacke passt nicht mehr.
Guckt an den Handgelenken Haut raus.
Wie löst man das mitten im Hochsommer?
Ich rufe jetzt erst mal im Rheinruhrzentrum an und frage, ob die bereits Winterfell führen.

Kriegt man denn überhaupt schon Spekulatius?

Spermling im OP

Ich will Euch das Neueste vom kleinen Melonen-Spermling berichten.
Nachdem es letztens so schlecht um ihn stand, hat er sich stabilisiert.
Er trennte sich zwar wie eine Eidechse von hinteren Teil seines Schwanzes, was eine Amputation nötig machte – doch die schwächte ihn nicht.
(Im Bild zu sehen kurz vor der Amputation)
Weil er Rund-um-die-Uhr-Pflege benötigte, bekam ich ein Problem: Ich musste auf einen Job und wer sollte sich dann um Spermi kümmern?
Mein Mann hätte mir was gehustet.
Eine Leserin schlug vor, ich solle den Kleinen eintopfen und im Tragtuch mitschleppen.
Ich machte nur den ersten Teil, weil auf dem Job da kannten die mich nicht und was sollten die denn von mir denken?
Den Abend und die Nacht hat er jedenfalls gut überstanden, fast macht es den Anschein, als hat das mit seinem Schwanz so kommen müssen.
Leute, ich glaube, die Sterne stehen günstig.
Wir schaffen das!

Spermling kurz vor der Amputation

Beim Probehängen

Im Aufwachtopf

Für alle, die hier seit letzter Woche mitfiebern!

Leute, ich mache es kurz: Es geht dem Spermling schlecht.
Trotz aufopfernder Pflege wie H2O-Infussionen, Vorsingen und Schwanzwickel scheint er sein Hinterteil abzustoßen.
Man kennt das von Eidechsen. Die haben eingebaute Sollbruchstellen, an denen sie bei Stress den nicht-überlebenswichtigen Teil abtrennen und so verkürzt und wendiger weitermachen.
Der Ausflug zum Mülheimer Bürgeramt ist dem kleinen Spermling demnach doch nicht bekommen.
Gleichzeit bedeutet das aber auch, dass er mit einem Kriechtier gekreuzt ist.
Um sicherzugehen, habe ich Ultraschall machen lassen.
Es könnte sich auch um Plazentainsuffizienz handeln.
Wir werden sehen.
Bitte schließt den Kleinen in Eure Gebete ein.
Ergebenst,
Eure Frau GoodWord nebst Spermling

Wohin mit dem Spermium?

Es war wieder so weit: Wegen der letzten Regentage war meine Hütte durchgekühlt und es zog mir frisch die Beine herauf. Ab Eisbein bis Kniehöhe wurde mir klar: Ich musste etwas ändern!
Ich hätte die Heizung anschmeißen können – oder etwas backen.

Weil ich aber in den letzten Tagen vom Kinderfernsehen vermehrt das schlechte Gewissen wegen meines CO2-Fußabdruckes eingetrichtert bekommen habe, traute ich mich nicht, Energie zu verschwenden.
Nichtsdestotrotz fror ich – warme Gedanken allein reichte nicht aus.

Da erinnerte ich mich meines letzten Ausflugs zum Mülheimer Bürgeramt. Dort war es schön warm und für Unterhaltung war auch gesorgt.
Ich packte mir also geschwind ein Frühstück zusammen: ein Butterbrot mit Schinken (Verzeihung, aber ich will es mit der nachhaltigen Lebensweise nicht gleich übertreiben!) und ein paar Scheiben Melone. Auch eine Flasche Wasser vergaß ich nicht.
Dann schwang ich mich aufs Rad und sauste in die Stadt.
(Sie sehen, ich mache durchaus ernst!)

Unauffällig drückte ich mich im Bürgeramt am Empfang vorbei und huschte in die Kinderecke. Dort saßen schon zwei Konvertitinnen mit ihren insgesamt vielen Kindern.
Die eine brüllte zur Begrüßung auch gleich los: „Wer von euch Rotzlöffeln hat mir denn hier die angelullte Brezel in die Tasche gesteckt??“
„Das ist die vom Dschäiden.“
„Dich habe ich nicht gefragt, Schantall!“
Weitere Kinder mischten sich ein, ich verlor aber den Überblick, weil die Namen der jüngeren Kinder fremdländisch klangen.
Wo die nun einmal alle vom Essen redeten, verspürte ich plötzlich auch Hunger. Ich packte meine Brotzeit aus und setze mich dazu. In Gesellschaft isst es sich besser.
Das Brot schmeckte, anschließend zog ich meine Vitaminbeilage hervor.
Wie ich die so aus ihrer Klarsichtfolie schälte, guckte mich plötzlich ein einzelnes verirrtes Spermium an!
Erst war ich mal erschrocken!
Ein Melonenspermling!
Wo kam der denn her?
Was wollte der hier?
Aber noch viel wichtiger: Was machte ich jetzt mit ihm?
Ängstlich guckte mich der Kleine an.
„Keine Sorge, ich esse dich nicht …“, beruhigte ich ihn und steckte ihn vorsichtig in sein Melonenstück zurück. Ich wollte ihm ja nicht versehentlich den Schwanz abbeißen.
Sofort kuschelte er sich unauffällig in eines der Obstlöcher.
Der Appetit war mir allerdings vergangen, ich trug ja jetzt Verantwortung!
Da ich auch nicht mehr fror und relativ ausgewogen gegessen hatte, machte ich mich auf den Heimweg – beim Radfahren kann ich außerdem prima nachdenken.
Schwitzend, weil ich muss fast die ganze Zeit bergauf strampeln, kam ich daheim an.
Jetzt sitze ich hier mit dem Sperma am Laptop und überlege, wie ich ihn weiterzüchten soll.
Pflanze ich ihn raus … oder kaufe ich ihm lieber noch eine Melone?
Können Sie mir da helfen?

Leninismus

Eben beschwerte sich ein Freund via Whatsapp bei mir.
Thematisch handelte sich bei seinem Problem um eine Unabänderlichkeit und eigentlich wollte er nur Dampf ablassen.
Er gebrauchte in seinem kurzen Text auch zwei Kraftausdrücke, was mir den Ernst der Lage aufzeigte.
Um ihn aufzumuntern und auch um ihn in seiner Ansicht zu bestärken, schickte ich ihm ein Zitat: „Das Leben ist nur im Suff zu ertragen.“
Jetzt frage ich Sie: Wissen Sie, wer das gesagt hat?
Ich wusste es jedenfalls nicht und probierte es mit Lenin. Dem schiebe ich im Zweifel alles in die Schuhe.
Ich tippe also ‚Lenin‘ in mein Handy: Kennt den die Autokorrektur nicht.
Oder traut es ihm vielleicht auch inhaltlich nicht zu.
Stattdessen verbessert mein Freund und Helfer-Autokorrektur: Kevin!

Orthopädenalter

Nachdem wir hier letzte Woche so schön mein Alter thematisierten, haben die mir heute beim Orthopäden den Rest gegeben.
Aufgesucht habe ich ihn, weil mich mehrmals im Jahr Rücken plagt. Im Winter mag das angehen, aber wenn es so heiß ist wie derzeit, macht es sich nicht gut, mit Heizkissen am Schreibtisch zu sitzen. Genaugenommen blockiert das Wetter eh schon mein Denkzentrum.

Der Orthopäde hörte sich also meine Beschwerden an, er wiegte den Kopf und schickte mich erst mal zum Röntgen.

„Frau Müller, kommen Sie bitte in die Röntgenkabine!“, tönte die Lautsprecherdurchsage.
Ich trat da also ein, begrüßte mich so ein junges Ding: „Schwanger sind Sie nicht?“
Auf den verbalen Schreck musste ich mir erst mal Luft machen: „Gute Frau, Sie sind wohl nicht ganz gescheit?“
„Wieso? Sie sind doch noch jung“, sagte meine neue, allerbeste Freundin.
„Dankesehr!“ Ich hätte sie auf der Stelle küssen können. Oder einen Urlaub spendieren, je nach dem.
„Schauen Sie doch mal in die Zeitung!“, fuhr meine neue Herzallerliebste fort.
Mich wunderte das. „Was hat die Zeitung damit zu tun?“ Normalerweise weiß ich vorher, wenn ein Artikel über mich erscheint.
„Na, wer heutzutage so alles Kinder kriegt … Da werden 65-jährige Mutter.“
Mädel! Die soll zusehen, wen sie anruft, wenn es ihr schlecht geht! So schnell können junge Sympathien umschlagen.

Ich hatte die Episode gerade verdaut, wurde ich zum Herrn Doktor hereingerufen: Das Röntgenbild besprechen.
„Wie Sie sehen“, er zeigte auf den Monitor mit dem Abbild meines durchfunzelten Bodys, „schaut das soweit gut aus.“
Hätte er das Soweit nicht weglassen können?
„Sie sehen hier den altersbedingten Verschleiß.“
Hä? Was ist los??
„Bis auf das hier …“
Leider war ich für Bis-auf-was-hier zu abgelenkt. Erst ab ‚Krankengymnastik‘ konnte ich wieder folgen.

Eines ist jedenfalls klar: In dem Laden da können die mich mal!
Da gehe ich so schnell nicht noch mal hin!

„So lindern Sie Ihre Rückenschmerzen sofort!“

Ich habe ja schon seit einer Woche Rücken.
Immer erst ab Nachmittag – das ist aber genau so scheiße, als wenn es gleich früh los ginge.
Weil ich meinem Umfeld damit mal mehr und mal weniger auf den Sack gehe, machen die sich auch während ihrer Arbeitszeit Gedanken, um mir Erleichterung zu verschaffen.
So vorhin geschehen, kurz vor Feierabend.
Ein nahestehender Mensch schickte mir aus dem Büro einen Link zum Artikel eines Nachrichtenmagazins: Sparte Gesundheit und Ratgeber, Titel: „Lindern Sie Ihre Rückenschmerzen sofort – ohne Medikamente!
Aufgeregt klickte ich den Artikel an.
Im Geiste sah ich mich schon wieder wie ein junges Reh Bocksprünge über meinen Schreibtisch machen.
Das lag vor allem am strategisch klug gewählten Bildmaterial: Zwei kehrseitig abgelichtete schlanke Jungmädchenschönheiten, die sich sexy ins Hohlkreuz beugten und dabei theatralisch mit den Händen das Corpus delicti stützten. Lange Haare reichten attraktiv bis zu den frischmanikürten und leicht gebräunten zarten Händen …
Da fühlte ich mich doch gleich besser.
Weil so sehe ich ja auch aus.
So, und dann las ich los.
Ich fasse die, Zitat: „alltagstauglichen Sofortmethoden“ mal zusammen:
Abschalten, Füße hochlegen, danach heiß duschen und mit Tennisbällen in der Badewanne herumrollen, gute Musik hören und spazieren gehen –  aber um Himmels Willen nicht auf der Straße!

Mit Verlaub, Frau Redakteurin, so wird das nichts.
Sie hatten wohl noch nie Rücken, oder?
Ich nehme mir jetzt ein heißes Kissen – auch damit ich nicht friere – und dann jammere ich noch ein bisschen rum.
Das lindert!

P.S. Ich wünsche allen Leidensgenossen da draußen gutes und frohes Genesen! ❤

Obacht mit dem Wetter!

Ich habe ja aufgehört, zu zählen, wie lange ich mir aus Temperaturgründen schon versagt habe, Weihnachtsplatzerl zu backen. Bestimmt schon drei Tage, oder auch eine ganze Woche.
Geflügelklein brachte heute aus der Schule einen Zettel mit nach Hause: Hitzefrei für den Rest der Woche.
Also mache ich gute Mutter auch hitzefrei und das Licht an meinem Schreibtisch aus.
Das freut meine Partner unheimlich, zumal sie das erst aus dem Post hier erfahren.
Heute haben sich schwitzende Mutter und nörgelndes Kind jedenfalls auf den Weg zum See gemacht.
Durch den Wald, da war es auch schön frisch.
So frisch, dass die da doch glatt Schneewarnungsschilder aufgestellt haben!
Schaut echt zum Fürchten aus, oder?
Mann, was bin ich froh, dass ich meine Ski vor der Haustür stehengelassen habe!
Genau wie Ihr gesagt habt: Man kann echt nie wissen!

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Durchhalteparole!

Na, Leute, ist es schön warm?
Schwitzt Ihr schön?
Bei mir teilen sich die Viecher in die Schattenplätze.
Der Hintere, dachte ich eigentlich, sei Kater Bruno.
Ist er aber nicht.
Das Herrchen, das gar nicht Brunos Herrchen ist, erklärte, er kenne den Plüschpuschel nicht.
Wenn der also keinem von Euch gehört: Er darf gern bei mir bleiben, er guckt mir fast jeden Vormittag bei der Arbeit zu. Irgendwann kann er sie dann sicher übernehmen.

Haut rein, Leute, und lasst Euch nicht unterkriegen!

Lassen Sie das Wetter nicht aus den Augen!

Ich glaube, ich werde alt. Neben anderen Indikatoren merkt man das vor allem daran, weil ich mich mit dem Wetter beschäftige.
Sie erinnern sich: Letzte Woche zog es frühsommerlich frisch durch Mülheim und ich buk Weihnachtsplatzerl. Als es nicht wärmer wurde, wärmte ich mich extern bei Mülheimer Behörden. Das war auch alles ganz schön, ich lernte viel Neues dazu.
Gerade schaue ich wieder nach der Wetterprognose. Man will ja wissen, was einen Montag erwartet. Ich halte das für wichtig, jetzt da das allerletzte lange Feiertagswochenendes des Jahres zu Ende geht und der Endspurt auf die großen Ferien ansetzt. Businesslike oder Funktionskleidung? Wenn ich friere, kann ich schlecht denken – wenn ich schwitze das Gleiche.
Morgen wird es jedenfalls verdammt heiß: 31 Grad für Mülheim!
Ob ich mal meine Ski wegräume?
Habe ja heute Zeit.
Schneit doch in der nächsten Zeit nicht, oder?

Härten Sie Ihre Prioritäten ab!

Wissen Sie was? Ich finde es immer noch frisch in Mülheim. Nun kann ich aber nicht jeden Tag backen, deshalb hab ich mir heute einen anderen Platz zum Wärmen gesucht. Ich sitze im Bürgeramt. In der Kinderecke. Hier ist es schön heiß, die Fenster lassen sich nicht öffnen; deswegen oder aus anderen Gründen klebt der Tisch.
Trotzdem bleibe ich hier im Gewächshaus sitzen, weil da wo sich die Ausgewachsenen aufhalten, will ich nicht hin!
Unterstellen wir, im Mülheimer Bürgeramt warten nur Mülheimer Bürger. Der Bürger, auf den ich freie Sicht habe, weil ihn nur ein Raumteiler aus Glas von mir trennt, popelt. Genüsslich bewirtschaftet er mit dem kleinen Finger eines seiner Nasenlöcher. Endlich wird er fündig, er pult einen Brocken heraus. Zuerst beguckt er sich das Ding von allen Seiten, dann schnipst er es in in den Mülleimer. Der Plumps ist nicht zu überhören. Anschließend wischt er den Nagel an seiner Hose trocken.
Während ich das gerade verdaue, versenkt er den kleinen Finger bis zum Anschlag im anderen Kanal.

Mir ist noch nicht klar, was ich mir wünsche: Soll der besser vor oder nach mir aufgerufen werden …?
Bin ich nach ihm dran, laufe die Gefahr, dass ich mich wo reinsetze. Bleibe ich noch ewig hinter ihm sitzen, könnte es sein, dass er mich trifft.
Ich bin unentschlossen, Sie merken es.
Noch runde dreißig Nummern vor mir, ich bin die 119.

Ich verabschiede mich jetzt und überdenke meine Prioritäten!

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Frühstück für alle!

Geht doch nichts über ein Sonntagsfrühstück unter freiem Himmel!
Dabei werden natürlich auch die Viecher bedacht.
Der kleine Amseljunge ist immer noch Vegetarier, er bekam seine Portion Apfelgriebs in den Komposthaufen. In letzter Zeit schmecken ihm unreife Felsenbirnen besser, weswegen die Apfelration heute kleiner ausfällt.
Kennt Ihr Felsenbirnen?
Mit Birnen haben die nicht viel gemein. In der Größe und Form von Heidelbeeren wachsen sie an Bäumen, lediglich das kernige Innenleben erinnert an eingeschrumpfte Birnen. Alles eben viel kleiner, wie auf magerem Fels gewachsen.
Schmeckt nicht nur Viech, geht auch für uns. Man frisst sich halt dran hungrig.
Aber wir füttern auch Kriechtiere, wie man sieht. Meine Anverwandten haben alle ein gutes Herz. Eigentlich war ich auf der Suche nach der Tasse rechts im Bild.
Kaffee mögen Schnecken offensichtlich nicht.
Das macht nichts – ich dafür um so mehr.
Doch zuerst gucke ich der Schnecke noch eine Weile zu …

Genießt den Sonntag, Leute!

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Ehe einer fragt: Wir backen wieder!

So, Leute, heute Tag 2 des unerwarteten Kälteeinbruchs.
Was tut man?
Man friert – oder man backt.
Backen haben wir gestern schon erledigt, heute verzieren wir die Reste.
So richtig lohnt sich das nicht mehr, aber es wärmt.
Alternativ ließe sich natürlich auch die Heizung nutzen.
Mir ist schon voll weihnachtlich ums Herz …
Lasst es Euch nicht kalt und die Zeit nicht lang werden! 🙂

Pfingstferienbetrachtung

Wie mir ja bereits gestern Abend während meiner unnötigen Pausenbrotschmiererei klar wurde, verleben wir heute einen Ferientag. Einen einzigen nur, Pfingstferien genannt. Zusammen mit ein paar anderen Bundesländern leistet sich NRW den Luxus, einen Einzeltag Ferien zu nennen. Wenn man bedenkt, dass zum Beispiele bayerische Schüler gerade zehn freie Tag vergammeln, lässt das nur zwei mögliche Schlüsse zu: Entweder haben es Schüler aus NRW besonders nötig durchgängig weitergebildet zu werden – oder wir überholen die Bayern links.

Nichtsdestotrotz ist mir das Politikum egal, für mich gilt das Gleiche wie für alle bundesweiten Mütter: Macht das Beste aus den Ferien!

Ich überlasse also meinen Schreibtisch heute einer erweiterten Feiertagsruhe und kümmere mich stattdessen um das kleine Flatter.
Pünktlich zum Großereignis Pfingstferien, öffnete Petrus die Schotten und schickte zusätzlich ein wenig arktische Kälte an den Rand des Ruhrgebiets. Am Nachmittag soll es gleich noch stürmen, mal sehen.

Wir bleiben heute einfach drinnen!

Was tut man mit einem solch unerwarteten Kälteeinbruch?
Richtig, man backt Weihnachtsplätzchen!
Lasst Euch von einer erfahrenen Mutter gesagt sein: Man kann nicht früh genug damit starten.

Wie lange dauert es eigentlich noch?

Bemehlte Grüße und bringt den Tag gut rum,

Eure Frau GoodWord

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Ein Mutterkopf wie ein Sieb

Ich bin doch echt durcheinander.
Vitamine und ein Butterbrot: Bin gerade dabei, dem Kleinen für morgen Frühstück zu schnippeln.
Dabei sind morgen Ferien!

P.S.: Ja, ich mache das immer am Vorabend. Schmieren, verpacken – zack, in den Kühlschrank damit.
Außer heute.
Das ess ich jetzt gleich selber!

Kauend,
Gott zum Gruße

Faltenkiller

Ich bin ja nun auch schon Ü40. Normalerweise entfällt mir das, aber es gibt Momente, wo ich danach gefragt werde. So auch geschehen letzte Woche. Dies nur zur Erläuterung, warum ich mich im Moment des Alters entsinne.
Aber trotzdem, um die Altersfrage noch zu spezifizieren: Genaugenommen befinde ich mich auf der Hälfte zum halben Jahrhundert, auf den Tag exakt. Da bleibt es nicht aus, dass ich mir die ein oder andere Falte gelacht habe.

Jetzt ist mir gestern in der tropischen Sommernacht was passiert, daran muss ich Sie als Anti-Aging-Experten einfach teilhaben lassen. Hat mich doch eine Mücke mitten aufs Augenlid gestochen! (Das Mistvieh!)

Zuerst juckte die Sache fürchterlich. Im zweiten Schritt schwoll mir das Auge schlitzig zu. Mein Mann war besorgt, was die Nachbarn davon halten würden – zumal es sich plötzlich blaulila einfärbte. Kurz nach Mitternacht brachte er mir deswegen das Aloe-Vera-Gel aus dem Kühlschrank.
Ich patschte das stinkende Zeug großzügig aufs Lid, der Abend war eh beendet. und legte mich zufrieden ins Bett.
Gejuckt hat es nicht mehr,  an die Nacht habe ich keine wachen Erinnerungen.

Das glauben Sie nicht, wie ich heute aussehe!
Glatt!
Wie zwanzig!
Oder jünger.
Leider nur einseitig.

Wenn Sie also ein wichtiges Date haben, die Damen: Setzen Sie sich am Vorabend einfach neben einen Eimer schlupfbereiter Mückenlarven! Das wirkt todsicher!

Herzlichst,
Ihre Frau GoodWord

 

 

 

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Lavendelkommentar

Clara meint, wenn ich ein Bild in einen Kommentar einfügen will, muss ich es in einem Beitrag hochladen, dann die URL kopieren und in den Kommentar einfügen.
Das probiere ich jetzt, ich will ihr einen Lavendel schenken. Einen lilanen Stimmungsheller. Zwar schon ein bisschen mitgenommen, weil in die … Wochen gekommen, aber er ist lila und er gibt nicht auf.
Falls ich das jetzt doch versehentlich öffentlich übe, hier vorsorglich die Erklärung.
Man sieht: In Mülheim regnet es.
Schönen Sonntag zusammen! 🙂

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Einen herzlichen Dank an die Ostthüringer Zeitung!

Lesung: 2.3. im Mocca Nova in Mülheim/Ruhr

Damit es nach den Tollen Tagen in Mülheim an der Ruhr auch fröhlich weitergeht: Heute, 19:30 Uhr, Cafè Mocca Nova, Löhberg 16! 🙂

 

 

Ordnungsparagraph

Wie in vielen anderen Familien auch, hat bei uns in den letzten Tagen dieser Auszug aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch anständig für Diskussionen gesorgt.
Wer es trotzdem nicht mitbekommen hat, hier noch mal der Gesetzestext zur heimischen Gesprächsgrundlage:

§ 1619 – Dienstleistungen in Haus und Geschäft
Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“

Sieben Stunden Hausarbeit für 14-jährige seien angemessen, so der Bundesgerichtshof.

Bleibt mir nichts weiter, als Ihnen für daheim frohes Streiten zu wünschen! 🙂

Herzlichst
Ihre Frau GoodWord

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„Hörst du die Regenwürmer?“

Seit einer Weile schreibe ich an der Fortsetzung von MAMA, BLEIB MAL IM SLIP. Die Storys sind was länger, die Kinder auch. Gerade sitze ich an einer rutschig, glitschigen Geschichte über Regenwürmer.
Von denen gibt es übrigens 670 bekannte Arten. Haben Sie das gewusst?
Bis gestern war für mich ein Regenwurm ein Regenwurm. Gibt eben Große und Kleine, Dicke und Dünne – alles wie beim Menschen.
Wohl damit die Fortpflanzen später nicht so dumm daherreden wie die Mütter, behandeln sie die ringelige Artenvielfalt jetzt in der Bildungsanstalt.
Keine Frage, dass die Thematik im Haus für Verwerfungen sorgt …

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„Was sagen Ihre Kinder dazu?“

Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt wird, seit MAMA, BLEIB MAL IM SLIP im Dezember erschienen ist, lautet: „Was sagen eigentlich Ihre Kinder zum Buch?“
Oberflächlich sind beide mit der Antwort schnell fertig. Geflügel gefällt das, vor allem wegen seiner Kuscheleule und weil Meersau Eddy jetzt berühmt ist. Für Pubertikel verhält sich die Sache so: „Wehe, einer meiner Kumpel spricht mich darauf an, Mutter!“

Geht man in die Tiefe, verschiebt sich die Interessenlage allerdings. Plaudern wir mal aus der Nähkiste:
Gestern Abend hockte Mutter an Facebook und jammerte: „Meine Businessseite kackt immer mehr ab …“
„Was macht die??“ Geflügel war so schockiert, dass ihm das Leberwurstbrot aus der Hand klatschte.
„Die hatte mal 1038 Fans. Jetzt sind es nur noch 999.“
„Gute Zahl“ Pubi rührte in seiner Muslischüssel und stierte dabei aufs Handy.
„Du machst ja auch nichts mehr dran. Du schreibst nur noch Bücher.“ Mit dem Zeigefinger schmierte Geflügel ein Herzchen in die Leberwurst. „Ich mag das nicht. Du hattest in den Ferien keine Zeit für mich“, beschwerte es sich. „Mach lieber wieder Facebook!“
„Facebook ist aber brotlos.“ Ich klappte den Laptop zu und setzte mich zu den Kindern an den Tisch.
„Na und?“ Das Kleine schleckte die Wurst vom Finger. „Schmeckt mir auch so.“
„Mir ist lieber, sie schreibt noch ein Buch“, meldete sich des Youngsters Stimme aus dem Körner-Off. Zu sehen war er nicht. „Meckert sie weniger rum. Und mehr Taschengeld will ich auch!“

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Bilddokument zu „Birthdaycake“

Ich will Euch mal was zeigen. Gleich im 1. Kapitel von „MAMA, BLEIB MAL IM SLIP“ geht es um eine Geburtstagstorte. Damit sie es schön frostig hat, sollte der hauseigene Pubertikel sie in den Vorratskeller verbringen. Nun ist das mit der Pubertät ja so eine Sache. Man hört schlecht zu, denken klappt auch nicht so ganz und im Übrigen weiß man sowieso alles besser.
Ende vom Lied: Die Torte landete im Gästeklo. Unter dem tropfenden Wasserhahn.
Voilà! 🙂

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Link

NRZ und WAZ

Mit diesem tollen Porträt in der NRZ und in der WAZ verabschieden wir uns in die Weihnachtspause! 🙂
Wir wünschen Euch Frohe Weihnachten und eine tolle Zeit – und vergesst nicht: Nehmt das Leben mit Humor! ❤

http://www.nrz.de/staedte/muelheim/humor-als-erziehungsratgeber-id209057143.html

http://www.waz.de/staedte/muelheim/humor-als-erziehungsratgeber-id209057481.html

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