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Buchsbaumzünsler: Was kommt danach?

Die Trauer um unsere von den gefräßigen ZünslerRaupen aufgefressenen Buxe eint uns, wir verharren und sind erleichtert, dass der Herbst gekommen ist. Mit Laubrechen, Brennholzsammeln und Äpfelklauen lässt sich gut die Zeit vertreiben.
Doch lassen Sie uns gemeinsam nach vorn blicken! Was machen wir mit den kahlen Standorten?

Dass diese Frage drohend und düster über den verwaisten Gärten baumelt, sehe ich jeden Tag, wenn ich meinen Berg erklimme. Ein Vorgarten dauert mich besonders: Eine tiefe, über die gesamte Grundstücksbreite gehende frische Schnittwunde markiert den ehemaligen Platz einer treuen Hecke.
Letztens verwickelte mich der Besitzer in ein Gespräch, mein mitfühlender Blick hatte ihm gutgetan. Die freie Sicht gefiele ihm nicht und er überlege, ob er stattdessen eine Ligusterhecke setzen solle. Allerdings störe ihn, dass die Krackel so schnell wuchsen und er häufiger schneiden müsse. Er sei ja auch nicht mehr der Jüngste. Obendrein wäre die Hecke im Winter kahl …
Was soll ich sagen? Ich verstand ihn!

Eine meiner Kolleginnen händelt die Nachfolge ihrer buxfreie Gartenzone mit dem Pflanzen von bunten Blumen. Leider käme sie aufgrund der kurzen Blühdauer auf drei Pflanzgänge pro Jahr, was zum einen ins Geld ginge, zum anderen verdammt viel Arbeit mache. „Der Rücken“, stöhnte sie.
Auch sie verstand ich.

Eine Freundin winkte ab: „Mir ist das egal, ich mache jetzt überall Rollrasen! Da muss ich nur ein, zwei Mal im Jahr drübermähen. – Oder ich betonier gleich und streich grün, mal sehen …“
Sie verstand ich nicht.

Deshalb lassen Sie uns gemeinsam zu meiner eigenen Buxliebhaberei schwenken!
Fangen wir beim Logischen an: Mein Gerippe auf der Mülltonne. Das behandelten wir diese Woche ja schon ausführlich: Es trägt nach wie vor Sack.
Nach hinten raus, auf der Terrasse, glänzte einst in einem Kübel eine gewaltige BuxPyramide mit einem blühenden Kragen aus Glockenblumen drumherum.
Die blauen Glöckchen blühen dort immer noch, nur in der Mitte trohnt jetzt ein Margeritenbusch. Sieht schön aus, zugegeben – weil der den Winter aber nicht übersteht, verhält es sich ähnlich wie bei der Kollegin und ich greife bald wieder in die Tasche. Allerdings bin ich bei Pflanzen genau so genügsam wie im Leben und wechsele die Bepflanzung unter der Saison nicht.

Der Wirtschaft ist der Zünsler zuträglich – dem Bürger geht er auf die Eier.

Weil das so auf Dauer nicht weitergehen kann, begab ich mich zwecks Fachmannrat in Mülheims renomiertestes Gartencenter. Die kannten mich da bereits, die standen mir seit Beginn der Invasion beiseite – vor allem bei den Folgekosten. Deswegen verwunderte es den fleißigen Gärtnersmann auch nicht, als ich ihn nach einer immergrünen dauerhaften Pflanzalternative fragte.
„Wird echt langweilig, wenn sie nicht mehr kommen“, grinste er und führte mich hinter ein Holzhaus zu einer Ansammlung von Kugeln mit kleinen sattgrünen Blättern.
„Guter Mann“, ich schüttelte den Kopf, „Ich will keinen neuen Bux! Ich such was Bleibendes!“
„Nicht doch“, der Gartenzwerg schwang den Zeigefinger, „das sind ZwergStechpalmen! Schauen aus wie Buchsbaum, verhalten sich auch so.“
Toll! Ich war begeistert – und linste auf den Preis.
Der war weniger toll.
Doch der beschürzte GärtnereiFachverkäufer verstand sein Handwerk: „Immergrün, schädlingsresistent, pflegeleicht und sehr robust – besonders auch für Leute ohne grünen Daumen!
Beim Nachsatz grinste er richtig unverschämt. Mein Mittelfinger zuckte, doch ich bändigte ihn. Wo der Gartenzwerg recht hat …

Aufgrund der Lobpreisung erstand ich dann auch zwei von den Stechpalmen. Zu einem Preis, für den ich früher eine ganze Hecke Buchs bekommen hätte.

Aber, wissen Sie was?
Ich habe die ja jetzt schon ein paar Monate vor dem Haus stehen. Die beiden Töpfe sind tatsächlich ihr Geld wert!
Schauen doch schön aus, oder?
Hätten Sie erkannt, dass das kein Buchsbaum ist?

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Buchsbaumzünsler: Ein SchmorGericht

Nehmen wir uns doch mal eine der jüngeren Plagen vor: Buchsbaumzünsler!

Über die Fakten brauche ich Ihnen nicht viel zu erzählen, Sie sind im Bilde. Mittlerweile hat sich die Invasion der aus Asien eingeschleppten gefrässigen Falterraupen bundesweit ausgebreitet. Sollte doch einer der hochgeschätzten Leser nicht verstehend die Stirn runzeln: Keine Sorge, es dauert nicht mehr lange.

Innerhalb nur eines Jahrzehnts gelang es den Scheißviecher, fast die gesamte deutsche Buchsbaumpopulation auszurotten.
Mit der Heimsuchung gingen wir alle unterschiedlich um: Ich zum Beispiel las die Raupen im ersten Jahr von den Blättern ab und zermalmte sie zwischen zwei Bruchsteinen. Weil man so viele gar nicht einsammeln kann, wie neue nachkamen, spritzte ich im zweiten Jahr Gift und im dritten schließlich gab ich auf.

Eine meiner Nachbarinnen rückte im ersten Jahr mit dem Kärcher gegen die Invasoren vor, im zweiten wechselte sie auf kochendes Essigwasser – und im dritten Sommer gab sie ebenfalls auf.
Wir hatten groß gekämpft und doch verloren.

Bei meiner Freundin Carmen mit altem Zierbuchsbestand verhielt sich die Sache ein wenig anders: In unserem Jahr Null hatten es die Zünsler noch nicht bis zu ihr in den Taunus geschafft und so schaute Carmen angstvoll zu uns ins Ruhrgebiet. Bei ihr fielen die Ausgeburten dann erst im Sommer darauf ein. Somit befindet sie sich im Augenblick im zweiten Jahr der Besatzung. Sie spritzt alle paar Wochen ein Zeug, was der Gärtner ihr empfohlen hat. Wie es dann im verflixten dritten Jahr bei ihr weitergeht, werden wir sehen.

Auf unserem Grund und Boden lief es sich jedenfalls so, dass mein Mann im Frühjahr die Faxen dicke hatte und die Gerippe unserer ehemals wohlgeformten Buchse einen nach dem anderen herausriss und in die braune Tonne entsorgte.
Entweder muss ihn dabei das Wetter überrascht haben oder er war schlicht von der Arbeit erschöpft und emotional angegriffen – er übersah eine Kugel. Die wuchs früher satt und grün und zufrieden auf dem Dach des Häuschens der Mülltonne.

Natürlich fiel mir beizeiten auf, dass der Bux-Torso mit der Herbstbelaubung noch dort rumkrakelte – aber meistens wollte ich entweder gerade gehen oder ich kam heim. In beiden Fällen war ich adrett gedressed und obendrein in Eile.
Die Sache zog sich also. Über den ganzen Sommer.

Am Wochenende entdeckte ich in einem Gartenratgeber die ultimativen Anti-ZünslerKampftechnik. Ökonomisch und biologisch einwandfrei noch dazu. Sie lautet wie folgt:

Stülpen Sie einen schwarzen Müllsack über Ihren Buxus!
Schnüren Sie unten fest zu!
Lassen Sie die Mittagssonne machen!

Klingt banal?
Unter dem schwarzen Sack würden sich die Temperaturen auf 60 – 70 Grad aufheizen. Die Raupen würden gegart; den Bäumchen hingegen schadete die Hitze nichts, die könnten das ab.

Da klang so unheimlich logisch, dass ich sofort euphorisierende Begeisterung verspürte. Sogleich fiel mir mein vergessenes Gerippe ein und ich stattete ihm auf seiner Mülltonne einen Besuch ab. Mein Ziel war es, herauszufinden, ob die gefräßigen ZünslerRaupen auf dem Weg zum winzigen Schmetterling genug Leben ihn ihm gelassen hatten, damit sich die Prozedur lohnte.

Hocherfreut stellte ich fest, dass zur Hausseite ein neues zartgrünes Blättlein spitzte. Doch drei fette, frech grinsende Raupen waren bereits im Stechschritt unterwegs zum jungen Grün. Eile war also geboten. „Euch werd ich‘s zeigen!“, knurrte ich grimmig.

Weil die Kugel für einen normalen Müllsack zu groß gewachsen war und ich außerdem vermutete, dass die kahlgefressenen Zweige sowieso tot wären, beschloss ich, die Gebeine kurz über dem Boden wegzuscheiden. Der geplagte Bux könnte dann in Ruhe neu austreiben und müsste sich nicht mit dem Totholz herumschlagen. Deshalb verstand ich auch nicht, wieso er das nicht mochte und sich tapfer gegen die Schnippelei wehrte.

Hätte er mal lieber bei den gefräßigen Viechern so herumgezickt!

Sei es, wie es wolle: Mit zwei Blasen an den Fingern obsiegte ich.
Anschließend zog ich dem Rasierten einen schwarzen Sack über den Schädel und schnürte unten am Hals fest zu, um das mal als Bild darzustellen.
Ich war gerade fertig, zupfte eben noch das Schleifchen vom gelben Band in Form, verdunkelte sich der Himmel.
Erst dachte ich mir nichts dabei, sondern war nur erfreut, dass ich beim Aufräumen nicht schwitzen würde. Doch dann blinzelte ich nach meiner Verbündeten: Clara hatte sich mit grauen Wolkendaunen zugedeckt. Nun gut: Dann mach deine Arbeit halt morgen. Ich nickte ihr freundlich zu und beeilte mich, ins Haus zu kommen, denn mich fröstelte bereits.

Das ist jetzt zwei Wochen her. Seit mein Bux den Sack über dem Kopf trägt, leben wir im Herbst. Es regnet, es stürmt, die Sonne hat sich verkrochen.
Bin ich jetzt etwa Schuld am Wetter?

Es menschelt: Hinterfragen Sie das nicht!

Wie gewöhnlich reihte ich mich Freitag entspannt in den üblichen Feierabendverkehr ein. Zusammen mit den anderen Kraftfahrern schlich ich von eine Mülheimer Baustelle in die nächste, im Radio lief gute Musik, vom Himmel schiffte es beschaulich – was will man mehr.

Doch plötzlich wurde der Song von einer wohlklingenden Moderatorenstimme unterbrochen: Unsere Frau Kanzler hätte Stralsunder Grundschülern gestanden, dass sie im Deutschunterricht in der Schule geschummelt hätte. Wer mehr darüber wissen wolle, sollte dran bleiben.

Ich sofort hellwach und drehte das Radio lauter!

Genau in dem Moment, als die im Radio die Anekdote einspielten, kriegten sich aber vor mir zwei Autofahrer in die Haare. Sie waren sich wegen des Reißverschlussverfahrens uneinig. Nun konnte mir das eigentlich Brause sein, doch sie trugen ihren Hahnenkampf per Dauerhupen aus. Kurz überlegte ich, ob ich mitmischen und denen den Marsch blasen sollte, unterließ das aber. Stattdessen drehte ich die Lautstärke bis zum Anschlag.

So kam es, dass die Einleitung, in welcher es vermutlich um die Häufigkeit des reginalen Schulschwindels ging, an mir vorbeisauste und ich erst ab der Kanzlerin Beichte folgte:

„Als wir früher dicke Bücher lesen mussten, haben wir uns auch mal eins geteilt. Der Eine hat die erste Hälfte gelesen, der Andere die zweite. Dann haben wir, wenn uns unser Lehrer später gefragt hat, was drinnen stand, unser Wissen zusammengetragen. – Aber ihr lest ja aus Freude.“

Mit Verlaub: Wie soll denn das funktioniert haben?
Wenn der Lehrer im Unterricht die kleine Frau Kanzler fragte: „Was hat denn die Mutter gesagt, als Konrad mit dem Waschmachinenschlauch den brennenden Toaster löschte?“
Da kann die kleine Frau Kanzler doch nicht geantwortet haben: „Einen Moment, da muss ich mich erst mit dem Franz besprechen!“

Nun gehe ich ja so weit mit, dass es möglich ist, dass die Wissensabfrage nicht im Frontalunterricht, sondern schriftlich erfolgte: Doch da soll die kleine Frau Kanzler sich mal nicht bei erwischen lassen haben, wenn sie beim Franzl spickte! So ein Lehrer ist ja auch nicht blöd.

Kann auch sein, dass der uckermarksche Lehrer gar nicht herausfinden wollte, welches seiner Schäfchen lediglich zwei Wochen mit dem Buch Blümchen gepresst hatte. Kann ja sein, dass er seine inhaltlichen Fragen nur an die richtete, die sich meldeten. Dann wäre sie damit durchgekommen (Das widerspricht allerdings meiner Erfahrung als Schüler und Schülermutter).
Doch betrachtet man diese Leseteilung unter dem sozialen Aspekt, ist die ganz und gar nicht korrekt! Für die kleine Frau Kanzler mag das gegangen sein: Die hat mit dem Schinken einfach in der Mitte aufgehört – aber jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie sind der arme Franz!
Der wusste beim Start seiner Lektüre nicht mal, dass Konrads Mutter einen Sohn gebar, dass sie einen verdammten Toaster nebst Waschmaschine besitzt und wieso es überhaupt einen interessiert, was es mit dem Bengel und der Alten auf sich hat. Ganz im Gegenteil, der hätte da ein Lehrbeispiel zur Volksweisheit erhalten: Den Letzten beißen die Hunde. Und das gehört sich ja wohl nicht, dass der arme Junge in der Schule in den Schrank gesperrt wird!

Ich war ja auch mal Schüler und außerdem bin ich Mutter zweier grundverschiedener Schüler. Ich las damals tatsächlich aus Freude. Noch vor jedem ersten Schultag hatte ich das Deutschbuch ausgelesen. Mein Geflügel liest brav, was man ihm in der Schule aufträgt – und mein Pubi macht eher nichts, der vergisst lieber seine Hausaufgaben. Wir drei bilden einen guten Querschnitt durch die Schulgesellschaft.

Ich bin dem Schummeln in der Schule ja auch nicht abgeneigt, aber wer sich solidarisiert, der soll sich das so wohl überlegen, dass mir nicht aus dem Stand die Argumente einfallen, warum das nicht zusammenpasst.

Habe ich eigentlich eine Möglichkeit übersehen, wie die Sache mit der Buchleseteilung gelaufen sein könnte?
Ich grübele da jetzt seit Freitag daran herum …

White Shoes

Wir hatten uns ja gestern geeinigt: White shoes first! 🙂
Folgen Sie mir auf dem Fuß, liebe Leser, hier geht es zum Treteralarm.

Mittlerweile ist hinlänglich bekannt, dass zu meinem Hausstand auch ein Pubertikel zählt – der Herrgott hat ihn mir vermutlich als Prüfung gesandt. Aber ich will nicht meckern, so ein Heranwachsender macht auch viel Freude.
Zum Beispiel erfreut er mich nostalgisch mit modischer Saisonware.
Im Moment läuft er so rum, wie die Jungs, als ich seinem Alter war. Soweit also alles ganz normal.
Bis auf eine Kleinigkeit: Mein Pubertikel liebäugelte mit weißen Netzschuhen!
Ich finde die ja abartig.
Weil mein Pubi aber ein penetranter Fuchs ist, nörgelte er mir seinen Bedarf einige Wochen lang Tag und Nacht in die Ohren – will sagen: Er ging mit so lange auf den Sack, bis ich ein Einsehen hatte.
Zu bekommen waren die schwuchteligen Treter dann allerdings in keinem Laden, also graste er im Internet.
Endlich kamen die Dinger und der Junge zog glücklich damit los.
Einmal getragen, an der Ruhr versehentlich in ein Fußballmatch geraten: chamäleongrüne Netzschuhe.
„Mutter, kannst du meine neuen Schuhe putzen?“
„Kann ich nicht. Zieh zum Fußballspielen gefälligst Fußballschuhe an!“
„Hatte leider keine dabei.“
(Wobei: „leider“ hat er nicht gesagt, über Bedauernsvokabeln verfügt sein Wortschatz nicht. Leider.)
„Ich hab jedenfalls keine Zeit, deine Brautschuhe zu putzen! Da muss du mal vorher dein Gehirn einschalten!“
„Gut, dann putz ich die selber, soo lauf ich jedenfalls nicht rum. Ich mach das in der Küche im Spülbecken und ich nehme deinen Spüllappen. Trocken mache ich sie dann mit dem Geschirrtuch …“
Das war mir nun auch nicht recht. Der Punkt ging eindeutig an den Kerl.
Ich guckte mir also die ehemals weißen Quadratlatschen genauer an …
Wie putzt man denn solche Quanten?
Da kann man doch nicht mit der Bürste ran, oder?

Jedenfalls steht eines fest: Nächstes Mal kaufe ich ihm wieder schwarze Treter!

Zur fröhlichen Wiederkehr

Ich war etliche Wochen absent, es ist Ihnen vermutlich aufgefallen.
Irgendwann ging mir das Geld aus und so habe ich Palmen, Meer, Sand, den Sturm und mein RentBike verlassen und mich auf den Heimweg gemacht.
Hier ist es eigentlich auch ganz nett – ich denke, ich bleibe eine Weile.
Zwecks der freudigen Rückkunft ließe sich gut mal wieder was erzählen.
Weiße Schuhe oder Vogelfutter, was meinen Sie?
Wonach steht Ihnen der Sinn, welche Thematik liegt Ihnen näher am Herzen?
Ich bin da offen.
Ich zapfe mir jetzt erst mal einen Eimer Regenwasser aus der Dachrinne und dann braue ich mir mit klammen Fingern einen Kaffee.
Den teile ich übrigens auch sehr gerne. Nur zu, kommen Sie vorbei! 🙂

Hitchcocks KillerAmeisen

Wer mein Buch „MAMA, BLEIB MAL IM SLIP“ gelesen hat, weiß, dass es bei meinen Eltern auf dem Land jede Menge Plagen gibt: Einen Sommer lang campierte dort ein Hornissenstaat im Plumpsklo, im Jahr darauf eine Waschbärenfamilie im Gästezimmer. Danach hatten meine Eltern Last mit einer Horde von Mardern, die nachts über das Flachdach des Schlafzimmers donnerte und Menschlein so den Schlaf raubte.

Das Gute an Plagen: Sie kommen – sie verschwinden auch wieder.
Außer der Großbaustelle vorm Haus war in letzter Zeit wirklich Ruhe daheim und meine Familie begnügte sich mit den Hundertschaften von Mücken und Schnecken, die Sie ja auch alle gut kennen.
So, bis gestern Nacht.

Ich darf Ihnen stolz verkünden: Es gibt endlich eine neue Heimsuchung!

Gegen 21:00 Uhr kam ich gestern ziemlich fertig im malerischen Städtchen an. Eine fast durchgearbeitete Nacht und fünf Stunden stauige Autofahrt lagen hinter mir.
Eigentlich wollte ich nur dringend aufs Klo, mir anschließend von meiner Mutter etwas Gutes zu essen servieren lassen und dann wollte ich meine Ruhe haben.
Ein Loch gucken, oder so.
Konversation mit der Familie hatte bis zum nächsten Morgen Zeit.
Ich hievte meinen Koffer in den Flur und öffnete die Tür zu meiner kleinen Wohnung: Da traf mich fast der Schlag!
Alles schwarz!
Kleine wimmelnde Viecher!
Millionen, was sag ich: Milliarden!
Auf dem Fußboden, der Couch, den Vorhängen, auf dem Klavier … Überall ein lebendiger, krabbelnder Überzug!
Was zu Hölle waren das für Scheißviecher, die sich da in meiner Bude breitgemacht hatte?
Ich bückte mich näher ran.

Ameisen!

Mit Flügeln!
Alles voller geflügelter Ameisen!
Verdammt nochmal, was hatten die in meinem Wohnzimmer zu suchen?
Aber viel wichtiger: Was tat man damit?
Das konnten die jedenfalls vergessen, dass ich mir für die Nacht eine andere Bleibe suchte!
Gar zu lebhaft erinnerte ich mich, als ich den Waschbären mein Bett überlassen hatte und stattdessen auf Mutters unbequemer Couch im Wohnzimmer nächtigte.
Da Ameisen im Gegensatz zu den eingeschleppten kanadischen Bärenviechern nicht beißen, war schon klar, wer am Ende des Abends als Sieger hervorgehen würde.
Kurzentschlossen schnappte ich mir Mutters Staubsauger und rückte der Invasion auf den Leib.
Bei den Vorhängen war es schwierig, die Schnorchel fraß sie und verstopfte.
Da Ameisen keine Widerhaken an den Beinen haben, fielen sie vom Schütteln aus der Gardine.
Nach einer halbe Stunde war die Sache erledigt und meine Wohnung sah aus, wie ich sie in Erinnerung hatte.
Ich stieg also die Treppe rauf und ließ mich von Mutters guter Wurst und den Zwiebeln aus eigener Züchtung verwöhnen.

Als ich satt war, verließ ich meine treusorgenden Eltern. Öffnete unten meine Tür: Krabbelten die dämlichen Viecher wieder auf Sofa, Dielen und Klavier herum!
Wo waren die denn schon wieder hergekommen??
Das konnte doch nicht wahr sein!
Es sah ein wenig so aus, als beamten sie durch die Wand. Deshalb stürmte ich nach draußen und stolperte über die Baustelle, bis ich das Fenster, hinter dem mein Sofas steht, erreichte.
Was ich da sah, das glauben Sie nicht!
Da wogte ein dicker Strom Ameisen geordnet den aufgerissenen Bürgersteig entlang, krabbelte bei uns ein Stück die Mauer hoch und verschwand dort zwischen den wuchtigen Sandsteinquadern.
Jetzt hatte ich aber genug davon!
Ich wollte nicht am nächsten Morgen wie in einem Hitchcock-Film erwachen.
Oder auch nicht wach werden, das weiß man ja vorher nicht, wie es zu Ende geht.
Ich holte aus dem Keller die chemische Keule für Notfälle und sprühte die halbe Flasche in das Einfalltor.

Es stellen sich folgende Fragen:
Wo kamen die vielen Ameisen her?
Was wollten die ausgerechnet in meinem Wohnzimmer?

Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und nun eine zweisäulige Theorie:
Zum Einen muss die Population in diesem Jahre enorm sein, denn auch andere aus unserem kleinen Ort beklagen die Invasion. Allerdings rennen die Viecher bei denen draußen herum und nicht im Bett.
Die andere Hälfte meiner Theorie beinhaltet die Großbaustelle. Wanderten die Ameisen jahrhundertelang unter der Straße durch die Kanäle des Städtchens, haben ihnen die Baumaßnahmen ihre Renntunnel genommen. Die gemauerten Abwasserkanäle wurden in den letzten Wochen in der ganzen Stadt zugeschüttet und ständig rumpelt eine Walze auf und ab und verdichtet den Untergrund.
Als Ameise würde ich da auch das Weite suchen!

Darum merke: Keine Aktion ohne Reaktion!

Gerade kommt wieder eine handvoll Ameisen auf meinen Tisch gekrabbelt.
Vielleicht schlafe ich heute Nacht doch besser wieder auf Mutters unbequemem Sofa!

Gangster auf frischer Tat ertappt!

Heute Nacht war bei uns was los!
Gegen drei Uhr Geräusche aus dem Keller!
Ich sofort hellwach – oder was man halt so wach nennt.
Da! Noch mal! Es schepperte und klirrte – Da war einer über den Bierkasten gefallen!
Ich stieß meinen Mann an. „Wach auf! Unten ist einer!“
Mein Mann bewegte sich nicht.
Ich rüttelte an seiner Schulter. „Einbrecher! Mensch, wach auf!“
„Was ist los?“ Mein Mann richtete sich ruckartig auf.
„Da sind welche“, flüsterte ich. „Hörst du sie?“
„Ich hör nix.“ Mein Mann ließ sich wieder in sein Kissen fallen und schlief weiter.
Jetzt reichte es mir aber! Kräftig stieß ich ihn in die Rippen. „Horch! Jetzt gehen sie in die Küche!“
„Werden Hunger haben …“ Mein Ehemann scherte sich einen Dreck um die Sache.
In dem Moment knarrte unten die erste Stufe und leise Schritte waren auf der Treppe zu hören.
Mittlerweile zitterte ich. „Jetzt kommen sie, jetzt holen sie uns.“
Neben dem Knarren vernahm ich auch das sanfte Klirren von Porzellan.
Die werden doch nicht mein geerbtes Gescherbel in einen Sack gesteckt haben!
Wie kann man denn so achtlos mit alten Schätzen umgehen?
Das machte mich wütend.
Mein Mann rührte sich nicht, er atmete tief und gleichmäßig.
Wenn der uns nicht verteidigt, mach ich das!
Entschlossen packte ich den Knüppel, der seit einer Weile griffbereit unterm Bett liegt, und huschte zur Treppe.
Die Schritte kamen näher.
Noch drei Stufen, im Haus kenne ich jedes Geräusch.
Langsam hob ich den Knüppel.
Zwei Stufen.
Ich holte tief Luft.
Eine.
Ich straffte mich.
Da kam ein Teller um die Ecke! Mit einem Baguette drauf.
Gerade wollte ich zuhauen – stand Pubi vor mir und kaute.
Jetzt hatte der Kerl sich aber dermaßen erschrocken, dass er laut losbrüllte und den Teller fallen ließ.
Darüber erwachte dann endlich auch mein Mann.

Das nächtliche Erlebnis hat mich jedenfalls echt mitgenommen. Weil ich danach richtig schön wach war, nutzte ich die Zeit und setzte mich an meinen Schreibtisch. Zustande gebracht habe ich eigentlich nichts, weil sich kurz nach vier meine Kaffeetasse in die Tastatur ergoß. Es dauerte eine Weile, bis ich der Sache Herr wurde.
Obendrein bin ich nun endlich müde. Gute Nacht, ich gehe jetzt schlafen! 🙂

WespAttack

Am Freitag wollte mir meine Arbeit nicht recht von der Hand gehen und so vertrieb ich mir die Zeit mit Hausarbeit.
Zuerst kratzte ich Unkraut aus den Pflastersteinen vorm Haus und weil es danach nicht besser um meine blitzgescheiten Ideen stand, wässerte ich die Bäume.
Immerhin ist es heiß und da trinken alle viel.
Ich kniete mich am Teich nieder und wie ich gerade die Gießkanne unter Wasser döppte, durchfuhr meinen kleinen Finger ein heftiger Schmerz.
Was war das??
Hatte sich die blöde Kanne etwa gewehrt und mich gebissen?
Die sollte sich mal nicht so anstellen, ich hole seit Jahren auf die Art Gießwasser aus dem Teich.
Doch dann sah ich es: Eine Wespe hatte mich gestochen!
Das Viech musste sich genau so erschrocken haben wie ich, denn es war ins Wasser gefallen und strampelte wild.
Nun bin ich ja ein herzensguter Mensch.
Augenblicklich vergaß ich mein eigenes Leid und hatte nur noch die Rettung des zappelnden Lebens im Sinn.
Eilig tauchte ich also meine schmerzende Hand in die Dreckbrühe, entfaltete sie unter der Wespe wie eine Rettungsinsel, zog raus: Da stach das Scheißvieh mich doch tatsächlich noch einmal!
Diesmal in den Ringfinger!
Herrschaftszeiten, tat das weh!
Brüllen und Vieh abschütteln war eins!
(Ich möchte mich an der Stelle aufrichtig bei meinen Nachbarn entschuldigen.)
Das Viech landete abermals in den Teich – es konnte mich jetzt am Arsch lecken.
Gerade wollte ich in die Küche eilen, um mir aus Erste Hilfe-Gründen eine Zwiebel aufzuschneiden – da kriegten meine Fische die Sache spitz.
Der dickere von beiden, Lilly genannt, dümpelte wie ein Hai von unten heran und sperrte in Zeitlupe das Maul auf.
Ich brüllte zwar, er soll das lassen, aber es half nichts: Plopp, war die Wespe verschwunden.
Mir blieb erneut fast das Herz stehen.
Mein Lillyfisch verzog sich daraufhin eilig mit seiner Beute unter die Seerosen.
Sein Kumpel schwamm mit, die beiden sind halt ein Schwarm.
Sie scheinen es aber beide überlebt zu haben, denn bis jetzt treibt keiner oben.
Ich muss die gleich erst mal füttern, nicht dass die nachher meine Gießkanne fressen!

Dunkel war’s …

… der Regen platscht an’s Fenster,
da klopft’s an die Tür.

Ich will heute nicht raus!

Guten Morgen aus Mülheim! 🙂

Grönlandjoppe dringend gesucht!

Während alle Leute heute schön schwitzen und nicht wenige gerade dem Sommer die Krätze an den Hals wünschen – vor allem die, die sich noch nicht in den Urlaub verabschieden konnten – suche ich jetzt für meinen Pubertikel Wintersachen zusammen. Dicke Jacke, Schal, Handschuhe …

Der transpirierende Leser fragt sich: Was soll das? Spinnt der Pubertikel, oder spinnt die Mutter?

Weder noch, liebe Verehrte.
Der Pubi will zum Skifahren.
Jetzt. Heute. In die Skihalle nach Bottrop.
Jedenfalls scheint der Knabe gewachsen zu sein, denn die Winterjacke passt nicht mehr.
Guckt an den Handgelenken Haut raus.
Wie löst man das mitten im Hochsommer?
Ich rufe jetzt erst mal im Rheinruhrzentrum an und frage, ob die bereits Winterfell führen.

Kriegt man denn überhaupt schon Spekulatius?

Spermling im OP

Ich will Euch das Neueste vom kleinen Melonen-Spermling berichten.
Nachdem es letztens so schlecht um ihn stand, hat er sich stabilisiert.
Er trennte sich zwar wie eine Eidechse von hinteren Teil seines Schwanzes, was eine Amputation nötig machte – doch die schwächte ihn nicht.
(Im Bild zu sehen kurz vor der Amputation)
Weil er Rund-um-die-Uhr-Pflege benötigte, bekam ich ein Problem: Ich musste auf einen Job und wer sollte sich dann um Spermi kümmern?
Mein Mann hätte mir was gehustet.
Eine Leserin schlug vor, ich solle den Kleinen eintopfen und im Tragtuch mitschleppen.
Ich machte nur den ersten Teil, weil auf dem Job da kannten die mich nicht und was sollten die denn von mir denken?
Den Abend und die Nacht hat er jedenfalls gut überstanden, fast macht es den Anschein, als hat das mit seinem Schwanz so kommen müssen.
Leute, ich glaube, die Sterne stehen günstig.
Wir schaffen das!

Spermling kurz vor der Amputation

Beim Probehängen

Im Aufwachtopf

Für alle, die hier seit letzter Woche mitfiebern!

Leute, ich mache es kurz: Es geht dem Spermling schlecht.
Trotz aufopfernder Pflege wie H2O-Infussionen, Vorsingen und Schwanzwickel scheint er sein Hinterteil abzustoßen.
Man kennt das von Eidechsen. Die haben eingebaute Sollbruchstellen, an denen sie bei Stress den nicht-überlebenswichtigen Teil abtrennen und so verkürzt und wendiger weitermachen.
Der Ausflug zum Mülheimer Bürgeramt ist dem kleinen Spermling demnach doch nicht bekommen.
Gleichzeit bedeutet das aber auch, dass er mit einem Kriechtier gekreuzt ist.
Um sicherzugehen, habe ich Ultraschall machen lassen.
Es könnte sich auch um Plazentainsuffizienz handeln.
Wir werden sehen.
Bitte schließt den Kleinen in Eure Gebete ein.
Ergebenst,
Eure Frau GoodWord nebst Spermling

Wohin mit dem Spermium?

Es war wieder so weit: Wegen der letzten Regentage war meine Hütte durchgekühlt und es zog mir frisch die Beine herauf. Ab Eisbein bis Kniehöhe wurde mir klar: Ich musste etwas ändern!
Ich hätte die Heizung anschmeißen können – oder etwas backen.

Weil ich aber in den letzten Tagen vom Kinderfernsehen vermehrt das schlechte Gewissen wegen meines CO2-Fußabdruckes eingetrichtert bekommen habe, traute ich mich nicht, Energie zu verschwenden.
Nichtsdestotrotz fror ich – warme Gedanken allein reichte nicht aus.

Da erinnerte ich mich meines letzten Ausflugs zum Mülheimer Bürgeramt. Dort war es schön warm und für Unterhaltung war auch gesorgt.
Ich packte mir also geschwind ein Frühstück zusammen: ein Butterbrot mit Schinken (Verzeihung, aber ich will es mit der nachhaltigen Lebensweise nicht gleich übertreiben!) und ein paar Scheiben Melone. Auch eine Flasche Wasser vergaß ich nicht.
Dann schwang ich mich aufs Rad und sauste in die Stadt.
(Sie sehen, ich mache durchaus ernst!)

Unauffällig drückte ich mich im Bürgeramt am Empfang vorbei und huschte in die Kinderecke. Dort saßen schon zwei Konvertitinnen mit ihren insgesamt vielen Kindern.
Die eine brüllte zur Begrüßung auch gleich los: „Wer von euch Rotzlöffeln hat mir denn hier die angelullte Brezel in die Tasche gesteckt??“
„Das ist die vom Dschäiden.“
„Dich habe ich nicht gefragt, Schantall!“
Weitere Kinder mischten sich ein, ich verlor aber den Überblick, weil die Namen der jüngeren Kinder fremdländisch klangen.
Wo die nun einmal alle vom Essen redeten, verspürte ich plötzlich auch Hunger. Ich packte meine Brotzeit aus und setze mich dazu. In Gesellschaft isst es sich besser.
Das Brot schmeckte, anschließend zog ich meine Vitaminbeilage hervor.
Wie ich die so aus ihrer Klarsichtfolie schälte, guckte mich plötzlich ein einzelnes verirrtes Spermium an!
Erst war ich mal erschrocken!
Ein Melonenspermling!
Wo kam der denn her?
Was wollte der hier?
Aber noch viel wichtiger: Was machte ich jetzt mit ihm?
Ängstlich guckte mich der Kleine an.
„Keine Sorge, ich esse dich nicht …“, beruhigte ich ihn und steckte ihn vorsichtig in sein Melonenstück zurück. Ich wollte ihm ja nicht versehentlich den Schwanz abbeißen.
Sofort kuschelte er sich unauffällig in eines der Obstlöcher.
Der Appetit war mir allerdings vergangen, ich trug ja jetzt Verantwortung!
Da ich auch nicht mehr fror und relativ ausgewogen gegessen hatte, machte ich mich auf den Heimweg – beim Radfahren kann ich außerdem prima nachdenken.
Schwitzend, weil ich muss fast die ganze Zeit bergauf strampeln, kam ich daheim an.
Jetzt sitze ich hier mit dem Sperma am Laptop und überlege, wie ich ihn weiterzüchten soll.
Pflanze ich ihn raus … oder kaufe ich ihm lieber noch eine Melone?
Können Sie mir da helfen?

Leninismus

Eben beschwerte sich ein Freund via Whatsapp bei mir.
Thematisch handelte sich bei seinem Problem um eine Unabänderlichkeit und eigentlich wollte er nur Dampf ablassen.
Er gebrauchte in seinem kurzen Text auch zwei Kraftausdrücke, was mir den Ernst der Lage aufzeigte.
Um ihn aufzumuntern und auch um ihn in seiner Ansicht zu bestärken, schickte ich ihm ein Zitat: „Das Leben ist nur im Suff zu ertragen.“
Jetzt frage ich Sie: Wissen Sie, wer das gesagt hat?
Ich wusste es jedenfalls nicht und probierte es mit Lenin. Dem schiebe ich im Zweifel alles in die Schuhe.
Ich tippe also ‚Lenin‘ in mein Handy: Kennt den die Autokorrektur nicht.
Oder traut es ihm vielleicht auch inhaltlich nicht zu.
Stattdessen verbessert mein Freund und Helfer-Autokorrektur: Kevin!

Orthopädenalter

Nachdem wir hier letzte Woche so schön mein Alter thematisierten, haben die mir heute beim Orthopäden den Rest gegeben.
Aufgesucht habe ich ihn, weil mich mehrmals im Jahr Rücken plagt. Im Winter mag das angehen, aber wenn es so heiß ist wie derzeit, macht es sich nicht gut, mit Heizkissen am Schreibtisch zu sitzen. Genaugenommen blockiert das Wetter eh schon mein Denkzentrum.

Der Orthopäde hörte sich also meine Beschwerden an, er wiegte den Kopf und schickte mich erst mal zum Röntgen.

„Frau Müller, kommen Sie bitte in die Röntgenkabine!“, tönte die Lautsprecherdurchsage.
Ich trat da also ein, begrüßte mich so ein junges Ding: „Schwanger sind Sie nicht?“
Auf den verbalen Schreck musste ich mir erst mal Luft machen: „Gute Frau, Sie sind wohl nicht ganz gescheit?“
„Wieso? Sie sind doch noch jung“, sagte meine neue, allerbeste Freundin.
„Dankesehr!“ Ich hätte sie auf der Stelle küssen können. Oder einen Urlaub spendieren, je nach dem.
„Schauen Sie doch mal in die Zeitung!“, fuhr meine neue Herzallerliebste fort.
Mich wunderte das. „Was hat die Zeitung damit zu tun?“ Normalerweise weiß ich vorher, wenn ein Artikel über mich erscheint.
„Na, wer heutzutage so alles Kinder kriegt … Da werden 65-jährige Mutter.“
Mädel! Die soll zusehen, wen sie anruft, wenn es ihr schlecht geht! So schnell können junge Sympathien umschlagen.

Ich hatte die Episode gerade verdaut, wurde ich zum Herrn Doktor hereingerufen: Das Röntgenbild besprechen.
„Wie Sie sehen“, er zeigte auf den Monitor mit dem Abbild meines durchfunzelten Bodys, „schaut das soweit gut aus.“
Hätte er das Soweit nicht weglassen können?
„Sie sehen hier den altersbedingten Verschleiß.“
Hä? Was ist los??
„Bis auf das hier …“
Leider war ich für Bis-auf-was-hier zu abgelenkt. Erst ab ‚Krankengymnastik‘ konnte ich wieder folgen.

Eines ist jedenfalls klar: In dem Laden da können die mich mal!
Da gehe ich so schnell nicht noch mal hin!

„So lindern Sie Ihre Rückenschmerzen sofort!“

Ich habe ja schon seit einer Woche Rücken.
Immer erst ab Nachmittag – das ist aber genau so scheiße, als wenn es gleich früh los ginge.
Weil ich meinem Umfeld damit mal mehr und mal weniger auf den Sack gehe, machen die sich auch während ihrer Arbeitszeit Gedanken, um mir Erleichterung zu verschaffen.
So vorhin geschehen, kurz vor Feierabend.
Ein nahestehender Mensch schickte mir aus dem Büro einen Link zum Artikel eines Nachrichtenmagazins: Sparte Gesundheit und Ratgeber, Titel: „Lindern Sie Ihre Rückenschmerzen sofort – ohne Medikamente!
Aufgeregt klickte ich den Artikel an.
Im Geiste sah ich mich schon wieder wie ein junges Reh Bocksprünge über meinen Schreibtisch machen.
Das lag vor allem am strategisch klug gewählten Bildmaterial: Zwei kehrseitig abgelichtete schlanke Jungmädchenschönheiten, die sich sexy ins Hohlkreuz beugten und dabei theatralisch mit den Händen das Corpus delicti stützten. Lange Haare reichten attraktiv bis zu den frischmanikürten und leicht gebräunten zarten Händen …
Da fühlte ich mich doch gleich besser.
Weil so sehe ich ja auch aus.
So, und dann las ich los.
Ich fasse die, Zitat: „alltagstauglichen Sofortmethoden“ mal zusammen:
Abschalten, Füße hochlegen, danach heiß duschen und mit Tennisbällen in der Badewanne herumrollen, gute Musik hören und spazieren gehen –  aber um Himmels Willen nicht auf der Straße!

Mit Verlaub, Frau Redakteurin, so wird das nichts.
Sie hatten wohl noch nie Rücken, oder?
Ich nehme mir jetzt ein heißes Kissen – auch damit ich nicht friere – und dann jammere ich noch ein bisschen rum.
Das lindert!

P.S. Ich wünsche allen Leidensgenossen da draußen gutes und frohes Genesen! ❤

Obacht mit dem Wetter!

Ich habe ja aufgehört, zu zählen, wie lange ich mir aus Temperaturgründen schon versagt habe, Weihnachtsplatzerl zu backen. Bestimmt schon drei Tage, oder auch eine ganze Woche.
Geflügelklein brachte heute aus der Schule einen Zettel mit nach Hause: Hitzefrei für den Rest der Woche.
Also mache ich gute Mutter auch hitzefrei und das Licht an meinem Schreibtisch aus.
Das freut meine Partner unheimlich, zumal sie das erst aus dem Post hier erfahren.
Heute haben sich schwitzende Mutter und nörgelndes Kind jedenfalls auf den Weg zum See gemacht.
Durch den Wald, da war es auch schön frisch.
So frisch, dass die da doch glatt Schneewarnungsschilder aufgestellt haben!
Schaut echt zum Fürchten aus, oder?
Mann, was bin ich froh, dass ich meine Ski vor der Haustür stehengelassen habe!
Genau wie Ihr gesagt habt: Man kann echt nie wissen!

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Durchhalteparole!

Na, Leute, ist es schön warm?
Schwitzt Ihr schön?
Bei mir teilen sich die Viecher in die Schattenplätze.
Der Hintere, dachte ich eigentlich, sei Kater Bruno.
Ist er aber nicht.
Das Herrchen, das gar nicht Brunos Herrchen ist, erklärte, er kenne den Plüschpuschel nicht.
Wenn der also keinem von Euch gehört: Er darf gern bei mir bleiben, er guckt mir fast jeden Vormittag bei der Arbeit zu. Irgendwann kann er sie dann sicher übernehmen.

Haut rein, Leute, und lasst Euch nicht unterkriegen!

Lassen Sie das Wetter nicht aus den Augen!

Ich glaube, ich werde alt. Neben anderen Indikatoren merkt man das vor allem daran, weil ich mich mit dem Wetter beschäftige.
Sie erinnern sich: Letzte Woche zog es frühsommerlich frisch durch Mülheim und ich buk Weihnachtsplatzerl. Als es nicht wärmer wurde, wärmte ich mich extern bei Mülheimer Behörden. Das war auch alles ganz schön, ich lernte viel Neues dazu.
Gerade schaue ich wieder nach der Wetterprognose. Man will ja wissen, was einen Montag erwartet. Ich halte das für wichtig, jetzt da das allerletzte lange Feiertagswochenendes des Jahres zu Ende geht und der Endspurt auf die großen Ferien ansetzt. Businesslike oder Funktionskleidung? Wenn ich friere, kann ich schlecht denken – wenn ich schwitze das Gleiche.
Morgen wird es jedenfalls verdammt heiß: 31 Grad für Mülheim!
Ob ich mal meine Ski wegräume?
Habe ja heute Zeit.
Schneit doch in der nächsten Zeit nicht, oder?

Härten Sie Ihre Prioritäten ab!

Wissen Sie was? Ich finde es immer noch frisch in Mülheim. Nun kann ich aber nicht jeden Tag backen, deshalb hab ich mir heute einen anderen Platz zum Wärmen gesucht. Ich sitze im Bürgeramt. In der Kinderecke. Hier ist es schön heiß, die Fenster lassen sich nicht öffnen; deswegen oder aus anderen Gründen klebt der Tisch.
Trotzdem bleibe ich hier im Gewächshaus sitzen, weil da wo sich die Ausgewachsenen aufhalten, will ich nicht hin!
Unterstellen wir, im Mülheimer Bürgeramt warten nur Mülheimer Bürger. Der Bürger, auf den ich freie Sicht habe, weil ihn nur ein Raumteiler aus Glas von mir trennt, popelt. Genüsslich bewirtschaftet er mit dem kleinen Finger eines seiner Nasenlöcher. Endlich wird er fündig, er pult einen Brocken heraus. Zuerst beguckt er sich das Ding von allen Seiten, dann schnipst er es in in den Mülleimer. Der Plumps ist nicht zu überhören. Anschließend wischt er den Nagel an seiner Hose trocken.
Während ich das gerade verdaue, versenkt er den kleinen Finger bis zum Anschlag im anderen Kanal.

Mir ist noch nicht klar, was ich mir wünsche: Soll der besser vor oder nach mir aufgerufen werden …?
Bin ich nach ihm dran, laufe die Gefahr, dass ich mich wo reinsetze. Bleibe ich noch ewig hinter ihm sitzen, könnte es sein, dass er mich trifft.
Ich bin unentschlossen, Sie merken es.
Noch runde dreißig Nummern vor mir, ich bin die 119.

Ich verabschiede mich jetzt und überdenke meine Prioritäten!

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Frühstück für alle!

Geht doch nichts über ein Sonntagsfrühstück unter freiem Himmel!
Dabei werden natürlich auch die Viecher bedacht.
Der kleine Amseljunge ist immer noch Vegetarier, er bekam seine Portion Apfelgriebs in den Komposthaufen. In letzter Zeit schmecken ihm unreife Felsenbirnen besser, weswegen die Apfelration heute kleiner ausfällt.
Kennt Ihr Felsenbirnen?
Mit Birnen haben die nicht viel gemein. In der Größe und Form von Heidelbeeren wachsen sie an Bäumen, lediglich das kernige Innenleben erinnert an eingeschrumpfte Birnen. Alles eben viel kleiner, wie auf magerem Fels gewachsen.
Schmeckt nicht nur Viech, geht auch für uns. Man frisst sich halt dran hungrig.
Aber wir füttern auch Kriechtiere, wie man sieht. Meine Anverwandten haben alle ein gutes Herz. Eigentlich war ich auf der Suche nach der Tasse rechts im Bild.
Kaffee mögen Schnecken offensichtlich nicht.
Das macht nichts – ich dafür um so mehr.
Doch zuerst gucke ich der Schnecke noch eine Weile zu …

Genießt den Sonntag, Leute!

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Ehe einer fragt: Wir backen wieder!

So, Leute, heute Tag 2 des unerwarteten Kälteeinbruchs.
Was tut man?
Man friert – oder man backt.
Backen haben wir gestern schon erledigt, heute verzieren wir die Reste.
So richtig lohnt sich das nicht mehr, aber es wärmt.
Alternativ ließe sich natürlich auch die Heizung nutzen.
Mir ist schon voll weihnachtlich ums Herz …
Lasst es Euch nicht kalt und die Zeit nicht lang werden! 🙂

Pfingstferienbetrachtung

Wie mir ja bereits gestern Abend während meiner unnötigen Pausenbrotschmiererei klar wurde, verleben wir heute einen Ferientag. Einen einzigen nur, Pfingstferien genannt. Zusammen mit ein paar anderen Bundesländern leistet sich NRW den Luxus, einen Einzeltag Ferien zu nennen. Wenn man bedenkt, dass zum Beispiele bayerische Schüler gerade zehn freie Tag vergammeln, lässt das nur zwei mögliche Schlüsse zu: Entweder haben es Schüler aus NRW besonders nötig durchgängig weitergebildet zu werden – oder wir überholen die Bayern links.

Nichtsdestotrotz ist mir das Politikum egal, für mich gilt das Gleiche wie für alle bundesweiten Mütter: Macht das Beste aus den Ferien!

Ich überlasse also meinen Schreibtisch heute einer erweiterten Feiertagsruhe und kümmere mich stattdessen um das kleine Flatter.
Pünktlich zum Großereignis Pfingstferien, öffnete Petrus die Schotten und schickte zusätzlich ein wenig arktische Kälte an den Rand des Ruhrgebiets. Am Nachmittag soll es gleich noch stürmen, mal sehen.

Wir bleiben heute einfach drinnen!

Was tut man mit einem solch unerwarteten Kälteeinbruch?
Richtig, man backt Weihnachtsplätzchen!
Lasst Euch von einer erfahrenen Mutter gesagt sein: Man kann nicht früh genug damit starten.

Wie lange dauert es eigentlich noch?

Bemehlte Grüße und bringt den Tag gut rum,

Eure Frau GoodWord

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Ein Mutterkopf wie ein Sieb

Ich bin doch echt durcheinander.
Vitamine und ein Butterbrot: Bin gerade dabei, dem Kleinen für morgen Frühstück zu schnippeln.
Dabei sind morgen Ferien!

P.S.: Ja, ich mache das immer am Vorabend. Schmieren, verpacken – zack, in den Kühlschrank damit.
Außer heute.
Das ess ich jetzt gleich selber!

Kauend,
Gott zum Gruße

Faltenkiller

Ich bin ja nun auch schon Ü40. Normalerweise entfällt mir das, aber es gibt Momente, wo ich danach gefragt werde. So auch geschehen letzte Woche. Dies nur zur Erläuterung, warum ich mich im Moment des Alters entsinne.
Aber trotzdem, um die Altersfrage noch zu spezifizieren: Genaugenommen befinde ich mich auf der Hälfte zum halben Jahrhundert, auf den Tag exakt. Da bleibt es nicht aus, dass ich mir die ein oder andere Falte gelacht habe.

Jetzt ist mir gestern in der tropischen Sommernacht was passiert, daran muss ich Sie als Anti-Aging-Experten einfach teilhaben lassen. Hat mich doch eine Mücke mitten aufs Augenlid gestochen! (Das Mistvieh!)

Zuerst juckte die Sache fürchterlich. Im zweiten Schritt schwoll mir das Auge schlitzig zu. Mein Mann war besorgt, was die Nachbarn davon halten würden – zumal es sich plötzlich blaulila einfärbte. Kurz nach Mitternacht brachte er mir deswegen das Aloe-Vera-Gel aus dem Kühlschrank.
Ich patschte das stinkende Zeug großzügig aufs Lid, der Abend war eh beendet. und legte mich zufrieden ins Bett.
Gejuckt hat es nicht mehr,  an die Nacht habe ich keine wachen Erinnerungen.

Das glauben Sie nicht, wie ich heute aussehe!
Glatt!
Wie zwanzig!
Oder jünger.
Leider nur einseitig.

Wenn Sie also ein wichtiges Date haben, die Damen: Setzen Sie sich am Vorabend einfach neben einen Eimer schlupfbereiter Mückenlarven! Das wirkt todsicher!

Herzlichst,
Ihre Frau GoodWord

 

 

 

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Lavendelkommentar

Clara meint, wenn ich ein Bild in einen Kommentar einfügen will, muss ich es in einem Beitrag hochladen, dann die URL kopieren und in den Kommentar einfügen.
Das probiere ich jetzt, ich will ihr einen Lavendel schenken. Einen lilanen Stimmungsheller. Zwar schon ein bisschen mitgenommen, weil in die … Wochen gekommen, aber er ist lila und er gibt nicht auf.
Falls ich das jetzt doch versehentlich öffentlich übe, hier vorsorglich die Erklärung.
Man sieht: In Mülheim regnet es.
Schönen Sonntag zusammen! 🙂

Nachtgäste in neuen Schuhen

Von Freitag auf Samstag sind wir immer einer mehr, weil einer von Pubis Kumpeln bei uns übernachtet. Nach einer harten Schulwoche benötigen die Kerle eine lange Nacht zur Entspannung. Sagen sie. Sie zocken dann. Der Kumpel wohnt in der Stadt und die letzte Bahn vom Waldrand fährt gegen elf.

Gepäck bringt der Kumpel keines mit. Schlafanzug, Zahnbürschtel, so was braucht die Jugend nicht. Zumindest nicht die, die mit meinem Pubi verkehrt.

Letzte Woche wurde es Geflügel zu blöd, dass der Bruder jedes Wochenende so tut, als sei das Schwesterchen durchsichtig. „Wieso darf der immer Schlafgast haben? Ich will das auch!“
Just in dem Moment entdeckte ich eine Fliege in meiner Kaffeetasse. Vielleicht war es auch eine Spinne. Weil ich nicht dergleichen tat, antwortete mein Mann: „Als dein Bruder so alt war wie du, durfte hier auch keiner schlafen.“
„Da haben wir auch noch woanders gewohnt!“, entrüstet sich Geflügel. Es war ja eh schon missmutig.
Während ich beschloss, es sei an der Zeit, das Frühstücksgelage abzubrechen und der Spülmaschine was zu tun zu verschaffen, rutschte mir unter Tellergeklappere heraus: „Da gab’s dich noch nicht mal.“
Was danach kam, war wie immer: Hören Kinder gemeinhin nicht zu, schaltete mein Geflügelengel umgehend die Sirene ein.
Mein Mann knurrte mich an und ich war genötigt, für Ruhe zu sorgen: „Schatz, es ist so …“ Ich kann ihr ja schlecht sagen, dass mir das Geplärr, wenn einer schlecht träumt, das bescheuerte frühe Aufstehen und vor allem das Geschrei und Gerenne vor dem ersten Kaffee auf den Sack geht. Das Wochenende ist zum Erholen da, nach einer Nacht mit einem Geflügelschlafgast brauchen mein Mann und ich zwei Tage Urlaub.
Wobei: Warum soll ich das eigentlich nicht sagen? Man soll ja nicht lügen … Letzten Endes scheute ich aber den Disput und sagte zu Geflügel: „Komm, wir gehen einkaufen!“
Das Kleine jubelte. „Krieg ich einen Glubschi?“, quiekte es.
„Nicht schon wieder so ein Glotzvieh!“ Pubi fegte durch die Küche und wirbelte zwei Chipstüten und eine Colaflasche auf.
„Hallo!“, knurrte mein Mann. „Andere mögen auch Chips!“
„Beschwer dich bei deiner Frau, die soll mehr einkaufen!“

Mein Mann wollte der Windhose hinterher, doch ich flüsterte: „Die besten Sorten habe ich eh versteckt.“

Wie es danach zu Hause weiterging, weiß ich nicht. Als ich mit meinem Gefieder am frühen Abend zurückkam, war der Gast längst weg. Die Woche fing wieder an; Lichtjahre bis zum nächsten Wochenende. Auf halber Strecke sagte Pubi – immerhin rechtzeitig, bevor Geflügels Bedürfnis nach einem eigenen Schlafgenossen übermächtig wurde: „Morgen schlaf ich mal bei David!“
Mein Mann stutzte. „Wie kommt’s?“, fragte er.
„In der Stadt ist viel mehr los!“
Mir sollte das recht sein, könnte ich mich nachts daheim frei bewegen. Wochenenden hat der Herrgott immerhin nicht nur für Rotzlöffel geschaffen.
„Ich geh aber nur“, trübte Pubi meine Freude flugs, „wenn du mir vorher neue Schuhe kaufst!“
Wusste ich es doch: Die Sache hatte einen Haken.
„Mir auch!“, krähte Geflügel sofort. „Wenn du mir neue Schuhe kaufst, schlaf ich auch daheim!“
„Gut“, wieherte Pubi, „dann kriegst du keine. Haben die Alten mal sturmfrei.“
Geflügel plusterte sich auf: „Soll ich etwa in Hausschuhen Roller fahren?“
„Soweit ich das beurteilen kann“
, Pubi bog eine von Geflügels nackten Zehen um, bis es quiekte, „hast du nicht mal Hausschuhe.“
„Weil die Mama mir keine kauft!“
, schimpfte Geflügel und biss den Bruder in den Finger.
„Weil du sie immer im Schrank versteckst“, stellte ich richtig.
„Könnt ihr das nicht besprechen, wenn ich meine neuen Schuhe hab?“, knurrte Pubi. „Ich hab heute noch was anderes vor!“
Da mein Mann irgendwie genervt über seinen Brillenrand schaute, gab ich klein bei. Ich zückte den Autoschlüssel und Geflügel jubelte. Es hüpfte so ausgelassen auf einem Bein, dass der Schrank mit den Gläsern ebenfalls frohlockte und das Gescherbel lustig schepperte.
„Brauchst dich gar nicht so freuen“, raunzte Pubi das Schwesterchen an, „Kriegst sowieso keine Schuhe.“
Noch ehe mein Flatter die Sirene einschalten konnte, fauchte ich Pubi an: „Wenn du jetzt nicht den Rand hältst, kriegst du auch keine!“

Im Laden gefielen meinem Pubi natürlich die teuersten Treter, die die überhaupt hatten, am besten. Was sollte ich machen, mir gefielen sie auch. Geflügel bekam statt Schuhen ein kleines Pferd, so waren alle zufrieden. Pubi verabschiedete sich noch im Laden und machte sich frisch besohlt auf den Weg über den kochenden Asphalt zur Stadt. Wir Frauen fuhren fröhlich schwitzend nach Hause. Mein Mann hatte den Grill angefeuert und nachdem wir gerade fertig gegessen hatten, krachte ein Gewitter los.
Wir waren mit der Nacht zu dritt soweit zufrieden, es war nur verdammt heiß, weil wir wegen des Regens die ganze Nacht kein Fenster öffnen konnten.
Am nächsten Morgen kam Pubi heim. Er stellte seine neuen Schuhe halbordentlich in den Flur und als er zu uns in die Küche kam, platschte es so merkwürdig. Es hörte sich an, als wenn einer auf Taucherflossen durchs Zimmer lief. Ich schaute genauer hin: Der Jungs hinterließ Pfützen auf dem Parkett! Seine Socken waberten bei jedem Schritt sacknass mit.
„Bürschlein“, meckerte ich, „was sind deine Füße denn so nass??“
„Ich verstehe das auch nicht …“
Mein Youngster war sichtlich verwirrt. „Aus was für Material sind meine neuen Schuhe eigentlich?“
„Das ist doch unwichtig“
, knurrte ich. „Wieso es hier so nass ist, will ich wissen!“
„Wir sind gestern in den Regen gekommen“
, beschwerte sich mein Pubi. „Ich hab die Schuhe schon die ganze Nacht auf die Heizung gestellt. Das hat überhaupt nichts gebracht!“

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Einen herzlichen Dank an die Ostthüringer Zeitung!

Lesung: 2.3. im Mocca Nova in Mülheim/Ruhr

Damit es nach den Tollen Tagen in Mülheim an der Ruhr auch fröhlich weitergeht: Heute, 19:30 Uhr, Cafè Mocca Nova, Löhberg 16! 🙂

 

 

Ordnungsparagraph

Wie in vielen anderen Familien auch, hat bei uns in den letzten Tagen dieser Auszug aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch anständig für Diskussionen gesorgt.
Wer es trotzdem nicht mitbekommen hat, hier noch mal der Gesetzestext zur heimischen Gesprächsgrundlage:

§ 1619 – Dienstleistungen in Haus und Geschäft
Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“

Sieben Stunden Hausarbeit für 14-jährige seien angemessen, so der Bundesgerichtshof.

Bleibt mir nichts weiter, als Ihnen für daheim frohes Streiten zu wünschen! 🙂

Herzlichst
Ihre Frau GoodWord

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„Hörst du die Regenwürmer?“

Seit einer Weile schreibe ich an der Fortsetzung von MAMA, BLEIB MAL IM SLIP. Die Storys sind was länger, die Kinder auch. Gerade sitze ich an einer rutschig, glitschigen Geschichte über Regenwürmer.
Von denen gibt es übrigens 670 bekannte Arten. Haben Sie das gewusst?
Bis gestern war für mich ein Regenwurm ein Regenwurm. Gibt eben Große und Kleine, Dicke und Dünne – alles wie beim Menschen.
Wohl damit die Fortpflanzen später nicht so dumm daherreden wie die Mütter, behandeln sie die ringelige Artenvielfalt jetzt in der Bildungsanstalt.
Keine Frage, dass die Thematik im Haus für Verwerfungen sorgt …

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„Was sagen Ihre Kinder dazu?“

Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt wird, seit MAMA, BLEIB MAL IM SLIP im Dezember erschienen ist, lautet: „Was sagen eigentlich Ihre Kinder zum Buch?“
Oberflächlich sind beide mit der Antwort schnell fertig. Geflügel gefällt das, vor allem wegen seiner Kuscheleule und weil Meersau Eddy jetzt berühmt ist. Für Pubertikel verhält sich die Sache so: „Wehe, einer meiner Kumpel spricht mich darauf an, Mutter!“

Geht man in die Tiefe, verschiebt sich die Interessenlage allerdings. Plaudern wir mal aus der Nähkiste:
Gestern Abend hockte Mutter an Facebook und jammerte: „Meine Businessseite kackt immer mehr ab …“
„Was macht die??“ Geflügel war so schockiert, dass ihm das Leberwurstbrot aus der Hand klatschte.
„Die hatte mal 1038 Fans. Jetzt sind es nur noch 999.“
„Gute Zahl“ Pubi rührte in seiner Muslischüssel und stierte dabei aufs Handy.
„Du machst ja auch nichts mehr dran. Du schreibst nur noch Bücher.“ Mit dem Zeigefinger schmierte Geflügel ein Herzchen in die Leberwurst. „Ich mag das nicht. Du hattest in den Ferien keine Zeit für mich“, beschwerte es sich. „Mach lieber wieder Facebook!“
„Facebook ist aber brotlos.“ Ich klappte den Laptop zu und setzte mich zu den Kindern an den Tisch.
„Na und?“ Das Kleine schleckte die Wurst vom Finger. „Schmeckt mir auch so.“
„Mir ist lieber, sie schreibt noch ein Buch“, meldete sich des Youngsters Stimme aus dem Körner-Off. Zu sehen war er nicht. „Meckert sie weniger rum. Und mehr Taschengeld will ich auch!“

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Bilddokument zu „Birthdaycake“

Ich will Euch mal was zeigen. Gleich im 1. Kapitel von „MAMA, BLEIB MAL IM SLIP“ geht es um eine Geburtstagstorte. Damit sie es schön frostig hat, sollte der hauseigene Pubertikel sie in den Vorratskeller verbringen. Nun ist das mit der Pubertät ja so eine Sache. Man hört schlecht zu, denken klappt auch nicht so ganz und im Übrigen weiß man sowieso alles besser.
Ende vom Lied: Die Torte landete im Gästeklo. Unter dem tropfenden Wasserhahn.
Voilà! 🙂

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Link

NRZ und WAZ

Mit diesem tollen Porträt in der NRZ und in der WAZ verabschieden wir uns in die Weihnachtspause! 🙂
Wir wünschen Euch Frohe Weihnachten und eine tolle Zeit – und vergesst nicht: Nehmt das Leben mit Humor! ❤

http://www.nrz.de/staedte/muelheim/humor-als-erziehungsratgeber-id209057143.html

http://www.waz.de/staedte/muelheim/humor-als-erziehungsratgeber-id209057481.html

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„Mama, bleib mal im Slip“ und was die wunderbare Molly Logan vom Blog VON DER UNI AN DEN HERD davon hält – Eine lesenwerte Buchrezension! :-)

So, Ihr Lieben! Gestern hatte ich Euch ja für Heute hatte ich Euch ja die Renzension zum Buch “Mama, bleib mal im Slip” der wunderbaren Frau Goodword versprochen! Allerdings hatte ich erst andere Dinge zu tun. Zunächst einmal musste ich Herrn L. davon überzeugen, trotz interessanter Finanzlage den nächsten Kindergeburtstag im Indoor-Spieleparadies stattfinden zu lassen. […]

über Sie hat es geschrieben – und ich habe es gelesen!!!! — Von der Uni an den Herd

GoodWords als Buch

Es ist schon eine Weile her, dass es hier neue Geschichten um Pubertikel, Geflügel und deren Erziehungsverpflichtete zu lesen gab. Das hatte auch einen guten Grund: Chronistenmutter schrieb nämlich ein Buch!
Und weil das ein großes Stück Arbeit war und ziemlich lange dauerte, verkündet sie Euch jetzt stolz: Es ist so weit!
Ab 9. Dezember gibt es jede Menge Lesestoff!
Neue Geschichten, alte Geschichten und das alles im schmucken Kleid.
Anke Müller: Mama, bleib mal im Slip“, ISBN 978-340460927, 256 Seiten

Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen!

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Bündel schnüren

Ich will die Gemeinde nicht im Unklaren lassen: Die VisitorIn zieht weiter. Auf Dauer wird ihr das bei uns zu langweilig, hat sie gesagt. Immer brav sein sei nichts. Und den Kürbis – gut, an dem könne sie kaum vorbeigucken.
Ich kann ihr Dilemma verstehen, immerhin habe ich Kinder.
Wir besprachen also die möglichen Reiseziele, erstellten daraufhin gemeinsam eine Packliste und zum Schluss suchten wir im Internet nach anständiger Begleitung. Man darf nämlich nicht vergessen, dass die VisitorIn zu den Minderjährigen zählt. Am Freitag geht es los, da starten die Herbstferien.
Als ich ihr sagte, sie solle unterwegs mal eine Karte schreiben und mein Garten stünde ihr immer offen, stürzte sie sich auf mich und küsste mich temperamentvoll.
Ich werde mich jetzt nicht mehr waschen!

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Schandtaten

So angenehm das neue Leben mit der ausgetauschten VisitorIn ist; wir wollen die alten Schandtaten nicht vergessen. Nehmen wir zum Beispiel meine Kürbispflanze. Mein Mann und ich essen unheimlich gern Kürbissuppe. Pubertikel und Geflügel bekommen zwar das große Kotzen – aber das ist uns Alten egal. Nach drei Jahren Bedenkzeit rang ich mich zu einer eigenen Zuchtpflanze durch. Um eine gescheite innere Verbindung zwischen uns aufzubauen, kaufte ich nicht etwa das fertig ausgebrütete Pflänzchen im Topf, nein, ich zog selber an! Aus einer Tüte mit sechs Kernen ging ein einziges kräftiges Pflanzenkind hervor. Das sollte es sein! Ich hegte es und goss und jätete, es sollte dem Kleinen an nichts fehlen: Der Grünling war mein drittes Kind.
Er dankte es mir und steckte zu meiner Freude täglich eine neue gelbe Blüte auf.
Doch über jeder Nacht verschwand die Blüte wieder. Bis auf den Strunk. Mein Kürbisnachwuchs mühte sich redlich, wochenlang.
Er tut es immer noch, doch nicht einer einzigen Frucht gelang es, der VisitorIn und ihrer Mischpoke zu strotzen.
Nun sieht es Ende September so aus, als wenn es dem ersten Bällchen gelänge, dem Blütenstadium zu entwachsen …
Schauen wir mal, was der Winter dazu sagt!

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In der Suppe

Meine freche VisitorIn war spazieren gewesen, sie war die Straße abgewandert, Sie erinnern sich. Nirgendwo in der Nachbarschaft gefiel es ihr so gut wie bei uns – und sie kam reumütig und kleingeschrumpelt zurückgerutscht. Es kostete mich viel Mühe, sie wieder aufzupäppeln und herzurichten.

Die Wanderschaft hat sie verändert. Sie ist jetzt anständig und höflich und fragt vorher. Meine Blumen lässt sie in Ruhe, ebenso den Schnittlauch und was sonst per Frühlingseinsäung bei uns wachsen sollte. Könnte aber auch daran liegen, dass ihre ganze Bagage über den früheren Fressgelagen bis runter zum Wurzelwerk nichts stehenließ.
Auch in Geflügels Suppentopf macht die Visitorin eine gute Figur. Ist sie nicht wieder prächtig und sportlich obendrein?

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Schleichpfad

Ich hatte die VisitorIn ja letzte Woche zum Nachbarn geschickt, Sie erinnern sich. Als ich ihn später auf der Straße traf, erzählte er, sie wäre ihm ebenfalls zu rüpelhaft gewesen und er hätte sie deshalb auch weitergeleitet. Danach hörten wir nichts mehr. Weder diesseits noch jenseits der Straße berichtete jemand von der Besucherin.
Bis heute Morgen. Jetzt schauen Sie sich an, wer mir eben hintenrum durch den Garten und ziemlich ausgemergelt entgegenkam!
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Ich werde sie jetzt erst mal aufpäppeln und dann sprechen wir noch mal.

 

VisitorIn

Vorhin blökte die Schelle. Die Post kommt heute früh, dachte ich und verließ meinen Schreibtisch. Erwartungsfroh riss ich die Haustür auf – da bin ich fast draufgetreten! IMG_7056 Sie hat was genuschelt, ob der Soundso hier wohnt und wollte an mir vorbei. Habe ich nur mit dem Finger gedroht. Daraufhin hat sie den Kopf geschüttelt und den Pfad zum Nachbarn eingeschlagen. Na, der wird sich freuen!

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Große Pause

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Flaggenträger

Im Kinderzimmer werden letzte Vorbereitungen für das Spiel getroffen.

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Kleine Fanmeile

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GoodWords sind vorbereitet!

Auch was das Wetter betrifft. 🙂

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Kleider machen Pubertikel

„Damit du klarsiehst, Mutter“, rauschte mein Pubertikel letzten nach der Schule gut gelaunt in die Küche: „Demnächst brauche ich einen Anzug!“
Vor Schreck platschte mir eine Bockwurst in den Suppentopf. „Was brauchst du?“
„So ein Spießerding wie der Vatter hat. Weißt schon: in gleiche Farbe ’ne enge Jacke zur hässlichen Hose.“
Ich ließ die nächste Wurst fallen. „Was willst du denn damit?? Willst du künftig im Anzug zur Schule?“
„Quatsch, Mutter! Für den Abschlussball.“
„Wie viele Jahre hat das noch Zeit?? Da kauf ich dir doch jetzt noch keinen Anzug für!“ Der sollte erst mal zusehen, dass er das Schuljahr schaffte, an Abitur war noch lange nicht zu denken.
„In fünf Wochen brauch ich den!“
„Alles klar.“ Ich hantierte wieder mit der Suppe.

„Ohne Scheiß“, Pubi war klar, dass „Alles klar“ nicht bedeutet, dass etwas klar ist. „In Sport machen wir gerade Tanzstunde.“
Warum sagte der Junge das nicht gleich. „Da langt sicher auch ein Sakko.“
„Nein. Ich habe nur Jeans und die sind verboten. Kannst du auf dem Zettel nachlesen.“
Kräftig Spesen, toll.
„Schuhe brauche ich übrigens auch. Turnschuhe sind ebenfalls verboten.“
Das wurde ja immer besser. „Musst du da wirklich hingehen …?“
„Logisch!!“ Pubi legte direkt noch ein paar Längenzentimeter zu. „Und ich nehme einen richtig schicken Anzug!“
Ich hatte mich wohl verhört. „Wieso bist du denn so scharf auf so ein Ding?“
„Ein Anzug sieht voll gut aus! Den zieh ich dann auch zum Gammeln an.“

Meine Suppe war fertig und ich beschloss, die Sache an mich herankommen zu lassen. Eine Woche verging, eine zweite, Ende der dritten fragte Pubi mitten im Tatort-Trailer: „Hast du meinen Anzug besorgt?“
„Bürschlein“ – Im Youngsterkopf haust ein sonniges Gemüt – „Den Anzug kann ich nicht einfach bestellen. Da müssen wir für in ein Geschäft. Der muss sitzen, sonst sieht es bescheuert aus.“
„Blöd aussehen will ich nicht“, stimmte Pubi zu. „Fahren wir gleich? Ich hätte jetzt Zeit.“

Entgegen diesem Vorschlag warteten wir mit der Anschaffung bis zu den Ferien.
Ostersamstag, wir besuchten die Großeltern. Die Uhr zeigte halb elf und wir hockten bereits seit einer Stunde am Frühstückstisch. Allein Pubi fehlte.
„Geh mal deinen Bruder wecken“, stellte mein Mann Geflügel an.
Geflügel flatterte los. „PUBI!“, kreischte es und stieß die Tür zur Schlafkammer auf. Während die Tür gegen den Schrank krachte, brüllte es dem schlafenden Jungen ins Ohr: „AUFSTEHEEEEN!“

Pubi muss das ziemlich mitgenommen haben, denn etliches später erschien er mächtig schlecht gelaunt am Frühstückstisch.
„Was macht ihr wegen dem scheiß Anzug für einen Stress?“ Er schnüffelte angewidert an Omas selbstgemachtem Quittengelee. „Nicht mal was Gescheites zum Frühstück gibts.“
Meine Mutter vertrat die Hausoma-Ehre: „Ich geb dir gleich was Gescheites!“
Mein Mann, der mittlerweile in der Tageszeitung badete, tauchte kurz auf und knurrte: „Ich brauch keinen Anzug.“
„Ich auch nicht“, knurrte Pubi zurück.
„Dann bleiben wir hier“, jubelte Geflügel, „weil ich brauch auch keinen.“

„Übrigens …“, mein Mann legte die Zeitung beiseite: „Mein Tanzstundenanzug ist wieder richtig modern. Kurze Jacke und mega Schulterpolster …“ Er schwelgte in Erinnerungen. „Wo ist der eigentlich?“
„Bei den Faschingskostümen“, sagte ich.
„Könnt ihr vergessen, dass ich ein Faschingskostüm anzieh!“, regte sich Pubi auf. „Ich will sowieso nicht zu dem blöden Ball. Ich hab nur wegen der Mutter ‚Ja‘ gesagt!“
„Hä?“, ich hörte wohl nicht richtig. „Meine Idee war es nicht, dass du zum Abschlussball gehst. Das wolltest du selber!“
„Einen Scheiß wollte ich! Du hast gesagt, dass ich zu allen schulischen Veranstaltungen hin muss!“
„Hat die Mama nicht“, mischte sich Geflügel ein. „Ich weiß noch ganz genau, wie das war. Die Mama wollte mir Essen kochen. Dann kamst du nach Hause und die Mama hat mich vergessen. Ich wäre fast verhungert!“ Jetzt weinte es beinahe, so lebensnah erinnerte es sich.
„So schnell geht das mit dem Verhungern nicht.“ Pubi zog das Schwesterchen auf seinen Schoß. „Die sollen nicht immer mitten in der Nacht auf mich einquatschen, das könnten die sich langsam mal merken.“ Er drückte das Kleine. „Ich krieg dann immer ganz schlechte Laune.“
„Ich mag es, wenn die Mama auf mich einquatscht …“, sagte Geflügel.
Pubi grinste. „Du bist ja auch ’n dicker Wicht.“
Als die Sirene leiser wurde, fragte meine Mutter:
„Wann fahrt ihr eigentlich wieder?“

Wir schafften es an diesem Samstag dennoch, zu dritt in die nächste Stadt zu fahren. Wissen Sie eigentlich, wie schwierig es ist, einen Anzug für einen Heranwachsenden zu kaufen? In den gängigen Klamottenlägern der Jugend gab es keine. Am Ende landeten wir im Kaufhaus. Gut sortiert, und vor allem genügend Farbauswahl beim Modell Bohnenstange. Pubi zog ein dunkelblaues Jackett über, doch es baumelte wie ein Vorhang.
„Mach dich gerade!“, sagte die Verkäuferin und pikste Pubi ins Hohlkreuz. Mein Pubertikel straffte sich und siehe da: Das Jackett gewann augenblicklich Form und schmiegte sich an. Was ein adrettes Kerlchen!

Neben uns ein zweiter Tanzstundenkandidat. Der hatte allerdings weniger Glück: Einen Kopf kleiner als Pubi und das hellgraue Sakko, welches ihm seine Mutter von der Stange holte, in Heinz-Erhardt-Größe. Eine Verkäuferin sprang hilfreich dazu, doch Mutter Erhardt schickte sie dankend fort.
Unsere Verkäuferin grinste und schob Pubi in die Kabine. „Dreh dich vor dem Spiegel, hier ist das Licht besser.“
Sie reichte Pubi eine Hose. „Kann sein, dass die ein wenig kurz ist, wir wollen zuerst nach der Weite schauen.“
Weil meinem Pubi so gut wie nichts peinlich ist, kümmerte es ihn auch nicht, dass der Vorhang offen stand. Wie eine Bauchtänzerin wand er sich und versuchte, seine schmalen Hüften in die Hose zu schrauben. Dabei fluchte er leise: „Die scheiß Hose ist viel zu eng …“
„Mach den Knopf auf, Mensch!“, knurrte ich.
„Ich habe noch nie einen Knopf aufgemacht“, bekannte mein Pubi stolz.

Erhardts betraten die Kabine nebenan. Der Junge trug immer noch das Riesenjackett und auch der Vater steckte mittlerweile in einem Kartoffelsack. Mein Mann guckte irritiert von seinem Smartphone auf. Während Pubi sich noch in seine blaue Buxe wand, bekam das fremde Pubertikel eine schwarze Hose angereicht. Leider konnte ich nicht sehen, wie er es mit dem Hosenknopf handhabte, der Junge war schamhaft.

„Hast du eigentlich Schuhe?“, fragte die Verkäuferin.
„Ja, drei Paar“, antwortete Pubi. „Aber die darf ich nicht anziehen.“
„Ich habe da noch ein Paar richtig Coole!“ Die Verkäuferin zwinkerte ihm zu und verschwand.

Der Vorhang der Nebenkabine ratschte auf und das Zwergpubertikel mit der Riesenjacke trug jetzt zusätzlich eine Riesenhose. Ich musste plötzlich fürchterlich husten und setzte mich auf den nächsten Stuhl.
Der Junge schaute unschlüssig, während seine Mutter fachmännisch an ihm herumzupfte: „Ist genügend Saum drin, da kann man noch etwas herauslassen.“ Sie zog ihm wie einer Vogelscheuche die Arme breit. „Nicht dass der Anzug schnell zu klein wird.“

Just während ich mich wieder einkriegte, kam die Verkäuferin mit einem Paar schwarz glänzender Lochlederschuhe mit lila Schnürsenkeln zurück.
„Die nehme ich!“, sagte Pubi. „Können Sie gleich meiner Mutter geben!“
„Probier besser erst mal an“, sagte die Verkäuferin.

„Du brauchst sicher auch ein Hemd“, sagte sie, und ging wieder, ohne eine Antwort abzuwarten.
„Und eine Fliege!“, rief Pubi hinterher.
Mein Mann und ich stöhnten und die Verkäuferin grinste.
„Mama“, sagte Erhardts Kleiner, „ich will auch eine Fliege!“
„Nein“, bestimmte die Chefin, „Günter Jauch trägt Schlips.“

Die Verkäuferin kam mit einem echt schicken Hemd zurück und Pubi pellte den Oberkörper. Bis Hemd und Schlips richtig saßen, dauerte es. Mein Pubi stand also aufrecht und obenherum mächtig geschniegelt da.
„So, jetzt probier die Schuhe dazu“, sagte die Verkäuferin und griff hinter sich. Nichts, die Schuhe waren weg. „Wo sind denn meine Schuhe?“, fragte sie die vorbeigehende Kollegin.
„Keine Ahnung“, sagte die, „Ich komme aus der Pause.“
„Das ist jetzt blöd“, sagte die Verkäuferin nach weiterer Suche bedauernd, „das war das letzte Paar …“
„Siehste, Mutter, ich hab doch gleich gesagt, du sollst sie einstecken!“
„Nun reg dich mal nicht auf“, sagte mein Mann, „wir finden schon noch etwas für dich.“
„Gefällt dir dein Outfit?“, sorgte die Verkäuferin für Themenwechsel.
Pubi versenkte weltgewandt die Hände in den Hosentaschen und drehte sich vorm Spiegel. „Super!“, sagte er. „Das behalt ich gleich an!“
„Bloß nicht!!“, sagte ich. „Ich will den Anzug erst nach dem Ball in die Reinigung bringen!“

Als Pubi wieder vertraut in Jogginghose und Turnschuhen dastand und wir zur Kasse gingen, schaute ich noch einmal zurück. Ich wollte nichts vergessen. Vor dem Spiegel dreht sich Zwergpubi Erhardt. Riesenjacke, Riesenhose – und: Riesenschuhe.

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Die Formen Kindergeburtstag

Wenn ein Zwergengeburtstag ansteht, gibt es zwei Möglichkeiten: Man verfällt Tage vorher besorgt um den Wohnungsfrieden in Übellaunigkeit oder die Sause findet aushäusig statt. Ganz klar, ich halte mich an letzteren Plan. Wie im Vorjahr buchte ich: 1 x Indoorspielplatz* mit Sack und Pack. Auf der Fahrt griffen Geflügel und seine Gäste eines ihrer liebsten Themen auf, ebenfalls wie letztes Jahr ging es ums Kotzen.

Geflügels Freundin gab den Ring frei: „Neulich musste ich ganz viel brechen.“
„Ins Auto?“, fragte mein Kleines hocherfreut.
„In den Flur“, antwortete die Freundin stolz.
„Ich breche immer im Auto, wenn mir heiß ist.“
Der dritte Bündnispartner ergänzte: „Du hast schon mal bei Amelie auf die Hose gekotzt.“
„Stimmt“, nickte Geflügel und die Freundin komplettierte: „Im Stau war das, als wir zu Nadines Hochzeit fuhren.“
Toll, jetzt ging das wieder los!
„Leute“, mischte ich mich ein, „erzählt aber nicht noch mal von den Kartoffelhappen und den zerkauten Möhrchen! Das konnte ich das ganze Jahr über nicht vergessen!“
Alle hingen kurz ihren Gedanken nach. Plötzlich, nachdem sie sich die Sache mehr oder weniger erneut durch die Köpfe gehen lassen hatten, sagte die Freundin: „Als ich gebrochen habe, hing das Essen in meinen Haaren!“ Sie fächerte ihr langes blondes Haar auf, sodass es bis zum Kumpel auf den Nachbarsitz fiel.
„Wann war das?“, fragte der Kumpel.
„Keine Ahnung … Aber Nudeln hingen drin.
„Gedrehte?“
„Nein“, sagte die Freundin, „ganz lange Spaghetti.“
„Ess ich total gerne.“
Geflügel fragte: „Und was hat deine Mama gesagt?“
„Habe ich nicht verstanden. Ich musste so laut würgen.“
An der Stelle schaltete ich das Radio ein.

Aber lassen Sie uns thematisch zum Indoorspielplatz vorauseilen!
Selten sehe ich so viele Kinder heulen wie in einer Indoorspielhalle. Dauert sicher nicht mehr lange und solche Plätze werden wegen Grausamkeit gegen das Kindeswohl verboten.
Ich hingegen liebe derartige Spielplätze! Nirgends kann ich so gut arbeiten wie hier. Bierzeltgarnitur mit Sitzpolster und Rückenlehne; ab und an fülle ich Becher mit Sprudel, seltener die Chipsschüssel oder die Apfelschnitzel. Normalerweise ablenkungsfrei, der Lärmpegel bleibt gleich, es ist schön warm und keiner spricht mich an.

Heute allerdings war der Wurm drin. Ständig heulte einer. Los ging es, da hatte ich noch nicht einmal die Schuhe aus. Auf der Rutsche knallten zwei meiner Hänse mit den Köpfen zusammen. Bei einer tropfte danach Blut vom Ohrläppchen, beim Andern von der Stirn. Im Lauf des Nachmittags rollte sich eine Dritte eine Schürfwunde und ein Vierter meinte, sein Kopf würde falschherum draufsitzen. Ständig beschwerten sie sich über den Schimpfwortschatz fremder Kinder – als sie jedoch dazu übergingen, mich auch bei Belangen auswärtiger Kinder zu Hilfe zu rufen, verwahrte ich mich entschieden: „Es ist gut, dass ihr euch um in Not geraten Kinder kümmert. Aber sucht deren Betreuungspersonal. Die kennen sich, von denen lassen sie sich schneller aufheitern.“

Neben meinem Bierzelttisch feierte eine Großfamilie. Das dicke Mädchen trug ein langes Spitzenkleid und hatte die Haare vermittels Lockenstab zu einer kunstvollen Turmfrisur aufgebaut. Genau das Richtige für einen wilden Spielnachmittag. So kam es, dass die dicke Prinzessin ständig plärrte. Mal trat sie sich mit den Knien auf den Kleidersaum und kam nicht vorwärts, ein anderes Mal verhedderte sich ihre Gardine in einer Aufhängvorrichtung des Kletterturms. Die Cousinen waren ähnlich gekleidet und die ganze Bagage fiel durch körperliche Ungeschicklichkeit auf.

Als die dicke Prinzessin wieder einmal plärrend in einem Turm feststeckte, wurde es einem anderen Prinzesschen offensichtlich zu blöd und es warf sich vor den Geschenkeberg der Dicken. Neugierig fetzte das Prinzesschen das bunte Papier von den riesigen Pakete. Erst eins, dann zwei – beim Dritten kriegte das die Dicke in ihrem Rapunzelturm spitz …
Ich sage Ihnen weiter nichts! Sofort kam der Kassenwart des Ladens gerannt. Er fürchtet wohl, ein Gast hätte sich den Hals gebrochen.

Eben wollte er sich beruhigt in sein Kassierstübchen zurückziehen, als ihm auffiel, dass auf der Bierzeltgarnitur der Großfamilienfeier verbotenes Essen gereicht wurde. Überall in der Halle hängen Bilder, dass das Mitbringen von würzigen Speisen nicht gestattet ist. Klar, Indoors wollen halt ihre eigene Gastronomie unters Volk bringen. Kuchen, Süßkram und Getränke dürfen Gäste hingegen supermarktgünstig selbst ankarren.
(Wo wir einmal dabei sind: Verboten ist vermittels Schild ebenfalls, dass Erwachsene auf den Spielgeräten herumturnen!)

Der Kassenwart wiegte also den Zeigefinger vor der Nase der Mutter; sie hob die Brauen: Nix verstehen. Die anderen Beleibten verstanden offensichtlich besser, denn sie begannen hektisch zu spachteln. Der Kassenwart zog zwischen zwei Schüsseln mit lecker aussehendem Inhalt ein bemaltes Schild hervor und reicht es der Mutter. Was blieb ihr anderes übrig: Sie nickt und begann den anderen Müttern die Schüsseln wegzunehmen. Die schaufelten noch schneller und der Kassenwart ging wieder.

Das Geburtstagskind steckte übrigens immer noch plärrend fest, was die Mutter veranlasste, einen wohlgenährten Jungen zur Rettung auszusenden. Der Junge knurrte, er spekulierte auf weitere Speisen. Als Tischlein-deck-dich kurzzeitig abgeräumt war, packte die Mutter der Dicken eine gelbe Cremetorte aus. Natürlich knickste oben in der Tortenmitte eine graziöse Schokoladenprinzessin. Die anderen Mütter klatschen Beifall, winkten die Kinder heran und setzten ihnen bescheuerte Papphütchen auf. Alt wie jung machte sich über die Torte her: Alle zufrieden.

Kaum war die Torte verputzt, sammelten die Mütter erneut ihre verlustig gegangenen Kinder ein – die Dicke musste wieder irgendwo befreit werden – und packten zusammen. Das Gastspiel dauerte nicht einmal zwei Stunden.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Beteiligten für die grandiose Unterhaltung bedanken!
Ich komme sehr gerne wieder!

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*Indoorspielplatz = Halle mit riesigen, fangnetzgesicherten Klettertürmen und Rutschen für Kinder bis 12 Jahre

Wenn Mutter krank ist …

In den letzten Wochen schlief ich in abwechslungsreich vielen Betten; erwache ich nachts, überlege ich häufig, wo ich liege …

Seien wir ehrlich, liebe Leser, ich weiß, wie sich das liest: Frau GoodWord scheint ihrer Mischpoke überdrüssig und vergnügt sich. Doch weit gefehlt: GoodWords waren erkrankt. Als der Vater eines Abends schnupfte, sackte ich mein Bettzeug und zog auf die Couch. Vatter sollte seine Ruhe haben – und die Bazillen für sich behalten. Nach zwei Nächten war Gefügel der Weg bis zu Mutters Ausweichlager vor der Glotze zu gefährlich und es bat, Mutter möge sich auf die harte Matratze im Hühnerstall betten. Leider träumte das Kleine weiterhin schlecht und kroch in der Nacht zu mir auf das 60-Zentimeter-Brett. Als mein Mini endlich schlief, zog ich in sein Mini-Bett um.

In der folgenden Nacht hatte ich genug vom kuscheltiervollgeladenen, kurzen Bett und bin abermals auf mein Sofa.
Zum Glück ging es dem Haushaltsvorstand wieder besser und ich siedelte in der kommenden Nacht ins Ehebett zurück. Wir fassen zusammen: 5 Nächte = 5 Läger.

Nun war es aber so, dass des Chefs Bazillen unbedingt auch ein weibliches Quartier probieren wollten. Eines Morgens stand ich nicht mehr auf: Die Grippe hatte mich gestreckt. Lag es daran, dass ich kleiner bin, oder weil die Zeit reif: Ich war richtig krank. Um keinen anzustecken, verlegte ich meine Schlafstatt von Neuem auf die Couch und blieb dort liegen.
Damit ich wenigstens ein bisschen herumlief, schickte mir mein Mann nun täglich Kuriere. Alle zwei Stunden kam ein anderer, ich kenne jetzt sämtliche Zustelldienste.

In der darauf folgenden Nacht schloss sich Pubi an. Solidarisch ließ er sich zuerst das Essen durch den Kopf gehen. Weil die Komponenten unvorbereitet aus ihm heraus wollten, entleerte er sie in den Papierkorb. Mitten in der Nacht stand mein Mann plötzlich an meinem Krankenlager. Jetzt war ich froh, dass sich Pubi letztens versehentlich auf seinen Papierkorb aus Drahtgeflecht gesetzt hatte. Die Fuhre, die Pubi in den neuen Mülleimer traf, konnte ich sicher durchs Treppenhaus transportieren.

Am Morgen – ich hatte mit meinen Gliederschmerzen schließlich in den Schlaf gefunden – sorgte sich mein Mann, ob wir alle noch lebten. Er wanderte sämtliche Krankenlager ab und erkundigte sich. Weil leidensbedingt keiner so recht reagierte, sprach er lauter. Zwei Stunden später, ich war endlich wieder weggedämmert, beschloss mein Pubi, dass es ihm nun gut genug ginge und er sich auf den Weg zur Schule machen könnte. Als er mit viel Getöse aus dem Haus war und ich zu guter Letzt ein Nickerchen tätigte – Sie ahnen es? – schellte ein Kurier.

Indes ging es mir täglich schlechter und auf einmal hatte ich eine Lungenentzündung. War ich vorher schon krank – das war jetzt kein Vergleich mehr. Ich japste nach Luft und sehnte mich nach meinem 38-qm-Appartement. Mein Münchener Appartement war nicht nur winzig, es gab vor allem keine Treppen. Die Distanz zwischen Bett und Klo betrug einen Meter achtzig.
„Das kannst du hier auch haben“, sagte mein Mann, „Ich stell dir einen Eimer ans Sofa.“
So krank war ich dann doch nicht, denn ich schimpfte und erinnerte ihn an seine fröhlichen Kinder.

Nichtsdestotrotz hatten wir ein Betreuungsdefizit. Kam Geflügel mittags angeflattert, reichte eine sieche Mutter nicht. Ein Huhn in Schach zu halten, braucht es ein vollwertiges Gemüt.
„Ich rufe die Krankenkasse an“, beschloss mein Mann.

„Es tut uns sehr leid, dass Ihre Frau so krank ist“, sagte die freundliche Dame. „Erzählen Sie bitte von Ihrer häusliche Situation!“
Mein Mann tat wie geheißen und zählte Geflügel, Pubertikel, die kranke Mutter und den arbeitenden Vater auf.
„Dann ist doch alles paletti.“ Die Dame war erleichtert. „Sie haben ein Pubertikel daheim, der wird sich um alles kümmern.“
„Um was soll der sich kümmern?“ Mein Mann war irritiert.
„Das kleine Kind betreuen, einkaufen, kochen … was ihre Frau normalerweise so macht.“
„Das kann der doch gar nicht!“ Mein Mann schüttelte den Kopf.
„Pubertikel können so was. Lassen Sie ihn nur machen. Die können mehr, als man ihnen zutraut!“
Mein Mann bedankte sich, und just als er auflegte, rumpelte Pubi in den Flur.
Der Schulrucksack krachte gegen die Klotür und Pubi stürmte in die Küche. „Was gibt’s zu essen?“, rief er schon auf der Treppe.
„Nichts“, sagte mein Mann. „Ab heute kochst du.“
Pubi tippte sich an die Stirn. „Wer sagt das denn?“
„Krankenkasse.“
„Von denen lass ich mir gar nichts sagen!“
„Außerdem sollst du dich ab heute um deine kleine Schwester kümmern“, fuhr mein Mann fort.
Pubi feixte. „Wäsche soll ich sicher auch waschen?“
Mein Mann nickte.
„Ihr könnt mich mal!“ Pubi fuhr den Mittelfinger aus. „Ich bin verabredet, das ist megawichtig!“ Er guckte zur Uhr. „Außerdem bist du da, du kannst das machen!“
„Morgen nicht mehr. Ich will nicht meinen ganzen Urlaub verplempern.“
„Ich spiel jedenfalls nicht die Putze!“, regte sich Pubi auf. „Ich hab Schule!“
„Und was ist mit Essen?“
„Gibst du mir Geld mit“, schlug Pubi vor, „hol ich mir einen Döner.“
„Dann bist du versorgt. Und was kriegt deine kleine Schwester?“
„Die ist rund genug. Guck dir mal die dicken Bäckchen an!“
Geflügel kreischte los, während mir ob des Lärms fast das Herz stehen blieb. Das Geplärr zu übertönen fehlte mir jedoch die Luft.
Pubi wurde immer nervöser und mein Mann fragte: „Was ist?“
„Die Bahn kommt in 10 Minuten, ich muss Gruppenarbeit für die Schule vorbereiten.“
„Hat sicher mit zocken zu tun.“ Mein Mann grinste. Dann sagte er: „Schwirr ab. Wäre aber trotzdem schön, wenn du dich in nächster Zeit mehr um deine Schwester kümmern könntest!“
„Mach ich“, rief Pubi aus dem Flur. „Ich komm um 20:00 Uhr heim!“

Nun wollen Sie sicher wissen, wie wir unsere Angelegenheit regelten. Eine Woche verlagerte mein Mann sein Büro ab der Mittagszeit nach Hause. Pubi sahen wir selten. Dafür kann Geflügel jetzt einen 4-Personen-Haushalt schmeißen. Warme Kissen machen, Wäsche sortieren, Brot abschneiden, hinter den Jungs herräumen – mein Zwerghuhn ist eine einfallsreiche Hausfrau geworden.

Verrate ich aber nicht der Krankenkasse. Die lasse ich in ihrem Glauben an nützliche Pubertikel.

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Kleines SchornsteinEinmaleins

Manche von uns wohnen ein Leben lang im Radius ihrer Wiegenstatt, andere treibt das Business oder das Herz durch die Gegend. Ich bin schon was herumgekommen, aber nach meiner Wiege schaue ich trotzdem regelmäßig.

Mit steigender Zahl schulpflichtiger Fortpflanze erfordert das mehr Kompromisse – und unökonomischeres Überholen. In den Weihnachtsferien war es wieder so weit: Wir schnürten die Bündel.
Während ich das Gepäck im Auto verstaute, wartete Geflügel mit seiner Kuscheleule unterm Arm am Straßenrand. Es spähte angestrengt bergab.
„Was hast du denn?“, fragte Pubertikel. „Bist du aufgeregt?“
„Guck mal“, Geflügel zeigte auf ein Nachbarhaus: „dort wohnen zwei Leute …“
Pubi schaute ebenfalls. „Stimmt nicht“, stellte er fest, „dort wohnt nur einer.“
Kluggequatsche beeindruckt meine kleine Henne ja nun nicht: „Die haben zwei Schornsteine, also wohnen da zwei Leute!“
„Du Dummerchen“, Pubi riss das Kleine an sich und drückte es, „Schornsteine haben doch nichts damit zu tun, wie viele Leute drin wohnen! Stell dir mal vor, wir hätten dann fünf Schornsteine. Wäre doch kein Platz mehr für Dachziegel.“
„Wieso fünf?“
„Erst mal ich …“, fing Pubi an, korrekt die Prioritäten abzuzählen. „Dann du, Mama, Papa und Eddy. Das kleine Schwein soll auch nicht frieren.“
„Wir sind sechs!“
„Hä?“
„Meine Eule hat’s auch nicht gerne kalt.“
Pubi grinste. „Schornsteine gleich Menge der Öfen. Plus vielleicht Heizung. So genau kann man das von außen nicht erkennen.“ Er deutete auf ein anderes Nachbarhaus: „Vier Leute, ein Schornstein. – Geschnallt?“
Geflügel nickte und mir platzte vor Stolz fast die Jacke am Kreuz auseinander.
„Na los, Leute, früher wird’s nicht!“ Ich schloss die Haustür ab und spähte zur Sicherheit noch mal in den Briefkasten.
„Wieso müssen wir immer so weit fahren??“, schimpfte Geflügel, als ich ihm den Gurt anlegte. „Oma und Opa könnten auch nebenan wohnen!“
„Da wohnen schon welche.“

Wir fuhren den Berg hinunter – ich genoss die Winterruhe und die prima Aussicht – fing mein Geflügel wieder an: „Das riesige Haus dort hat zwei Schornsteine … – Wieso wohnen da nur zwei Leute drin?“
Pubi haute sich vor den Kopf, während ich so tat, als hätte ich nichts gehört.
Als ich unten an der Kreuzung nach dem Kaffeebecher angelte, gelang es meinem Pubertikel trotzdem, den letzten Hühnerbeitrag zu überschatten: „Wohin fahren wir eigentlich??“

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Rock meats ChristmasChicken

Damit Geflügel nicht nur an Mutters Rock baumelt, singt es seit einiger Zeit im Kinderchor. Es trällert in einer altershomogenen Truppe, will sagen: Der Chorleiter ist ein armer Mann.
Letztens hatte die Farm einen Auftritt. Ein Musical, in welchem es ums Teilen mit den Armen ging. Geflügel sollte sich als mittelalterliche Magd verkleiden.
„Als Magd will ich nicht!“, schmetterte es. „Ich geh als Indianer!“
„Indianer hatten die im Mittelalter aber keine“, sagte ich und hielt ihm den Rock hin.
„Jetzt haben sie einen!“ Das Kleine zerrte mir den Rock aus der Hand und stopfte ihn hinter die Heizung.
Während ich mich beglückwünschte, bis zum letzten Tag mit der Kostümprobe gewartet zu haben, nahte von der Treppe Hilfe.
„Wenn ich einen Auftritt habe …“ – der Vater faltete sich bedächtig auf einem Kinderstuhl zusammen – „stehe ich auch nicht im Schlafanzug auf der Bühne. Dann ziehe ich mich für Rock-Musik an.“
„So ein Quatsch“, echauffierte sich Geflügel. „Du hast doch gar keinen Rock!!“

Im Flur brach Hektik aus: Pubi kam auf Durchreise. Er schmiss den Schulrucksack in sein Zimmer, schnappte ein Utensil und wollte flott die nächste Bahn erwischen.
„Wie viele ist der eigentlich?“ Mein Mann war ob des Transit-Tumults sichtlich irritiert.
„Der macht immer so eine Welle.“ Ich winkte ab. „Lass uns hier weitermachen.“
„Wir müssen nicht weitermachen“, sagte Geflügel. „Geh ich halt als Fisch!“

Irgendwie gelang es uns jedenfalls, sie am Auftritts-Morgen in ein dunkles Kleid zu zwängen, ein Wolltuch um die Schultern und statt eines Kopftuches wenigstens ein Blümchen ins Haar. Ein wenig verspätet erschienen wir am Treffpunkt. Gewohnt fröhlich riss ich die Tür zum Veranstaltungsraum auf – und erblickte einen Jahrmarkt grimmiger Minimägde und -Knechte.
„Was ist denn hier los?“, fragte ich meine genervte Nachbarin.
„Ein Theater mit den Kostümen …“ Sie knöpfte ihre Jacke auf und zog ein Kopftuch hervor. Dann sagte sie zu mir: „Pass mal auf …“
Sie drehte ihr träumendes Geflügel zu sich und wollte ihm geschwind das Kopftuch umbinden. Das fremde Geflügel wurde augenblicklich lebendig und riss sich das Kopftuch vom Kopf. „ICH BIN DOCH KEINE PUTZFRAU!“, brüllte es.
Das ihm am nächsten stehende Geflügel riss ebenfalls sein Kopftuch herunter und brüllte: „ICH AUCH NICHT!“
Das Domino erreichte mein Geflügel, aber ehe es einstimmen konnte, schnappte ich sein Ärmchen: „Du brauchst dich nicht aufzuregen, du trägst kein Kopftuch!“

Der Chorleiter sammelte nun das Marktvolk ein und gruppierte es auf der Bühne. Dabei fiel ihm ein Junge auf: „Nanu, du bist doch gar nicht verkleidet?“
„Ich mach eine Zeitreise“, sagte der Junge.

Geflügel kam noch einmal angehüpft, es hatte Durst. Während es mit seiner Flasche beschäftigt war, raunte meine Nachbarin: „Weihnachten kann das mit den Kostümen ja heiter werden …“
„Als was müssen sie sich denn verkleiden?“ Ich stöhnte.
Meine Nachbarin blinzelte: „Als Engelchen.“
Geflügel setzte seine Flasche ab: „Das kannst du vergessen! Weihnachten mach ich eine Zeitreise!“

„Würde ich bleiben lassen …“, plötzlich eine mürrische Stimme in der Reihe hinter mir. Weil die Uhr frühen Sonntag-Vormittag zeigte, war mein Pubertikel schlecht gelaunt.
„Wieso denn nicht?“ Geflügel ließ Auftritt Auftritt sein und stellte sich auf Bruders Tennistasche, damit es besser sehen konnte.
„Hallo“, knurrte der. „Mein Rucksack ist keine Fußbank.“
„Warum soll ich denn keine Zeitreise machen? Ist das gefährlich?“ Mini wollte das jetzt wissen.
„Mann, Mutter, erklär du das, ich schlaf noch …“
„Woher soll ich das wissen.“ Ich tippte mir an die Stirn. „Ich bleib Weihnachten daheim.“
„Soll ich besser keine Zeitreise machen?“ Geflügel kletterte auf Pubis Schoß.
„Denk doch mal an den Weihnachtsmann …“ Mein Pubi funkelte mich sehr giftig an.
„Ach ja …“ Es nickte. „Ja, dann bleib ich auch hier. –  Aber ich geh nicht als Engelchen!“
Meine Nachbarin feixte und ich beschloss, Weihnachten weit wegzuschieben. Heute zählte nur die singende Magd.
„Genug getrunken“, bestimmte ich, „Abmarsch auf die Bühne!“

Trotzdem war das der Moment, der Geflügels diesjährige Weihnachtsstimmung einläutete. Auf dem Heimweg schwieg es.
„Was ist denn los, Schatz? Du hast so toll gesungen, ich war unheimlich stolz auf dich!“
Mein Kleines war in Gedanken ganz woanders. „Der Nikolaus war schon mal im Kindergarten und hat vorgelesen“, sagte es stattdessen. „Er hatte ein ziemlich blödes Kostüm an. Die Mütze: vorn hoch, hinten hoch und in der Mitte Haare …“ Es simulierte mit den Armen irgendwelche Bretterwände mit einem Bachlauf dazwischen. „Allerdings glaube ich nicht, dass der echt war …“
Ich bekam einen mittelgroßen Schrecken und sah aufgrund eines schlechten Kostüms unsere Weihnachtsglückseligkeit den Bach runterrauschen.
„Der Nikolaus kann sich unmöglich den ganzen Vormittag zu uns in den Kindergarten setzen. Stell doch mal vor, wie viel der zu tun hat! Wenn er überall bis zum Mittagessen bleibt, schafft er am Tag zwei Kindergärten …“
„Wieso zwei?“
„Die Erzieherinnen essen später. Die können auch selber lesen, dann geht das schneller.“
Ich nickte.
„Aber mir hat gut gefallen, dass der Nikolaus Jans Papa als Gehilfen geschickt hat.“
Mir wollte immer noch nichts einfallen …
„Der kann bestimmt auch Weihnachtsmann …“,
überlegte Geflügel weiter. „Mama, frag ihn doch mal, ob er Weihnachten bei uns daheim den Weihnachtsmann spielt!“

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