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Große Pause

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Flaggenträger

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Im Kinderzimmer werden letzte Vorbereitungen für das Spiel getroffen.

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Kleine Fanmeile

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GoodWords sind vorbereitet!

Auch was das Wetter betrifft. :-)

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Kleider machen Pubertikel

„Damit du klarsiehst, Mutter“, rauschte mein Pubertikel letzten nach der Schule gut gelaunt in die Küche: „Demnächst brauche ich einen Anzug!“
Vor Schreck platschte mir eine Bockwurst in den Suppentopf. „Was brauchst du?“
„So ein Spießerding wie der Vatter hat. Weißt schon: in gleiche Farbe ’ne enge Jacke zur hässlichen Hose.“
Ich ließ die nächste Wurst fallen. „Was willst du denn damit?? Willst du künftig im Anzug zur Schule?“
„Quatsch, Mutter! Für den Abschlussball.“
„Wie viele Jahre hat das noch Zeit?? Da kauf ich dir doch jetzt noch keinen Anzug für!“ Der sollte erst mal zusehen, dass er das Schuljahr schaffte, an Abitur war noch lange nicht zu denken.
„In fünf Wochen brauch ich den!“
„Alles klar.“ Ich hantierte wieder mit der Suppe.

„Ohne Scheiß“, Pubi war klar, dass „Alles klar“ nicht bedeutet, dass etwas klar ist. „In Sport machen wir gerade Tanzstunde.“
Warum sagte der Junge das nicht gleich. „Da langt sicher auch ein Sakko.“
„Nein. Ich habe nur Jeans und die sind verboten. Kannst du auf dem Zettel nachlesen.“
Kräftig Spesen, toll.
„Schuhe brauche ich übrigens auch. Turnschuhe sind ebenfalls verboten.“
Das wurde ja immer besser. „Musst du da wirklich hingehen …?“
„Logisch!!“ Pubi legte direkt noch ein paar Längenzentimeter zu. „Und ich nehme einen richtig schicken Anzug!“
Ich hatte mich wohl verhört. „Wieso bist du denn so scharf auf so ein Ding?“
„Ein Anzug sieht voll gut aus! Den zieh ich dann auch zum Gammeln an.“

Meine Suppe war fertig und ich beschloss, die Sache an mich herankommen zu lassen. Eine Woche verging, eine zweite, Ende der dritten fragte Pubi mitten im Tatort-Trailer: „Hast du meinen Anzug besorgt?“
„Bürschlein“ – Im Youngsterkopf haust ein sonniges Gemüt – „Den Anzug kann ich nicht einfach bestellen. Da müssen wir für in ein Geschäft. Der muss sitzen, sonst sieht es bescheuert aus.“
„Blöd aussehen will ich nicht“, stimmte Pubi zu. „Fahren wir gleich? Ich hätte jetzt Zeit.“

Entgegen diesem Vorschlag warteten wir mit der Anschaffung bis zu den Ferien.
Ostersamstag, wir besuchten die Großeltern. Die Uhr zeigte halb elf und wir hockten bereits seit einer Stunde am Frühstückstisch. Allein Pubi fehlte.
„Geh mal deinen Bruder wecken“, stellte mein Mann Geflügel an.
Geflügel flatterte los. „PUBI!“, kreischte es und stieß die Tür zur Schlafkammer auf. Während die Tür gegen den Schrank krachte, brüllte es dem schlafenden Jungen ins Ohr: „AUFSTEHEEEEN!“

Pubi muss das ziemlich mitgenommen haben, denn etliches später erschien er mächtig schlecht gelaunt am Frühstückstisch.
„Was macht ihr wegen dem scheiß Anzug für einen Stress?“ Er schnüffelte angewidert an Omas selbstgemachtem Quittengelee. „Nicht mal was Gescheites zum Frühstück gibts.“
Meine Mutter vertrat die Hausoma-Ehre: „Ich geb dir gleich was Gescheites!“
Mein Mann, der mittlerweile in der Tageszeitung badete, tauchte kurz auf und knurrte: „Ich brauch keinen Anzug.“
„Ich auch nicht“, knurrte Pubi zurück.
„Dann bleiben wir hier“, jubelte Geflügel, „weil ich brauch auch keinen.“

„Übrigens …“, mein Mann legte die Zeitung beiseite: „Mein Tanzstundenanzug ist wieder richtig modern. Kurze Jacke und mega Schulterpolster …“ Er schwelgte in Erinnerungen. „Wo ist der eigentlich?“
„Bei den Faschingskostümen“, sagte ich.
„Könnt ihr vergessen, dass ich ein Faschingskostüm anzieh!“, regte sich Pubi auf. „Ich will sowieso nicht zu dem blöden Ball. Ich hab nur wegen der Mutter ‚Ja‘ gesagt!“
„Hä?“, ich hörte wohl nicht richtig. „Meine Idee war es nicht, dass du zum Abschlussball gehst. Das wolltest du selber!“
„Einen Scheiß wollte ich! Du hast gesagt, dass ich zu allen schulischen Veranstaltungen hin muss!“
„Hat die Mama nicht“, mischte sich Geflügel ein. „Ich weiß noch ganz genau, wie das war. Die Mama wollte mir Essen kochen. Dann kamst du nach Hause und die Mama hat mich vergessen. Ich wäre fast verhungert!“ Jetzt weinte es beinahe, so lebensnah erinnerte es sich.
„So schnell geht das mit dem Verhungern nicht.“ Pubi zog das Schwesterchen auf seinen Schoß. „Die sollen nicht immer mitten in der Nacht auf mich einquatschen, das könnten die sich langsam mal merken.“ Er drückte das Kleine. „Ich krieg dann immer ganz schlechte Laune.“
„Ich mag es, wenn die Mama auf mich einquatscht …“, sagte Geflügel.
Pubi grinste. „Du bist ja auch ’n dicker Wicht.“
Als die Sirene leiser wurde, fragte meine Mutter:
„Wann fahrt ihr eigentlich wieder?“

Wir schafften es an diesem Samstag dennoch, zu dritt in die nächste Stadt zu fahren. Wissen Sie eigentlich, wie schwierig es ist, einen Anzug für einen Heranwachsenden zu kaufen? In den gängigen Klamottenlägern der Jugend gab es keine. Am Ende landeten wir im Kaufhaus. Gut sortiert, und vor allem genügend Farbauswahl beim Modell Bohnenstange. Pubi zog ein dunkelblaues Jackett über, doch es baumelte wie ein Vorhang.
„Mach dich gerade!“, sagte die Verkäuferin und pikste Pubi ins Hohlkreuz. Mein Pubertikel straffte sich und siehe da: Das Jackett gewann augenblicklich Form und schmiegte sich an. Was ein adrettes Kerlchen!

Neben uns ein zweiter Tanzstundenkandidat. Der hatte allerdings weniger Glück: Einen Kopf kleiner als Pubi und das hellgraue Sakko, welches ihm seine Mutter von der Stange holte, in Heinz-Erhardt-Größe. Eine Verkäuferin sprang hilfreich dazu, doch Mutter Erhardt schickte sie dankend fort.
Unsere Verkäuferin grinste und schob Pubi in die Kabine. „Dreh dich vor dem Spiegel, hier ist das Licht besser.“
Sie reichte Pubi eine Hose. „Kann sein, dass die ein wenig kurz ist, wir wollen zuerst nach der Weite schauen.“
Weil meinem Pubi so gut wie nichts peinlich ist, kümmerte es ihn auch nicht, dass der Vorhang offen stand. Wie eine Bauchtänzerin wand er sich und versuchte, seine schmalen Hüften in die Hose zu schrauben. Dabei fluchte er leise: „Die scheiß Hose ist viel zu eng …“
„Mach den Knopf auf, Mensch!“, knurrte ich.
„Ich habe noch nie einen Knopf aufgemacht“, bekannte mein Pubi stolz.

Erhardts betraten die Kabine nebenan. Der Junge trug immer noch das Riesenjackett und auch der Vater steckte mittlerweile in einem Kartoffelsack. Mein Mann guckte irritiert von seinem Smartphone auf. Während Pubi sich noch in seine blaue Buxe wand, bekam das fremde Pubertikel eine schwarze Hose angereicht. Leider konnte ich nicht sehen, wie er es mit dem Hosenknopf handhabte, der Junge war schamhaft.

„Hast du eigentlich Schuhe?“, fragte die Verkäuferin.
„Ja, drei Paar“, antwortete Pubi. „Aber die darf ich nicht anziehen.“
„Ich habe da noch ein Paar richtig Coole!“ Die Verkäuferin zwinkerte ihm zu und verschwand.

Der Vorhang der Nebenkabine ratschte auf und das Zwergpubertikel mit der Riesenjacke trug jetzt zusätzlich eine Riesenhose. Ich musste plötzlich fürchterlich husten und setzte mich auf den nächsten Stuhl.
Der Junge schaute unschlüssig, während seine Mutter fachmännisch an ihm herumzupfte: „Ist genügend Saum drin, da kann man noch etwas herauslassen.“ Sie zog ihm wie einer Vogelscheuche die Arme breit. „Nicht dass der Anzug schnell zu klein wird.“

Just während ich mich wieder einkriegte, kam die Verkäuferin mit einem Paar schwarz glänzender Lochlederschuhe mit lila Schnürsenkeln zurück.
„Die nehme ich!“, sagte Pubi. „Können Sie gleich meiner Mutter geben!“
„Probier besser erst mal an“, sagte die Verkäuferin.

„Du brauchst sicher auch ein Hemd“, sagte sie, und ging wieder, ohne eine Antwort abzuwarten.
„Und eine Fliege!“, rief Pubi hinterher.
Mein Mann und ich stöhnten und die Verkäuferin grinste.
„Mama“, sagte Erhardts Kleiner, „ich will auch eine Fliege!“
„Nein“, bestimmte die Chefin, „Günter Jauch trägt Schlips.“

Die Verkäuferin kam mit einem echt schicken Hemd zurück und Pubi pellte den Oberkörper. Bis Hemd und Schlips richtig saßen, dauerte es. Mein Pubi stand also aufrecht und obenherum mächtig geschniegelt da.
„So, jetzt probier die Schuhe dazu“, sagte die Verkäuferin und griff hinter sich. Nichts, die Schuhe waren weg. „Wo sind denn meine Schuhe?“, fragte sie die vorbeigehende Kollegin.
„Keine Ahnung“, sagte die, „Ich komme aus der Pause.“
„Das ist jetzt blöd“, sagte die Verkäuferin nach weiterer Suche bedauernd, „das war das letzte Paar …“
„Siehste, Mutter, ich hab doch gleich gesagt, du sollst sie einstecken!“
„Nun reg dich mal nicht auf“, sagte mein Mann, „wir finden schon noch etwas für dich.“
„Gefällt dir dein Outfit?“, sorgte die Verkäuferin für Themenwechsel.
Pubi versenkte weltgewandt die Hände in den Hosentaschen und drehte sich vorm Spiegel. „Super!“, sagte er. „Das behalt ich gleich an!“
„Bloß nicht!!“, sagte ich. „Ich will den Anzug erst nach dem Ball in die Reinigung bringen!“

Als Pubi wieder vertraut in Jogginghose und Turnschuhen dastand und wir zur Kasse gingen, schaute ich noch einmal zurück. Ich wollte nichts vergessen. Vor dem Spiegel dreht sich Zwergpubi Erhardt. Riesenjacke, Riesenhose – und: Riesenschuhe.

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Die Formen Kindergeburtstag

Wenn ein Zwergengeburtstag ansteht, gibt es zwei Möglichkeiten: Man verfällt Tage vorher besorgt um den Wohnungsfrieden in Übellaunigkeit oder die Sause findet aushäusig statt. Ganz klar, ich halte mich an letzteren Plan. Wie im Vorjahr buchte ich: 1 x Indoorspielplatz* mit Sack und Pack. Auf der Fahrt griffen Geflügel und seine Gäste eines ihrer liebsten Themen auf, ebenfalls wie letztes Jahr ging es ums Kotzen.

Geflügels Freundin gab den Ring frei: „Neulich musste ich ganz viel brechen.“
„Ins Auto?“, fragte mein Kleines hocherfreut.
„In den Flur“, antwortete die Freundin stolz.
„Ich breche immer im Auto, wenn mir heiß ist.“
Der dritte Bündnispartner ergänzte: „Du hast schon mal bei Amelie auf die Hose gekotzt.“
„Stimmt“, nickte Geflügel und die Freundin komplettierte: „Im Stau war das, als wir zu Nadines Hochzeit fuhren.“
Toll, jetzt ging das wieder los!
„Leute“, mischte ich mich ein, „erzählt aber nicht noch mal von den Kartoffelhappen und den zerkauten Möhrchen! Das konnte ich das ganze Jahr über nicht vergessen!“
Alle hingen kurz ihren Gedanken nach. Plötzlich, nachdem sie sich die Sache mehr oder weniger erneut durch die Köpfe gehen lassen hatten, sagte die Freundin: „Als ich gebrochen habe, hing das Essen in meinen Haaren!“ Sie fächerte ihr langes blondes Haar auf, sodass es bis zum Kumpel auf den Nachbarsitz fiel.
„Wann war das?“, fragte der Kumpel.
„Keine Ahnung … Aber Nudeln hingen drin.
„Gedrehte?“
„Nein“, sagte die Freundin, „ganz lange Spaghetti.“
„Ess ich total gerne.“
Geflügel fragte: „Und was hat deine Mama gesagt?“
„Habe ich nicht verstanden. Ich musste so laut würgen.“
An der Stelle schaltete ich das Radio ein.

Aber lassen Sie uns thematisch zum Indoorspielplatz vorauseilen!
Selten sehe ich so viele Kinder heulen wie in einer Indoorspielhalle. Dauert sicher nicht mehr lange und solche Plätze werden wegen Grausamkeit gegen das Kindeswohl verboten.
Ich hingegen liebe derartige Spielplätze! Nirgends kann ich so gut arbeiten wie hier. Bierzeltgarnitur mit Sitzpolster und Rückenlehne; ab und an fülle ich Becher mit Sprudel, seltener die Chipsschüssel oder die Apfelschnitzel. Normalerweise ablenkungsfrei, der Lärmpegel bleibt gleich, es ist schön warm und keiner spricht mich an.

Heute allerdings war der Wurm drin. Ständig heulte einer. Los ging es, da hatte ich noch nicht einmal die Schuhe aus. Auf der Rutsche knallten zwei meiner Hänse mit den Köpfen zusammen. Bei einer tropfte danach Blut vom Ohrläppchen, beim Andern von der Stirn. Im Lauf des Nachmittags rollte sich eine Dritte eine Schürfwunde und ein Vierter meinte, sein Kopf würde falschherum draufsitzen. Ständig beschwerten sie sich über den Schimpfwortschatz fremder Kinder – als sie jedoch dazu übergingen, mich auch bei Belangen auswärtiger Kinder zu Hilfe zu rufen, verwahrte ich mich entschieden: „Es ist gut, dass ihr euch um in Not geraten Kinder kümmert. Aber sucht deren Betreuungspersonal. Die kennen sich, von denen lassen sie sich schneller aufheitern.“

Neben meinem Bierzelttisch feierte eine Großfamilie. Das dicke Mädchen trug ein langes Spitzenkleid und hatte die Haare vermittels Lockenstab zu einer kunstvollen Turmfrisur aufgebaut. Genau das Richtige für einen wilden Spielnachmittag. So kam es, dass die dicke Prinzessin ständig plärrte. Mal trat sie sich mit den Knien auf den Kleidersaum und kam nicht vorwärts, ein anderes Mal verhedderte sich ihre Gardine in einer Aufhängvorrichtung des Kletterturms. Die Cousinen waren ähnlich gekleidet und die ganze Bagage fiel durch körperliche Ungeschicklichkeit auf.

Als die dicke Prinzessin wieder einmal plärrend in einem Turm feststeckte, wurde es einem anderen Prinzesschen offensichtlich zu blöd und es warf sich vor den Geschenkeberg der Dicken. Neugierig fetzte das Prinzesschen das bunte Papier von den riesigen Pakete. Erst eins, dann zwei – beim Dritten kriegte das die Dicke in ihrem Rapunzelturm spitz …
Ich sage Ihnen weiter nichts! Sofort kam der Kassenwart des Ladens gerannt. Er fürchtet wohl, ein Gast hätte sich den Hals gebrochen.

Eben wollte er sich beruhigt in sein Kassierstübchen zurückziehen, als ihm auffiel, dass auf der Bierzeltgarnitur der Großfamilienfeier verbotenes Essen gereicht wurde. Überall in der Halle hängen Bilder, dass das Mitbringen von würzigen Speisen nicht gestattet ist. Klar, Indoors wollen halt ihre eigene Gastronomie unters Volk bringen. Kuchen, Süßkram und Getränke dürfen Gäste hingegen supermarktgünstig selbst ankarren.
(Wo wir einmal dabei sind: Verboten ist vermittels Schild ebenfalls, dass Erwachsene auf den Spielgeräten herumturnen!)

Der Kassenwart wiegte also den Zeigefinger vor der Nase der Mutter; sie hob die Brauen: Nix verstehen. Die anderen Beleibten verstanden offensichtlich besser, denn sie begannen hektisch zu spachteln. Der Kassenwart zog zwischen zwei Schüsseln mit lecker aussehendem Inhalt ein bemaltes Schild hervor und reicht es der Mutter. Was blieb ihr anderes übrig: Sie nickt und begann den anderen Müttern die Schüsseln wegzunehmen. Die schaufelten noch schneller und der Kassenwart ging wieder.

Das Geburtstagskind steckte übrigens immer noch plärrend fest, was die Mutter veranlasste, einen wohlgenährten Jungen zur Rettung auszusenden. Der Junge knurrte, er spekulierte auf weitere Speisen. Als Tischlein-deck-dich kurzzeitig abgeräumt war, packte die Mutter der Dicken eine gelbe Cremetorte aus. Natürlich knickste oben in der Tortenmitte eine graziöse Schokoladenprinzessin. Die anderen Mütter klatschen Beifall, winkten die Kinder heran und setzten ihnen bescheuerte Papphütchen auf. Alt wie jung machte sich über die Torte her: Alle zufrieden.

Kaum war die Torte verputzt, sammelten die Mütter erneut ihre verlustig gegangenen Kinder ein – die Dicke musste wieder irgendwo befreit werden – und packten zusammen. Das Gastspiel dauerte nicht einmal zwei Stunden.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Beteiligten für die grandiose Unterhaltung bedanken!
Ich komme sehr gerne wieder!

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*Indoorspielplatz = Halle mit riesigen, fangnetzgesicherten Klettertürmen und Rutschen für Kinder bis 12 Jahre

Wenn Mutter krank ist …

In den letzten Wochen schlief ich in abwechslungsreich vielen Betten; erwache ich nachts, überlege ich häufig, wo ich liege …

Seien wir ehrlich, liebe Leser, ich weiß, wie sich das liest: Frau GoodWord scheint ihrer Mischpoke überdrüssig und vergnügt sich. Doch weit gefehlt: GoodWords waren erkrankt. Als der Vater eines Abends schnupfte, sackte ich mein Bettzeug und zog auf die Couch. Vatter sollte seine Ruhe haben – und die Bazillen für sich behalten. Nach zwei Nächten war Gefügel der Weg bis zu Mutters Ausweichlager vor der Glotze zu gefährlich und es bat, Mutter möge sich auf die harte Matratze im Hühnerstall betten. Leider träumte das Kleine weiterhin schlecht und kroch in der Nacht zu mir auf das 60-Zentimeter-Brett. Als mein Mini endlich schlief, zog ich in sein Mini-Bett um.

In der folgenden Nacht hatte ich genug vom kuscheltiervollgeladenen, kurzen Bett und bin abermals auf mein Sofa.
Zum Glück ging es dem Haushaltsvorstand wieder besser und ich siedelte in der kommenden Nacht ins Ehebett zurück. Wir fassen zusammen: 5 Nächte = 5 Läger.

Nun war es aber so, dass des Chefs Bazillen unbedingt auch ein weibliches Quartier probieren wollten. Eines Morgens stand ich nicht mehr auf: Die Grippe hatte mich gestreckt. Lag es daran, dass ich kleiner bin, oder weil die Zeit reif: Ich war richtig krank. Um keinen anzustecken, verlegte ich meine Schlafstatt von Neuem auf die Couch und blieb dort liegen.
Damit ich wenigstens ein bisschen herumlief, schickte mir mein Mann nun täglich Kuriere. Alle zwei Stunden kam ein anderer, ich kenne jetzt sämtliche Zustelldienste.

In der darauf folgenden Nacht schloss sich Pubi an. Solidarisch ließ er sich zuerst das Essen durch den Kopf gehen. Weil die Komponenten unvorbereitet aus ihm heraus wollten, entleerte er sie in den Papierkorb. Mitten in der Nacht stand mein Mann plötzlich an meinem Krankenlager. Jetzt war ich froh, dass sich Pubi letztens versehentlich auf seinen Papierkorb aus Drahtgeflecht gesetzt hatte. Die Fuhre, die Pubi in den neuen Mülleimer traf, konnte ich sicher durchs Treppenhaus transportieren.

Am Morgen – ich hatte mit meinen Gliederschmerzen schließlich in den Schlaf gefunden – sorgte sich mein Mann, ob wir alle noch lebten. Er wanderte sämtliche Krankenlager ab und erkundigte sich. Weil leidensbedingt keiner so recht reagierte, sprach er lauter. Zwei Stunden später, ich war endlich wieder weggedämmert, beschloss mein Pubi, dass es ihm nun gut genug ginge und er sich auf den Weg zur Schule machen könnte. Als er mit viel Getöse aus dem Haus war und ich zu guter Letzt ein Nickerchen tätigte – Sie ahnen es? – schellte ein Kurier.

Indes ging es mir täglich schlechter und auf einmal hatte ich eine Lungenentzündung. War ich vorher schon krank – das war jetzt kein Vergleich mehr. Ich japste nach Luft und sehnte mich nach meinem 38-qm-Appartement. Mein Münchener Appartement war nicht nur winzig, es gab vor allem keine Treppen. Die Distanz zwischen Bett und Klo betrug einen Meter achtzig.
„Das kannst du hier auch haben“, sagte mein Mann, „Ich stell dir einen Eimer ans Sofa.“
So krank war ich dann doch nicht, denn ich schimpfte und erinnerte ihn an seine fröhlichen Kinder.

Nichtsdestotrotz hatten wir ein Betreuungsdefizit. Kam Geflügel mittags angeflattert, reichte eine sieche Mutter nicht. Ein Huhn in Schach zu halten, braucht es ein vollwertiges Gemüt.
„Ich rufe die Krankenkasse an“, beschloss mein Mann.

„Es tut uns sehr leid, dass Ihre Frau so krank ist“, sagte die freundliche Dame. „Erzählen Sie bitte von Ihrer häusliche Situation!“
Mein Mann tat wie geheißen und zählte Geflügel, Pubertikel, die kranke Mutter und den arbeitenden Vater auf.
„Dann ist doch alles paletti.“ Die Dame war erleichtert. „Sie haben ein Pubertikel daheim, der wird sich um alles kümmern.“
„Um was soll der sich kümmern?“ Mein Mann war irritiert.
„Das kleine Kind betreuen, einkaufen, kochen … was ihre Frau normalerweise so macht.“
„Das kann der doch gar nicht!“ Mein Mann schüttelte den Kopf.
„Pubertikel können so was. Lassen Sie ihn nur machen. Die können mehr, als man ihnen zutraut!“
Mein Mann bedankte sich, und just als er auflegte, rumpelte Pubi in den Flur.
Der Schulrucksack krachte gegen die Klotür und Pubi stürmte in die Küche. „Was gibt’s zu essen?“, rief er schon auf der Treppe.
„Nichts“, sagte mein Mann. „Ab heute kochst du.“
Pubi tippte sich an die Stirn. „Wer sagt das denn?“
„Krankenkasse.“
„Von denen lass ich mir gar nichts sagen!“
„Außerdem sollst du dich ab heute um deine kleine Schwester kümmern“, fuhr mein Mann fort.
Pubi feixte. „Wäsche soll ich sicher auch waschen?“
Mein Mann nickte.
„Ihr könnt mich mal!“ Pubi fuhr den Mittelfinger aus. „Ich bin verabredet, das ist megawichtig!“ Er guckte zur Uhr. „Außerdem bist du da, du kannst das machen!“
„Morgen nicht mehr. Ich will nicht meinen ganzen Urlaub verplempern.“
„Ich spiel jedenfalls nicht die Putze!“, regte sich Pubi auf. „Ich hab Schule!“
„Und was ist mit Essen?“
„Gibst du mir Geld mit“, schlug Pubi vor, „hol ich mir einen Döner.“
„Dann bist du versorgt. Und was kriegt deine kleine Schwester?“
„Die ist rund genug. Guck dir mal die dicken Bäckchen an!“
Geflügel kreischte los, während mir ob des Lärms fast das Herz stehen blieb. Das Geplärr zu übertönen fehlte mir jedoch die Luft.
Pubi wurde immer nervöser und mein Mann fragte: „Was ist?“
„Die Bahn kommt in 10 Minuten, ich muss Gruppenarbeit für die Schule vorbereiten.“
„Hat sicher mit zocken zu tun.“ Mein Mann grinste. Dann sagte er: „Schwirr ab. Wäre aber trotzdem schön, wenn du dich in nächster Zeit mehr um deine Schwester kümmern könntest!“
„Mach ich“, rief Pubi aus dem Flur. „Ich komm um 20:00 Uhr heim!“

Nun wollen Sie sicher wissen, wie wir unsere Angelegenheit regelten. Eine Woche verlagerte mein Mann sein Büro ab der Mittagszeit nach Hause. Pubi sahen wir selten. Dafür kann Geflügel jetzt einen 4-Personen-Haushalt schmeißen. Warme Kissen machen, Wäsche sortieren, Brot abschneiden, hinter den Jungs herräumen – mein Zwerghuhn ist eine einfallsreiche Hausfrau geworden.

Verrate ich aber nicht der Krankenkasse. Die lasse ich in ihrem Glauben an nützliche Pubertikel.

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Kleines SchornsteinEinmaleins

Manche von uns wohnen ein Leben lang im Radius ihrer Wiegenstatt, andere treibt das Business oder das Herz durch die Gegend. Ich bin schon was herumgekommen, aber nach meiner Wiege schaue ich trotzdem regelmäßig.

Mit steigender Zahl schulpflichtiger Fortpflanze erfordert das mehr Kompromisse – und unökonomischeres Überholen. In den Weihnachtsferien war es wieder so weit: Wir schnürten die Bündel.
Während ich das Gepäck im Auto verstaute, wartete Geflügel mit seiner Kuscheleule unterm Arm am Straßenrand. Es spähte angestrengt bergab.
„Was hast du denn?“, fragte Pubertikel. „Bist du aufgeregt?“
„Guck mal“, Geflügel zeigte auf ein Nachbarhaus: „dort wohnen zwei Leute …“
Pubi schaute ebenfalls. „Stimmt nicht“, stellte er fest, „dort wohnt nur einer.“
Kluggequatsche beeindruckt meine kleine Henne ja nun nicht: „Die haben zwei Schornsteine, also wohnen da zwei Leute!“
„Du Dummerchen“, Pubi riss das Kleine an sich und drückte es, „Schornsteine haben doch nichts damit zu tun, wie viele Leute drin wohnen! Stell dir mal vor, wir hätten dann fünf Schornsteine. Wäre doch kein Platz mehr für Dachziegel.“
„Wieso fünf?“
„Erst mal ich …“, fing Pubi an, korrekt die Prioritäten abzuzählen. „Dann du, Mama, Papa und Eddy. Das kleine Schwein soll auch nicht frieren.“
„Wir sind sechs!“
„Hä?“
„Meine Eule hat’s auch nicht gerne kalt.“
Pubi grinste. „Schornsteine gleich Menge der Öfen. Plus vielleicht Heizung. So genau kann man das von außen nicht erkennen.“ Er deutete auf ein anderes Nachbarhaus: „Vier Leute, ein Schornstein. – Geschnallt?“
Geflügel nickte und mir platzte vor Stolz fast die Jacke am Kreuz auseinander.
„Na los, Leute, früher wird’s nicht!“ Ich schloss die Haustür ab und spähte zur Sicherheit noch mal in den Briefkasten.
„Wieso müssen wir immer so weit fahren??“, schimpfte Geflügel, als ich ihm den Gurt anlegte. „Oma und Opa könnten auch nebenan wohnen!“
„Da wohnen schon welche.“

Wir fuhren den Berg hinunter – ich genoss die Winterruhe und die prima Aussicht – fing mein Geflügel wieder an: „Das riesige Haus dort hat zwei Schornsteine … – Wieso wohnen da nur zwei Leute drin?“
Pubi haute sich vor den Kopf, während ich so tat, als hätte ich nichts gehört.
Als ich unten an der Kreuzung nach dem Kaffeebecher angelte, gelang es meinem Pubertikel trotzdem, den letzten Hühnerbeitrag zu überschatten: „Wohin fahren wir eigentlich??“

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Rock meats ChristmasChicken

Damit Geflügel nicht nur an Mutters Rock baumelt, singt es seit einiger Zeit im Kinderchor. Es trällert in einer altershomogenen Truppe, will sagen: Der Chorleiter ist ein armer Mann.
Letztens hatte die Farm einen Auftritt. Ein Musical, in welchem es ums Teilen mit den Armen ging. Geflügel sollte sich als mittelalterliche Magd verkleiden.
„Als Magd will ich nicht!“, schmetterte es. „Ich geh als Indianer!“
„Indianer hatten die im Mittelalter aber keine“, sagte ich und hielt ihm den Rock hin.
„Jetzt haben sie einen!“ Das Kleine zerrte mir den Rock aus der Hand und stopfte ihn hinter die Heizung.
Während ich mich beglückwünschte, bis zum letzten Tag mit der Kostümprobe gewartet zu haben, nahte von der Treppe Hilfe.
„Wenn ich einen Auftritt habe …“ – der Vater faltete sich bedächtig auf einem Kinderstuhl zusammen – „stehe ich auch nicht im Schlafanzug auf der Bühne. Dann ziehe ich mich für Rock-Musik an.“
„So ein Quatsch“, echauffierte sich Geflügel. „Du hast doch gar keinen Rock!!“

Im Flur brach Hektik aus: Pubi kam auf Durchreise. Er schmiss den Schulrucksack in sein Zimmer, schnappte ein Utensil und wollte flott die nächste Bahn erwischen.
„Wie viele ist der eigentlich?“ Mein Mann war ob des Transit-Tumults sichtlich irritiert.
„Der macht immer so eine Welle.“ Ich winkte ab. „Lass uns hier weitermachen.“
„Wir müssen nicht weitermachen“, sagte Geflügel. „Geh ich halt als Fisch!“

Irgendwie gelang es uns jedenfalls, sie am Auftritts-Morgen in ein dunkles Kleid zu zwängen, ein Wolltuch um die Schultern und statt eines Kopftuches wenigstens ein Blümchen ins Haar. Ein wenig verspätet erschienen wir am Treffpunkt. Gewohnt fröhlich riss ich die Tür zum Veranstaltungsraum auf – und erblickte einen Jahrmarkt grimmiger Minimägde und -Knechte.
„Was ist denn hier los?“, fragte ich meine genervte Nachbarin.
„Ein Theater mit den Kostümen …“ Sie knöpfte ihre Jacke auf und zog ein Kopftuch hervor. Dann sagte sie zu mir: „Pass mal auf …“
Sie drehte ihr träumendes Geflügel zu sich und wollte ihm geschwind das Kopftuch umbinden. Das fremde Geflügel wurde augenblicklich lebendig und riss sich das Kopftuch vom Kopf. „ICH BIN DOCH KEINE PUTZFRAU!“, brüllte es.
Das ihm am nächsten stehende Geflügel riss ebenfalls sein Kopftuch herunter und brüllte: „ICH AUCH NICHT!“
Das Domino erreichte mein Geflügel, aber ehe es einstimmen konnte, schnappte ich sein Ärmchen: „Du brauchst dich nicht aufzuregen, du trägst kein Kopftuch!“

Der Chorleiter sammelte nun das Marktvolk ein und gruppierte es auf der Bühne. Dabei fiel ihm ein Junge auf: „Nanu, du bist doch gar nicht verkleidet?“
„Ich mach eine Zeitreise“, sagte der Junge.

Geflügel kam noch einmal angehüpft, es hatte Durst. Während es mit seiner Flasche beschäftigt war, raunte meine Nachbarin: „Weihnachten kann das mit den Kostümen ja heiter werden …“
„Als was müssen sie sich denn verkleiden?“ Ich stöhnte.
Meine Nachbarin blinzelte: „Als Engelchen.“
Geflügel setzte seine Flasche ab: „Das kannst du vergessen! Weihnachten mach ich eine Zeitreise!“

„Würde ich bleiben lassen …“, plötzlich eine mürrische Stimme in der Reihe hinter mir. Weil die Uhr frühen Sonntag-Vormittag zeigte, war mein Pubertikel schlecht gelaunt.
„Wieso denn nicht?“ Geflügel ließ Auftritt Auftritt sein und stellte sich auf Bruders Tennistasche, damit es besser sehen konnte.
„Hallo“, knurrte der. „Mein Rucksack ist keine Fußbank.“
„Warum soll ich denn keine Zeitreise machen? Ist das gefährlich?“ Mini wollte das jetzt wissen.
„Mann, Mutter, erklär du das, ich schlaf noch …“
„Woher soll ich das wissen.“ Ich tippte mir an die Stirn. „Ich bleib Weihnachten daheim.“
„Soll ich besser keine Zeitreise machen?“ Geflügel kletterte auf Pubis Schoß.
„Denk doch mal an den Weihnachtsmann …“ Mein Pubi funkelte mich sehr giftig an.
„Ach ja …“ Es nickte. „Ja, dann bleib ich auch hier. –  Aber ich geh nicht als Engelchen!“
Meine Nachbarin feixte und ich beschloss, Weihnachten weit wegzuschieben. Heute zählte nur die singende Magd.
„Genug getrunken“, bestimmte ich, „Abmarsch auf die Bühne!“

Trotzdem war das der Moment, der Geflügels diesjährige Weihnachtsstimmung einläutete. Auf dem Heimweg schwieg es.
„Was ist denn los, Schatz? Du hast so toll gesungen, ich war unheimlich stolz auf dich!“
Mein Kleines war in Gedanken ganz woanders. „Der Nikolaus war schon mal im Kindergarten und hat vorgelesen“, sagte es stattdessen. „Er hatte ein ziemlich blödes Kostüm an. Die Mütze: vorn hoch, hinten hoch und in der Mitte Haare …“ Es simulierte mit den Armen irgendwelche Bretterwände mit einem Bachlauf dazwischen. „Allerdings glaube ich nicht, dass der echt war …“
Ich bekam einen mittelgroßen Schrecken und sah aufgrund eines schlechten Kostüms unsere Weihnachtsglückseligkeit den Bach runterrauschen.
„Der Nikolaus kann sich unmöglich den ganzen Vormittag zu uns in den Kindergarten setzen. Stell doch mal vor, wie viel der zu tun hat! Wenn er überall bis zum Mittagessen bleibt, schafft er am Tag zwei Kindergärten …“
„Wieso zwei?“
„Die Erzieherinnen essen später. Die können auch selber lesen, dann geht das schneller.“
Ich nickte.
„Aber mir hat gut gefallen, dass der Nikolaus Jans Papa als Gehilfen geschickt hat.“
Mir wollte immer noch nichts einfallen …
„Der kann bestimmt auch Weihnachtsmann …“,
überlegte Geflügel weiter. „Mama, frag ihn doch mal, ob er Weihnachten bei uns daheim den Weihnachtsmann spielt!“

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Backtradition

Wo ich herkomme, sind alle Leute mächtig Weihnachtsfans. Innen und außen dekorieren wir die Häuser üppig mit Tannenwedeln und erhängen kleine Püppchen. Man kann sich bei uns im Dezember schlecht bewegen, aber das muss man auch nicht, es ist ja kalt.

Seit ich von daheim weg bin, halte ich es mit der Tradition, wie es mir in den Kram passt. Weihnachtszeug räumen wir eine Woche vor Totensonntag hin, die Mühe soll sich ja lohnen. Wir verteilen sechs Umzugskisten Holzwaren und Kerzenarrangements im Haus. So was dauert. Ginge es nach Geflügel, winkten Weihnachtsmänner und Engelchen noch bei 30 Grad aus dem Bücherregal. Im Freibad schwitzen und am Abend unterm Tannenbaum Weihnachtslieder singen.

Von der Deko abgesehen – kulinarisch habe ich es weniger drauf. Weil wir letztes Jahr am zweiten Advent noch keinen einzigen Keks produziert hatten, fingen wir in diesem Jahr in der zweiten Novemberwoche damit an. Ein wenig grauste mir: Ich fürchtete mich vor Fettfingern an der Wand und Teigklumpen im Teppich.
„Hab dich nicht so“, beruhigte mich mein Mann.
Zum einen ist er ein Mann, zum anderen ist es stockfinster, wenn er das Büro verlässt.

Solchermaßen vom Ehegespons bestätigt, legten Geflügel und ich also eines Nachmittags los.
„Du ziehst eine Schürze an!“, bestimmte ich.
„Letztens bei Ikea wolltest du mir keine kaufen“, schimpfte es.
„Für zwei Mal im Jahr Plätzchen backen, kauf ich nicht extra einen Doppelpack Kinderschürzen. Du bist groß genug, du nimmst eine von meinen.“
Geflügel jubelte. „Dann will ich die mit dem Strick um den Hals!“

„Rühr dich nicht vom Fleck, ich gehe kurz in den Keller und hole das Ausrollbrett!“
„Ich bleib brav hier stehen und fummel mit der Butter.“
„Untersteh dich! Bewach die Butter, das langt!“ An der Tür drehte ich mich noch einmal um. Das Kleine stand auf der Fußbank, seine Kuscheleule unterm Arm und guckte in die Rührschüssel.
„Nicht fummeln!“, sagte ich noch einmal.
„Mach ich nicht.“ Es nickte.
Trotzdem hielt ich es für nötig, die Treppe hinunter zu rennen. Ich hatte die Tür des Vorratsraumes gerade geöffnet, als es über mir schepperte.
„Himmel …“, stöhnte ich und zog eilig das schwere Holzbrett hinter dem Regal hervor.

Als ich oben ankam, hockte mein Geflügel vor einem Küchenschrank und stopfte wahllos Tischdecken hinein.
„Was ist denn hier passiert?“
„Ich hab schon mal die Schürzen rausgeholt.“
„Was haben die mit den Tischdecken zu tun?“
„Die Schürzen lagen drunter. Da hab ich gezogen.“
„Und was hat eben so fürchterlich gescheppert?“
„Das war das Eimerchen mit den Ersatz-Schlüsseln.“ Mein Mini wirbelte ein paar Tischdecken hoch. „Das hab ich aber noch nicht wieder gefunden …“

Statt zu backen, faltete ich jetzt Tischdecken und stapelte sie in den Schrank zurück.
„Wann geht’s denn endlich los?“ Mein Gefieder wurde ungeduldig.
„Such schon mal die Ausstechformen raus.“ Irgendwie musste ich sie ja beschäftigen. „Aber nimm Weihnachtsformen!“
Geflügel warf sich quiekend vor einen anderen Schrank und riss die Holztüren auf. Im gleichen Moment krachte und dröhnte es erneut – und die große Blechdose mit unserem gesamten Besitz an Ausstechformen lag auf dem Boden. Ich knurrte und dachte voller Liebe an meinen Mann.
„Da hat so ein Depp die Blechdose auf das Nudelholz gestellt“, entschuldigte sich Geflügel.
Weil nicht viele Deppen infrage kamen, holte ich tief Luft und sagte nichts.

Meine Henne kramte in den Formen und gackerte zufrieden vor sich hin. Als ich endlich den Tischdeckenschrank schloss, lag hinter mir eine Giraffe. An deren Schwanz hing ein Elefant, den eine Kuh schob. Auf der Kuh hockte ein Schmetterling und gerade wollte sich ein Osterlamm in die Zoowanderung einreihen.
„Haben wir nicht gesagt, wir backen Weihnachtsplätzchen?“
„Ich hätte als Nächstes schon einen Baum genommen …“ – ein Tornado wühlte durch die Ausstechformen – „ich finde nur die Kirschen nicht …“
„Schatz, Weihnachten: Da fällt Schnee, es ist kalt, Glöckchen klingen, der Tannenbaum leuchtet …“
„Nehmen wir statt Weihnachstbaum lieber das Krodkodil!“, unterbrach es mich. „Das ist genauso grün.“

Leg der Hund seinen Haufen drauf, mir sollte das egal sein: Hauptsache Plätzchen! Plötzlich fiel mir ein, dass wir das Problem mit der Symbolik schon im letzten Jahr hatten. Da waren es Delfine, die Geflügel unbedingt backen wollte. Wider Erwarten waren die gewaltig gut angekommen.
„Wo sind eigentlich die beiden Delfinausstecher“, fragte ich, nachdem ich das Chaos gescannt hatte.
„Ja, das frag ich mich auch …“ Geflügel hüpfte zum Fenster.
„Hast du die Delfine etwa einkassiert?“
„Das war bestimmt mein Bruder, der hat die sicher gebraucht …“

„Was hab ich gebraucht?“ Pubertikel war heimgekommen. Er schmiss den Schulrucksack vor den Tresen und während er nach dem Himbeersirup angelte, machte sich das Kleine aus dem Staub.

„Ich glaub, die hat was angestellt …“, sagte Pubi und kippte sein Glas halb voll Sirup. Erst wollte ich etwas zum Mischungsverhältnis loswerden, doch dann winkte ich ab und ging mein Zwerghuhn suchen. Schließlich entdeckte ich es oben im Zelt. Der Vorhang war zugezogen, und als ich mich setze, raschelte es drinnen aufgeregt.
„Was ist los, Engelchen?“, fragte ich.
„Das mit dem Nikolaus sorgt mich …“, schluchzte das Kleine.
„Was denn genau?“ Ich zog es aus dem Zelt.
„Man muss doch Schuhe putzen und vor die Tür stellen …“
„Ja …“
„Am Morgen stehen unsere Schuhe nicht mehr draußen, sondern auf dem Küchentisch …“
Ich nickte und streichelte das Köpfchen.
Jetzt heulte es richtig los. „Ich bin heute in Hundescheiße getreten!“

„Ist nicht schlimm …“ Kurz schaute ich zum Himmel. „Bei uns legt der Nikolaus die Geschenke sowieso in die Hauspantoffeln.“
Statt sich einzukriegen, plärrte mein Mini nun aber noch mehr.
„Was?!“, fragte ich gereizt. Mir langte das mit der Hundescheiße schon. Deutlich erinnerte ich mich der Flugbahn, welche die Straßenschuhe von der Treppe genommen hatten. Im Flur waren sie aufgeschlagen und mit der Sohle an der Wand liegen geblieben. Mir war das gleich missfallen.
„Voll unfair ist das …“ Dicke Tränen platschten auf ihren Pullover. „Guck doch mal, was ich für kleine Schuhchen hab!“
„Wenn in Papas Riesenlatsch ein Pinguin steckt, glaube ich nicht, dass der Papa das Viech behält.“
„Ja“, schniefte mein Kleines. „Der Pinguin steht ja auch auf meinem Wunschzettel …“

„Apropos Viehzeug: Vielleicht fällt dir bei der Gelegenheit ein, wo die Delfinausstecher sind?“ Immerhin hatten wir Pläne für den Nachmittag.
Mein Geflügel verschwand wieder im Zelt und raschelte erneut. Dann klatschten zwei Delfine gegen den Schrank. „Ich weiß aber nicht, wie die hier raufgekommen sind.“

„Siehste, Mutter, ich hab doch gesagt, dass die was angestellt hat!“ Pubi kam ins Zimmer. Er wollte ins Kino und brauchte Geld. „Kannst ruhig noch einen 5er drauflegen, dann geh ich vorher zu McDonalds!“
„Gegessen wird zu Hause!“ Was meint der Junge eigentlich, wofür er Taschengeld einstreicht?
„Ich geh mit Pommes essen!“, jubelte das Kleine. „Warte, ich zieh mich schnell an!“
Pubi wurde sichtlich nervös. „Mutter, tu was!!“, regte er sich auf, als ich nicht reagierte.

Nun fiel mir aber genau in dem Moment ein, dass ich lange keine Mails abgerufen hatte. Ich stand also auf und überließ den Kindergarten sich selbst.
Meine Mails der letzten zwei Stunden waren noch nicht einmal vollständig durchgerasselt, als meine Fortpflanze einträchtig die Treppe herunter kamen. Das Kleine küsste den Bruder zum Abschied und er sagte: „Lass dich nicht abwimmeln. Sag der Mama, ich hab’s erlaubt!“

„Was hast du erlaubt??“ Was meinen Sie, wie schnell ich aus meinem Stuhl war!
Pubi rief: „Bin weg! Bahn kommt gleich!!“ Die Haustür krachte ins Schloss.
„Was hat er erlaubt?“, fragte ich mein Mini, das glückselig neben meinem Schreibtisch auftauchte.
„Mein Bruder hat mir erlaubt, den ganzen Nachmittag auf deinem Rechner Filmchen zu gucken!“

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„Backtradition“ ist unser letzter Schwank für 2014. Wir bedenken uns für die Treue und die vielen, vielen unglaublich lustigen Kommentare! <3
GoodWords wünschen Euch eine wundervolle Weihnachtszeit und einen gepflegten Rutsch!

Auf Wiederlesen in 2015! :-)

Eure Familie GoodWord

Fliegerohren

Vater Goodword muss geschäftlich nach München. „Einen Haarschnitt brauche ich diese Woche auch“, überlegt er beim Sonntagsfrühstück.
„Mach mal was Modernes …“ Pubertikel döst in der Müslischale. „Oder nimm mehr Gel.“
„Was willst du denn in München?“ Bei Geflügel sind die Reisepläne endlich durchgeklackert. „Etwa mit dem Flugzeug??“
Der Vater nickt.

„Flugzeug!“ Das Kleine klettert auf Vaters Schoß. „Hast du keine Angst, dass dir beim Landen deine Öhrchen wehtun?“
„Solche Riesenlöffel tun nicht weh.“ Pubi rührt träge in der Schüssel.
„Deine schon.“ Der Vater kneift ins Weiche der Pubi-Lauscher.

„IST ES DRIN, DASS MAN HIER MAL IN RUHE WAS ISST?“, explodiert mein Pubi. „Nicht genug damit, dass ihr mitten in der Nacht Fangen spielt, rumschreit und eure Decken durch die Gegend schmeißt“, der Löffel klirrt in die Schüssel, „jetzt kann man nach so ’ner kurzen Nacht nicht mal ungestört in sein Müsli stieren! – Da geh ich ja noch lieber zur Schule, da hab ich wenigstens meine Ruhe!“
„Bin mir nicht sicher, ob die am Wochenende für dich aufsperren …“
„Wie alt seid ihr eigentlich?“ Pubi tippt sich an die Stelle, wo gemeinhin der Kuckuck sitzt.

„In die Schule geh ich jedenfalls nicht!“ Geflügel schüttelt sich. „Ich bleib schön bei Mama und spiel mit ihr! Sie mag es nämlich nicht, wenn wir alle weg sind.“
Auf den Schreck ziehe ich mir gleich einen frischen Kaffee.
Wir könnten …“, Geflügel brütet, „wir könnten … KOFFERPACKEN SPIELEN!“ Es verschafft sich Gehör, indem es lauter schreit als das Mahlwerk der Kaffeemaschine.
Hä?“ Pubi schiebt den letzten Löffel Müsli rein. „Ich fahr nirgendwo hin!“
Ist doch nur fürs Spiel.“
Die Kaffeemaschine kriegt sich wieder ein und Geflügel schaltet auf normallaut: „Ich fahr auch nicht mit dem Papa mit. Schon wegen der Öhrchen!“

Der Kaffee duftet, meine Finger genießen die Wärme der Tasse – meinetwegen: Spielen wir halt Gedönseinpacken.
Ich packe in meinen Koffer …“, beginne ich: „ein Kopfkissen.“
Haben die in München etwa keine Kissen??“ Geflügel ist schockiert, beruhigt sich aber schnell: „Wenn ich nachts zu dir ins Bett krieche, bringe ich ja auch mein Kopfkissen mit.“
„Egal. Ist doch nur fürs Spiel.“

Geflügel ist dran. „Ich packe in meinen Koffer: ein Kopfkissen und eine Flasche Wasser.“
„Boah, ich hasse Wasser!“, regt sich Pubi auf. „Pack was Gescheites zu trinken ein!“
Ich stöhne und gucke in meinen Kaffee.
Ist doch nur fürs Spiel“, beruhigt das Schwesterchen.
Ich bin gespannt, wann das mit dem Spiel der Letzte bei uns begreift.

Pubi ist dran. Er packt ein Kopfkissen ein, mit angewidertem Gesicht die Flasche Wasser – und während er noch nachdenkt, was er als Drittes mitnehmen könnte, funkt Geflügel dazwischen: „Eines sag ich dir: Dein blödes Handy lassen wir daheim!!“

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Das Erdbeergrauen

Mein Geflügel fürchtet sich neuerdings daheim. Sobald es das Haus betritt, bindet es sich vermittels Strick fest an meinen rechten Knöchel. Der Hühnerstall liegt verwaist und Spinnen fahren mit den Autos durchs Zimmer. Demnächst wollen die Acht-Beiner das gesamte obere Stockwerk annektieren, denn auch Pubertikel lässt sich nur zum Schlafen blicken.

Als es mir nach zwei Wochen zu albern wurde, von der kleinen Maid aufs Klo eskortiert zu werden, suchte ich das Gespräch.
„Ich geh nicht hoch, da kommen Böse ins Haus!“, schmetterte sie.
„Wie sollen die hineingelangen? Die müssen unten bei mir vorbei. Tür ist abgeschlossen und ich lasse niemanden rein!“
„Die schleichen natürlich oben rum.“
„Und dann?
„Durch den Schornstein.“
„Ist doch Quatsch. Auf dem Dach ist ein schmaler Schlund. Guck mal bei den Nachbarn: Siehst du die Regenabdeckung? So was haben wir auch. Wer soll so blöd sein und sich da durchquetschen?!“
„Weihnachtsmann.“
„Außerdem brennt der Ofen. Durchs Feuer kriecht keiner.“
„Doch. Wolf.“
„Der sengte sich den Schwanz an und machte, dass er fortkam.“
„Ja. Aber beim zweiten Mal stellte er sich geschickter an. Kippte zuerst einen Eimer Wasser runter.“
„Wo hat er jetzt noch mal das Wasser her?“ Irgendwie rann mir die Zeit davon.
„Holt er aus dem Teich …“ Sie zeigte nach draußen.
„… und schleppt den Eimer bis aufs Dach!“ Mein Pubi verhedderte sich vor Freude mit dem Schulrucksack im Treppengeländer. Es polterte und er knurrte, woraufhin Geflügel mir zitternd an den Hals sprang: „Siehst du! Kommt schon einer!!“
„Mensch, das bin doch ich!“

Jedenfalls bringt solcher Tumult meine kleine Henne noch lange nicht aus dem Konzept: „Oder er schmeißt erst eine Decke rein …“, überlegte sie weiter.
„Blödsinn. Dann friert er nachts!“ Pubi hatte sich wieder gefangen und startete zum zweiten Anlauf in die Küche. „Außerdem klaut dich sowieso keiner. Du plärrst zu viel!“
Während Geflügel den Schnabel aufriss, deckelte Pubi geschwind seine Ohren. Doch dann kam ihm eine Idee:  „Und wem das nicht langt, den verhau ich! Ich hol dich schon zurück!!“
Das Kleine stürzte sich auf den Bruder und schmatze ihn ab. „Siehste, Mutter“, er sah mich triumphierend an, „wenne mich nicht hättest, wär das hier voll eskaliert!“

Nichtsdestotrotz grauste sich mein Geflügel weiter. Deshalb schläft es in Mutters Bett ein und der Vater bugsiert das unhandliche Ding nachts in die Kinderstube. Dabei muss er aufpassen, dass er nicht mit dem Hühnerkopf am Türrahmen hängen bleibt.

Nun sammelt das Kind seit einer Weile Glubschis. Das sind diese Kuschelviecher mit den riesengroßen Glitzeraugen. Mittlerweile elf dieser Angsthasen finden in meinem Bett Ruhe und wollen nachts mit dem kleinen Mädchen ins Spinnenquartier.

Bei acht Stück fing es an, dass ich zweimal gehen musste. Hatte ich wenig Bock drauf. Zumal Geflügels Kuscheleule und ein großes Pferd mit von der Partie sind.

„Du hast einen MaxiCosi“, sagte ich eines Morgens. „Stell den abends ans Bett, dann muss ich die Viecher nur reinpacken. – Steht der MaxiCosi nicht da, pennen die Glubschis bei Mama!“

Eine Woche klappte alles bestens: Viehzeug einstapeln, rübertragen, Henne zudecken und küssen – Feierabend.

Nach einer Woche und einem Tag suchte ich kurz vor Mitternacht den MaxiCosi. Spähte ins Zimmer, guckte ins Zelt; sogar den Schrank zog ich auf: Nichts. Rannte noch einmal nach unten, scannte das Erdgeschoss: Nada.
„Hast du’s endlich?“ Mein Mann legte seine Brille auf die Fensterbank.
Bin ich also drei Mal wegen des Zottelzeugs hin und her.

Am Morgen fragte ich Geflügel: „Wo war der MaxiCosi letzte Nacht?“
„Du hast doch gestern gesagt, ich soll aufräumen!“
„Wohin hast du ihn denn geramscht?“
„Unters Bett.“
Mein Mann wollte an uns vorbei, er brauchte Socken.
„NICHT DA REIN!!“, brüllte Geflügel. „MEIN BRUDER SCHLÄFT NOCH!!“
„Jetzt nicht mehr“, sagte der Vater und ließ die Sockenlade zurollen.

Kaum trafen mein Mann und ich unten an der Kaffeemaschine zusammen, kriegte Geflügel Sehnsucht. Es stellte sich vor Pubis offene Zimmertür und kreischte: „MAMA! MAMAA!“
Ich rannte ins Treppenhaus, doch das kleine Ding trompetete wie angestochen weiter: „MAMAAAAAA!“
„Was ist denn??“ Pubi tat mir echt leid.
„Wo ist meine Erdbeere?“
Wegen einer Erdbeere brüllt die das ganze Haus zusammen und das Nachbarhaus gleich mit?
„Wirst du gegessen haben.“
„Die ist nicht zum Essen!“, empörte es sich.
„Was weiß ich …“ Ich hatte keine Ahnung, wovon sie sprach und außerdem wollte ich zu meinem Kaffee. Drehte mich um, plärrte es wieder: „MAMAAAAA!“
„Maaaann“, so langsam reichte es mir. „Was willst du denn noch?“
„Wo ist jetzt meine Erdbeere?“
„Du hast doch gestern aufgeräumt. Guck mal unters Bett!“ Pubis Schlaf konnte mir mittlerweile gestohlen bleiben.
Das Kleine wetzte los und ich betrat die Küche. Die können bei mir daheim theatern, was sie wollen, aber bittschön nach dem Kaffee!

Ich setzte mich zu meinem Mann auf die Bank – Füße auf den nächsten Stuhl – kam unser Nachwuchs mit einer großen Dose in Erdbeerform angeflattert.
„Aha“, sagte ich. „Was hat es nun mit dem Ding auf sich?“
„Ich wollte nur mal reingucken, was drin ist.“

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Strippenbürde

Bei den Großeltern auf dem Land ist alles früher: Bäume verlieren im Herbst schneller ihre Blätter, man beginnt zeitiger sein Tagwerk und ohnehin war früher alles besser.

Wenn wir die Großeltern besuchen, schläft Pubertikel in der Kammer neben der guten Stube. In der steht auch das Telefon. Es bimmelt mit maximaler Lautstärke, damit meine Leute keinen Anruf verpassen. Egal wo sie sich aufhalten.

Jeden Morgen, kurz vor sieben, fängt der Terror an!
Die erste Schachtel will von meiner Mutter wissen, wie es ihr geht. Die Nächste möchte sich beschweren, dass die Schnecken in diesem Jahr überhandnehmen. Gewiss ließe sich das auch am Vormittag klären – zumal meine Mutter dann aufgestanden wäre. Das Bett ist nämlich der einzige Platz auf dem ganzen Grundstück, wo meine Leute ihr dämliches Telefon nicht hören!

Mein Pubertikel versteht da jedenfalls keinen Spaß. Das Wichtigste an Ferien: Er! Schläft! Aus!
Wenn die Sonne zum Zenit klettert, lässt sich mit einem verschlafenen Pubi rechnen.
Vorher drehen wir Däumchen oder blättern in der Zeitung.

Letzten Sonntag reisten wir spät abends an. Ich sah den Stress am nächsten Morgen schon kommen, sagte aber nichts. Als wir uns kurz vor 10:00 Uhr in der Küche um warme Brötchen versammelten, fragte meine Mutter: „Wo steckt  Pubi?“
Ich winkte ab, ich hatte Halsschmerzen.
„Hat heute früh eigentlich wer angerufen?“ Mein Vater feixte.
„Du trinkst jetzt Salbeitee!“, bestimmte meiner Mutter.
„ … wir könnten ihm auch das Telefon ans Bett legen und „Suchen“ drücken“, überlegte mein Vater. Die Halsgeschichte war ihm gleich.
„Au ja, gute Idee!“ Geflügel flitzte los.
„Lass mal“, krächzte ich. „Lass ihn pennen!“
Geflügel kam zurück und trat der Oma auf den Fuß, die mit einer riesigen Tasse zum Tisch balancierte.
„Heiß!“, schimpfte meine Mutter.

In der Tasse schwamm ein nicht minder mächtiges Tee-Ei.
„Zehn Minuten ziehen lassen!“ Meine Mutter drohte mit dem Finger und ich salutierte. Eine Viertelstunde später erinnerte ich mich des Tees und zog das Ei heraus. Das Wasser war so hell wie vor fünfzehn Minuten.
„Ihr macht mich fertig“, stöhnte meine Mutter und kramte ihre Salbeibüchse aus dem Schrank.

Irgendwann im Laufe dieses bunten Frühstücks kreuzte Pubi auf. Er schleppte sich zum Tisch und brach schwerfällig über einem Stuhl zusammen.

„Was ist, Großer?“ Mein Vater gab den Mitfühlenden.
„Dieses scheiß Telefon!“, schimpfte Pubi los. „Kommende Nacht nehm ich’s mit ans Bett und dann stauch ich die morgen früh dermaßen zusammen!!“
„Ja, mach das.“ Großvater nickte. „Zeig denen, wo’s lang geht. – Wie spät war es denn?“
„Kurz vor halb zehn!!“
„Allerhand.“ Mein Vater schüttelte den Kopf. „Die trauen sich was.“

Nächster Morgen, wir anderen wieder vergnügt am Frühstückstisch. „Und?“, fragte mein Vater, „ob einer angerufen hat?“
„Bestimmt!“ Ich nickte und titschte genüsslich in Mutters Salbeitee. Diesmal waren Blätter drin, das Wasser war pissgelb.
„Riecht wie gute Suppe.“ Geflügel hing mit dem Köpfchen über meiner Tasse.
„Du kannst auch einen kriegen“, sagte meine Mutter.
„Aber mach mir Nudeln mit rein.“
„Das ist ein Tee!“
„Mir langen auch Eier …“

Es war deutlich vor zwölf, als Pubi zu uns stieß. Er sah noch derangierter aus als gestern. Mein Vater rückte ihm einladend den Stuhl zurecht und stütze sich dann auf die Ellbogen. „Erzähl!“

Zusammenfassend war die Sache so gelaufen:
Natürlich hatte mein Pubi das mit dem Telefon-zum-Bett-nehmen vergessen. Der Terrorknochen schellte also wie gewohnt. Mein Pubi stürmte ins Wohnzimmer, brüllte rein: „Wir schlafen noch!“, und knallte den Hörer in die Ladeschale.
Er hatte das Bett noch nicht wieder erreicht – bimmelte das Ding erneut!

Eine Frauenstimme, doch Pubi ließ sie nicht ausreden.
„Ich habe Ihnen doch bereits gesagt, dass wir alle noch pofen!“ Haute den Hörer zurück, wollte endlich in sein Bett: DRRRING!!

„So langsam nerven Sie.“ Diesmal blieb mein Pubi ruhig.
„Ich habe schon zwei Mal angerufen …“ Die Dame am anderen Ende sammelte sich. „Wie geht es euch denn?“

„Und, wer war das jetzt??“ Mein Vater war hochvergnügt.
„Das weiß ich doch nicht! Denkste, ich hab mich weiter mit der unterhalten?“
„Was hast du denn dann gemacht?“
Pubi begann auf seinem Smartphone zu fummeln.
„Wenn du was spielst, will ich mitspielen!“ Geflügel erklomm die Rückenlehne seines Stuhles.
„Ich spiel nicht!“ Pubi grinste zufrieden. „Ich hab mir jetzt den Wecker gestellt. Wenn Montag die Schule wieder anfängt, steh ich um 6:20 Uhr auf. Als Erstes ruf ich die an und frag sie, ob ich ’n dicken Pullover anziehen soll!“

Leitwolfsgrau

Unlängst beschloss mein Pubertikel, er wolle sich verstärkt selbst um seine Ernährung kümmern, wenn er spät heimkommt …

Voll bester Vorsätze stürmte mein Youngster neulich nach dem Training in die Küche. Zeit, das Licht anzuschalten, hatte er nicht. Aus zwei Töpfen kippte er Nudeln und Hackfleischsoße auf einen flachen Teller und haute das Ganze in die Mikrowelle. Ebenso schwungvoll riss er den Teller nach zwei Minuten wieder heraus und stürzte zum Tisch.
Offensichtlich hatten Nudeln und Hackfleischsoße für den Abend schon andere Pläne und machten sich vom Acker.
Am Tisch angekommen, war der Teller fast leer. Also ging Pubi seine Nudeln suchen. Trotz Dunkelheit entdeckte er die Feierbirnen – als er sie platt trat.

Nun weiß sich mein Pubertikel ja zu helfen. Den größten Haufen Würstel schloss er im Spüllappen ein; mit dem Geschirrtuch schmierte er die Tomatensoße breit. Kurz überlegt er, wohin mit dem Lappen: Er schwankte zwischen Mülleimer und auswaschen – entschied sich dann aber für recyceln. Hierfür riss er den Wasserhahn bis zum Anschlag auf; das Geräusch machte mich im Zimmer nebenan aufmerksam. „Alles in Ordnung?“, fragte ich.
„Immer. Alles bestens.“
Weil der Wasserwerfer weiter mit fünf Litern sekündlich ins Spülbecken dröhnte, ging ich das überprüfen.

Ich sage Ihnen weiter nichts!
Das Spülbecken war zu zwei Dritteln mit brodelnder brauner Brühe gefüllt und ungezählte Hackfleischwürstel sausten im Kreis. Sah aus wie beim Synchronschwimmen.
„Was ist das denn?“, fragte ich.
„Kannst wieder gehen, ich hab’s im Griff.“ Mein Pubi wuselte herum. „Mikrowelle hab ich schon gesäubert.“
Erst jetzt schaute ich zur Mikrowelle. Ein Lavastrom quoll dickflüssig heraus und tropfte gemächlich am Küchenschrank hinunter.
„Mann!“, wetterte ich. „Was wird das?“
„Alles gut, ich mach das schon.“ Pubi lief hin und her trat Tomatensoße breit.
„Warum brennt denn hier kein Licht??“
„Hatte ich noch keine Zeit für“, sagte mein Pubi aufrichtig und haute mit der Hand auf den Lichtschalter. Ein roter Dreifingerabdruck blieb zurück.
„Raus!“, sagte ich.
„Was du dich nur einmischst, ich mach das schon …“
„Klar“, ich nickte. „Wenn’s morgen festgetrocknet, putz ich drei Stunden hinter dir her.“
„Ich kann nix dafür, dass du ’n Putzfimmel hast.“

Jedenfalls schmiss ich meinen Pubertikel mit seinem Reste-Teller aus der Küche und machte mich an die verstopfte Spüle. Mit einer Pinzette pulte ich Wurm für Wurm aus dem Abfluss, bis das Wasser wieder zügig weglief. Unterdessen hatte es sich die Tomatensoße mit den breitgetretenen Nudeln zwischen den Dielenbrettern gemütlich gemacht. Weil sie auf Lappen-Ansprache nicht reagierten, trieb ich das Gelage mit einem Zahnstocher auseinander.

Nächster Tag – Geflügel und ich waren eben heimgekommen – stieg ich schnell nach unten in die Waschküche. Mütter haben eben immer Stress. Geflügels erster Gang hingegen gilt stets der Küche, es ist dauernd hungrig. Ich war noch nicht richtig unten, rief Geflügel: „Wo kommen denn die Regenwürmer her? Guck mal! Die sind aus dem Schrank gefallen!“

Man kann bei mir daheim keine Arbeit ungestört zu Ende bringen! Ich schlurfte nach oben. Mit spitzen Fingern hockte Geflügel vorm Tellerschrank und hielt etwas Helles hoch. „Wie süß der ist! Ganz klein ist er noch …“

Ich wollte mir den Wurm gerade ansehen, kam mein Pubertikel herein: „Den kannst du essen. Der ist von meinem gestrigen Mittag.“
„Wie kommt er dann in den Schrank??“
„Da bin ich jetzt überfragt …“ Pubi grinste und machte sich aus dem Staub.

Später saß ich mit Geflügel im Garten und genoss die Herbstsonne. Plötzlich fragte meine kleine Henne: „Mama, findest du die grauen Haare eigentlich schön?“
„Wieso?“
„Werden immer mehr, du funkelst richtig!“ Sie fummelte mir auf dem Kopf herum. „Soll ich rauszupfen?“
Selbstredend wartete sie keine Antwort ab, sondern zog genüsslich an einem meiner Haare.
„Aua!“, sagte ich. „Das macht man nicht langsam! Sondern wie mit Heftpflaster: ‚Zack!‘, weg!“

„Sie hat so viele Graue“, Pubi warf sich mit einem Pudding in den nächsten Stuhl, „weil sie sich immer über uns ärgern muss.“
„Über mich nicht, ich bin brav!“
„Du vor allem …“ Pubi schaufelte Pudding und wehrte mit dem Ellbogen die kleine Schwester ab, die nach dem Becher rangelte.
„Du …“, das Kleine ließ vom Pudding ab: „Wieso sind Papas Haare fast weiß?“
Pubi schob den letzten Löffel in den Mund. „Zusätzlich muss der sich noch über Mama ärgern. Guck mal bei mir, ich hab bestimmt auch schon welche!“

„Wo ist eigentlich dein Lateinbuch?“, fragte ich meinen Pubertikel.
„Jetzt fangen die schon wieder mit ihren blöden Vokabeln an! Ehe ich auch noch graue Haare krieg, geh ich lieber spielen!“ Das Kleine rannte ins nächste Gebüsch.
„Das muss ich mir merken …“ Pubi sah ihr hinterher. „Wenn die mir wieder auf den Sack geht, sag ich: Mama, frag mich Vokabeln ab!“

Mein Pubi hatte tatsächlich gelernt und wir kamen zügig voran. Bei der zweiten Lektion rief mein Geflügel: „KOMMT SCHNELL! ICH HAB WAS ENTDECKT!“
Keiner von uns reagierte.
„MAMA! HIER! WIE SCHLIMM!“
Pubi sah mich an. Ich winkte ab und fragte weiter: „exitus?“

Just in dem Moment, als mein Pubi: „Ende und Ergebnis“, antwortete, klatschte Geflügel mir eine Gartenschüppe ins Schulbuch. Darauf  die abgenagten Knochenreste eines Frosches …

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Aus Gründen der Pietät und aus Sorge um das Essverhalten meiner Leser, hier nur ein kleiner handchirurgischer Ausschnitt. Wer eine Ganzköperaufnahme dieses wundervoll erhaltenen Krötenskeletts sehen möchte, scheue sich nicht, mir eine Mail zu schreiben! ;-)

Landplagen

Bei meinen Eltern auf dem Land gibt es immer irgendeine Plage. Einen Sommer lang besetzte ein Hornissenvolk das Klo, ein anderes Jahr hauste eine Waschbärenfamilie in meinem Zimmer auf dem Dachboden. Sie hatten sich im Bettkasten eingerichtet und flippten völlig aus, wenn einer von uns die Tür öffnete.

Zurzeit haben meine Eltern Last mit einer Horde von Mardern. Am Abend rennen die übers Dach vom Schlafzimmer in den Wald. Mitten in der Nacht sprinten sie zurück, um daheim nach dem Rechten zu sehen.

Man muss sich das so vorstellen: Menschlein sägen zufrieden in ihren Betten, die Uhr zeigt gegen vier. Der Bach murmelt, ein einsames Käuzchen schreit und ab und an quäkt eine Katze …

Plötzlich ein Knall!
Mensch schreckt hoch.
Dröhnen!
Außenstehender denkt: „ERDRUTSCH! RAUS HIER!“
Er irrt. Ein Marder ist auf das Glasdach des Wintergartens gesprungen!
Saust wie ein Irrer! Poltert wie eine Herde Ochsen! Da hechtet der nächste wildgewordene Handfeger aufs Dach! Randaliert wie der Erste, hat den Giebel noch nicht erreicht: Wetzt ein dritte Wischmopp los!

In der Regel sind sie zu fünft und wenn der Spuk vorbei, sitzen die im Schlafzimmer zitternd im Bett.

Meine Mutter macht dann was im Haushalt. Während sie Schnecken von den Salatköpfen sammelt, geht mein Vater in seine Werkstatt und bastelt an seinem Lieblingsprojekt: Essenkochen mithilfe eines Parabolspiegels und Sonnenenergie. Was für schlechte Zeiten.

In der Tierwelt hat es sich jedenfalls herumgesprochen, dass man mit Goodwords Großeltern gut auskommt. Letztens werkelte wieder eine Hornisse. Kurzer Weg zum Futter – ausgerechnet unter den Frühstückstisch im Wintergarten klebte das dusselige Viech seine Hütte!

Meine Leute hatten da keinen Bock drauf. Sie mögen frühstücken im Wintergarten. Sie kamen überein, der Hornisse den Weg abzuschneiden.
Die Hornisse wollte aber zum Eigenheim und suchte ein anderes Schlupfloch. Meine Mutter wurde sauer, nahm die Tageszeitung und scheuchte die Fleißige hinaus. Halbe Stunde später: Hornisse torkelte wieder unter dem Tisch herum.

Goodwords weilten auf Kurzurlaub, deshalb nahm sich Pubertikel der Sache an. Er öffnete die Türe weit, nahm  ebenfalls die Zeitung, zielte – und schoß das Brummding über die halbe Wiese.

Nun hatte die Hornisse auch keinen Bock mehr. Sie kam nicht wieder.

Die nächsten zwei Tage Regen. Am dritten Tag zog mein Vater früh seinen Drahtesel aus dem Schuppen. Die Familie lechzte nach Brötchen, wo die Butter noch drauf schmilzt. Opa Goodword warf fröhlich seinen Geldbeutel in die Satteltasche – eierte die Hartnäckige heraus! Sie verschluckte sich fast vor Empörung und krachte gegen den Lenker. Daraufhin klinkte mein Vater die Satteltasche ab, sagte: „Ist schon gut, ich hab’s eilig …“, und hängte das Ding an mein Sportrad.

Dann machte er sich auf den Weg ins nächste Dorf. Er heizte über den Radweg. Nacktschnecken schmiegten sich an sein Schutzblech. Vor ihm flanierten zwei ältere Damen. Opa Goodword schellte, ohne zu bremsen. Er sauste heran, die Klingel rasselte sich heißer.
Endlich bemerkte ihn eine der Ommas: „GISELA! ACHTUNG! FAHRRADFAHRER!!“ Omma 1 zerrt Gisela von der Piste.
Gisela landete im Graben und schimpfte: „MUSSTE SCHELLEN, JUNGER MANN!“
Opa Goodword drehte sich um: „Hab ich doch!“
„Dann ist gut.“ Gisela klopfte Blätter von ihrer Hose: „Ich hör schlecht.“

Am Abend hockten wir zu fünft beim „Mensch-ärger-dich-nicht!“. Nachdem Geflügels Männel zum 34. Mal rausflog und Oma Goodword mehrfach schummelte, überkam mein Kleines eine große Müdigkeit. Kräftig trat es unterm Tisch gegen Pubis Schienbein. Selbstverständlich trat mein Pubertikel zurück! – Verfehlte jedoch das Hühnerbein.
Sofort fielen sämtliche Männel übereinander her und verhauten sich. Während mein Pubi auf einem Bein hüpfte und seinen Zeh umklammerte, holte meine Kampfhenne tief Luft und schaltet die Sirene ein.

Pubi ließ denn schmerzenden Zeh los und stopfte genervt seine Ohren. „Ich geh Fernsehgucken!“

Kurze Zeit später, das Huhn hatte gerade sein Köpfchen unter den Flügel gekuschelt, rief Pubi: „OPA! SCHNELL! IN DER STUBE FIEDELT EINE GRILLE!“
Ich tippte mir an dir Stirn, doch mein Vater sprang auf: „Die habe ich vorhin auf dem Dachboden gesehen …“

Pubi lümmelte in Opas Ohrensessel und verfolgte gespannt, wie Schenk und Ballauf durch eine Kölner Straßenschlucht jagten. Ich hörte ein metallisches Zirpen und tippte mir erneut an die Stirn. „Die Grille ist in der Glotze, das hört man doch!“
„Mann, Mutter, guck genau hin! An dem Baum da hängen keine Blätter! Friert sich die Grille den Arsch ab!“
„Na!“ Oma Goodword hob den Zeigefinger.
„Komisch klingt’s schon …“, bestätigte mein Vater.
„Ihr könnt mir glaube, dass es eine Grille ist! Ich hab ihr die ganze Zeit zugeguckt, wie sie an der Wand lang kroch!“
„Warum sagst du dann nicht eher was??“
„Dachte, die geht von selber wieder. Und außerdem war es spannend, als der dicke Schenk vorhin im Hof bei den Mülltonnen vom Puff …“ Pubi wollte eben die Handlung erläutern.

„Hallo!“ Mein Vater erstickte die Unterhaltung. „Wenn wir die Grille nicht finden, können wir nicht schlafen!“
„Wo ist denn das Problem?“ Pubi zuckte die Schultern. „Wir machen einfach die Tür zu, kann sie sich hier drin einen Ast fiedeln!“
„Grillen kommen ein halbes Jahr ohne Fressen aus. Sobald sie es gut finden, fangen sie an zu fiedeln. Die treiben einen in den Wahnsinn!“
„’ne Schwester und ’ne Grille …“ Pubi stöhnte. „Ich fahr heim!“
„Aber vorher holst du mir eine Stirnlampe!“, sagte mein Vater.
„Was ist eine Stirnlampe?“ Plötzlich ein Stimmchen hinter mir.
„Wo kommst du denn her, Schatz?“
„Ich hab gedacht, einer will meinen Bruder klauen. Weil er so geschrien hat …“
„Da brauchste dir keinen Kopp machen.“ Pubi zupfte an ihrem Ohr. „Ich bin denen zu anstrengend. Die bringen mich sofort zurück!“

„Ich wollte eine Lampe, Leute!“ Trotz schummriger Festbeleuchtung konnte mein Vater nichts erkennen. „Pack mal mit an!“
Gemeinsam mit Pubi zog er das Sofa von der Wand. Die Beine quietschten. Geflügel quiekte in gleicher Tonlage: „MAUSEFALLE!!“

„Stell dich nicht so an, ist doch gar keine drin!“ Pubi wollte die eingestaubte Falle mit dem Finger wegschnipsen, da entdeckte er die Grille. Gemächlich schob sie sich Richtung Fußleiste.

Das soll eine Grille sein?“ Geflügel schüttelte den Kopf. „In meinem Buch trägt die Kopftuch!“

„Hol mal ein Glas aus der Küche!“ Großvater stieß Pubi an.
„Hol doch selber, ich weiß nicht, wo die sind!“
„Ich behalt besser die Grille im Auge.“
„Kann ich doch machen, ich kann besser gucken.“
„Ab!“
Mein Pubertikel ächzte und schlich los. Die Grille weiter unterwegs zur Leiste.

„Wo bleibt der Bursche?“, fragte mein Vater. „Findet der die Küche nicht?“ Grille gefährliche drei Zentimeter vor der Deckung. „Geh mal nachschauen, ob dein Bruder sich verlaufen hat!“
„PUUUUBIIIIIIII!“ Geflügel flatterte los.

Stille.
Zwei Zentimeter.
Getrampel auf der Treppe.
„Wo holt ihr das Glas? Die Küche ist nebenan!“
„Was denn für ein Glas?“ Pubi japste. „Ich hab unten den Fotoapparat geholt!“
„Was willst du mit dem Fotoapparat?? Damit kannst du keine Grille fangen!“
„Ich kenn doch meine Mutter! Für ein gescheites Foto macht die alles! Hier, Mütterlein!“ Das gute Kind pfefferte mir den Apparat rüber. Ich riss die Klappe vom Objektiv.
Ein Zentimeter!
Ich hielt drauf. Schwarz. Akku leer.

Die Erwachsenen und der, der längenmäßig dazu zählt, hatten über dem Exkurs den eigentlichen Zweck der Zusammenkunft vergessen. Allein mein Geflügelengel behielt den Überblick. „ICH HAB WAS!“ Gerade noch rechtzeitig kam sie mit der Insektenfalle angeflitzt!

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Lateinerkeller

In den Ferien schrauben GoodWords die Mindeststandards fürs Zusammenleben ganz weit nach unten: Man spuckt nicht in den Flur, maust kein Geld aus elterlichem Geldbeutel und Straßenbahn wird nur mit Ticket gefahren. So was in der Art.

Da schockierte es das GoodWordsche Pubertikel schon außerordentlich, als Mutter zu Ferienanfang bestimmte: „Du lernst Lateinvokabeln!“
„WAAS?? Wieso das denn?? Ich hab Ferien!!“
„Eben. Hast du mal richtig Zeit.“
„Ich bin doch nicht bescheuert! Ich kann das alles!“

Natürlich war ich auf diese Behauptung vorbereitet und wedelte mit dem letzten 6er-Vokabeltest. Mein Pubertikel tippte sich an die Stirn und verzog sich beleidigt in sein Zimmer.

Keine zwei Minuten später galoppierte er in die Küche, wo ich gerade gegen eine Pfanne Bratkartoffeln focht. „Okay, mach ich. Aber heute ist der erste Ferientag, heute muss ich mal chillen! Morgen fang ich an. Kann ich abhauen?“
Ohne Essen. Ich nickte. Er hatte ja Ferien.

Nächster Tag schwimmen; dann Tennis und was weiß ich. Kam auch Etliches an Besitz abhanden, siehe unsere „Siebensachensaldo“-Story. Ich brauchte halt auch mal meine Ruhe. Und die nahm ich mir. Bis zum letzten Feriensonntag.

„So, Kerlchen“, sagte ich, als ich kurz nach elf Uhr vormittags die Treppe zum Pubizimmer hinaufstieg und das Kind noch selig ratzte: „Wie schaut’s aus?“
„Ey, wat willst du denn?? Haste mal auf die Uhr geguckt??!“
„Latein, mein Großer.“
„Hab jeden Tag früh und abends Vokabeln gelernt. Kann jetzt alles.“
„Konntest du vor den Ferien auch schon …“ (Ich kann mir das einfach nicht verkneifen!)
„Klar, Mann, Mutter. Aber jetzt noch besser!“
„Gut, dann frag ich dich nachher ab.“
„Ich will aber Tennis spielen!“
„Liegst ja noch im Bett. – Nach dem Mittagessen überprüfen wir.“
Zwar straffte ich mich innerlich, doch mein Pubertikel widersprach nicht.

Auf dem ersten Treppenabsatz wartete Geflügelchen auf mich. Sie hatte gelauscht. „Mir gefällt nicht, dass mein Bruder nicht mit dir Schule spielen will! Er weiß doch, wie gern du das machst.“ Sie zuppelte am Saum meiner Bluse: „Wenn du möchtest, spiel ich mit dir.“
Sie zog mich in ihr Zimmer und drückte mich auf den Besucherstuhl vorm Kaufmannsladen. „Stell mir mal eine Rechenaufgabe!“

Ich dachte nach …
„Pass auf“, sagte ich: „Du hast 3 Euro und möchtest einen Ball und einen Badeanzug kaufen.“
„Will ich nicht!“, unterbrach sie mich. „Ich will einen Bikini!“
„Gut“, sagte ich: „Von deinen 3 Euro möchtest du einen Ball und einen Bikini kaufen.“
Meine kleine Henne nickte.
„Der Ball kostet 2 Euro, der Bikini kostet 2 Euro. Kannst du beides kaufen?“
Geflügel guckte traurig und schüttelte den Kopf. Doch dann huschte ein Sonnenstrahl auf die Hühnerstirn. „Du zahlst mit Karte, kriegen wir beides umsonst!“
Ich schüttelte den Kopf: „Karte verloren.“
„Um Gottes Willen, dann müssen wir doch verhungern!“ Spornstreichs schwammen die braunen Äuglein in einem See.
„Engelchen“, ich zog das Kleine auf meinen Schoß. „Ich habe meine Karte nicht verloren.“
„Dann sag das auch nicht …!“ Geflügelchen zog die Nase hoch.
„Ist gut. Ich habe sie daheim vergessen.“ Dann wiederholte ich: „3 Euro hast du. Der Ball kostet 2 Euro, der Bikini auch 2 Euro. Wieviel kannst du kaufen?“
„Was ist denn auf dem Bikini drauf??“
„Schatz …“, ich streichelte ihr übers Köpfchen. „Du wolltest doch rechnen. Ist ganz egal, was auf dem Bikini drauf ist! Er kostet 2 Euro. Der Ball auch. Wenn du beides willst, wieviel Geld brauchst du?
„4 Euro!“
Na bitte. Mutter wollte sich gerade lächelnd zurücklehnen, als das Kleine fragte: „Was ist jetzt nochmal auf dem Ball drauf??“

Die Zeit verrann und mir kam an diesem Sonntag – wie schon die ganzen Ferien – immer wieder etwas dazwischen. (Bin eben nicht nur Pubertikel-Mutter)

Irgendwann kreuzte mein Youngster auf. „Gleich bin ich weg. Bin mit Robin zum Tennis verabredet!“
„Und die Vokabeln??“
„Dann mach hin, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit!“
Ich warf einen Blick in das aufgeschlagene Lateinbuch, sagte: „Tyrannus*?“, und rührte weiter in meinem Suppentopf.
Nach angemessener Bedenkzeit knurrte ich: „Weißt du nicht mal das erste Wort?? Mann, Wortstamm ‚Tyrann‘, da muss es einem doch klingeln!“
Keine Reaktion.
„Hallo??“ Ich drehte mich um. Keiner außer mir in der Küche. „Kerl, wo steckst du eigentlich??“
„Bin im Keller, hol mir eine Flasche …“, tönte es dumpf von Untertage.
Plötzlich eine Detonation!
Schrie keiner um Hilfe, ich hörte auch niemanden fluchen: Musste draußen gewesen sein.

„Bürschlein, geht das hier mal weiter??“, rief ich nach eine Weile.
„Kleines Malheur passiert …“
Also doch! Ich stürzte in den Vorratskeller.

Pubi hatte sich in die Ecke zwischen Regal und Sportzeug-Haufen gezwängt und beobachtete fasziniert die halbvolle Limoflasche, die in einer großen Pfütze schwamm. Gelbe Fontänen spritzten gleichmäßig aus dem Plastikgehäuse. Mit einem Blick erfasste ich, dass es der klebrigen Brühe gelungen war, wirklich jeden Winkel des Regals zu wässern.
„Du Rindviech!“, schimpfte ich los. „Was stehst du hier rum! Hol einen Eimer, Mensch!“
„Weiß nicht, wo einer ist.“
„Einen Schritt rückwärts und du sitzt drin!“

Ich wollte absolut nicht wissen, wie es ihm gelungen war, die Flasche in einen Springbrunnen zu verwandeln – wir reden jedoch von meinem Pubertikel und der wollte genau jetzt loswerden, was passiert war:

„Ich hab nichts gemacht!“ Er stellte sich zwischen mich und den Eimer. „Ich fummel die Flasche aus der Folie …“ Er bückte sich und griff nach der letzten Limoflasche. „Wie ich mich eben wieder aufrichte, hau ich mir den Kopf an der Türe an. Guck hier!“ Er zeigte auf die Verschlusseinrichtung der Kühlkammer. „Vor Schreck rutscht mir die scheiß Flasche aus der Hand … Guck, das war höchstens soviel überm Boden!“ Pubi stand leicht gebückt und die Flasche baumelte vergnügt von seiner Hand. Noch ehe er den Vorgang zu Ende erklärt hatte, geschweige denn wiederholt, wurde ich wild: „Mach das du hier raus kommst, oder ich dreh durch!!“

Pubi trollte sich. „Voll die Billigqualität“, nuschelte er. „Wie die sich erst aufgeregt hätte, wäre die dusselige Flasche in meiner Bude explodiert …“

Mit dem gelben Gesabber verfuhr ich, wie man das gemeinhin mit ungewollten Flüssigkeit macht: auftunken, dann nass abwischen.

Nach kurzer Zeit steckte Pubi erneut den Kopf in den Vorratskeller: „Wie’s hier aussieht, Mütterlein, brauchst du mindestens noch drei Stunden. Ich hau dann jetzt ab!“

So langsam kriegte ich einen zuviel! „Schnapp dein Lateinbuch und lass dich vom Papa abfragen!“, wetterte ich. „Und anschließend schwingst du in deiner Bude den Staubsauger!“
„Das mit dem Abfragen verstehe ich ja gerade noch“, empörte sich mein Pubertikel, „aber was haben diese dämlichen Latein-Vokabeln mit staubsaugen zu tun?!“
„Nichts“, stimmte ich zu. „Mutter wienert Keller; Pubi unterm Dach!“

Fünf Minuten später besuchte mich mein Mann: „Fertig.“
„Die ganze Lektion? Einschließlich Grammatik??“
„Er kann alles.“
„Klar …“ Ich stöhnte.
„Tipptopp sauber hier“, sagte mein Mann anerkennend. „Von mir aus kann er die nächste Flasche in den Heizungskeller schmeißen!“

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* tyrannus (lat.) = Gewaltherrscher

Siebensachensaldo

Weil mein Pubertikel sich beim Freeride-Sprung über eine Grube verschätzt hatte, verbrachte er letztes Jahr den ersten Tag der Osterferien in der Notaufnahme und den Rest der Ferien im Bett.

Damit sich das in diesem Jahr nicht wiederholt, ließ er sich am Tag vor den Ferien das Bike klauen. So was macht er nicht etwa klassisch: Schließt das Bike an eine Laterne und wenn er zurückkommt, hat es ein Bedürftiger mit dem Bolzenschneider abgezwackt – Nein! Wenn mein Pubertikel etwas macht, dann bloß nicht so wie alle anderen!

Bis zu den Osterferien besaß das Kind ein richtig gutes Freeride-Bike. Stabile und zuverlässige Verarbeitung, es sollte ihm ja nicht bei seinen waghalsigen Sprüngen unterm Hintern zusammenbrechen. Cool anzuschauen war es außerdem.

Eine elterliche Regel lautete: Nicht mit dem Bike zur Schule fahren!

Nun war es aber so, dass in den letzten Wochen ab und an der öffentliche Nahverkehr streikte. Am ersten Streiktag fuhr Pubi brav mit seinem verrosteten Hollandrad. Doch bereits am nächsten Morgen huschte er klammheimlich mit dem Bike aus der Garage. Irgendwie dachte ich an jenem Morgen schon, ich sehe es nicht wieder. Wie überrascht war ich, als am Nachmittag das vertraute Rollgeräusch über den Kanaldeckel der Einfahrt donnerte.

Zuerst schimpfte ich mein Pubertikel, dann aßen wir zu Mittag.
„Was du dich nur aufregst, Mutter, es stehen immer zwei Lehrer vor dem Radkeller. Die lassen keinen Dieb rein!“

Dritter Tag, Streik vorbei – Pubi wieder heimlich mit dem Nobelrad in die Schule. Langsam platzte mir der Kragen.
„Lehrer stehen jetzt immer vor dem Radkeller, denen gefällt es da.“
„Entweder nimmst du das alte Rad, oder du fährst Bahn! Haben wir uns verstanden?“
„Klar“ Pubi nickte. „Ist eh mächtig öde, den Berg raufzustrampeln.“

Ich hatte die Sache damit vergessen, nicht so jedoch Mülheims fahrradkriminelle Subjekte.

„Ey, Bruda, voll geiles Fahrrad, ey! Lass ma fahren!“
„Ne, Mann, besorg dir selber eins.“
„Mach isch ja! Mach isch. Lass ma fahren, ey!“
„Nein, warum sollte ich, kenn dich doch gar nicht!“
„Hier, meine Nummer. Gib ma deine! … Siehst du, Bruda, jetzt kennen wir uns.“

Nächster Tag, der Typ wartet schon an der Bahn: „Ey, lass ma dein vollgeiles Fahrrad fahren!“
„Ne. Bin mit der Bahn, siehste doch.“

Dritter Tag, Treffpunkt Bahnhaltestelle:
„Ey, Bruda, lass ma dein vollgeiles Fahrrad fahren! Will auch eins. Lass ma Probefahrt machen. Kriegst du morgen wieder. Isch schwör!“

Und was macht mein Pubertikel? Sie ahnen es? Mein Pubertikel fährt heim und holt sein Bike, während der Typ und ein paar seiner Cousins oben an der Straße warten.
„Voll nett, ey. Kriegst du morgen wieder. Isch schwör!“

Nächster Tag, Pubi kommt zum Treff, der Typ auch: „Ey, Bruda, Bike ist geklaut. Voll scheiße, ey. Sorry, Mann!“
„Wie, geklaut?“, Pubi fällt aus allen Wolken. „Du hast doch geschworen!“
„Ja, Mann. Voll scheiße gelaufen. Isch fahr Innenstadt, kommt Typ und sagt: ‚Darf isch mal fahren?‘ – Isch sag: ‚Klar, Mann, aber nur eine Runde!‘ – Typ sagt: ‚Geht klar!‘ Fährt Runde, kommt wieder, fragt: ‚Darf isch noch eine?‘ – Isch sag: ‚Klar, Mann.‘ Typ fährt – Kommt nisch wieder.“

„Ja und, wer war das??“ Pubi ist schockiert.
„Keine Ahnung. Kenn den nisch.“
„Und jetzt?“
„Darfst du nix verraten, wenn rauskommt, muss isch acht Monate in Bau!“
„Und mein Rad?“
„Isch halt Augen offen, Bruda. Isch muss los. Verrat nix!“

Weil Biken nun ausfällt, muss mein Pubertikel die Ferien anders verbringen. Er beginnt mit Fußball. Wir sprächen nicht von meinem Pubertikel, verliefe das Spiel rund. Pubi steigt in der Mannschaftskabine in seinen Sportdress und weil er keinem was klaut, tut das mit seinen Plörren auch niemand. Der andere wusste das offensichtlich nicht und nahm sich des Pubis Smartphone. Wir fassen zusammen: Kein Bike, kein Handy – und die Ferien waren noch nicht einmal richtig angelaufen.
„Mutter, lass mich bitte an deinen Computer, damit ich mich über Facebook verabreden kann.“

Für den nächsten Tag wollten die Kumpanen grillen.
„Hilfe!“, sagte ich zu meinem Mann.
„Da passiert nichts, mach nicht so einen Stress!“, beruhigte er mich.
Bürschlein zog also gleich nach dem Aufstehen, gegen früher Nachmittag, mit Grillfackeln und Aluschalen los. Neuerdings schleppt er auch grundsätzlich einen kompletten Satz Wechselkleidung einschließlich Jacke mit, wenn er das Haus verlässt. Wieso er das in seinen Schulrucksack stopfe und nicht mit einem Freizeitrucksack losziehe, wollte ich wissen.
„In die Natur muss man tarngrün gehen!“, entrüstete er sich.
Ich winkte ab.

Zwei Stunden hörten wir nichts, dann dudelte bei meinem Mann der Whatsapp-Ton. Mein Mann reagierte nicht.
„Guck mal nach“, sagte ich. „Könnte dein Sohn sein.“
„Quatsch“, sagte mein Mann, „der ist grillen.“
„Eben“, sagte ich.
Mein Mann stöhnte und griff nach dem Iphone.
Dann stöhnte er noch mal. Nur lauter.
„Was ist los?“, fragte ich.
„Der Rucksack ist ihm von der Eisenbahnbrücke gefallen …“
„Na und? Soll er ihn halt holen.“
„In die Ruhr ist er gefallen“, knurrte mein Mann.
„Wer? Der Schulrucksack??“
„Mensch, Weib, es sind Ferien!“ Mein Mann wirkte gereizt.
„Wer liegt denn jetzt im Wasser??“ Vielleicht konnte er sich mal klarer ausdrücken!
Mein Mann sprang auf. „Ich fahr da jetzt hin!“
„Pubi oder der Rucksack??“, rief ich ihm hinterher.

Die Ferien nahmen ihren Lauf und mein Pubi verabredete sich für den Abend zu einem Tennismatch in seinem alten Verein.
„Der Papa fährt heute Abend auch nach Oberhausen, er nimmt dich mit.“
„Ne, keinen Bock. Ich fahr mit der Bahn. Vorher gehen wir ins Freibad.“
„Was macht ihr?? Wir haben 10 Grad!“
„Egal. Sonne scheint.“

Zwei Stunden später der Whatsapp-Ton auf meines Mannes Handy. Mein Mann kam gerade von der Arbeit und wollte ein wenig ruhen.
„Geh ran, Mensch“, ich drückte ihm sein Iphone in die Hand. „Ist bestimmt dein Sohn!“
Mein Mann knurrte und als er das Gerät entsperrt hatte, knurrte er noch einmal.
„Was ist diesmal passiert?“ Innerlich zitterte ich.
„Diesmal hat er seinen Tennis-Rucksack in der Bahn stehen gelassen!“

Die restlichen Ferientage verbrachten wir friedlich bei den Großeltern auf dem Land. Bilanz dieser verdammt teuren Osterferien: ein geklautes Fahrrad und ein geklautes Smartphone. Verloren: eine vollständige Tennisausstattung mit Schläger und Dress, Badebekleidung, zwei Rucksäcke, zwei Eau de Toilette, eine Kapuzenjacke und ein Shirt.

Als sich mein Pubertikel vorhin zum Training verabschiedete, kam er noch einmal ins Haus: „Mutter, ich will schnell fahren, ich nehm dein neues Rennrad!“
„Untersteh dich!!“ Da kriegte ich ja gleich Herzflattern.
„Wieso das denn nicht?? Nenn mir einen vernünftigen Grund! Einen einzigen nur!“

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Ein Sperrmülldrama

Seit meinen Münchener Balkonzeiten besitze ich einen Satz billiger, weißer Plastikstühle. Dreimal zogen wir gemeinsam um, in meinem letzten Haus staubten sie im Keller – jetzt lungern sie im Garten herum.

Sie merken es: Ich trenne mich ungern von Sachen. Kann man alles noch gebrauchen. Sowieso wird sich bei einem meiner Mitbewohner spätestens vier Wochen, nachdem ich ein Gedöns entsorgte, das dringende Verlangen danach einstellen. Kann man sich die Lamentiererei sparen und den Krempel gleich behalten.

Jetzt ist es aber so, dass ich für ein richtig gutes Foto fast alles mache. Exzellente Lichtverhältnisse unter den Bäumen, ein putziges Viech auf der Wiese – egal wofür ich flink meine Kamera zücke und Richtung Garten halte: Immer ist einer der dämlichen Stühle mit drauf.

Letzte Woche ist mir dann der Kragen geplatzt. Ein Eichhörnchen klaute meine Weihnachtsnüsse und verbuddelte eine nach der anderen auf der Wiese. Ich rannte zum Fotoapparat. Als Kamera und ich bereit waren – wühlte der Puschelschwanz genau unter einem Stuhl!

Als Erstes rief ich meinen Mann an, anschließend den Sperrmüll. Meinem Mann klappte die Kinnlade runter: „Ehrlich, du trennst dich von deinen Stühlen?? Hätte ich nicht gedacht …“
Solche Stichelei überhöre ich. „Bei der Gelegenheit können wir gleich ein paar Kinderfahrzeuge mit entsorgen …“
„Fahrzeuge auch??“ Mein Mann strahlte durchs Telefon.

Vorigen Freitag sollte der Sperrmüll kommen. Am Abend ging ich mit Geflügel zum Aussortieren in den Garten. Mit mir kann man alles verhandeln– nur eine Frage des Arguments – aber nicht mit meiner kleinen Henne! „WAAAS? DU WILLST MEIN KAPUTTES BOBBYCAR WEGSCHMEISSEN??“ Der Hühnerkopf lief rot an. „DAS GEHT NICHT!“, teilte sie der Nachbarschaft mit und feuerte den Grund hinterher: „DAS BRAUCHE ICH NOCH!!“
„Deswegen parkt es seit einem Jahr unter der Birke.“ Ich nickte. „Nichtsdestotrotz stellen wir es jetzt raus. Den Kipplaster und die Wippe auch.“
„NEIIIIIIIIIIIIIN!“

Ich erinnerte mich des Eichhornshootings und machte trotz des Gebrülls klar Schiff.
Irgendwann gab mein Geflügel auf und ratterte auf den trennungsbereiten Fahrzeugen durch die Einfahrt. Ihre Kuscheleule hielt sie unter den Arm geklemmt, sie wartete aufs Pubertikel.

Mitten in der Nacht fiel mir ein zu klein geratener Handgepäckkoffer ein. Mit ihm war ich auch schon mehrfach umgezogen. Ich holte den Koffer aus dem Vorratskeller und stellte ihn an den Straßenrand. Fahrzeuge, Stühle und Wippe waren verschwunden, die hatte schon jemand abgetragen. Ich freute mich, weil mich dauerten die Sachen.

Am Morgen, ich richtete mich gerade mit einem Kaffee am Schreibtisch ein, schnaufte die Müllabfuhr den Berg herauf. Der Laster hielt, ein Mann stieg aus, spähte ums Haus, dann fuhr er weiter. Auch der Handgepäckkoffer hatte noch in der Nacht einen neuen Besitzer gefunden.

Danach war es ruhig und ich begann meine Arbeit. Gegen später Vormittag rief Meersau Eddy nach mir, er fühlte  Appetit auf Wiese. So ist es immer: Mitten in meinen lesenswertesten Ideen kriegt einer Hunger. Also schnappte ich ein Eimerchen und eilte nach draußen. Bloß nicht den Gedanken verlieren! Als ich in die Gierschkolonie hinter dem Rhododendron abbog, traute ich meinen Augen nicht! Ein Bobbycar, ein Kipplaster und eine Wippe hockten unterm Tannenbaum. Dahinter winkten vier weiße Plastikstühle. Alles tief ins Gebüsch geschoben und vom Haus aus nicht zu sehen. „Dusselige Plagen!“, knurrte ich und rupfte für Eddy eine handvoll schmackhafter Wildkräuter.

Meine kleine Sau wartete vergnügt an der Terrassentüre und ich rief erneut beim Sperrmüll an.
„Wir waren doch erst heute bei Ihnen …“ Die freundliche Dame wunderte sich.
„Meine Kinder … alles Spielzeug wieder da. Sie verstehen?“
Die Dame lachte. „Nächste Woche, gleiche Zeit. Ist Ihnen das recht?“
Und wie mir das recht war!

In der nächsten Woche stellte ich es schlauer an: Am Vorabend setzte ich mein Geflügel zu „Heidi“ an den Fernseher und schleppte heimlich aus dem Garten zur Straße.

„Wohin willst du mit meinem Bobbycar, Mama?“
„Der Papa muss einen Baum stutzen, in der Garage steht es sicherer.“ Mann, die soll fernsehen, kriegt doch sonst auch nichts mit, wenn die Glotze läuft!

Heidi rannte mit den Ziegen und ich mit der Babywippe.
„Muss die auch in die Garage?“
„Ja, mein Schatz. Pass du genau bei Heidi auf und erzähl mir nachher, was passiert ist!“
„Gerade frühstückt Heidi, es gibt Brot und Käse, der Öhi macht Ziegenmilch warm …“
„Nachher, habe ich gesagt. Jetzt bringe ich erst deine Sachen in Sicherheit!“
„Ich will auch was essen. Machst du mir ein Brot mit Käse und Ziegenmilch?“
Ich stöhnte und stellte meine Wippe ab. Essen beim Fernsehen. Meinetwegen. Hauptsache das Kind mischt nicht weiter mit!

Käsebrot und Pudding klärten die Sache für mich. Den Sperrmüll stellte ich halb unter den Carport, damit er vom Fenster aus nicht zu sehen war. Irgendwie vergaß ich das Zeug auch gleich, war ja fort.

Nächster Nachmittag: Ich fahre mit Geflügel zum Einkaufen. Biege oben auf die Hauptstraße – liegt vor einer der Villen am Waldrand ein großer Haufen Sperrmüll. Zwischen Weinregalen stapeln weiße Plastikstühle. Ich wundere mich noch, wieso die auch so billige Stühle haben, die können sich wahrlich teureres Stuhlwerk leisten – als Geflügel ruft: „Guck mal, Mama, die haben auch so ein kaputtes Bobbycar wie ich! Und so eine Wippe habe ich auch! Wieso steht das denn am Straßenrand? Haben die nicht Angst, dass das denen einer klaut?“

Jetzt langt es mir aber! Nochmal will ich das Zeug nicht in meinem Garten wiederfinden!
„Ich vermute …“ Erst quatschen, dann denken. In meinem Kopf gähnt ein Loch.

„Was vermutest du?“ Das Kleine hängt gespannt an meinen Lippen.
„… einen Moment, muss eben auf den Verkehr achten!“
„Welchen Verkehr, wir sind doch allein auf der Straße …“
„Die ziehen um. Gleich kommt der Wagen wieder und lädt die Sachen ein!“
„Kann ich verstehen, ich möchte auch nicht dort wohnen.“
„Wieso das denn nicht?“
„Mitten im Wald. Nachts kommt der Wolf. Beißt ins Bobbycar …“
Ein Seitenblick: Nein, sie will mich nicht foppen. Zusammengerollt kauert sie auf dem Beifahrersitz. Ganz klarer Fall: Bis die beim Sperrmüll das mit dem Zwischenlager geregelt haben, fahren wir woanders lang!

Als wir in die nächste Straße einbiegen, schellt mein Mobiltelefon. „Pubertikel“, leuchtet im Display. „Mutter, suchst du bitte aus dem Handgepäckkoffer mein Geld raus, ich bin gleich da und muss dann fix wieder weg!“
„Was denn für ein Handgepäckkoffer?“
„Der schwarze im Vorratskeller, den nie einer nimmt!“
„Wieso ist da dein Geld drin??“  Verdammt stickig im Auto. Ich drücke den Scheibenöffner.
„Ihr habt doch gesagt, wenn ich zum Boxen will, muss ich das Geld selbst beschaffen. Jetzt habe ich genug gespart!“ Mein Pubertikel macht eine stolze Pause. „Heute ist Training. Ein Vierteljahr kann ich mitmachen!“

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Tatort Schwimmbad

Astrologisch gesehen ist mein Geflügel ein Fisch. Das ist auch der Grund, warum wir jeden Sonntag schwimmen gehen. Ginge es nach mir, könnte ich gut auf die Planscherei verzichten, ich friere sowieso die ganze Zeit. Aber was ist schlimmer: Zwei Stunden Gänsehaut – oder bis Mitte der Woche Gespräche, wie unfair es ist, das kleine Ding nicht gedöppt zu haben.

Sonntag war es wieder so weit: Keiner röchelte, keiner zog die Nase hoch – ich konnte mich nicht vorm Schwimmen drücken. Andere Eltern auch nicht, es ging zu wie in einer Makrelenbüchse. Es fing schon damit an, dass wir keine freie Kabine fanden. Mein Kleines schreckt so etwas nicht, es stieg im Gang aus seiner Buxe. In meinem Alter präsentiert frau sich nur mit Feigenblatt – auch mein Mann zog es vor, zu warten.

„Die Mama ist dünner, ich geh mit der Mama in eine Kabine!“
„Du bist doch schon fertig!“
, wehrte ich mich.
„Soll mich derweil hier draußen einer klauen?“
„Bewach du mal besser die Tasche!“, sagte mein Mann. „Kannst auch schon den Tauchring raussuchen.“

Herrlich, wenn man seinen Wandschrank für sich allein hat! Geflügelklein kramte vor der Tür und ich beeilte mich. Als ich mich eben nach dem Türöffner bückte, hörte ich eine Frauenstimme: „Du hast aber viel Zeug dabei, Schätzelein … Wie komme ich hier vorbei?“
Ich riss die Tür auf. Der Gang war mit Handtüchern, Jacken, Shampoo und Duschgel ausgelegt. Mein Geflügel hatte die Schwimmtasche ausgeräumt und hockte inmitten einer Kleidersammlung.

„Was treibst du denn hier??“
„Ich kann den verflixten Tauchring nicht finden …“ Ohne aufzublicken kramte sie weiter und ein rosa Socken mit Sternchen hob ab. Just in dem Moment, als er auf den Haufen stürzte, jubelte mein Kleines: „HIER IST JA DER RING!“
„Lag ganz unten in der Tasche und die ist jetzt leer, nehme ich an …“
Das Kleine nickte. Es drehte die Tasche um und klopfte auf den Boden. Dabei rollte eine Münze heraus und entwischte unter eine Kabine. Mein Geflügel warf sich auf die Knie und robbte blitzschnell hinterher. Als es bis zum Hintern unter der Kabinentür verschwunden war, kreischte eine Frau: „SCHÄTZELEIN! DU SCHON WIEDER!“
Ich knurrte und zog mein Geflügel am Bein heraus. Stolz öffnete sie ihre kleine Hand: „Guck, ich hab das Geld!“

Später im Becken, wir waren noch nicht einmal richtig nass, fragte mein Geflügel: „Was haben wir zu Essen dabei?“
„Engelchen, du weißt doch, dass man hier drin nichts essen darf!“ Ich zeigte auf das Wandbild mit der durchgestrichenen Wurst. „Im Auto kriegst du einen Apfel.“

Mein Geflügel nickte und rannte zur Rutsche. Sie kann zwar schwimmen, aber solche Menschlein behält man besser im Auge. Ich verfolgte, wie sie die Treppe zur Rutsche hinaufwetzte, und wollte mich eben gemächlich zum Rutschauslauf begeben, als ich gewahrte, dass mein Kleines empört den Mund aufriss und schockiert den Eingang blockierte. Zwei Jungen redeten hitzig auf sie ein, woraufhin sie sich setzte und losdüste.

Unten schnippte mein kleiner Korken aus der Rutsche und vergaß die Arme zu bewegen. Ich erwischte sie am Bein und zog sie aus dem tiefen Wasser. „Was war denn los?“
Sie hustete und japste nach Luft: „DA DRÜBEN …!“– Fuchsteufelswild pikte sie mit dem Zeigefinger zum anderen Ufer – „DIE ESSEN BRÖTCHEN! … GENAU UNTER DER WURST!!“

Jetzt ist es so, dass mir die vespernde Familie auch schon aufgefallen war. Beide Söhne kurz vorm Eintritt in die Pubertät – beide mit orangenen Schwimmflügeln. Mutter schien wie ich zu frieren, weil trug Wollhose und Kopftuch. Allein der Vater war unauffällig. Sah man vom Brötchen ab.

„Ich glaube, die gehen nicht oft schwimmen …“, sagte ich zu Geflügelchen.
„Na und?!“ Meine kleine Henne machte sich steif. „Ich habe auch Hunger!“
„Könntest ja fragen, ob du was abkriegst …“, schlug ich vor.
„NEIIIN!“ Zwei Arme krallten sich wie Schraubstöcke um meinen Hals. „Da kommt der Bademeister, der wird übel schimpfen.“
„Dann kannst du ja aufhören, mich zu würgen.“  Ich zog an einem Ärmchen. „Komm, gehen wir ins Wellenbad!“
„Mach doch mal nicht so einen Stress, Mama. Ich will hören, was er sagt!“ Sie entklammerte sich endgültig und paddelte zum Beckenrand.

Das wurde ja noch schöner! Manche Kinder bugsieren ihre Eltern von einer peinlichen Situation in die Nächste. Ich dümpelte ebenfalls zum Rand, tat aber unbeteiligt. Was meinen Sie, wie schnell ich das aufgab, das Schauspiel war verdammt unterhaltsam:

Bademeister: „Sie dürfen im Badebereich nichts essen!“
Mutter kramt in der Tasche, Vater kaut.
Bademeister: „Verstehen Sie mich?“
Vater beißt erneut ins Brötchen, Mutter zieht zwei Milchschnitten aus dem Kühlfach.
„Wenn Sie essen möchten, besuchen Sie bitte unsere Cafeteria!“
Die Jünglinge mit den Schwimmflügeln entreißen Mutter das Kuchenzeug.
„Ihr auch!“, herrscht der Bademeister sie an.
Die Halbstarken fetzen die Verpackung ab und schieben den Kram in die Futterluken.
Bademeister winkt ab und geht.

„Und jetzt?“ Geflügel zittert. „Jetzt holt er die Polizei, oder?“
„Bestimmt“, antworte ich. „Wo das nun geregelt ist, können wir endlich ins Wellenbad gehen.“

Etliches später kommen wir auf dem Weg zur Dusche wieder an den Landratten vorbei. Sie spachteln immer noch. „Keine Polizei da …“, wundert sich Geflügel. „Ach ja, die müssen erst heim, ihre Badehosen holen!“

Im Duschraum sind wir dann allein. Das kommt selten vor. Normalerweise steht unter jedem der zwölf Brauseköpfe ein nasser Mensch, heiße Luft wabert und es ist mächtig laut. Gerade haben wir uns für eine gemütliche Ecke entschieden, als eine Dame mit Pudelmütze die Waschsauna betritt.

Sie stellt sich dicht neben Geflügel und dreht den Duschkopf auf. Das Wasser scheint kalt, denn die Dame quiekt. Das Geräusch wiederum macht Geflügel aufmerksam. Es schaut die Dame an, arbeitet sich hoch zu deren Kopf – da greift auch schon ein kleiner Arm nach mir.

Natürlich ist mir klar, was meine Geflügelmaid loswerden will und ich halte ihr schnell den Mund zu. Als sie mich daraufhin anfunkelt und sich loswinden will, zwinkere ich ihr zu und schüttele leicht den Kopf. Bei dem Gerangel gelangen irgendwie die Füße der Dame in mein Sichtfeld. Leck mich fett, die steht auf High Heels in der Dusche!

Die Dame reißt sich die Pudelmütze vom Kopf und steigt unter den Wasserstrahl. Aus den Augenwinkeln erhasche ich einen kurzen Blick auf verklebtes Haar. Mir bleibt keine Zeit, weiter über ihre schicken Schuhe nachzudenken, denn schlagartig wird das Wasser um uns herum rot.

„Was ist denn hier los??“ Ich springe beiseite und versuche der dunkelroten Pfütze, die sich rasend schnell über dem weißen Fliesenboden ausbreitet, auszuweichen.
„KIRSCHSAFT!“, schreit Geflügel entzückt.
„Oh Gott, Sie bluten, sind Sie verletzt??“ Eilig scanne ich die Dame, kann aber keine klaffende Wunde entdecken.

Geflügel hat sich auf den Boden gehockt und will eben den Zeigefinger in die Brühe tunken.
„Untersteh‘ dich!“ Ich reiße ihr Ärmchen hoch und sie auf die Füße. Die Dame guckt ebenfalls irritiert. Dicke rote Bäche stürzen von ihren Schultern, über Bauch und Rücken und strömen verästelt an den Beinen entlang, ehe sie in die Brühe prasseln und zum Abfluss eilen.

„Am Wasser liegt es nicht …“ Ich gucke an die Decke. Der Wasserstrahl ist hell und durchsichtig. Plötzlich leuchtet das Gesicht der Dame ebenfalls rot. Es ist ein anderes Rot, ein Glühendes, eines von innen. Sie packt sich in die Haare und zieht eine blutgetränkte Hand heraus. „Ich wollte Wasser sparen, ich habe mir daheim die Haare gefärbt …“

Eines weiß ich: In nächster Zeit gehen wir nicht schwimmen! Da stelle ich mich krank!

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Den Schlüssel finden Sie unter der Fußmatte!

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Käme das Pubertikel nach seiner Mutter, litten seine Erzeuger ziemlich unter Langeweile. Nehmen wir zum Beispiel meinen heutigen Vormittag, der sich bereits gestern wie folgt einstielte …

Auf den allerletzten Drücker steigt mein Pubertikel früh in seine Treter, hat die Türklinke schon fast aus der Wand gerissen – fällt mir ein: „Ich komme erst nach 19.oo Uhr heim, hast du Schlüssel?“

Mein Pubertikel sammelt sich. „Nö … ich nehm‘ deinen Bund!“ Im Flur wird hektisch geklimpert, der Schlüsselkorb kracht auf den Boden und der Jung will sich verdünnisieren.

Das glauben Sie nicht, wie schnell ich an der Haustür war. „Nix da!“

Jetzt kann ich das brave Kind schlecht bis zum Dunkelwerden draußen stehen lassen. Gut, es wäre eine Überlegung wert – aber im Winter tut man das nicht. „Ich mach‘ meinen Hausschlüssel ab und deponier‘ ihn draußen, wenn ich gehe.“ (Klar, unter den Blumentopf neben der Türe, wo man sowas halt versteckt.)

Heute Morgen wusste ich davon natürlich nicht mehr und wie ich vorhin heimkomme …  bin ich noch eine Runde durch Mülheim gegurkt, Hausschlüssel organisieren.

Passiert ist mir sowas ja schon einmal: Das Pubertikel noch ein herziges Minikerlchen, Freitagmittag, und mein Mann übers Wochenende in Heidelberg. Null Schlüssel weit und breit – nicht mal ein Autoschlüssel – lag alles behütet im Haus.

Nun war aber Sommer und beide Flügel des Doppelfensters zum Garten gekippt. Und wissen Sie was? Es ist ganz leicht, Fenstergriffe von außen zu öffnen und einzusteigen! Das habe sogar ich beim ersten Anlauf und ohne kriminelle Energie geschafft.

Also, Leute, macht die Fenster zu, wenn Ihr geht!

Madig unter Tannen

Althergebracht ist bei uns die Weihnachtsbaum-Beschaffung durch den Haushaltsvorstand geregelt. Wenn ich da jedoch drauf warte, ließe sich Ostern mit einem Baum rechnen.

Was meinen Sie, wen ich gestern beim Baumkauf auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums getroffen habe?
Einen meiner Liebsten: Hawaiihemd-Gartenzwerg!
Fast hätte ich ihn nicht erkannt. Er wirkte blass und trug einen dunklen Anorak überm Blaumann. Doch dann formte er die Hände zu einem Trichter und bölkte über die Tannenschonung: „HAM SE IHREN FÜHRERSCHEIN AUFFER MÜLLDEPONIE GEMACHT?!!“

Gut, ich gebe zu, ich parkte ein wenig regelwidrig. Rechts halb auf dem Zebrastreifen; mit der anderen Hälfte im Baumverkauf. Zur Haupteinkaufszeit traute ich mir das nicht. Da würde ich meine anderthalbmannhohe Tanne schultern und über das Parkareal schlendern – doch 11.oo Uhr in der Früh behindern muskelschwere Weiber kein Schwein.

Haiwaiihemd-Gartenzwerg hat übrigens eine Zwergin! Sie scheint nicht weiter bedauernswert, denn sie pflichtete ihrem Vorgartenchef unter Kopfnicken und ebenfalls per Handtrichter bei: „Ja, Sie spinnen wohl!“

Habe ich nur abgewunken und mich dem feixenden Baumverkäufer zugewandt. Flugs wurden wir handelseinig und vier Minuten später war ich wieder weg.

Nun war ich aber mit der kleine Henne angereist und wie wir eben vom Parkplatz rollen, informiert sie mich: „Hier ist übrigens mein Lieblingsladen … Weißt du das?“

„Nein.“ In vierzig Minuten habe ich einen Termin.

„Könnten wir nicht mal kurz …“ Sie lässt nicht locker.

Ich gucke zur Uhr. „Gut, kurz. – Keine Minute länger!“

Im Sturzflug flattert mein Geflügel in die Spielzeugabteilung. Wir sind mit einem beleibten Ehepaar im Gartenzwergalter allein. Die beiden interessieren sich zwar für Barbies, aber sie stehen bis zu den Pferden. Denen wiederum gilt Geflügelchens Aufmerksamkeit. Eben nimmt es verzückt ein Riesenfilly aus dem Regal, als die Frau zu ihrem Mann sagt: „Das hier bekommt Leonie zu Weihnachten von Tante Christa.“

Geflügelchen horcht auf und folgt interessiert dem Zeigefinger. Hochzeits-Barbie! Meine kleine Henne legt die Stirn in Falten.

„Und das hier …“, die Frau nimmt Ken mit Smoking und Wechselwäsche aus dem Regal, „auch.“

Mein Kleines flüstert: „Tante Christa kann Leonie nicht leiden.“

„Wieso das denn nicht?“

„Barbie … scheußlich!“ Sie streichelt dem Riesenfilly über den Kopf und presst es an ihr Herzchen.

„Norbert“, hebt die Frau erneut an, als ich eben beschloss, hier schleunigst zu verschwinden, „Norbert, sollen wir nicht die Kutsche für Leonie mitnehmen? Die stellen wir ihr unter den Baum, da wird sie Augen machen.“

Geistesgegenwärtig schnappe ich mein Geflügelchen am Arm und ziehe sie zum anderen Ende des Ganges: „Komm, wir gucken bei den Spielen!“

Doch es ist bereits zu spät. „Leonie war nicht brav!“ , stellt mein Geflügelchen fest.

„Wie kommst du darauf?“

„Vom Weihnachtsmann kriegt sie nichts. Damit sie nicht weint, schenken ihr Tante Christa und die Oma was.“

„Keine Ahnung …“, sage ich vage. „Kann schon sein. – Schau mal, ein Pferdequartett!“

Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass die Großeltern uns folgen. Eben drücke ich meinem Engelchen das Kartenspiel in die Hand, als die Frau hinter mir stehen bleibt: „Ah, Norbert, hier dieses Barbiepuzzle bekommt sie von Tante Jutta …“

„Siehst du, was hab ich gesagt!“ Geflügel schaut mich triumphierend an.

„Lass uns mal eben das Filly zurückbringen, das kannst du dir ja vom Weihnachtsmann wünschen.“ Gleich platze ich. Mein Termin – und im Übrigen will ich nicht, dass Omma und Norbert mitsamt der buckligen Sippschaft so kurz vorm Fest Geflügelchens Weihnachtsglauben demontieren. Dieses Jahr macht uns keiner den Weihnachtsmann madig!

„Kannst du es nicht kaufen?“ Geflügelchen knetet dem Filly die Ohren. „Wir könnten es dem Weihnachtsmann schicken, damit er es mir mitbringt?“

Unauffällig schiele ich zum Preisschild. Ich glaub‘, ich steh‘ im Wald!

„Oder ich behalt’s gleich …“, bietet Geflügelchen an.

Doch plötzlich färbt sich der Hühnerkopf rot. „Was ist, wenn der Weihnachtsmann versehentlich die Wunschzettel vertauscht??!“ Eine kleine Hand quetscht sich in meine. „Stell mal vor, er bringt mir, was die böse Leonie sich gewünscht hat! … Barbies! SCHEUSSLICH!!“ Da schnippen doch echt Tränchen aus den braunen Kullern…

„Mach dir keine Gedanken …“ Ich kniee mich auf den Fliesenboden und drücke das Kleine ganz fest. „Hast doch selber gesagt, Leonie kriegt nix. Der Weihnachtsmann hat also auch keinen Wunschzettel von ihr!“

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Mit dieser Geschichte, hochgeschätzte Leser, empfiehlt sich die GOOD WORD-Familie für eine Weile.
Wir wünschen Ihnen eine heitervergnügte Weihnachtszeit!
Bleiben Sie uns gewogen und auf Wiederlesen! ;-)

Kulinaren aller Länder, erwehrt Euch!

Nur Stunden vor dem ersten Advent fragte ich meine Mannen: „Wie schaut’s aus, wer backt mit Plätzchen?“
Alle begeistert, das wird eng in der Küche …

Als der Teig malträtierfertig dalag, waren zwei Drittel meiner Unterstützer verschwunden. Nur mein Geflügelkind harrte mit ungebrochener Begeisterung vor dem Tresen aus.

Wir Frauen arbeiteten hart. Während wir das letzte Blech aus dem Ofen bugsierten, tauchen die Verschollenen auf. Als sie sich endlich trollten, passten die verbliebenen Gaumenschmeichler in die Dose.

Nächster Tag, ich komm heim: Dose leer!

Dafür stand auf dem Tisch, dort wo sich Pubi gemeinhin breit macht, eine vulkangleiche Aufschichtung von Grünkohl. Ein Kasseler-Kotelett ragte aus den Krater.

„Was soll das?“, fragte ich.

„Kein‘ Hunger.“

„Warum packst du dann den Teller so voll?“

„Erst beim Hinsetzen bemerkt …“

Da er letzte Woche schon keinen Kohldampf schob, fand ich es angebracht, ein Gespräch über Nahrungsmittel zu führen: „Du weißt, dass für dein Kotelett ein armes Schwein sein Leben ließ?“

„Ein schlachtreifes Schwein“, prustete mein Pubertikel los, „wiegt 100 kg!“ Er spießte das Kotelett auf und fuchtelte damit herum. „Ist leichter.“

„Eine Idee, wie sich das Schwein vom Kotelett trennte?“

Pubi stilisierte die Hand zu einem Messer und säbelte an seinem Hintern rum.
Aber wenigstens wurde ihm dabei klar, dass seine Mutter nicht behauptete, es läge eine ganze Sau auf dem Teller. „Kennst du eigentlich Protestschweine?“, lenkte er ab. „Die bringen bis 350 kg auf die Waage.“

„Dir helf ich gleich!“, herrschte ich den Kerl an.

„Dänische Protestschweine“, feixte Pubi, „sehen aus wie die dänische Flagge. Rot mit weißen Streifen.“ Er zückte sein Smartphone: „… Ende des 19. Jahrhunderts durfte die dänische Minderheit um Husum ihre Nationalflagge nicht hissen. Sie protestierten, indem sie diese Schweine züchteten und durch die Gegend sauen ließen. Gerne im Vorgarten“, fasste er zusammen.Seine Nachbetrachtung: „Eine Dänin bist du offensichtlich nicht …“, überhörte ich und klopfte ihm anerkennend  auf die Schulter.

„Und was ist hier passiert?“ Ich hielt ihm die leere Plätzchendose unter die Nase. Musste er nicht meinen, dass mir sowas über dem Schweine-Exkurs entfiele.

„Habe ich auch protestiert.“

„Wogegen diesmal?“

„Keine gescheiten Süßigkeiten zu finden! Im ganzen Haus nicht!“

Geflügel flatterte die Treppe runter: „JUHU, WIR BACKEN WIEDER!“ Dann legte sie ein Fingerchen an den Mund  und flüsterte zum Ausgemergelten: „Sei anständig brav, Freitag kommt der Nikolaus!“

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Vegetarischer Job

Gestern beim Mittagessen sagte ich zu meinen Kindern: „Übrigens, meine Lieben, morgen gehe ich zu einem Seminar.“

„Boah, nicht schon wieder!“ Die Gabel verdrückt sich aus Pubertikels Klammergriff und landet scheppernd in den Erbsen. „Dann gibt’s wieder nichts Gescheites zu essen!“

„Du warst doch erst!“ Solidarisch klirrt das Besteck meines Gefügels ebenfalls aufs Prozellan. „Außerdem kannst du alles. Was willst du denn schon wieder lernen??“

Die Standpunkte der Kinder sind dargelegt, jetzt darf ich: „Bei meinem letzten Seminar lag noch Schnee!“ Die beiden haben sie wohl nicht alle.

„Na und?“ Mein Pubertikel echauffiert sich: „Meinst du, das haben wir deswegen vergessen?“

„Hat er nicht“, pflichtet das Geflügel bei. „Als er letztens bei McDonalds zwei von den labberigen Brötchen aß, sagte er, er sucht sich eine andere Mama, wenn er noch mal Spaghetti Bolognese aus dem Ding da zu essen kriegt.“ Sie zeigt auf die Mikrowelle.

Ich bin entsetzt. So nachhaltig erleben meine Kinder meinen Wunsch nach Bildung.
„Und du?“, frage ich das Kleine.

„Ich bleib bei dir.“ Es schiebt seine kleine Hand in meine Hosentasche. „Aber koch bitte keine Möhrchen mehr!“

Dem Pubertikel scheint klar zu werden, dass das Seminar nicht zu verhandeln ist, denn er fragt: „Was soll’s denn zu Mittag geben?“

„Ich dachte an eine Suppe …“

„Komm mir bloß nicht mit vegetarischem Scheiß!“

Geflügel horcht auf: „Was ist vegetarischer Scheiß?“

„Ohne Tiere“, der Bruder.

„Tiere ess ich sowieso keine!“

„Klar isst du Viecher. Fleisch halt.“

Endlich erbebt das Kleine wieder: „… aus was für Tierchen besteht Fleisch?“

„Will die mich verarschen?“ Mein Pubertikel guckt gereizt. „Schweine, Rindviecher, Zicken, vor allem aber …“, er kneift ins Ärmchen, „solches Hühnergeflügel wie du!“

So schnell kann der Kerl nicht mal die Hand wegziehen, wie ich ihm das Geschirrtuch vor den Latz pfeife, um mir ja rechtzeitig die Ohren zu bedecken.
Aber das Geplärr bleibt aus.

„Bist selber ein Suppenhuhn!“ Mein Geflügel stemmt sich gegen den Stuhl.

Pubertikel feixt. „Hast es begriffen? – Vegetarier sind solche, die kein Fleisch essen.“

Die kleine Geflügelmaid nickt: „Tierchen will ich nicht mehr essen …“

„Du möchtest also Vegetarier werden?“ Pubertikel legt den Arm ums Schwesterchen.

„Will ich nicht! Ich werd Schriftstellerin!“

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Küchenchefs Ehre

Neulich erschwamm mein Geflügel Seepferdchen. Das Wetter war jämmerlich, weder Kühlschrank noch Keller boten ein dem Anlass entsprechendes Festmahl. Deswegen beschloss die zu Ehrende: „Wir gehen Pommes essen!“

Auf einen verregneten Samstagabend im Herbst – nun denn …
Selbst der per Whatsapp vom freudigen Ereignis unterrichtete Pubi war überzeugt, man solle nicht zu McLabberbrötchen fahren, sondern die ortsansässige Gastronomie unterstützen. Pommes frittierten die schließlich in jeder Küche. Das Geflügel war es zufrieden und wir zogen los.

„Flammkuchen!“ Pubi klappt die Speisekarte auf. „Mutter, lies! Herrliche Flammkuchen!“

Geflügelschwester wirft ein: „Wenn du hier drin Feuerchen machst, schmeißen die dich bestimmt raus …“

„Hä?“ Pubi ist schwer mit der Karte beschäftigt, ihm tropft der Zahn.

Er entscheidet sich für Garnelen-Flammkuchen im Spinatbett, das Schwimmgeflügel bekommt seine Pommes und wir Alten was Altersgerechtes.

Alle zufrieden – doch plötzlich legt der Pubi sein Besteck beiseite. Von Füllmenge gehandicapt nuschelt er: „Meint ihr, es kommt gut, wenn ich dem Koch einen Verbesserungsvorschlag mache?“

Er fragt vorher??

Mein Mann hustet, bestimmt hat er sich verschluckt.
Zur Sicherheit vergewissere ich mich: „Bitte?“

„Na, was zu verfeinern“, mampft das Kind.

Mein Mann beruhigt sich. „Lass mal hören“, quetscht er hervor.

Pubi gelingt es, ein wenig Platz in seiner Futterluke zu schaffen: „Die Garnelen, die passen voll nicht zu! Schmecken nach nichts …“ Er kaut. „Fehlt Salz und ein deliziöser Schuss Maggi!“

Mein Mann hustet erneut und Pubi bezwingt seinen Flammkuchenrest. „Wem sag ich das jetzt? Der Bedienung oder geh ich in die Küche?“

„Lass bleiben.“ Mein Mann stellt ihm den Salzstreuer vor die Nase. „Augen auf!“

„Maggi hab ich gesagt!“, beharrt der Pubi.

„Untersteh dich!“, mische ich mich ein. „Wir wohnen hier!“

Die Geburtstagsrunde in Hörweite ist mit sich beschäftigt.

„Geh ich halt nochmal mit meinen Kumpanen essen. – Dann sag ich’s dem Koch!“

Mein Mann feixt: „Brauchen wir ja keine Angst zu haben, überfordert dein Budget.“

„Nix da!“ Pubi angelt eine Karte vom Tisch der abgelenkten Runde: „Kostet nur 50 Cent mehr als eine Woche Taschengeld! Das leih ich mir.“

„Habt ihr aber noch nix getrunken.“

„Bringen wir mit.“

„Mögen die im Restaurant gar nicht.“

„Wieso das denn? Ist doch teuer genug!“

Mein Mann stöhnt, entscheidet sich dann aber doch für einen betriebswirtschaftlichen Abriss …

Dem Geflügel wird das Gequatsche zu blöd. „Darf ich mich bisschen umgucken?“

Ich nicke. Das Geflügel schnappt seine Kuscheleule und streunt los. Sie kommt nicht weit: Die Geburtstagsrunde schwelgt in Schenkelklopfern, während Geschenke gereicht werden. Mein Kleines stützt sich auf die Brüstung hinter dem Jubilarentisch und horcht. Nach kurzer Zeit streicht sie die Haare hinters Ohr und reckt es weit nach vorn. Ihrem entspannten Gesichtsausdruck entnehme ich, dass sie nun gut folgen kann.

Auch der Pubi macht Fortschritte. Er scheint den unternehmerischen Ansatz kapiert zu haben: „Gehen wir jetzt – oder krieg ich noch einen Flammkuchen?“

„Zahlen Sie bitte an Ausgang“, sagt die adrette Bedienung zu meinem Mann.

„Wir könnten auch hintenrum raus …“, überlegt der Pubi.

Unauffällig winke ich dem Geflügelchen, doch das denkt nicht daran, dem Bezahlvorgang beizuwohnen:  „Wartet“, juchzt es hinter der Holzverschalung, „ich will erst sehen, was die Oma im letzten Geschenk kriegt …“

Die Oma dreht sich um: „Welches kleine Fräulein haben wir denn hier?“

Mein Geflügel erstarrt.

„Komm, setz dich zu uns!“ Die Oma rutscht ein Stück auf der Bank und lächelt. „Wir haben gerade Eis bestellt.“

ZACK, baumelte das Federding an meinem Arm und wir konnten gehen.

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Haarige Beschuhung

Erster Tag nach den Ferien: Da bin ich schon bisschen beschäftigt.
Als ich am Abend die Haustüre aufschloss, wollten meine Jungs gerade los. Fußballtraining für alte Herren – neuerdings mischt der Pubi dort mit.

Die hünenhafte Sporttasche lagerte quer vor der Treppe, deshalb kam ich schlecht in die Bude. Ich fragte, wie lange sie bleiben wollten. Mein Pubi hockte mit aufrechter Frisur an der Bar und zockte auf seinem Handy. Ihn ging das nichts an.

„Was ist jetzt?“, rief mein Mann aus dem Flur. „Wo bleibst du?“
„Hab’s gleich, muss eben noch einen Truppenaufzug einweisen!“ Pubi wischte weiter genüsslich auf seinem Display herum.
Konnte ich gut eine Runde mit meinem Gemahl plaudern: „Schatz“, rief ich aus dem Kühlschrank, „check die Pubi-Plörren! Der ist da defizitär!“
„Dem zieh ich gleich die Hammelbeine lang!“ –  War mein Mann etwa schlecht gelaunt? – „WENN DU NICHT SOFORT AUF DER MATTE STEHST, BLEIBST DU DAHEIM!“
Pubi sprang vom Hocker: „Komme!“
Als er an mir vorbeiwieselte, raunte er: „Macht der wieder einen Stress …“

Die Jungs mit viel Getöse zur Tür hinaus – bevor ich mich um den Saustall kümmerte, guckte ich erst mal nach meinem Geflügel. Das lag heimelig in Mutters Bett, seine Kuscheleule fest im Arm und atmete tief. Am liebsten hätte ich mich danebengelegt. Da aber Leute meines Alters nicht kurz nach 20.oo Uhr schlafen gehen und sich das Badezimmer eh auf dem Weg befand, ging ich Haare waschen. Sowas dauert …

Plötzlich – mitten im schönsten Gematsche – schellt das Telefon. Welcher Hirni ruft noch nach der Tagesschau an?! Mit zusammengekniffenen Augen angelte ich nach einem Handtuch. Meine Hand irrte durch ein leeres Fach. Das konnte doch nicht sein, meine Leute wissen immer, wo sie Handtücher finden! Ich reckte mich ein Stück und schließlich erwischte ich ganz hinten einen Zipfel. Zog daran, würgte das Ding fix um den Kopf und rannte runter zum Telefon.

Im Display die Nummer meines Mannes! Just als ich einatmete, er brauche nicht extra anzurufen wenn Fußball ausfiele, es würde mir genügen, wären sie auf einmal wieder da – sagte er: „Wir haben keine Schuhe.“
„Du solltest doch Pubis Sachen kontrollieren!“
„Meine Schuhe hab ich auch nicht! Badeschlappen ebenfalls nicht! Du musst sie uns schnell bringen!“

Hatten die sie noch alle??

„Meine Schuhe stehen im Heizungskeller“, fuhr er fort. „Und Pubis …“
„Seh ich selber“, störte ich seine Überlegung. Pubis Turnschuhe langweilten sich dort, wo vorhin der Hüne die Treppe blockierte.
„Und jetzt schick dich, Weib, wir warten vor der Halle!“

Die Nacht war fast frostig, es regnete und unterwegs zur Autobahn fragte ich mich: In welcher Halle sind die eigentlich?
Ich wählte die Nummer meines vergesslichen Angetrauten – diesmal ging der Pubi ran: „Wo bleibste, Mutter, Spiel geht gleich los!“
„Hättest du deinen Krempel überprüft, liefest du mit der Startelf auf!  – Außerdem brauche ich bis Oberhausen eine Viertelstunde!“
„Watt?! Bisse verrückt?? Da hätt ich gleich fernsehgucken können!!“
„Mach den Kopf zu und erzähl deiner herzensguten Mutter, vor welcher Halle ihr campiert!“

Der Pubi fängt also an zu erklären – erstaunlich präzise, ich konnte gut folgen – fahr auf die A3 auf, überholt linke Spur ein schwarzer Audi. Ich guck‘ aufs Kennzeichen (Ich gucke immer auf Kennzeichen!) – entzückt mich das dermaßen, dass ich’s laut lese: „WAT – IS 1

Mein Pubi erleidet einen altersbedingten Kollaps und brüllt: „WAT IS DA JETZT NICHT ZU CHECKEN, MUTTER??!!“
„Schon gut, erzähl ich dir andermal. – 8 Minuten, stell die Uhr!“

Als ich links zur Halle abbiegen will, schaltet die Ampel auf Rot. Vor bestem Oberhausener Leuchtreklame-Hintergrund zeichnen sich weiter vorn die Umrisse eines Männleins ab. Das Männlein hüpft und winkt. Plötzlich winkt auch etwas neben mir. Ich guck‘ rüber: junger Mann mit Krawatte. Reckt den Daumen hoch und freut sich. Kennen tu‘ ich den nicht. Vermisst er auch was? Winke ich halt mal zurück. Die Ampel schaltet Grün, er grüßt und gibt Gas. Zum Fußball wollte er nicht.

Auf dem Parkplatz vor der Halle reißt Pubi die Beifahrertür auf, krallt die Schuhe und haut ab. Natürlich übersieht er ein Drittel.
„HALLOOO!“, rufe ich hinterher. „Ich wollte nicht mit rein!“
Pubi macht kehrt, beugt sich wieder ins Auto, schnappt die Schlappen. Dabei streift mich sein Blick. Er zuckt zusammen. „Bloß nicht!“, stößt er hervor. „Krasser Kopfschmuck!“
Ich gucke in den Spiegel: Rotes Handtuch, weiße Punkte, fette Hello-Kitty …

Kurz vor 23.oo Uhr schleppte sich mein Pubi daheim über die Schwelle:  „Mann, hab ich einen Muskelkater … ich schaff die Treppe nicht rauf … Heut Nacht schlaf ich unten …“
„Junge“
, beruhigte ich ihn, „nächstes Mal komm ich später. Da föhn ich mir erst die Haare!“

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Das gleiche im selben Theater

Ich gehe ja immer gerne ins Kasperletheater. Einerseits weil mich das an daheim erinnert, andererseits der Kinder wegen. Alle Herbste wieder reist ein süddeutsches Puppentheater zu uns nach Mülheim. Kasperls schlagen auf der Wiese ein Zelt auf, Bühnenbild in eine Ecke, weiße Plastikstühle davor (solche, wo man nicht kippeln darf) und los geht es.

Mein Geflügelmädchen und ich schneien eine Viertelstunde vor Anpfiff ins Zelt und kommen in Reihe 8 von 10 zu sitzen. Es ist Familientag und zwei dick verpackte Erwachsene zählen auf ein Kind. Wegen der zu befürchtenden Haltungsschäden sitzen die Ausgewachsenen aufrecht, der Herr vor mir behält gleich noch den Hut auf. Seine Frau beginnt zu schwitzen, stellt den Daunenkragen hoch und öffnet die Jacke weit, damit Luft ran kommt.
Ich frage mein Geflügelchen: „Kannst du sehen, oder soll ich dich auf den Schoß nehmen?“
„Ich seh genug – wenn ich auf deinem Schoß sitze, sieht der Junge hinter mir nichts.“

Der Herr mit Hut nimmt unterdessen sein goldlockiges Enkelkind auf den Arm und die Oma mit dem Daunenkragen schmiegt sich an die beiden. Daraufhin tauschen Geflügelchen und ich die Plätze.

Ein Gong ertönt, der Titel wird durchgesagt: „Kasperle und das Gespenst“
Hinter mir stöhnt eine Frau: „Das hatten die doch letztes Jahr schon …“
Ihre Freundin regt das mehr auf: „Voll der Beschiss! Ich geh denen gleich sagen, dass wir das schon gesehen haben!“

Vorhang ratscht auf, erstes Bühnenbild: Schlosspark.
Die Frau: „Ist das das Schloss vom letzten Jahr?“
Die Freundin: „Natürlich! Wirst sehen, gleich kommt Kasperle!“
Der Junge auf ihrem Schoss. „Mama, Kasperletheater beginnt immer mit Kasperle.“
„Psscht!“, macht die Freundin.

Nach Kasperle hüpft die Prinzessin auf die Bühne.
Die Freundin zur Frau: „Siehst du, gleiche rotbackige Prinzessin wie letztes Jahr.“
Der Junge: „Prinzessinnen sind immer rotbackig.“
Doppeltes „Pssscht!“ der Frau und der Freundin.

Die Prinzessin beschwert sich, dass sie seit ihrem Urlaub nicht schlafen könne. Die Frau: „Ja, ja, das wissen wir noch.“

Vorhang wogt zu, Ende 1. Akt.
Der Junge: „Kommt noch eine Folge?“
Die Freundin: „Was meinst du, was das gekostet hat! Wir bleiben bis heute Abend!“

Im nächsten Akt verbringt Kasperl die Nacht erst mal bei der Prinzessin. Tief sägend hält er Ausschau nach dem Gespenst.
Der Junge: „Kasperle schnarcht so laut wie dein neuer Freund.“

Das Gespenst taucht auf und haut Kasperle mit einem Knüppel auf den Ratzkopf.
In der Reihe neben uns beißt ein kleines Mädchen zitternd in den Pferdeschwanz seiner Mutter.
Kasperle schnippt aus dem Schlaf, zerrt dem Gespenst das Bettlaken von der Rübe – steckt der Räuber darunter.
Das kleine Mädchen neben uns brüllt: „ICH WILL SOFORT HIER RAUS!“
Die Frau hinter mir: „Haben wir das jetzt letztes Jahr gesehen oder nicht? Ich mein, letztes Jahr war die Hexe drunter …“
Die Freundin: „Keine Ahnung, ich kann mich nicht erinnern …“
Das kleine Mädchen und die Mutter in unserer Reihe gehen.
Der Junge: „Voll spannende Folge.“

Eine der beiden Grazien hinter uns bekommt eine Whatsapp-Nachricht. Sie hat die Brille nicht dabei, deshalb liest die andere vor. Meine Herren, da bin ich aber rot geworden.

Das Bühnenbild wechselt wieder, diesmal sind wir im Wald beim Teufel. Die Nebelmaschine spuckt und in der ersten Reihe bricht ein Tumult aus: „DER WALD BRENNT! KASPERLE, ES BREEEEEENNT!!“
An mehreren Stellen vor uns springen Mütter auf und bleiben so lange stehen, bis in der ersten Reihe Ruhe einkehrt. Der Akt ist zu Ende – Zuckerwattepause.

„Worum geht’s eigentlich?“ Die Frau hinter mir. „Ich bin irgendwie abgelenkt.“
„Ist doch egal“, antwortet die Freudin, „haben wir doch schon gesehen.“

„Kann ich Zuckerwatte?“, fragt der Junge.
Kein Verb – und nun? Zum Glück wissen Mütter immer Rat:
„Nein, Zuckerwatte schmeckt nur nach Zucker. Das ist ungesund!“

Vorhang zum letzten Akt surrt auf: Das Krokodil schenkt Kasperle einen leuchtenden Zauberstab.
Die Freundin hinter mir: „Siehste, ich wusste doch, dass wir das schon gesehen haben! Derselbe Glitzerstab wie im letzten Jahr!“
Plötzlich fällt ein Schatten auf mich – der Herr mit Hut ist irgendwie gewachsen. Er setzt Goldlöckchen auf Daunenkragens Schoß und dreht sich um:
„Der Gleiche!“, knurrt er mich an. „D-e-r  G-l-e-i-c-h-e !“

Als das Schauspiel vorbei ist, wird hinter mir Resumee gezogen:
„Nächstes Jahr sparen wir uns das Geld. Dreimal guck ich mir das nicht an!“

Kasperle

Ungerngesehener Gast

Am Tag der Einheit entbot ich meiner Meersau den Morgengruß ein paar Stunden später als gewöhnlich, war ja schließlich Feiertag. So kam es, dass Eddy mir fast den Finger abbiss, als es endlich was Ausgefallenes zu spachteln gab. Just in dem Moment, als ich zu ihm sage: „Sei nicht so verfressen, nimm dir ein Beispiel, ich habe auch noch keinen Kaffee!“, stürzt hinter mir ein grauer Sack auf die Terrasse.

Spornstreichs feuert das kleine Schwein eine Ladung Sägespäne auf meinen Pullover, lässt Pfirsich Pfirsich sein und flitzt in seine Bude.

Schmeißt mein Pubertikel etwa oben sein Bettzeug aus dem Fenster??!
Was meinen Sie, wie schnell ich auf den Beinen war!
„Ich mach dich rund, Bürschchen!“ Will die Terrassentür aufreißen, hab‘ den Griff schon in der Hand – guck‘ ich in zwei aufwändig gestaltete Knopfäuglein!

Das Bettzeug ist ein Fischreiher!

Und was für ein Rieseneumel!

„Meine Kamera, hat die wer gesehen?“ Ich traue mich nicht zu bewegen, will ihn nicht verjagen. So frontal vor den Kopf habe ich noch keinem geguckt.
Meine Leute reagieren nicht, sie gehen weiter ihrem Tagwerk nach.

„Der Fischreiher besucht uns!“, versuche ich es erneut und deutlich leiser.
„Wo?“ Mein Geflügel kommt polternd angeflattert, mein Mann bewegt sich vorsichtiger.
„Was will er denn?“ Das Geflügel ist ganz hektisch. „Der soll unsere Fische in Ruhe lassen!“

„Für ein gescheites Foto opfern wir einen“, sage ich zu meinem Mann. „Was meinst du?“
Mein Mann nickt und legt den Finger auf den Mund.
„Wer wird geopfert??“ Mein Geflügel zittert.
Mein Mann sieht mich böse an und bringt sich mit der Kamera hinter einem Zimmerbusch in Stellung.

„Wir machen es so …“ Ich nehme die kleine Geflügelmaid auf den Arm: „Normalerweise sind Fischreiher sehr schreckhaft. Der hier scheint nicht so viel Angst zu fühlen.“ Demonstrativ wendet sich das Reiherviech ab und stakst gemächlich zum Wasser. „Wir beobachten und fotografieren so lange, bis er zuschnappen will. Dann klopfen wir fix gegen die Scheibe!“
„Und der frisst keinen unserer Fische??“
„Nein, keinen!“
Mein Mann knurrt hinter seinem Busch.

Habe ich zurück geknurrt, weil er muss ganz ruhig sein! Heiligabend sah er zu, wie so ein Reiher den vorletzten unserer erwachsenen Fische runterwürgte. Mehrere Minuten brauchte der Goldfisch, als dicke Beule den schlanken Reiherhals zu passieren. Genug Zeit, um Fotos zu schießen!

„Was ist das denn für ein Fettsack?!“ Plötzlich der mit-ohne Bettzeug hinter mir. „Der ist aber größer als normal!“

„Woher willst du Blitzbirne das denn wissen?“

„Graureiher, landläufig Fischreiher genannt, werden nur 90 – 98 cm lang und wiegen 1 bis 2 kg … Der da draußen ist größer, offensichtlich frisst der mehr als andere!“, kriege ich eine fundierte Antwort.

„Wir könnten ihm Vogelfutter hinstreuen …“ Mein Geflügelchen fängt wieder an zu schlottern.

„Der frisst nur Fisch und Frosch und manchmal noch ne Feldermaus. Fische haben wir genug. Stell mal das Gequirle im Teich vor, wenn der im Winter nicht täglich vorbei käme …“ Mein Pubi deutet eine Würgbewegung am Hals an und mein Geflügel plärrt los.

„Was hab ich denn jetzt schon wieder gemacht??“ Empört boxt er mir auf den Arm.

„Schon gut …“ Ich winke ab.

„Ruhe!“, meinem Mann langt es. „Wer hat eigentlich diesen scheiß Eimer da hinten stehen gelassen?“

Der Reiher hat mittlerweile zwischen dem Gesträuch eine Einstiegsstelle gefunden. Genau vor dem schwarzen Eimer, den ich nach dem Algenabfischen vergessen habe. Mir wäre das mit dem Eimerhintergrund ja egal, aber mein Mann ist eben ein Ästhet. Er verlässt seinen Beobachtungsbusch und sucht nach einer besseren Position.

Das Viech, derweil nicht faul, ist im Wasser angekommen, macht sich lang wie ein Pfeil und – sticht zu. Ich haue mit der Hand gegen die Scheibe! Ein halbwüchsiger Goldfisch zappelt quer im Reiherschnabel, ein kurzer Schlenkerer mit dem Kopf: Weg ist der Fisch.

Der Reiher guckt verklärt und stört sich nicht an meinem Klopfen. Ich reiße die Terrassentüre auf, er nickt mir aufmunternd zu und rauscht ab.

Mein Geflügel schnappt nach Luft. „Könnt ihr euch vorstellen, wie traurig jetzt die Mama von dem Kleinen ist??“

Der Pubi hinter mir sprachlos ob des Fressspektakels: „Boah, das nehm ich als Profilfoto! Vatter, lass ma sehen!!“ So schnell kann keiner von uns blinzeln, wie er meinem Mann die Kamera aus der Hand dreht.

„Und??“ Mein Mann und ich gieren nach grandiosen Reiherfotos.

„Ich sach ma so …“, der Pubi grient unverschämt. „Viel Schaden für Gestrüppfotografie!“ Er gibt meinem Mann die Kamera zurück: „Aber, grämt euch nicht, Leute, Reiher werden bis zu fünfunddreißig Jahren alt. Der kommt wieder!“

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Folgen einer Nachzahlung

Anfang Juli war ich bereits fett in Urlaubslaune: Jobs ausgeliefert, Kühlschrank spärlich befüllt – wenn’s nach mir gegangen wäre, hätten wir nach dem Frühstück die Fliege machen können.

Weil es aber nicht nach mir ging und meine Mischpoke noch im Joch stand, rief ich aus Langeweile meine Mails ab. War die Heizkostenabrechnung drunter. Was glauben Sie, wie fix Essig aus meiner Urlaubsgrille wurde! Einen halben Herzklabaster erlitt ich!

Als ich wieder sitzen konnte, rief ich meinen Mann an.
„Reg dich ab“, sagte der, „Urlaub ist bezahlt.“

Nachdem ich gebührend gewettert hatte, analysierte ich die Rechnung. Beim zweiten Kaffee war die Nachzahlung in Ordnung. Ich fand heraus, dass die Gasler im Vorjahr vergessen hatten, abzurechnen. Wo keine Jahresrechnung erfolgt, wird auch kein Monatsabschlag erhoben.

Die im Callcenter sagten, das hätte mir auffallen müssen. Natürlich. Sofort übertrug ich in meinen Kalender: „Monats-Erster: Kontrollieren, ob Gasabschlag bezahlt!“

Nun fragen Sie: Wo sie’s doch verbraucht hat – was empört sie sich?

Es ist so: Für eine Abschlagszahlung wird die letzte Jahresrechnung durch 12 verheißungsvolle Monate geteilt. Bei mir bedeutete das demnach seit Juli eine monatliche Rate für zwei Haushalte. Uns – und nochmal solche wie uns.

Über meiner Recherche beschloss ich: Ab jetzt wird Gas gespart!
Derweil kam mein Pubertikel aus der Schule. Postwendend kommandierte ich ihn in den Keller: „Schalte bitte den Warmwassertank aus!“
Zuerst lief das wie üblich: „Wo ist der Keller?“
„Unterm Dach!“
Mein Pubi guckte irritiert und stiefelte los.
Kaum war er unten, bölkte er: „UND DER WARMWASSERTANK, WO SOLL DER SEIN?“
„Im Heizungskeller!“
„HIER IST KEIN SCHALTER! DAS DING LÄSST SICH ÜBERHAUPT NICHT ABSCHALTEN!“
„Am Tank, mach die Augen auf!“
„… soll die ihren Scheiß doch selber ausschalten, ich schick die doch auch nicht, mein Handy ans Ladekabel zu hängen.“ (Dachte er wohl, ich höre das nicht …)

Irgendwann fand er den Schalter und wir verbrachten wundervolle Duschabende im Garten.

Nichtsdestotrotz drehte der Gaszähler weiter! Guckte ich auf meinen Protokollats-Zettel, kriegte ich schlechte Laune. Heizung aus und im Gasrohr betrieb!

Am Wochenende war ich mit Pubi allein daheim. Obligatorischer Kontrollgang zum Gaszähler: weiter gerückt.
Sagte mein Pubi: „Mutter, ich guck im Internet, was der hat!“
Ich war einverstanden – mir war schon klar, er wollte facebooken.
Nach einer Stunde fragte ich: „Und, was herausgefunden?“
„Nö, noch nichts …“

Weil die Idee aber nicht blöd war, suchte ich zu vorgerückter Stunde selber. Wenn Sie keine weiteren Gasgeräte betreiben, aber trotzdem Verbrauch verzeichnen, haben Sie ein Gasleck! Schließen sie sofort den roten Haupthahn!

Himmel, war ich da erschrocken!
Bin ich also hurtig in den Keller und habe den Hahn abgedreht.

Vorhin wollte ich Mittagessen kochen: Jetzt ist auch noch der dämliche Gasherd kaputt …

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Sportliche Frühstücksschlappe

Wenn schon Ferien, dachte ich mir in einer Sommernacht, könnten wir früh auch was Gescheites essen. Brötchen!

Ich schwang mich also kurz nach 8.oo Uhr zart bekleidet auf’s Rad (die Wetterfrösche schwätzten von Starkregen ab 11.oo Uhr) und sauste meinen Heimatberg runter. Zum Lieblingsdiscounter.

Ohne Ablenkung, weil ohne mein Geflügel angereist, pfiff ich hurtig Lebensmittel von rechts und von links in den Einkaufswagen. Ratzfatz stand ich an der Kasse.
Ein Auge schwiff zum Fenster: Starkregen.
Das andere guckte zur Uhr …
Half ja nichts.
Ein kurzer Plausch mit der Kassiererin: Ihr war das Wetter egal, aber sie guckte anteilnehmend und erklärte, sie führe kein Rad. Mir war das Wetter mittlerweile auch egal, ich hörte nämlich meinen Magen. Freudig klappte ich meinen Geldbeutel auf – EC-Karte weg! Leicht angestresst wühlte ich in den anderen Fächern. Nix. „Kann ich auch mit Kreditkarte?“
Die Kassiererin nickte.
Natürlich funktionierte das nicht.
„Ich habe kein Bargeld bei. Ich muss erst heim, welches holen!“
Wieder nickte die Kassiererin. „Wie lange wird das dauern?“ Sie zeigte auf die Familienpackung Eis. (Kokos mit weißer Schokolade. Lecker!)
„Halbe Stunde. Mindestens …“
„Dann pack ich das zurück in die Kühlung.“ Sie verließ ihr Kassenkabuff. „Und sie kommen auch wirklich wieder??“
„’türlich!“ Ich nickte heftig. Mein Magen. Außerdem hatte ich das Band nicht zum Spaß voll Futter gestapelt.

Strampelte ich also meinen Heimatberg wieder rauf.
An der Haustür empfing mich das Geflügelkind: „JUHU! Brötchen! Ich bin total verhungert!“
„Musst dich gedulden, mein Schatz, Mama hat ihre EC-Karte verloren …“ Schnell drückte ich mich am Kleinen vorbei.

Verflixt! Geheimfach ebenfalls leer.

„Mama, ich hab Geld!“ Sie düste los und holte ihre kleine Sau.

„Schenk ich dir alles!“  Das gelbes Schweinderl landete sanft in meinem Schoß.  „Ganz goldenes Geld ist da drin. Hab ich mit meinem Bruder getauscht. Polier ich seitdem jeden Tag.“ Jetzt bekam das Schweinderl den Wanst gestreichelt. „Guck fix rein, wie das glitzert!“

Ich schraubte den Ringelschwanz ab. „Kupfernes Geld …“, korrigierte ich sie. „Was hast du ihm dafür gegeben?“

„Große silberne Geldstücke. Waren mir zu schwer. Und außerdem waren sie schmutzig … Komisch, dass meinen Bruder das nicht stört …?“

„Mein Engelchen …“ Ich nahm das Kleine in den Arm. „Es ist sehr lieb, dass du mir dein Geld schenkst … Aber leider reicht das nicht mal für zwei Brötchen.“

„Verhungern wir jetzt …?“ Braune Äuglein tauchten in einen See. Doch flugs kamen sie zurück ins Licht: „Mama, du isst das eine Brötchen – und das andere, was nicht komplett ist, teile ich mit meinem Bruder! Wir sind kleiner, wir brauchen nicht so viel.“

Ich konnte nicht anders, ich musste mein Geflügelchen küssen. Dabei fiel mir die Tasche meines Sportrades ein. (Seit dem letzten Platten heize ich nicht mehr ohne Notgeld durch die Gegend!)

Es hatte aufgehört zu regnen und ich war endlich wieder auf dem Weg nach unten. Den Pubi könnte ich mir beim Frühstück vornehmen.

Beim Discounter war jetzt deutlich mehr los als bei meinem ersten Besuch. Am Radständer – quer und dreifach angekettet – ein altersschwacher Drahtesel. Da habe ich erst einmal ausgiebig gefeixt. (Trotz knurrendem Magen!) Genauso schnell verging mir das allerdings wieder – Herrschaftszeiten, wo war mein verfluchter Schlüssel??

Ich rang mit mir, das kann ich Ihnen verraten; aber dann nahm ich doch wieder den Berg unter die Pedale …

Zu Hause ein Spalier aus zwei Kindern: Rechts weihräucherte das Geflügel mit meinem Schlüsselbund, links tippte der Pubi den Zeigefinger an die Stirn. “Mutter, wie oft willste jetzt noch hin und her radeln?!“
Da drückte ich ihm meinen Geldbeutel in die Hand und wünschte ihm eine gute Fahrt.

„Und wir beide“, sagte ich zu meinem Engelchen, das bereits empört den Mund aufriss, „beginnen den Tag mit einem Eis!“

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Tomaten gegen Mücken

Letztes Wochenende sirrte und schwirrte es in meinem ganzen Haus. Nicht einmal auf dem Klo hatte man seine Ruhe.
Aber lassen Sie mich ein paar Worte zur Rahmenhandlung verlieren!

Am Abend vor der Abreise in den Urlaub langte mein Pubertikel so tief in seine Peilo-Kiste, dass meinem Mann der Kragen platze und er des Teenies Smartphone kassierte.
Mein Pubi war schockiert.
„Wat soll ich jetzt die ganze Zeit machen?? Ich langweil mich doch zu Tode!“
„Interessiert mich nicht“
, sagte mein Mann, „kannst lesen.“

Sie werden es nicht glauben: Mein Pubertikel las tatsächlich! Den ganzen Urlaub lang. Kaum stieg er aus dem Wasser, haute er sich tropfend in eine Ecke und deckte sich mit Buchstaben zu. Einen Thriller nach dem anderen schaufelte er in sein jugendliches Köpfchen. Da er redselig ist, weiß ich jetzt alles über menschliche Verderbtheit und ich werd‘ den Teufel tun und noch einmal ohne Mikrofasertuch in eine Kneipe gehen. (Ich will da nicht putzen! Mensch, wegen der Fingerabdrücke!)

Die Reise beendet, die Familie zurück im Heim: Der Pubi fröhnt weiter dem Leserausch. Samstag in der Dämmerung – ich war mit Klarschiffmachen nach einem ausführlichen Grillmahl beschäftigt – plötzlich eine gewaltige Erschütterung.
Das Geflügel springt mich an: „HILFE, MAMA, EIN ERDBEBEN!“ Sie hängt so unvermittelt an meinem Arm, dass Grillsauce vom Tellerstapel suppt.
„WAS HAST DU ANGESTELLT??“, brülle ich ins obere Stockwerk.
„Nix. Hab mir nur ein neues Buch geholt.“
„Und dabei ist das Bücherregal umgefallen?? “
„Nö. Ich bin von deinem Bett gesprungen.“
Das Geflügel verleiert die Augen und steigt von mir runter.

Eine Viertelstunde später habe ich das mit der Mülltrennung in der Küche beendet und will das kleine Mädchen ins Bett stecken. Die Nacht ist pechschwarz und windstill. Wir steigen die Treppe rauf und kehren im Bad ein. Über der Putzerei vergeht eine weitere Viertelstunde. Es kommt mir komisch vor, dass so viel Viehzeug rumflattert, aber Badezimmerfenster ist ja geschlossen. Muss am nahenden Herbst liegen.

Als ich endlich oben um die Ecke biege, trifft mich fast der Schlag!
Alle Lichter an!
Das Fenster sperrangelweit offen!
Die Scheibe zitterte, als ich das Fenster zuschmiss und:
„WAS IST DENN HIER LOS??“, brüllte.
Gemächlich kommt mein Pubi angetrottet, ein Buch vorm Kopf: „Du hast geläutet, Mutter?“
„Ich helf dir gleich!“, herrsche ich den Kerl an. „Was reißt du nachts das Fenster auf??“
„War warm, wollt ich lüften …“ Er unterbricht sich und wedelt kräftig mit dem Buch. „EY, DU KACKVIECH, HAU AB!“
Das behaarte Flattertier versteht’s und eiert ins Treppenhaus – die Messingamphore auf der Heizung kriegt sich wieder ein.
„Und das Licht?“, frage ich weiter.
„Welches Licht?“
„MAMA, BEI MIR SIND MÜCKEN!“, ruft das Geflügel dazwischen. „An der Wand sitzen welche und eine auf meinem Kopfkissen!“
Der Pubi: „Bei mir sind die auch! Wo kommen die scheiß Viecher heute her?“
Ich stöhne …
„Hol mir die Fliegenklatsche!“, befehle ich dem Pubi.
„Weiß nicht, wo die ist.“
„Boah, Junge, ich auch nicht!“
Geflügel: „HIER SIND NOCH MEHR MÜCKEN!“

Hilft nix, müssen wir das klassisch erledigen: Festbeleuchtung an, aus dem Hinterhalt anschleichen, draufhauen. Eben justiere ich den erste Vampir im Fadenkreuz, hole aus – hüpft hinter mir der Pubi: „Alda, flatter gefälligst einem anderen gegen den Kopp! Hier steh ich!“
Mücke weg.

„Ich will einen Tomatenstrauch …!“, jammert mein Geflügel
Der Pubi beschwert sich: „In so ner Situation denkt die an’s Essen …“
„Denk ich gar nicht!“, protestiert das Geflügel. „Wenn ich bei Oma bin, stellt sie mir immer einen abgebrochenen Tomatenzweig ans Bett. Mücken mögen das nicht riechen und sie beißen mich nicht!“
„Stechen!“, verbessert der Pubi. „Die Mücken stechen dich und saugen dein Blut.“
„Sollen die aber nicht!“ Jetzt weint das Kleine fast.

Irgendwie hat es mir da gelangt, da habe ich meinen Mann geholt.

Nach dem achtzehnten zermalmten Viech hörte er auf zu zählen. In den nächsten Tagen bin ich beschäftigt: Kadaver streicheln.

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Gebadet wird woanders

Letzte Woche gab es richtig schönen Regen. Da brauchte man nicht gießen und der Wasserhahn für draußen blieb zu, weil für die Fische genug von oben nachlief. Nach dem großen Regen matschte mein Geflügel auf der Terrasse und kippte Regenwasser aus sämtlichen Töpfchen und Schalen in den Teich. Mittendrin, sie hatte gerade ihren Kipplaster rückwärts an die Wasserkante gelenkte, ein paar gelbe Blumen umgefahren und die Ladefläche hochgehievte, setzte ich Rabenmutter dem Wasserspiel ein Ende: Wir mussten los.
„Komme!“, rief das Geflügel. „Ich mach noch schnell den Plätscherbrunnen an, damit die Fische Sauerstoff kriegen. Total heiß heute!“
Ich warf einen Blick zum Thermometer. Immerhin, 17,5 Grad im Schatten.

Als wir am frühen Abend zurück kamen, war vom Wasser nicht viel zu erkennen. Flockige Schaumberge standen zwischen den Seerosen. Wie Zuckerwattehügel sah das aus. Mein Mann stand mit aufgerollten Hosenbeinen am Ufer und schöpfte mit einem Eimer das Zeug ab.
„Was ist denn hier los??“ Ich war entsetzt.
Das Geflügel: „Hurra, Badewanne! Ich will schon so lange mal wieder in eine Badewanne!“
Mein Mann raunzt das Kleine an: „Hast du etwa Schaumbad in den Teich gekippt?“
Statt einer Antwort schnippen Tränchen aus den Äuglein: „Wenn … (schnief) … du mich schimpfts (SCHNIEF), … werd ich ganz traurig.  (HEUL)“
Spornstreichs wird der Vater ob der Tränchen ebenfalls traurig, also mischt sich Mutter ein: „Du kannst doch kein Schaumbad in den Teich gießen! Das vertragen die Fische nicht!“
Geflügel: „Da sind auch… (schnief)… Molche drin.“
Der Vater findet seine Sprache wieder: „Die vertragen das genauso wenig. Tiere brauchen sauberes Wasser.“
„Aber, Papa, wir haben keine Badewanne, also haben wir auch kein Schaumbad!“
Ich musste zugeben, da ist was dran. Auch mein Mann nickte. „Was ist das dann für ein Zeug?“
Wir drei zuckten ratlos die Schultern.
„Pubi?“
Mein Mann winkte ab: „Der ist doch nicht bescheuert!“
Nun …
„Wir verdünnen“, sagte mein Mann und drehte den Schlauch auf, während das Kleine den Besen nahm und einen Zuckerwattehaufen zusammenkehrte. Plötzlich ein Kullern und eine große Plastikflasche nahm Reisaus.
„Meine Seifenblasen!“ Das Geflügel ließ Schaum Schaum sein und schraubte begeistert den Verschluss ab. „Komisch. Flasche ist leer. Habe ich doch vorgestern noch mit gepustet …“
Da fiel’s mir ein: Die Seifenblasenflasche lag im Kipplaster. Manchmal klappt das mit dem korrekten Zuschrauben von Flaschen beim Geflügel nicht. Das Zeug ist dann wohl ausgelaufen, hat sich mit dem Regenwasser zusammengetan und ist überm Matschen im Teich gelandet.

Fassen wir zusammen: Seifenblasenflüssigkeit schäumt bei konstantem Teichsprudel gut und die versehentliche Zusetzung von einer Flasche schadet der Teichfauna nichts. Nach einer Woche alle wohlauf. Auf dem Bild ist die zurückgelassene Larvenhaut einer geschlüpften Libelle zu sehen. Man achte auf die Versorgungsstränge, die aus dem Ausstiegsloch am Rücken baumeln. So verbleibe ich also wie in der letzten Woche: Guten Appetit! :-)

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Klare Pilzsache

Meine grünen Würste von gestern schlugen manchem Leser unvorbereitet ins Kopfkino. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Deshalb setzten wir heute noch eins drauf.
Wer von Ihnen einen leicht aus der Ruhe zu bringenden Magen hat, dem rate ich, die Lektüre  zu unterlassen.
Aber genug der Einweisung, lassen Sie uns beginnen!

Hätte ich mich nicht fürs Schreiben entschieden, wäre ich bestimmt ein berühmter Rationalisator geworden. Weil Mensch aber nicht alles machen kann, verbindet er seine Talente. Genau deswegen lagert bei uns die Schwimmtasche das ganze Jahr fertig gepackt im Keller. Es läuft so: Schwimmen, Krempel trocknen, ab in den Vorratsraum. Bis auf die Badeschlappen vom Geflügel. Weil, bei aller Liebe zur Optimierung, bescheuert bin ich ja nicht. So ein Kleingeflügel wächst schnell, ergo auch schnell aus seinen Schlappen.

Am Wochenende zappelt das Kind auf der Treppe. Gerade noch rechtzeitig fällt Mutter ein: „Geh die Schlappen holen, dann hauen wir ab!“
„Ich hab schon Straßenschuhe an …“
„Ziehst du sie eben wieder aus.“
Das Geflügel gackert vor sich hin: „ … die Mama immer mit ihren blöden Schlappen … Alle Mädchen im Schwimmbad haben pinke Crocs. Ich wühl dann wieder stundenlang am Beckenrand, bis ich meine Schlappen find …“
Ihr Ideenfindungsprozess scheint abgeschlossen, denn sie plustert sich auf: „Ich – brauch – keine – Schlappen !“
Mutter wirft vier Äpfel in die Schwimmtasche: „Brauchst du, im Schwimmbad kann man sich Fußpilz holen.“
Das kleine Ding erstarrt: „An der Kasse?“
„Im Nassbereich. Da wo du barfuß rumläufst.“
„Pilze haben wir lange nicht gegessen …“ Sie guckt verträumt.
Ich sehe den Konflikt und setzte mich auf die Treppe: „Fußpilz ist nicht zum Essen. Der juckt zwischen den Zehen und man muss zum Arzt, eine Salbe holen.“
„Mach ich nicht! Geh ich nicht! Kannst du alleine holen!“
„Ziehst du Schlappen an, kriegst du keinen.“
Sie düst ab.

Während der Fahrt schnallt sie sich los und kriecht in den Kofferraum.
Ich: „Was wird das?“
„Moment …“
Sie wuchtet die Schwimmtasche vor und klettert zurück in ihren Sitz.
„Fräulein!“

Nach längerer Anreise endlich in der Kabine: Bikinis, Badehosen, Handtücher, Proviant … „Wo, verflixt noch eins, sind die Schlappen???“
„Brauchst du nicht weiter suchen, habe ich rausgetan.“
„Wie, rausgetan??“
Einer der Jungs hämmert an unsere Kabinenwand: „Schmeiß mal unsere Schlappen rüber!“
Das Geflügel: „Na vorhin, im Auto …“
„Mensch, was soll das denn??“ Die machen mich echt irre.
Geflügel strahlt: „Wir gehen jetzt alle vier ohne Schlappen schwimmen und anschließend fahren wir zu Oma. Keiner kann so gut Pilze braten wie Oma!“

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Alte Grillwurst

Sommer und grillen, das gehört bei mir zusammen. Keinen Sommer: Gibt’s auch kein Grillgut. Aber damit geben wir uns nicht mehr zufrieden! Samstag hatte die bei mir daheim die Faxen dicke: Der Eine wollte sein Steak, der Andere versalzene Fackeln. Uns Frauen war es egal, Hauptsache gut durchgebrutzelt. Vom Himmel hätte fallen können was wolle – zur Not wären wir in die Garage gezogen.

Ich ging also am späten Nachmittag einkaufen. Wer denkt, zu dieser Zeit gibt’s nur leere Regale – von wegen! Dichte Grilltheken-Bestückung bei deliziöser Auswahl. Daheim verteilte ich eben auf Aluschalen, hatte mächtig Kohldampf, rief mein Mann: „Fertig gegrillt!“
„Hä?“
„Hier, guck, Wurst ist fertig!“
„Quatsch, ich hab doch gar keine gekauft …“
„Guck doch!“ In der Grillzange klemmte ein Klumpen und das Ganze wedelte dicht vor meinem Gesicht.
„Halt still, ich kann überhaupt nichts erkennen …“
Ich sage Ihnen weiter nichts! Pfui Teufel! Zwei grüne Würstchen. Kuschelig und dicht behaart.
Vor Wochen hatten wir schon mal dem Sturm gestrotzt, doch als dann der Regen losprasselte – klar, in solcher Hast kann man was vergessen.

Jedenfalls musste ich nun erst den Grill putzen!
Das dauerte. Mürrische Zweibeiner strichen mir um die Füße, wobei einer von den Nörglern nur halb so groß ist wie ich. Endlich fertig, die Köstlichkeiten auf dem Grill arrangiert, mein Mann schmeißt den Brenner an: Spuckt das Ding heftig und dann schweigt es. Gasflasche leer.

Die jungen Zweibeiner brüllten los. Das muss die Viecher im Wald bestürzt haben.
Ich fragte: „Pfanne?“
Der Pubi schnaubte missbilligend. Seine Geflügelschwester antwortete ebenfalls nicht. Stattdessen spurtete sie in die Küche und rappelte mit einer Schachtel Streichhölzer, als sie zurück kam. Mein Nachwuchs begab sich zur Wiese und errichtete einen Scheiterhaufen. Das Geflügelmädchen hüpfte durch die Büsche und zog trockene Äste raus, hingegen der Pubi sich am Holzstapel bediente. Wir ließen machen, mein Mann nahm sich ein Bier.

Eine Stunde später gab es endlich was zu essen. Der Wind pfiff und es war ziemlich kalt. Aber das Dornengestrüpp, das ist jetzt weg.

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Hätten wir mal besser …

Über Sinn und Unsinn von Garantieverlängerungen lässt sich trefflich streiten, aber beim Laptop stehe ich voll drauf.

Anfang des Jahres war es so weit: Meine Verlängerung lief aus. Wenige Wochen zuvor schellte eines Morgens ein freundlicher Techniker, ließ sich an meinem Schreibtisch nieder und baute ein neues Motherboard ein.
Am nächsten Morgen war das neue Motherboard kaputt.
Kam der Mann eben noch einmal.
Diesmal trug er ein hellblaues Hemd und er verschmähte meinen Kaffee. Danach lief alles.

Eines kühlen Wintermorgens nun fragte mein Mann: „Lust auf einen kleinen Streit?“
Ich: „Klar, was liegt an?“
Er wedelte mit einem Mailausdruck über meiner Kaffeetasse. Ich schnappte den Brief und riskierte ein Auge. „Boah, nicht schon wieder! Ich hab noch genug vom letzten Mal!“
„Was heißt denn hier schon wieder? 3 Jahre ist das her.“
„Habe ich trotzdem nicht vergessen!“
„Wir können uns das Theater sparen“, mein Mann feixte, „am Ende machst du eh, was ich will.“
Daraufhin zeigte ich ihm erst mal meinen Mittelfinger.

Aber ich will Sie nicht weiter im Unklaren lassen! In der Mail wurde eine weitere Garantieverlängerung angeboten. Eine Verlängerung von der Verlängerung. Jeder weiß, wo die Schwachstellen von Laptops liegen: Zum Beispiel im Display, welches nicht für jahrelanges Auf- und Zuklappen geeignet ist. Somit kostet diese verlängerte Verlängerung die Hälfte des Neupreises.
Bei uns der Punkt für turnusgemäße Streiterei, weil mein Adminstrator bestimmt: Sobald Garantie weg, wird das Ding verkauft!

Jetzt erhielt mein schicker Laptop aber schon einige Austauschteile. Einschließlich neuem Display, da könnte man durchaus noch ein, zwei Jahre …

„Nix!“ Mein Mann hatte offensichtlich keinen Bock auf Gespräch, denn er legte ein kleines schwarzes Ding neben meine Kaffeetasse. „Hier“, sagte er, „dein Neuer!“
„… was soll das sein?“ Ich klappte das Ding auf. „Taschenrechner?“
„Nörgel nicht, schreib mal was!“
„ .. will ich nicht, ist mir zu klein. Hab ich viel zu große Finger für.“
„Blödsinn, Putzen funktioniert auch.“
Gerade wollte ich um den Tisch herum, als mein Pubertikel mit einem Satz Streichhölzern zwischen den Lidern in die Küche kam: „Warum weckt mich denn keiner … hab ich heute kein Training?“ Er schleppte sich zum Tisch und brach auf dem Stuhl neben mir zusammen.
„Vorsichtiger,   Mensch!“, schimpfte ich. „Irgendwann geht was kaputt.“
Pubertikel rüttelte am Stuhl: „Deutsche Eiche. Das hält.“ Dann entdeckte er das Ding: „Für mich?“
Ich patschte auf die Flosse, die Platzset einschließlich Kaffeetasse zu ihm ranzog.
„Der Neue deiner Mutter“, sagte mein Mann. „Sie will ihn aber nicht …“
„Der ist voll geil … !“ Mein Pubi drehte und fummelte.
„Schluss jetzt!“ Ich nahm das Ding, ging zu meinem Schreibtisch und suchte erst einmal den Stecker.
„Hast deinen Kaffee vergessen, liebstes Mütterlein!“ Die Tasse knallte auf meine Schreibtischplatte und Brühe schwappte über.  „Wo ist der Alte?“
Ich zeigte auf meinen Mann.
Verwirrt stützte sich mein Pubi in die Pfütze, woraufhin die Tischplatte stark kippte.
Ich sog tief Luft ein.
Allein mein Pubi ließ sich nicht beirren: „Ich brauche dringendst einen Laptop! Meine Kumpel haben alle einen. Ich bin der Einzigste mit einem Standgerät! Echt, ey!“

Am Ende legte ihm der Osterkerl mit den langen Löffeln meinen alten Laptop unter die Birke. Aus dem Miniding und mir ist ebenfalls eine produktive Einheit geworden. Vier Stunden Akkulaufzeit und dabei leicht wie ein Brot. Ich will nichts anderes mehr!

Alle glücklich, doch gestern Abend …
Mein Pubertikel zockt selig mit seinen Kumpeln. Er bekommt Durst, löscht – und beim Zurückkommen in seine Bude bricht er schwerfällig wie gewohnt über seiner Sitzgelegenheit zusammen. Leider ist Pubi nicht der Ordentlichste. Er schmeißt sich also auf seinen Sitzball, unter dem Ball liegt ein Hausschuh, der Ball bricht zur Seite aus, Pubi fängt sich geistesgegenwärtig am Tisch und krallt in seiner Not ins Display …

Hätten wir mal besser vor zwei Monaten verkauft!

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Verlaust und zugesprüht

Gemeine Laus-Parasiten machen vor nichts halt. Ganz gleich, ob wuschelige Kopfbehaarung oder Blumenkasten: Die Laus haut drauf. Hinterrücks fällt sie in Scharen ein und heckt wie ein Karnickelstall. Da sie deutlich kleiner, geht das mit dem Nachwuchs auch viel schneller.

Vor vier Wochen stürzte so ein verlauster Staat in mein kleines Kirschbäumchen. Vielleicht handelte es sich nur um ein Versehen – allein sie blieben.
Mensch guckt sich das ein paar Tage an. Es dauert ihn, mit anzusehen, wie die zarten Triebe einschrumpeln, furchtsam zurück zum Stamm kriechen und schließlich eine unreife Kirsche nach der anderen einen pockigen Stil bekommt. Ameisen finden das gut und wandern geordnet zum Melken.

Ich finde das aber nicht gut. Immerhin reden wir von meiner ersten Ernte!
Früher zermalmte ich die Läuse zwischen den Fingern. Im Alter werde ich irgendwie zu weich für das Gematsche aus Innereien. Mit jedem Kind ein ganzes Stück fürsorglicher (Gottseidank habe ich nur zwei).  Aber einerlei, die Viecher müssen weg!

Was tun?
So man keinen Rat weiß, fragt man das Internet.

Zuerst las ich, Mensch soll Spülmittel draufgießen.
Das verwarf ich sofort, weil wenn die Kirschen hernach nicht schmeckten, könnte man sie gleich den Läusen lassen.

Bisschen weiter unten riet jemand, das lausige Gelumpe mit schwarzem Tee zu besprühen.
Die Idee gefiel mir. Bei mir daheim trinkt keiner schwarzen Tee, nichtsdestotrotz lagert eine doppelte Familienpackung Earl Grey im Vorratsschrank. (Was dabei rauskommt, wenn mein Mann einkauft)

Eine Kanne kochendes Wasser, 10 Teebeutel rein, abkühlen, aufspühen. Am Abend wiederholt und jeder, der am Baum vorbei ging, nahm die Sprühflasche und gab es den Läusen erneut.

Nichts passierte … Die Population jubilierte, die Ameisen waren schwer beschäftigt.

Am dritten Tag verlor ich die Lust und beschwerte mich bei meiner Blognachbarin und Gartenfee Sabine (http://ratzerennt.wordpress.com/).  Die wiederum besprach sich mit einer anderen Gartenfee und zack, klebten sie mir den ultimativen Lauskiller-Tipp an die Pinnwand: Marienkäfer-Larven zum Bestellen!

Das fand nicht nur ich saulustig!
Aber dann habe ich mich eingelesen: Ein Marienkäfer mampft im Jahr mehrere Tausend Blattläuse. Als Larve ist er besonders gefräßig. 30 Larven sind für 10 Euro zu bekommen. Super Idee: hauseigene Glückskäferchenzucht! Bestellte ich sofort. Die Mindestbestellmenge sollte reichen, der Baum geht noch in den Kindergarten.

Gestern, ich war auf meinem abendlichen Kontrollgang durch den Garten, komme ich auch am Kirschbaum vorbei. Erst wollte ich das Elend nicht schauen und konzentrierte mich auf den frischen Haufen Katzenscheiße. Auf dem Hinweg war ich mitten rein getrampelt. Aber dann guckte ich doch. Nanu, wo waren denn meine Blattläuse??

Ich bog die Zweige nach unten, um besser sehen zu können. Das glauben Sie nicht: keine einzige Blattlaus!
Entweder regnete es denen zu viel oder der Tee brauchte länger. Ich wendete und drehte und zupfte: nicht eine Mini-Laus! Nichts!

So sehr mich das freut – was gebe ich jetzt meinen gefräßigen Marienkäfer-Babys? Bestimmt reisen die morgen an.  Hat einer von Ihnen Läuse??

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Wenn Aschenputtel beide Schuhe verliert

35 Grad gestern. Alle zufrieden?

Wie gewöhnlich saß ich unter mehreren textilen Lagen am Schreibtisch: Shirt, Pullover und Strickjacke. Ich passte auf, dass mir der Kaffee zum Fingerwärmen nicht aus ging und gegen Mittag streifte ich Pulswärmer über. Eine Decke für die Knie habe ich im untersten Fach, denn in meinem Homeoffice ist es ziemlich kalt.

Sie ahnen es: Das geht so nicht den ganzen Tag!
Am Nachmittag schwang ich mich auf’s Tandem, das Geflügelmädchen aus dem Kindergarten zu holen. Die 14 km hin waren herrlich: Ab Schloss Broich war meine Gänsehaut geglättet und in Alstaden benetzten erste Schweißperlen meine Stirn.

Jetzt dauert das aber, bis so ein kleines Kind endlich seine Plörren beisammen hat. Es musste mehrere Gespräche führen (weil tagsüber fehlt die Zeit), die Schuhe waren nicht zu finden und das Fach mit den Kunstwerken wollte sie auch mal wieder ausräumen. Außerdem hätte sie gerne eine kleine Kollegin mit heim genommen – und da kann ich hundertmal sagen, dass der Drahtesel draußen steht, worauf ergo kein Platz für Dritte ist …

Irgendwann, endlich, wir standen vor der Türe. Mittlerweile transpirierte ich stark. Dem Kind was zu essen in den Hand gedrückt – und los! Kurz vor Schloss Styrum bedauerte ich, das Auto daheim gelassen zu haben. Ich fühlte mich schwach.
(Liebe Ortsfremde! Dem Namen nach kennen Sie jetzt alle Mülheimer Schlösser. Weitere haben wir nicht.)

Wir schlichen also dahin. Das Geflügelmädchen jammerte: „Mir ist so heiß … ich schwitz so sehr … Können wir Pause machen?“ Und mir wurde immer unwohler, wenn ich daran dachte, dass es ab Schloss Broich nur noch bergan ging. Ich sagte also zu meinem Geflügelmädchen: „Wir rasten an der Ruhr.“
Das kleine Ding jubelte: „Hurra! Im Wasser ist es herrlich kalt!“
„Ich habe nicht gesagt, dass wir IN der Ruhr rasten.“
„Nicht? Schade …“

Wunderbar frisch war es, als wir den Pfad an der Ruhr einschlugen. Kein Sonnenstrahl drang durch das Blattwerk der alten Bäume. „Wir suchen uns eine Bank“, bestimmte ich.
Stellen Sie sich eine romantisch umwucherte Bank an einem kühlenden Fluss vor. So eine Bank steht da. Doch dort hatte jemand etwas vergessen! Säuberlich vor der Bank abgestellt: ein Paar dunkelblauer Pumps aus Samt. Mein Geflügelmädchen jauchzte und wollte in die Schuhe schlüpfen.
„Untersteh dich!“ Ich schaute mich um. Wo war die Trägerin? Zum Schwimmen ist der Platz gänzlich ungeeignet. Das Ufer fällt steil ab. Dichtes Knöterichgesträuch, Brennnesseln und Strömung gestatten keine Badefreuden. War sie etwa ins Wasser gegangen? Wir setzten uns auf die Bank. Unauffällig scannte ich das Buschwerk rundherum. Ich sog tief die Luft ein, konnte aber keinen verwesten Gestank ausmachen. Lagen auch keine Gliedmaßen rum. Trotzdem: Obacht! Man weiß ja nie.
Mein Geflügelmädchen konnte nicht von den Schuhen lassen. „Innen sind sie silbern, Mama, schau doch!“
Ihre kleinen Füßchen stießen immer wieder zart gegen die Pumps. „Hör doch nur, wie schön die klackern …!“
Ganz verzückt guckte sie zwischen mir und den Pumps hin und her. Ich stöhnte innerlich und verfluchte das Wetter, welches mich schwächelnd hier auf die Bank zwang. Ich muss irgendwie die Augen verleiert haben, anders kann ich mir nicht erklären, wieso ich plötzlich halb hinter der Bank etliche kleine Kartoffelpuffer mit viel Schnittlauch entdeckte. Noch sehr frisch sahen die Dinger aus. Pfannenfrisch!
Jetzt langte es mir! Ich habe Phantasie – oder wie würden Sie sich das erklären, wenn am Wasser einer schicke Schuhe und sein Mittagessen vergisst?
„Genug ausgeruht“, sagte ich zu meinem Geflügel, „weiter geht es!“
Braune Äuglein flehten mich an: „Können wir nicht doch die Schuhe …?“
„Nix. Wenn die Frau merkt, das sie barfuß unterwegs ist, will sie ihre Schuhe holen. Und dann wäre sie traurig.“
„Aber so bin ich traurig …“
„Zu Hause kriegst du ein Eis.“
„ … könnten wir nicht lieber der Frau ein Eis dalassen?“

Liebe Besitzerin der dunkelblauen Samtpumps!
Bitte holen Sie ihre Schuhe ab!
Gegen 16.OO Uhr kommen wir wieder an der Bank vorbei.
Es stresst mich, einem kleinen Mädchen zu erklären,
dass vergessene Schuhe keine herrenlosen Schuhe sind.

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Das Regulativ eines braven Gartenzwergs

Bei uns im Pott gibt es viele Schrebergärten. Kolonialisiert liegen die gerne mal zwischen Autobahn und Eisenbahnschienen. Wo halt Platz ist.
An einer Kolonie in Oberhausen komme ich täglich vorbei. Stünden nicht die Papier- und Altglascontainer auf deren Parkplatz – ich wüsste nichts von ihrer Existenz. Die Außenhecke ist hoch und dicht. Drinnen, zur Parzellentrennung, ist hohes Gehecke streng verboten. So wie jeder Furz hochdiszipliniert geregelt ist. Aber Kleingartenverordnung hin oder her – ich will etwas ganz anderes erzählen!

Vor ungefähr vier Wochen roch es schon mal zwei Tage nach Sommer. Am Morgen des zweiten Tages halte ich früh bei meinen Lieblingscontainern. Irgend so ein Depp hat vor dem Papiercontainer einen Minikühlschrank entsorgt. Ich stelle meinen Altpapierkorb auf den Elektroschrott und zupfe gemächlich ein Blatt nach dem anderen heraus, während ich überfliege, ob das Wegschmeißen gerechtfertigt ist. Plötzlich ein Geräusch hinter mir! Ich drehe mich um: ein braun gebrannter Gartenzwerg mit Schubkarre, Blaumann und Haiwaihemd. Er guckt mich an, sagt nichts und lädt eine elektrische Heizung ab. Ich bin baff …
Der Zwerg entfernt sich. Die blitzsaubere Schubkarre und sein silbernes Haar glitzern in der Morgensonne. Dann verschwindet er im Tor zur Laubenkolonie. Mittlerweile habe ich meine Sprache wieder. Zu spät.

Vorgestern halte ich wieder bei den Schrebergarten-Containern. Es ist Nachmittag, der große Parkplatz leer, nur an der Straße stehen ein paar Autos. Ein oberkorrekter Verkehrsteilnehmer parkt etwas mehr als einen Meter entfernt vom Ende der Parkbucht.  Weil die Einfahrt zum Parkplatz aber mehr als großzügig breit ist, stelle ich mich den Moment dahinter. (Halten zum Be- und Entladen, nennt sich dieser Vorgang übrigens korrekt) Dieses Mal scanne ich nicht, was ich wegschmeiße, sondern pfeife mein Altpapier hurtig in den Container. Mit eins stemmt sich einer gegen seine Hupe! Vor Schreck fällt mir fast der Korb aus der Hand. Silberner Mercedes, glitzert im Licht, Fenster unten, Hawaihemd: mein braun gebrannter Gartenzwerg! Theatralisch kurbelnd steuert er sein stäubchenfreies Schiff durch die immer noch mindestens drei Meter breite Einfahrt. Auf meiner Höhe hält er: „DU BLÖDE KUH! DU LEBST HIER NICHT ALLEINE! STRASSENVERKEHRSORDNUNG, FALLS DU ÜBERHAUPT LESEN KANNST!“
Wir haben uns jetzt zweimal gesehen. Per „Du“, meinetwegen, wir kennen uns: „Bist doch durchgekommen, du Ochse!“
„MINDERBEMITTELTE PLINSE! BEKNACKTES LANDEI! DAS IST JA NICHT ZU FASSEN!“
Mein neuer Freund, der Gartenzwerg, lässt mich zum zweiten Mal sprachlos zurück. Diesmal zusätzlich in einer Staubwolke, so impulsiv latscht er auf’s Gas.

Was meinen Sie, wen ich heute Morgen bei Aldi getroffen habe?
Ich suche mal wieder bei Obst und Gemüse – diesmal nach abgerissenen Kohlrabiblättern für die Meersau – stellt sich einer neben mich und drückt an den Pfirsichen rum. Schön in eine Frucht nach der anderen würgt er seinen schrumpeligen Daumen. Ich schaue hoch: Haiwaihemd-Zwerg!
„Die werden nicht besser, wenn Sie die alle antatschen“, raune ich ihm zu.
Planmäßig explodiert der Kleingärtner: „KÜMMERN SIE GEHIRNAMPUTIERTE BORDSTEINSCHWALBE SICH UM IHREN EIGENEN SCHEISS!“

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Falscher Ganove

Wenn Menschen abends heimkommen, sind sie verschiedengradig erschöpft und unterschiedlich tranig.
Ich zum Beispiel bezog gestern an einem oberen Fenster Posten und guckte ein Loch in den Garten.
Als ich so träumte (und richtig schön war’s!) – stellte ich Augen plötzlich scharf auf Scheibe: Da prangte eine Sammlung feinster Fettfinger! Alles drauf: Fingerspitzen, Handballen … fest umrissen, traumhaft klar und keine verschmierten Ränder. Wie gerne hätte ich einfach weiter geglotzt – stattdessen wischte ich nun verärgert über einen Schmiergriffel. Nichts passierte. Ich hauchte kräftig dagegen, wischte erneut: nix.
Mir dämmerte es: Die sind von außen.
HIER WOLLTE JEMAND EINSTEIGEN!“, brüllte ich durchs Haus.
Mein Mann kam gelaufen: „Wo?“
Er riss das Fenster auf: „Unten steht die Treppenleiter!“
Ich riss das andere Fenster auf: „Muss ein sportlich Mensch gewesen sein.“
„Hast du im Haus was bemerkt?“
Alles wie immer, ich schüttelte den Kopf.
„Wo ist eigentlich der Pubi? Der fehlt!“
In dem Moment schellte es. Ich stürmte die Treppe runter. Durch das Türglas sah ich ein bekanntes Bike schimmern. Ich machte auf, brandete mir ein japsender Wortschwall entgegen: „Mutter, warum gehst du nicht an dein Handy?? … Ich hab zig Mal versucht, dich zu erreichen! … Ich kann doch nicht schwarz fahren!!“
„Das stimmt. Das ist verboten. Dafür hast du ein Schokoticket*.“
„Liegt im Flur … Unten auf der Bank … Ich musste zur Nachhilfe … Hatte die Tür schon zu, fiel mir der Fahrschein ein … Schlüssel liegt auch inner Bude … Und du bist nicht ans Handy!!“
„Voll ärgerlich. Was haste gemacht?“
„Hab ich versucht einzusteigen … Bei mir oben war Fenster gekippt … Hast du letztens in deiner Kolumne beschrieben: Total easy, ein gekipptes Fenster zu öffnen!“
Die Fettgriffel, alles klar! „Hats funktioniert?“
„Wäre ich dann mit dem Rad?!“
Schlüssig argumentiert, musste ich zugeben. „Und wie bist du zu dir hoch geklettert?? Du bist doch nicht etwa wieder über die Dachrinne geturnt!“
„Mitter Leiter.“
„Die stand in der Garage.“
„Hab ich hinten raus geschoben.“ Er sammelte sich und er japste nicht mehr ganz so stark: „Dieses Mal wäre das Fenster auf alle Fälle dran gewesen. Sei froh, dass mir das letztens schon rausgefallen ist!“

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(*Schokoticket: Fahrschein für Schüler)

Geschwätzige Leuchtstäbe

Einkaufen geht mir echt auf die Nerven. Wertvollste Zeit ist das, die man zwischen Flaschen, Eiern und Würsten verplempert.
Was könnte Mutter in der Zeit nicht alles anstellen! Sie könnte sich ein bisschen mit ihrem Mann rumstreiten, sie könnte eines der Kinder föhnen – oder sie könnte auch einfach etwas arbeiten. Da liegt es auf der Hand, dass sie das Wagenschieben gerne so weit hinauszögert, bis die Woche um ist. Es sei denn, das Brot ist alle. Doch auch dieser missliche Umstand lässt sich lösen: Der Handel bietet sortenreich Knäckebrot.

Gestern war es wieder so weit: ausgemergelte Nager im Kühlschrank. Einer lag im Butterfach, der andere dort wo der Joghurt hingehört. Ich machte mich also stöhnend auf den Weg, natürlich unterstützt vom Geflügelmädchen. Die hatte sich, damit man sie besser sieht, einen Ring aus Leuchtstäben um den Bauch gebunden.

Bei einem meiner bevorzugten Discounter befindet sich die Quengel-Ecke gleich hinter dem Eingang. Das gefällt mir, da werden die Gespräche über Nutz und Unnutz von Schleckereien am Anfang abgehandelt. Hernach widmet man sich, dieser Last befreit, in Ruhe dem daheim vergessenen Einkaufzettel.

Das kleine Mädchen bedachte wie immer wortreich und mit viel Hin und Her alle Familienmitglieder. Nachdem das geschafft war, sagte Mutter: „Jetzt kannst du schon mal nach deiner Zeitung gucken, ich mache derweil den Einkauf.“
Das Kind düst ab. – Leider nicht lange. Ich bin noch nicht mal bei den Äpfeln, da kommt sie angerannt: „Mama, die haben wieder Fillyzeitung!“
„Du darfst dir eine nehmen, haben wir doch ausgemacht.“
Kind rennt weg. Mutter denkt sich: Naja, und sucht für die Meersau einen großen Kopf Eisbergsalat. Packt ihn, ohne hinzusehen in den Wagen und hält jetzt Ausschau nach einer Schale Möhrchen, ebenfalls fürs Viech.
„Mama, guck, dieses Mal liegt ein pinker Puschelstift bei der Zeitung bei!“
Ich sehe gar nicht hin und sage nur: „Toll.“
„Guck doch mal, der hat sogar Glitzer!“
Ich werfe einen Blick auf die Zeitung. „Prima.“
„Mama, und guck, hier das Filly, das habe ich noch nicht.“
„Ist gut, Kind, ich möchte jetzt einkaufen!“
„Mama, was steht hier?“
„Schatz, jetzt langt es. Quassel mich nicht voll, ich muss mich konzentrieren, sonst vergesse ich die Hälfte! Wenn wir daheim sind, lese ich dir die Zeitung vor.“
„Ich hol schon mal Joghurt!“, ruft das kleine Mädchen und rennt mit der Zeitung los.
„Wo liegen denn die Leuchtstäbe?“ Plötzlich eine Stimme hinter mir. „Ich brauche nämlich welche.“
Ich drehe mich um und sage bedauernd. „Die sind nicht von hier, die haben wir mitgebracht.“
Die weiß gekleidete Dame mit der Cote d’Azur-Sonnenbrille lässt sich nicht beirren: „Ich habe meine Leuchtstäbe seinerzeit alle verschenkt …“
„Das ist schlecht“, antworte ich und will nach den Berner Würsten für den Grill greifen.
Der Dame ist das egal. Sie will jetzt meine Aufmerksamkeit. „Für eine Fete brauche ich Leuchtstäbe …“
Ich mache mechanisch „Hm“, und scanne die Wurstauslage. Zwei Sachen auf einmal kann ich nicht. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie ein Stapel Joghurtbecher angewankt kommt. Eine Zeitung ist auch dabei.
Die Dame streckt ebenfalls die Hand in die Wursttheke, lässt aber das Thema nicht fahren: „Die Fete … in drei Wochen ist sie“, sagt sie bedächtig. Da krachen die Becher runter. Bis auf einen landen alle in meinem Wagen.
Nach außen störe ich mich nicht daran, innerlich platze ich gleich. Während mein kleines Ding den heruntergefallenen vom Boden klaubt, richte ich die Becher im Wagen auf, weil Joghurt am Deckel können die bei mir daheim nicht leiden.
Die Dame scheint von dem Ganzen nichts mitzubekommen, denn sie setzt besonnen fort: „Anstatt Kerzen … Die sollen auf dem Tisch leuchten, wissen Sie?“
Ich antworte nicht mehr, sondern ziehe nur die Luft ein.
Mein kleines Mädchen zupft an meinem Rock und flüstert, dass es bis zur Joghurt-Theke schallt: „Jetzt sag ihr endlich, sie soll dich nicht vollquasseln! Du vergisst sonst die Hälfte!“

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Müller, Meier, Schulze, Schmidt – machen allen Blödsinn mit

Samstag in der Früh verlangte mein Mann nach einem Lumpen und wedelte damit über seinen Drahtesel. Nebel. Und dann: Oha, das Rad ist schwarz! Natürlich putzte mein Mann nicht einfach so; er wollte ausradeln.

Auf der Straße war es morgenstill: nur Vögel, die Sonne und wir. Wir waren noch nicht weit gekommen – rot verklinkertes Reiheneckhaus – wienerte der Erste seinen Wagen. Vor der Garage, inmitten seines blühenden Vorgartens. Ging uns nix an, darf er ja. 500 Meter weiter wurde es aber interessant! Wieder Reihenhaus, diesmal Mittelhaus, weiß verklinkert und breiter aufgesetzt. Mein Mann sagte: „Wow!“
Ich fragte: „Was?“
Er nickte zur Tiefgarage. Ich guckte. Die Abfahrt blendete. Eine rechtschaffene Hausfrau mit Eimer und Schrubber und Schweißflecken unter den Achseln – Sie feudelte die Garage!!
Ich konnte nicht anders, mir entfuhr ebenfalls ein: „Wow!“
„Schade“, mein Mann feixte. „In unserer Garage passiert so was nicht.“

Eine Stunde später, auf dem Rückweg, ist vor dem rot verklinkerten Reihenhaus immer noch Betrieb. Der Wagen funkelt – jetzt putzt der Mann die Garagenfenster.
Da habe ich gleich zweimal hingeguckt!
Ich sagte zu meinem Mann: „Schade, in unserer Garage passiert so was nicht.“
„Möchtest du, dass ich das Garagenfenster putze?“
Also, wenn er schon so fragt …
„Gut“, sagte er, „aber nur, wenn du dafür den Boden wischst!“

Fenster hat mein Mann in seinem Leben noch keine geputzt. Soviel steht fest! Diese Vereinbarung war also nicht koscher, da konnte ich gut einschlagen.

Daheim hatte ich unsere Abmachung fast wieder vergessen (immerhin liegt ein steiler Berg zwischen den Rot-Verklinkerten und unserer Hütte), sagte mein Mann: „Lass uns jetzt Ortsbegehung machen!“
Er schellte an der Haustüre: „Pubi nehmen wir mit.“

Wenn er das so wollte …

Der Pubertikel kam die Treppen herunter gestürmt.

„Komm mal mit in die Garage“, sagte mein Mann.

Pubi hörte auf zu grinsen.

Das Tor fährt hoch, mein Mann bekräftigt noch mal: „Du: Boden – ich: Fenster.

Ich, Hände in den Taschen, nicke. Tor ist offen und ich baff: „Kein Fenster?“

Keiner sagt was.
Pubi druckst: „Dat Fenster, äh … dat is … rausgefallen is dat.“

„Das seh ich. – Von alleine?“

„Ja, einfach so.“

„Und woher weißt du das?“

„Ich bin da durch. Ich hab den Aufmacher nicht gefunden.“

„Wieso fällt dabei das Fenster raus, du bist doch schon zig Mal eingestiegen?“

„Bin mit dem Schläger hängen geblieben.“

„Versteh ich nicht. Wofür braucht man einen Schläger, wenn man sein Rad holt?“

„Das scheiß Loch ist viel zu klein!“ echauffierte sich da mein Pubertikel. „Ich musste zum Tennis. Spät war’s. Und dann passte der Rucksack nicht durch. Hab ich bissel gezogen. Ganz leicht nur!“

Hätte er den großen Tennisrucksack vor der Türe stehen gelassen, hätte den flugs einer weggeklaut. Das liest man ja öfter.

Mein Pubertikel griente: „Aber ich war pünktlich! Kannste anrufen.“

Na, ein Gutes hat’s: Wenn mein Mann kein Fenster putzt, putz‘ ich erst recht keinen Boden!

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Eine Altersfrage

Oberhausen baut. Wenn dafür Altbestand abgerissen wird, gefällt mir das sogar. An einem dieser schon ewig leerstehenden Häuser komme ich jeden Tag vorbei. Zusammen mit dem Geflügelkind, vor und nach dem Kindergarten.

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Gestern – die sehr sportliche Mutter war mit dem Tandem angereist – fragt das kleine Mädchen: „Was wird hier gebaut?“

Mutter ist in Gedanken noch beim Job, weiß es außerdem nicht genau und muss zusätzlich über die gutgefüllte Kreuzung steuern. „’was Altersgerechtes.“

Erwartungsgemäß fragt das Kind: „Was ist das?“

Mutter konzentriert sich und landet im Leben: „Das ist ein Haus, wo alte Leute wohnen, die nicht mehr so gut laufen können.“

„Also solche wie du.“

Da bin ich fast vom Rad gefallen. „Hä?“

„Na, du läufst doch auch nicht viel. Entweder fährst du mit dem Auto oder du nimmst das Rad.“

„Das liegt daran, weil wir so weit weg wohnen.“

Das Geflügelkind lässt den Bewegungsstrang sausen und setzt neu an: „Doch, das ist für solche wie dich, weil du bist alt.“

Mutter bleibt die Spucke weg. Mehr als: „So’n Käse!“, kriege ich nicht über die Lippen.

Das kleine Kind guckt derweil in den Himmel und überlegt: „Oder bauen die das für solche wie den Papa?“

„Der Papa ist ebenfalls nicht alt!“

„Für wen denn dann? Jetzt sag doch mal! … Oma vielleicht?“
Noch ehe ich antworten kann, korrigiert sie sich: „Ne, das ist Blödsinn. Oma ist jünger als Papa.“

So langsam komme ich total aus dem Tritt. „Die Oma ist natürlich älter als der Papa!“

Das kann nicht sein! Die ist doch viel kleiner.  Außerdem hat sie weniger graue Haare.“

Wer jetzt meint, das war endlich alles: Nein, das Kind setzt noch eins drauf. „Für Opa?“

Gerade will ich antworten, dass auch der Opa so etwas noch lange nicht braucht, da fällt sie mir ins Wort: „Nein, für Opa nicht. Opa hat kaum graue Haare. Der kann nicht viel älter sein als ich!“

Ich habe dann angehalten und wir haben ein kurzes Picknick an der Hauptstraße eingelegt. Darüber entfiel ihr planmäßig die Fragerei. Vielleicht nehmen wir heute einen anderen Heimweg. Ich darf nicht vergessen, im Kindergarten nachzufragen, ob die der versehentlich was gegeben hatten …!

Irgendwo – Das Veränderungsprinzip

Mit Umziehen ist Familie Em durch, Hab und Gut grob verstaut  – zur Belohnung und zu Entspannung der Füße verbringen die Eltern den Abend vor dem Fernseher. Ein Agenten-Thriller, welcher den Protagonisten gleich nach der ersten Werbepause auf einen Flug nach Südamerika schleust. Ohne Ticket, im Gepäckraum. Der lange Flug rausgeschnitten, nächste Sequenz Ankunft Airport. Das verschwitzte Servicepersonal trägt Knarren unter den Overalls und beschimpft sich in irgendeiner Sprache. Muss ja authentisch wirken. Der deutsche Zuschauer kriegt folgerichtig Untertitel eingeblendet. Frau Em beugt sich vor, kneift die Augen zusammen und fragt: „Hä?“
Herr Em beugt sich ebenfalls vor: „… wie spät ist es?“
Frau Em: „Das ist doch egal! Was steht da?“
„Ich habe Hunger.“
„Dann mach dir was! Ich kann den Scheiß da nicht lesen!“
Herr Em: „Willst du jetzt wissen, was da steht oder willst du weiter pöbeln?“

Was war geschehen? Der Bildschirm war einfach zu klein für Ems neues geräumiges Wohnzimmer. Das mit den Untertiteln ging weiter. Em wechselte das Programm. Gleicher Mist: Untertitel.

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An diesem Abend beschloss Em: Ein Beamer muss her!
Weil er ein Mann der Tat, guckt er gleich bei eBay. Mann will ja erst mal ausprobieren. Dem Fernsehprogramm kann er sowieso nicht folgen, weil seine Frau immer wieder lamentiert. Sie wisse nicht, worum es ginge und Blabla. Weibergeschwätz eben.

Em ersteigert einen Beamer, das Ding kommt, Ems sind begeistert. Gucken ohne Leinwand auf der rosa Zimmerwand. Prima. Nur einen Nachteil hat die Neuanschaffung: Will ein Em eine DVD schauen, muss er die halbe Anlage abbauen, um ein paar Kabel umzustöpseln.

Em, schlau, wie er ist: „Wir brauchen einen Beamer der nächsten Generation!“  eBay, ZACK, alles in der gewohnten Geschwindigkeit.

Das Ding ist klobig, mächtig wuchtig und schwarz. Ems sind ein wenig überrascht. Am Abend versammeln sich die Großen zum Tatort-Gucken – Hoppala, lauter rosa Flecken im Bild!

Em: „Ganz klar, der ist schärfer, die Wandstruktur zeichnet sich ab. Wir brauchen eine Leinwand!“

Frau Em: „Nein, das will ich nicht, wie sieht das denn aus! Wie selten guckst du fernsehen und dann hängt hier ständig so ein Ding rum. Ich will das nicht!“

EM hört schlecht und so macht er, was er für richtig hält. Besorgt eine Leinwand mit breitem schwarzen Rand und mit Metallkasten. Sie soll sich ja zurückziehen können. Schraubt das Ding unter den Stuck, Frau Em schimpft. Allein Em lässt sich nicht beirren.
Das kleine Kind kommt ins Zimmer: „Papa, wieso hängst du die Markise ins Haus?“
Das große Kind kommt hinterher: „Oh, ist einer gestorben?“
Herr Em winkt ab. Lässt stattdessen die Jalousie herunter und zeigt auf das Sofa: „Bitte Platz zu nehmen, die Damen und der Herr!“
‚Sendung-mit-der-Maus‘ fängt an.
Herr Em: „Und? Super, nicht?“
Das kleine Kind: „Papa, warum haben die alle so rosa Flecken?“

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„Wenn mir heiß ist….“

Einer von Geflügelmädchens Freunden feiert heute seinen Fünften. Als ich des Jubilaren Mutter in der Garderobe eine Nachricht schrieb (schön altmodisch auf einem Zettel), fiel mir das hier wieder ein:

Letztens – ebenfalls Geburtstagsanlass – trafen sich die Kleinen auf einem Indoorspielplatz. Weil ich keine Zeit zum Bringen hatte, fuhr Hella bei ihrer Freundin Amelie mit. Das mit der Zeit geht nicht nur mir so, Amelies Mutter packt drei Zwerge ins Auto. Sie fahren los, es gießt aus Eimern. Hella und Aaron hinten, Amelie vorn neben der Mama. Auf der Hauptstraße sagt Hella zaghaft: „Mir ist heiß…“
Die Mama: „Dauert nicht lange, wir sind bald da.“ Sie legt eine Kinder-CD ein.
An der nächsten Kreuzung, Hella: „Wenn mir beim Autofahren so heiß ist, muss ich immer brechen…“
Amelie nickt: „Muss sie.“
Die Mutter kurbelt Fenster runter.
Aaron hinter ihr: „IGITT! Ich werd ganz nass!“
Mutter-Amelie kurbelt Fenster wieder Stück rauf.
Hellas Kopf färbt sich dunkler.
Amelie zu ihrer Mama: „Als wir zu Nadines Hochzeit fuhren, hat mir Hella Kartoffeln auf die Hose gebrochen. Hier, aufs Bein.“
Hella korrigiert: „Nudeln waren das.“
Amelie: „Stimmt. Mit Fleischbrocken.“
Aaron: „Ich erinnere mich. Möhren waren auch dabei.“
Hella: „Ich ess überhaupt keine Möhren! – Das waren Erbsen.“
Aaron: „Ist egal, auf alle Fälle war’s Gemüse.“
Amelie: „Ja.“
Hella: „Mir ist so fürchterlich heiß….“
Mama-Amelie kurbelt das Fenster wieder ein Stück runter.
Aaron: „Mach zu, guck doch, wie nass ich werd!“

Sie haben es tatsächlich geschafft, sauber ans Fahrtziel zu kommen. Amelies Mutter erzählte später: „Die Fahrt hat mich mehr gestresst als die letzte Inventur!“

Heute Nachmittag nimmt sie Hella wieder mit. Ich wünsche ihnen, dass es nicht regnet!

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Wer frisst wen

Schlacht ums Nachtmahl endlich ausgefochten: Mutter räumt den Tisch ab, weil ist ja meine Aufgabe. Da höre ich das Geflügelkind mit der Meersau verhandeln: „Du musst mir das geben, Eddy! Komm, gib’s her!“
… was kann die kleine Sau dem Kind geklaut haben?
„Eddy, zeig her! Ich mach das!“
Winzige Füßchen flitzen durchs Streu, während ich Käse in den Kühlschrank schichte.
„Was soll das, Eddy, will du das etwa behalten?“
Jetzt raschelt die geflochtene Bude. Aha, Eddy hat sich verzogen.
„Los, gib her, sonst hol ich die Mama!“
Ich horche auf. Statt mit dem Brotkorb in die Küchenzeile, biege ich ins Wohnzimmer ab. Die geflochtene Grasbude liegt auf dem Kopf und Eddy nimmt Reißaus.
Ich kann nichts Fremdartiges im Käfig entdecken. Dem Aufstand nach müsste es sich mindestens um ein Fillypferd handeln.
„Was ist hier los?“ Ich lasse mich neben dem Geflügelkind nieder.
„Guck doch!“
Ich sehe nix …
„Na hier!“ Ein kleiner Finger zeigt irgendwo in den Käfig.
„Geht’s genauer?“
„Da, am Fuß! Siehst du?“
Eddy steht mit den Vorderbeinchen im Körner-Napf, reckt sich zu mir und schnüffelt. (Vorhin habe ich Gurke geschnitten.) Und dann sehe ich es: Auf dem weißen Pfötchen funkelt ein schwarzer Punkt. Mit dem Fingernagel versuche ich, den Punkt wegzukratzen. Abgesehen davon, dass Eddy knurrend stiften geht, geschieht nichts. Der Punkt rührt sich nicht vom Fleck. Das lässt nur einen Schluss zu: Der Punkt ist eine Zecke.
„Sag ich doch!“ Das Kind nickt eifrig. „Aber wo hat er die her? Der geht doch nicht raus.“
„Haben wir sicher mit Wiese reingeschleppt …“
„Sehr richtig“, mischt sich der Pubertikel ein. „Zecken lauern im Gras, bis Blut vorbei kommt.“
Das kleine Mädchen guckt angewidert. Der Pubertikel feixt.
„Vielleicht kannst du ihr das etwas weniger schaurig erklären?!“
„Klar doch …“
Da steht das Geflügelmädchen auf, kuschelt sich an den großen Bruder – und ich gehe in meine Küche. Ein wenig wundert es mich, dass er nicht sofort anfängt zu reden. Muss sich wohl sammeln. Wird eben vernünftig, denke ich stolze Mutter und lächle. Fast in der Küche – Shit, Brotkorb neben dem Käfig vergessen! Gehe zurück: „….. und dann reißt die Zecke mit ihren Klauen die Haut auf und bohrt ihren Stachel ins Fleisch. Siehst du, so …“ Er stupst gegen das Ärmchen. Noch ehe ich den Pubertikel an seinen Löffeln ziehen kann, fragt das Geflügelkind gebannt: „Aber essen wollen die mich nicht?“
„Nein, nein, da brauchst du keine Angst haben! So ein futzelig kleiner Minipunkt frisst keinen Menschen. Der trinkt ein wenig Blut, wie eine Mücke. Mehr nicht.“
Das kleine Mädchen zieht das Hosenbein von einer Wade. „Guck, das war eine Mücke.“
Ich kann nichts erkennen, der Bruder auch nicht, aber das ist auch nicht wichtig.
„Bringst du mich ins Bett?“, fragt jetzt das kleine Mädchen und klettert auf des Bruders Rücken.

Als sie an mir vorbeischwanken, zische ich dem Pubertikel ins Ohr: „Wenn sie sich heute Nacht fürchtet, bring ich sie zu dir!“

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Nachtrag: In der Nacht war es ruhig, keiner plärrte. Die Zecke war heute Morgen fort. Ich gehe davon aus, Eddy hat die Sache final gelöst.

[Der lyrische Mittwoch, Folge 9] Anke Müller – Besuch eines Preußler-Protagonisten

[Der lyrische Mittwoch] von TEXTBASIS
Anke Müller im Interview

textbasis.blog

Haben Sie gut geschlafen? Ich wünsche es Ihnen – doch wenn nicht, dann wird Ihnen der lyrische Mittwoch heute mit einer frischen Prise Humor helfen, den Tag gut gelaunt anzugehen. Aber immer der Reihe nach. Es ist mir eine Ehre, Ihnen diese Woche die Texterin und Freie Autorin Anke Müller vorstellen zu dürfen. Sie lebt in Nordrhein-Westfalen, arbeitete in einer Werbeagentur in München, produzierte Werbefilme in Düsseldorf und textet derzeit für andere und sich selbst. Auf ihrem Blog veröffentlicht sie Kolumnen und Geschichten aus ihrer „verrückten Familie“, ihr erster Roman befindet sich kurz vor der Fertigstellung. Sie sagt, dass ihre Aufsatzhefte in der Schule von den Deutschlehrern grundsätzlich einbehalten wurden. Ich freue mich, sie und ihre lebhafte Sprache heute hier auf dem textbasis.blog zu haben.

An das „Kleine Gespenst“ von Herrn Ottfried Preußler kann ich mich noch sehr gut erinnern, wahrscheinlich ging es mir damals, wie es unzähligen Kindern noch…

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Besuch eines Preußler-Protagonisten

Letzte Nacht, es muss kurz nach Geisterstunde gewesen sein, stand plötzlich ein kurzes Gespenst in der Schlafkammer. Fahles Licht aus einem anderen Zimmer im Rücken, nur Umrisse waren zu erkennen. Das Hemdchen reichte fast bis zum Boden, die Härchen halblang und zerzaust. – Ich habe mich echt erschrocken.

Aber dann probierte ich es mit Totstellen. Funktionierte auch super, denn mein Mann hob seine Bettdecke an und sagte zu dem Ding: „Komm her, kuschel dich zu mir.“

Ich – weiterhin nicht da. Das sah das Ding wohl auch so und trampelte mir voll in die Rippen. Kaum war es da runter, zog so ein Hirni an meinem Kissen. Habe ich leise geknurrt, woraufhin von meinem Kissen abgelassen wurde.

Als die das neben mir endlich sortiert gekriegt hatten, beugte sich mein Mann zu mir: „Da drüben brennt noch Licht.“
Stimmt, sagte ich und drehte mich auf die andere Seite.

Mein Mann sank zurück in sein Kissen und begann augenblicklich ruhig und gleichmäßig zu atmen.

So, und dann ging das erst richtig los! Ich wollte gerade wieder einschlafen, rammt ein kleiner Fuß meinen Rücken. Ich sofort hellwach! Doch wer jetzt meint, das Fußding wurde zurückgezogen – von wegen! Ein zweites kleines Hammelbein bohrt sich unter meine Schulter.

Ich nehme also das Durcheinander und schiebe es dem Vater unter die Bettdecke. Immerhin war es dessen blöde Idee, das Gespenst ohne weitere Fragen ins Bett zu lassen. Ziehe mir die Decke erneut über die Ohren – RUMPS!

So geht das ein paar Mal. Immer energischer schiebe ich das Gebein unter des Vaters Decke. Und immer geschwinder finden die Beinchen zu mir zurück.

Gegen zwei Uhr langt es mir. Ich nehme das kleine Gespenst behutsam auf (man will ja nichts wegbrechen) und lege es schön bequem in meinem Bett zurecht. Da seufzt es zufrieden und ein Ärmchen schmiegt sich um meinen Hals.

Ich zog dann ein Zimmer weiter in ein freies Bett mit rosa Hello-Kitty-Bettwäsche. Auch das Licht löschte ich. Mein letzter Gedanke gegen 3 Uhr 15 galt dem Vater: Hoffentlich pennt der mindestens genauso schlecht wie ich!

Am Morgen fragte ich ihn:  „Und, hast du gut geschlafen?“
„Selten so gut.“

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Wer sein Ding liebt …

Wider Plan hockte ich Freitagnachmittag mit einer Kindergartendelegation am Spielplatz. Von den herzigen Kleinen war durch den dicken Nebel, den gequirlter Sand in Trockenperioden erzeugt, nicht viel zu erkennen – da aber keiner wie angestochen MAMAAA brüllte und sich auch keiner beschwerte, müssen sie zufrieden gewesen sein.
Wir Großen fläzten auf zwei Bänken und nach kurzem Stuhlkreis über die Ableger und den Alltag, landete das Gespräch flugs bei den Gebrechen. Nun ist es so, dass ich das Altersmittel dieser Runde durchaus pusche. Da waren nicht mal alle Ü30. Aber zum einen begleiten manchmal auch Großeltern die StammhalterInnen, und im Übrigen habe ich ein Pubertikel. Das birgt deutlich mehr Stoff für Lamento als alle Krankheiten zusammen! So habe ich mich bei den Siechen auch schön rausgehalten und als die Küken von Rückenschmerzen klagten und Leid, das morgens ins linke Bein kraucht und in der folgenden Nacht ein Bein weiter zieht, nur zugehört. Der sehr junge Opa auf der ersten Bank feixte: „Was wisst ihr schon von Schmerzen!“ Das andere Ü40 war klettern gegangen.

Meine Lieben kamen dann auch schnell auf den Trichter, dass mehr Sport die Sache richten müsse, weil die Muskulatur et cetera. Da habe ich mich wieder rausgehalten, weil man ist ja durchaus altersweise und fragt sich immer öfter, wieso man’s im Kreuz kriegt, wo man doch fast täglich was rumsportelt.
Nehmen wir die Kaiserin Elisabeth-Sissy (die richtige, nicht Romy Schneider!): Die war völlig der Leibesertüchtigung ergeben. Trotzdem zwangen sie mit vierzig die kehrseitigen Leiden aus dem Sattel, woraufhin sie alles verkaufte. Pferde, Ställe und die Sättel auch.

Als ich Sonntag in später Frühe aus dem Bett sprang, knackte mein Rückwärtiger leicht und ich hatte Kreuz. War jedoch noch nicht schlimm und so ließ ich die Finger vom Kirschkernkissen. Montagfrüh bereute ich das und saß kuschelig bei 26 Grad Außentemperatur mit Heizkissen am Schreibtisch.
Früher Nachmittag – Mutters Aufwärmorgie hatte angeschlagen – will sie ihr kleines Mädchen mit dem Rad vom Kindergarten abholen. Auf zwei Drittel der Strecke macht es plötzlich PAFF! – hinterer Reifen platt. Nun besucht das Geflügel nicht etwa einen Kindergarten um die Ecke. Nein, nach Umzug mochte es gern im 14 km entfernten Kinderhort verbleiben.

Blick auf die Uhr, schnell kehrt gemacht und dann bin ich Kilometer für Kilometer immer fröhlich bergan heimgelatscht. So ein Tandem ist ein flinkes Geschoss – aber wehe, wenn es luftleer! Dann wird das Ross zu irgendetwas schwer beweglichem aus dem Straßenbau. Rüttelmaschine oder so.

Weil ich in unbekanntem Gebiet abkürzen wollte, beschritt ich eine langgezogene steile Anhöhe und stand auf einmal mitten auf dem Schulhof vom Pubertikel! Es ist jetzt nicht so, dass ich das Übel nicht bereits ein paar Meter vor dem Kamm befürchtete – immerhin hatte ich weiter unten ein paar Mädels nach eventuellen Treppen auf meinem Weg gefragt und die sprachen von einer Schule oben am Berg – aber was weiß denn ich, wieviele Schulen es in der Gegend gibt.

Es spangen auch genügend Halbwüchsige über das Gelände – die anderen saßen drin und sollten lernen. Taten sie aber nicht mehr, als ich an den Glasfronten vorbeiwanderte. Habe ich also nett gegrüßt und mich nochmals beglückwünscht, dass bei uns der Vater den Kontakt zur Schule hält. Und natürlich habe ich mir intensiv gewünscht, dass des Pubertikels Klasse zur anderen Seite raus im Unterricht hockte. Nur weil Lehrer einen nicht kennen, bedeutet das nicht Gleiches für Schüler.

Ich will jetzt nicht weiter jammern! Das siamesische Eisenpferd und ich erreichten nach einer Stunde den Stall. Heute habe ich saumäßig Kreuz und weil das nicht langt: Beine habe ich extra noch. Das Pferd, das ist bis auf Weiteres ein Intensivpflegefall – und der Pubertikel braucht mir nicht noch mal kommen, die Bahn sei ausgefallen, dessentwegen er nicht zu Fuß könne und dergleichen Blödsinn!

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Vom Reifenwechseln und den Folgen

In letzter Zeit hatte Mensch ausführlich Gelegenheit, quer und ausgiebig über’s harsche Klima zu lamentieren. Von der überfälligen Eiszeit war zu lesen, Frau Holle bekam die Federpfühle angefackelt, Schneemänner wurden hinterrücks erstochen – gar lustige Bildchen kreisten in den sozialen Netzen. (Manchen von uns schien die Meckerei noch mehr zu reizen als das Wetter.)

Jetzt ist draußen jedenfalls eines klar: Natur macht Frühling! Bäume, Sträucher, Gräser, Blumen – schön bunt und schön pollig. Es gibt aber noch etwas, das der Frühling raustreibt: Sommerreifen aus den Garagen!

Ich habe jetzt  auch welche. Da schaut Auto wieder nach Auto aus. Nur – fahren sollte es auch. Tut meiner aber nicht. Poltert sich ein. Friert wohl noch. Blieb mir nichts anderes übrig, als heute morgen beim Reifenhändler nach dem Rechten zu sehen. Der sagte dann auch gleich: „Au, au, lassen Sie den bloß hier!“

Klar, mache ich. Voller Terminplan, Fahrrad und ab Mittag Dauerregen.  Total sportlicher Tag. Das Hellakind wird Augen machen, wenn sie nach dem Kindergartenjob 14 km durch Matsch und Modder mit mir heimstrampeln soll. Schutzblechlos. Da freut die sich ein Loch in den Bauch.

Aber egal, muss halt. Eben habe ich jedenfalls mein Auto in Broich getroffen. Wenn die so weit Probe fahren, kann es so schlimm nicht sein. Der Himmel hält auch, was der Wetterfrosch verspricht: Grautöne schieben sich wohlwollend ineinander. Dann will ich mal los – und das Kind kriegt die Taucherbrille auf!

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Das Zeug muss fort!

Wer zu uns wollte, musste die letzten drei Wochen über einen Berg blauer Säcke steigen und ein Speißfass – die üppige Folge von Lenzrasur im Garten.

Nach der ersten Woche hatten sich meine Mitbewohner daran gewöhnt. Das Pubertikel nutzte den Haufen als Fahrradständer und seine Geflügelschwester zupfte, sobald Pubi den Platz freimachte, Stöckchen aus den Pedallöchern. Das Geäst trug sie zur Fußmatte, brach es zurecht und schichtete kleine Scheiterhaufen. War sie damit fertig, sorgte sie für hitziges Schneegestöber. Im Anschluss wollte sie immer gleich rein, das Laub im Kragen kratzte. Wäre es nach denen gegangen, hätten wir’s so gelassen.

Jetzt wohne ich aber auch hier! Wohin nun mit dem Zeug? Für Kompost war es zu holzig, auf Häckseln hatten die Jungs keine Lust. Und ich hatte keine auf den Mülheimer Recyclinghof!

Es ist nämlich so, dass dort Einheimische ihren Grünschnitt for free abliefern können. Doch als Frau Müller eines Tages auf die Rampe fuhr, lief das wie bei der Polizeikontrolle. Der Chef winkt raus:
Tach“
„Hallo. Ich möchte Grünschnitt a
bgeben.
Machen Se dat, wo Se wechkommen! …  wo liecht dat überhaupt?“ (angedeuteter Bückling zum Nummernschild)
„450 km von hier.“
Bisse denn plemplem, und fährst dat Zeuch einmal quer durch et Land?!
So schnell sind wir beim Du und hinter mir fangen sie an zu hupen.
„Ich wohne in Mülheim!“, sage ich höflich (ich will ja was) und krame nach meinem Ausweis.
„… und die Karre gehört deim Freund, schon klar. Soller dat Zeug nach sich entsorgen!“

Am Ende wurde ich meinen Gartenabfall zwar los – und ich musste mir nicht mal die Finger schmutzig machen – aber man will sich ja nicht immer unterhalten.

Was ist jetzt der Hintergrund?
In Oberhausen funktioniert Grünschnittabliefern nämlich nicht for free. Unsere Nachbarn müssen bei ihrem Wertstoffhof löhnen. Nicht viel – 1,50 EUR pro 120l-Sack – aber immerhin. Da kann einem schon der Gedanke kommen, nach Mülheim zu exportieren. Zumal sich das mit unserer Stadtgrenze mitunter fließend verhält. Erst gestern bin ich wieder in dem Winkel vorbei gekommen, wo das Ortsschild auf der Hälfte eines Gartenzauns steht. Apfelbaum und Beerengesträuch auf Mülheimer Territorium – die Kirsche und der Kartoffelacker zählen zu Oberhausen. Ich kenne die dort wohnen nicht, indes vermute ich, ihre Zugehörigkeit richtet sich danach, ob die gute Stube rechts oder links vom Schild. Von der Straße aus lässt sich das jedenfalls nicht beurteilen. Ligusterhecke. … oder soll ich doch mal schellen?

Dessen ungeachtet weiß ich dafür mittlerweile, wie ich den Rampendialog umgehen kann und mein Grünzeug noch dazu fast vor der Türe los werde! (Nein, ich bringe es nicht in den Wald!!)

Mülheim unterhält nämlich mobile Grünschnittcontainer! Die werden regelmäßig an exponierten Parkplätzen abgestellt. Terminplan und Standorte sind auf der Homepage der MEG einsehbar.

An einem dieser Auffangbehälter habe ich dann heute in der Früh den Weihnachtsmann getroffen. Graugrüne Tarnkleidung, weißer Bart – er wäre mir nicht aufgefallen, schleppte er nicht einen großen Sack. Wie er über die Straße wankte, dann über den Platz, das Gesicht schwitzig … Ohne Zweifel, sein Ziel war ebenfalls der Grünschnittcontainer.

Als ich mich in den fließenden Verkehr zurückreihte, wurde mir klar, warum er seine silberne Kutsche nebst Frau auf der anderen Straßenseite parkte.
Herzliche Grüße an der Stelle nach Oberhausen! :-)

Foto: Georg Teiner, Fotograf, Oberhausen

Foto: Georg Teiner, Fotograf, Oberhausen

Frühjahrsputzfimmel

Jetzt weiß ich nicht: Fahre ich in die Waschanlage?
Meine Kollegin will sich trauen, hat sie verkündet. Sie müsse sich endlich wieder am Kackbraun erfreuen. Deswegen hätte sie den Wagen so bestellt. Soll ich nachziehen?

Also, das mit der Farbe ist mir egal. Meins ist nüchtern finster, wie ein Auto sein muss. Das sehe ich auch ohne Schaumwäsche.  Nichtsdestotrotz war ich in diesem Jahr bereits zweimal beim Putzen! Blauer Himmel, die Straßen rappeltrocken, reih‘ ich mich in die Warteschlange vor der Nasszeile. Die Vögel brüllten lieblich – und am Tag darauf: Schnee! Das hätte ich mir sparen können.

Wetter wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts protokolliert. Am 22. Mai 1958 gab es den spätesten registrierten Schneefall. An dem Tag muss sowieso eine Menge los gewesen sein: Spatenanstich für den Dortmunder Fernsehturm; drei Wisente aus dem Münchener Tierpark in den westfälischen Wald umgesiedelt (der Stier hieß Hella); in Pforzheim demonstrierten Tausende gegen Atomwaffen und der Herr Busler vom TTV Großkreutz wurde geboren. (Wer das ist? Keine Ahnung. Kam im Netz bei Suchanfrage nach Datum.)

Ich will jedenfalls nicht Schuld sein, sollten morgen einem dem Grillwürschtel an der Zange festfrieren!

Nun habe ich noch nicht probiert, ob der Schneesturm auch losjault, wenn ich statt Waschanlage mit dem Eimer rausgehe. Da wo ich herkomme, ist Selberputzen streng verboten. Auf dem Land ist eh vieles verboten. Meine Freundin Jette spricht gerne von Kuhbläke (dt.: kleine Siedlung oder Dorf) oder Kaff, je nachdem, wie viel Sprechzeit der Kontext zulässt.

In Mülheim stört den Wagen von Hand durchzuwaschen jedenfalls keinen. Man soll von Motorwäsche absehen und seinem Putztrieb nicht in der Nähe von Gewässern frönen.

Auf dem eigenen Grundstück dürfen unsere Oberhausener Nachbarn ebenfalls wienern – allerdings nicht auf öffentlichem Platz. Ich habe mir das eben erklären lassen: Bei dem Verbot am Straßenrand zu schrubben, geht es um die Gefahr, wenn einer mit seinem Lappen am Bordstein rumspringt. Da reißt er die Türen auf, schmeißt den Eimer um – Mädels das Ganze vielleicht noch in kurzem Rock (Achja, sowas darf man ja nicht mehr thematisieren!)… Jedenfalls: ZACK, könnte es auf der Straße wo knallen.

Mit Umweltschutz hat das demnach nichts zu tun. Und weil man das Gesetz in den 1970er Jahren nicht mit zig Ausnahmen aufblähen wollte – „am Straßenrand nicht, dafür auf dem Parkplatz hinterm Stadion“ – hat man es allen einfach gemacht und gesagt: Geh‘ Waschanlage!

Wie oft waschen Sie denn so Ihren Wagen?

Ich glaube, ich lasse das mit dem Badetag, ich nehme das Fahrrad.

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